Wien, 17 Juni 2026
Die österreichische Bundesregierung hat am Mittwoch im Ministerrat den Startschuss zur Abschaffung der dicken Aktenmappen mit Urkunden, Zeugnissen und weiteren Unterlagen angekündigt, die Bürgerinnen und Bürger bisher zu Behörden mitbringen müssen.
Digitalisierungsstaatssekretär Alexander Pröll (ÖVP) sprach nach der Ministerratssitzung gemeinsam mit Staatssekretär Jörg Leichtfried (SPÖ) im Innenministerium und dem für Entbürokratisierung zuständigen NEOS-Staatssekretär Josef Schellhorn vor die Presse. Pröll brachte es auf die Formel: „Die Daten müssen laufen und nicht die Bürgerinnen und Bürger.“ Die Botschaft ist klar: Wer künftig ein Verwaltungsverfahren anstößt, soll nicht mehr selbst Belege zusammensuchen, herumtragen und erneut vorlegen müssen.
Konkret will die Regierung das sogenannte „Once-Only-Prinzip“ umsetzen. Das bedeutet, dass Daten, die Behörden bereits haben, automatisch weiterverwendet werden dürfen. Bisher müssen Bürgerinnen und Bürger etwa Meldezettel, Strafregisterauszüge oder Studienabschlüsse immer wieder neu beibringen. „Niemand versteht heute noch, wieso ich meine Dokumente dem Staat jedes Mal aufs Neue vorlegen muss“, sagte Pröll, der das Pressefoyer diesmal in Sakko und Österreich-Dress bestritt.
Once-Only-Prinzip als Kern der Reform
Ein zentraler Baustein ist der Ausbau der Datendrehscheibe „Digital Austrian Data Exchange“ (dadeX) zur zentralen Dateninfrastruktur des Staates. Im Ministerratsbeschluss ist von „Project X“ die Rede, mit dem die Plattform bis Ende 2029 zur Anlaufstelle für alle relevanten Register werden soll – vom Melderegister über das Strafregister bis zur Transparenzdatenbank. Damit sollen Wege, Wartezeiten und Mehrfacherfassungen wegfallen.
Mit der Reform entfallen nach Angaben der Regierung 70.000 Verwaltungsverfahren pro Jahr, schlicht weil die Daten bereits vorliegen. Schellhorn sprach von einem Schritt „weg vom Antragsstaat, hin zum Servicestaat“. Er erwartet sich auch ein Ende der „Tour de farce“, bei der in Ämtern Anträge digital einlangen, danach ausgedruckt, händisch ausgefüllt und wieder eingescannt werden.
