Österreichische Start-ups holen 472 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2026
Wien, 08. Juli 2026
AI-generated image (z-image via Kie.ai)
Kurzfassung
Österreichische Start-ups haben im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 472 Millionen Euro an Risikokapital eingesammelt – ein Plus von 329 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. EY-Experte Florian Haas spricht von einer breiten Erholung, warnt aber vor übertriebener Euphorie und verweist auf den geplanten Dachfonds ab 2027.
Die österreichische Start-up-Branche hat im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 472 Millionen Euro an Investitionen erhalten und damit das beste erste Halbjahr seit dem Rekordjahr 2022 erzielt.
Nach mehreren schwierigen Jahren kehrt das Vertrauen in den heimischen Start-up-Sektor zurück. Wie aus dem am Mittwoch veröffentlichten Start-up-Barometer der Unternehmensberatung EY hervorgeht, flossen von Jänner bis Juni 472 Millionen Euro in österreichische Jungunternehmen – ein Anstieg um 362 Millionen Euro bzw. 329 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2025, als das Volumen noch bei 110 Millionen Euro gelegen hatte. Insgesamt flossen von Jänner bis Juni 472 Mio. Euro in heimische Jungunternehmen, wie aus dem am Mittwoch veröffentlichten Start-up-Barometer der Unternehmensberater von EY hervorgeht. Damit wurde das höchste Volumen in einem ersten Halbjahr seit dem Rekordwert von 2022 erzielt, als 884 Millionen Euro investiert worden waren.
Auch bei der Zahl der Abschlüsse gab es einen neuen Rekord: Die Zahl der Finanzierungsrunden stieg um 19 Abschlüsse von 78 auf insgesamt 97 an, was einem Plus von 24 Prozent entspricht. Mit den erwähnten 97 Abschlüssen markiert das Halbjahr einen neuen historischen Höchstwert bei der Anzahl der registrierten Deals. So die zentrale Erkenntnis des EY Start-up Barometer 2026. Die durchschnittliche Finanzierungssumme schwankte im Zeitraum von 2020 bis 2026 zwischen Werten von zwei Millionen Euro und 12,8 Millionen Euro; im aktuellen Halbjjahr stieg die durchschnittliche Höhe einer Finanzierungsrunde auf rund 6,3 Millionen Euro an und erreichte damit den höchsten Wert in einem ersten Halbjahr seit 2022.
Rekord bei Deals und durchschnittlicher Run-Größe
Dieser Wert hat sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mehr als vervierfacht. Das durchschnittliche Finanzierungsvolumen stieg von zwei auf 6,3 Mio. Euro. Florian Haas, Head of Start-up bei EY Österreich, sprach von einer breiten Erholung: "Nach mehreren herausfordernden Jahren sehen wir erstmals wieder eine breite Bewegung in die richtige Richtung." Gleichzeitig verwies er auf strukturelle Verbesserungen: "Start-ups heute wesentlich fokussierter, kapitaleffizienter und internationaler aufgestellt sind als noch vor wenigen Jahren."
Angeführt wurde das Halbjahr von zwei Großabschlüssen: Im März 2026 sicherte sich das Startup Gropyus 100 Millionen Euro, gefolgt von Waterdrop, das im Mai einen Deal im exakt gleichen Umfang verbuchte. Beide Unternehmen stammen aus Wien. Acht der zwölf größten Abschlüsse des Halbjahres stammten von Wiener Unternehmen. Dass gleich zwei Unternehmen Finanzierungen in dreistelliger Millionenhöhe abschließen konnten, wäre noch vor wenigen Quartalen kaum vorstellbar gewesen, sagte Haas. Am meisten bekamen mit jeweils 100 Mio. Euro der Brausewürfelhersteller Waterdrop (E-Commerce) und das auf modulares Bauen spezialisierte Start-up Gropyus (Bautechnologie).
Gropyus und Waterdrop führen das Halbjahr an
Auch in den Bereichen Mobilität (30 Mio. Euro), Raumfahrt (29 Mio. Euro) und Green Tech (23 Mio. Euro) gab es hohe Investitionsvolumina. Immerhin 30 Mio. Euro flossen in das auf die Analyse von E- und Hybrid-Auto-Batterien spezialisierte niederösterreichische Unternehmen Aviloo. Enpulsion, das Antriebssysteme für kleine Satelliten herstellt, erhielt 22,5 Mio. Euro, und Reps aus Tirol, das mit speziellen Bodenplatten aus Parkplätzen und Straßen grüne Energie erzeugt, erhielt 20,2 Mio. Euro. Das Wiener HealthTech-Scaleup nyra health (20 Millionen Euro) rundete die Liste der größten Runden ab. Weitere nennenswerte Investments flossen etwa in den Bereich Software & Analytics.
Auf Branchenebene zeigte sich ein breit getragener Aufschwung: Dem Bereich E-Commerce flossen insgesamt 122 Millionen Euro zu, während Startups aus dem PropTech-Segment 107 Millionen Euro erhielten. Auch der Sektor Software & Analytics mit 58 Millionen Euro und der Gesundheitsbereich (Health) mit 56 Millionen Euro florierte – Start-ups in den Bereichen Software & Analytics und im Gesundheitssektor sicherten sich 58 bzw. 56 Mio. Euro an Finanzierungen. Bei der Zahl der Finanzierungsrunden lag Software & Analytics mit 30 Deals vorne, gefolgt von Health mit 19 und E-Commerce mit acht Abschlüssen. Der stärkste Rückgang an Finanzierungsrunden wurde im Bereich AdTech (minus vier Deals) registriert.
Branchen: E-Commerce, PropTech und Health vorne
Der Gesundheitssektor verzeichnete dabei einen besonders dynamischen Sprung: Die Zahl der Finanzierungsrunden stieg dort von 11 auf 19, das investierte Kapital kletterte von 14 auf 56 Millionen Euro. Insgesamt sicherten sich 38 Start-ups Investitionen von mehr als einer Mio. Euro. Die Anzahl der kleineren Deals mit einem Umfang von bis zu einer Million Euro blieb indes mit 37 Abschlüssen stabil. Die Zahl der Abschlüsse mit einem Volumen von mehr als zehn Millionen Euro kletterte deutlich von lediglich zwei im Vorjahreszeitraum auf neun an – ein Indikator dafür, dass sich wieder größere Tickets am Markt durchsetzen.
Wien bleibt Zentrum, Niederösterreich überrascht
Geografisch bleibt Wien das Schwergewicht der Szene: 360 Millionen Euro bzw. 76 Prozent des Gesamtkapitals entfielen auf die Bundeshauptstadt, die 55 der 97 Finanzierungsrunden beheimatete. Niederösterreich schaffte mit 53 Millionen Euro erstmals den Sprung auf den zweiten Rang, gefolgt von Tirol mit 23 Millionen Euro. Florian Haas, Start-up-Experte bei EY, sagte dazu: "Das jüngste Halbjahr war nicht nur aufgrund einzelner Großfinanzierungen erfolgreich, sondern weil sich zahlreiche positive Entwicklungen gleichzeitig beobachten lassen." Er nannte ausdrücklich "mehr Finanzierungsrunden, deutlich größere Tickets, mehr internationale Investorinnen und Investoren und wieder mehr Zuversicht im Markt".
Dachfonds: politischer Hoffnungsträger ab 2027
Wichtige Impulse für die weitere Entwicklung erwartet Haas von dem seit langem angekündigten Dachfonds, der Anfang 2027 operativ tätig werden soll. "Der Dachfonds ist weit mehr als ein einzelnes Förderinstrument. Er sendet ein wichtiges Signal an nationale und internationale Investor:innen, dass Österreich Innovation, Unternehmertum und Wachstum aktiv unterstützen möchte." Nach Jahren der Zurückhaltung werden Venture-Capital-Fonds wieder aktiver, die Investitionsbereitschaft steigt und größere Finanzierungsrunden kehren zurück. Auch von der Umsetzung des von der Regierung geplanten Dachfonds, der Anfang 2027 operativ tätig werden soll, erwartet sich Haas einiges.
Keine Goldgräberstimmung, aber Reife
Zugleich warnte Haas vor überzogener Euphorie. "Von einer neuen Goldgräberstimmung sind wir noch entfernt. Die vergangenen Jahre haben Spuren hinterlassen und viele Startups mussten lernen, deutlich kapitaleffizienter zu arbeiten." "Viele Unternehmen sind heute robuster, fokussierter und nachhaltiger aufgestellt als noch vor wenigen Jahren." Er beschrieb die Erholung als eine Entwicklung, die in anderen europäischen Ländern früher eingesetzt habe und in Österreich mit Verzögerung ankomme. "Jetzt gilt es, diesen positiven Trend durch die richtigen Rahmenbedingungen weiter zu stärken, damit aus der aktuellen Erholung ein nachhaltiger Aufschwung wird."
Tractive und Emmi AI als Reifezeichen
Ein weiteres Zeichen für die wachsende Reife des Ökosystems sieht Haas in den jüngsten Exits. Das oberösterreichische Haustiertracking-Start-up Tractive ging für rund 780 Mio. Euro an den italienischen Technologiekonzern Bending Spoon, der sich damit auch für seinen Börsengang schön machte. Sollte der Preis bestätigt werden, wäre es die mit Abstand höchste Summe, die jemals für die Übernahme eines österreichischen Start-ups bezahlt wurde. EmmiAI aus Linz wurde für kolportierte 300 Mio. Euro an den europäischen KI-Primus Mistral verkauft. "Erfolgreiche Exits beweisen, dass österreichische Start-ups in der Lage sind, Unternehmen mit internationaler Relevanz aufzubauen und attraktive Renditen für Investoren zu erzielen." Erfolgreiche Exits sowie der Dachfonds könnten diesen positiven Trend zusätzlich verstärken.
Die monatliche Verteilung zeigt, dass sich die Erholung im Frühjahr besonders deutlich beschleunigte: Allein im März 2026 flossen 146 Millionen Euro an heimische Jungfirmen, im Mai nochmals 139 Millionen Euro. Die Volumina verteilten sich damit über das gesamte Halbjahr hinweg breit, ohne dass ein einzelner Monat das Gesamtbild dominierte. Insgesamt zeigt die halbjährliche Analyse des Unternehmensberaters EY, dass die Durststrecke der vergangenen Jahre überwunden scheint – zumindest vorläufig. Österreichs Start-up-Branche geht es nach einigen schwierigen Jahren wieder besser.
Mit den heurigen Ergebnissen wurde das höchste Volumen in einem ersten Halbjahr seit dem Rekordwert von 2022 erzielt, als 884 Millionen Euro investiert worden waren. Nach einem Rückgang im Vorjahr auf 110 Millionen Euro haben sich sowohl die Anzahl der Abschlüsse als auch die durchschnittliche Run-Größe wieder deutlich erhöht. Das zeigt die halbjährliche Analyse des Unternehmensberaters EY, die den OÖNachrichten vorliegt. Die vorliegenden Zahlen wurden den OÖNachrichten zur Verfügung gestellt.
Die Erholung wird zunehmend von DeepTech- und HealthTech-Unternehmen getragen – Branchen, die in der Regel längere Entwicklungszyklen und höhere Kapitalbedarfe aufweisen. Damit verschiebt sich auch das Profil der österreichischen Start-up-Landschaft: weg von reinen Konsum- und E-Commerce-Geschäftsmodellen, hin zu forschungs- und technologieintensiven Anwendungen. Die Branche profitiert dabei auch von einem breiteren Investorenfeld, da verstärkt internationale Geldgeber im Markt auftreten und gemeinsam mit heimischen Akteuren größere Runden ermöglichen.
Für die kommenden Monate dürfte der geplante Dachfonds zum zentralen Thema werden. Mit einem operativen Start Anfang 2027 soll das Vehikel öffentliche Mittel mit privatem Risikokapital bündeln und so insbesondere für internationale Investoren ein klares Bekenntnis des Standorts Österreich liefern. "Der Dachfonds ist weit mehr als ein einzelnes Förderinstrument. Er sendet ein wichtiges Signal an nationale und internationale Investor:innen, dass Österreich Innovation, Unternehmertum und Wachstum aktiv unterstützen möchte", betonte Haas.
Alles in allem sieht EY im aktuellen Halbjahr den Wendepunkt nach einer mehrjährigen Talsohle. Das Volumen, die Zahl der Deals und die Run-Größen ziehen gleichzeitig an – ein Muster, das in der Branche als Zeichen für eine breit angelegte Erholung gewertet wird. Die nächsten Monate werden zeigen, ob die Trendwende nachhaltig ist und ob der angekündigte Dachfonds die Dynamik zusätzlich verstärken kann.
Für die heimische Gründerszene bedeutet das Halbjahr jedenfalls ein klares Signal: Nach Jahren der Zurückhaltung kehrt Kapital zurück, die durchschnittlichen Tickets wachsen, und internationale Investoren zeigen wieder verstärktes Interesse an österreichischen Jungunternehmen. Ob aus der aktuellen Erholung ein dauerhafter Aufschwung wird, hängt nun maßgeblich von politischen Rahmenbedingungen, der weiteren Konjunktur und der Umsetzung des geplanten Dachfonds ab.
Fragen & Antworten
Wer ist Florian Haas und was sagt er zur aktuellen Lage?
Florian Haas ist Head of Start-up bei EY Österreich und maßgeblicher Autor des EY Start-up Barometers 2026. Er bewertet das erste Halbjahr 2026 als breite Erholung, warnt aber zugleich vor einer neuen Goldgräberstimmung und verweist auf die wachsende Kapital-Effizienz der Start-ups.
Welche österreichischen Start-ups haben im ersten Halbjahr 2026 die größten Finanzierungsrunden erhalten?
Die höchsten Summen erhielten das Wiener E-Commerce-Unternehmen Waterdrop und das auf modulares Bauen spezialisierte Gropyus mit jeweils 100 Millionen Euro. Dahinter folgten Aviloo (30 Mio. Euro), Enpulsion (22,5 Mio. Euro), Reps (20,2 Mio. Euro) und nyra health (20 Mio. Euro).
Was ist der geplante Dachfonds und ab wann soll er starten?
Beim Dachfonds handelt es sich um ein von der österreichischen Regierung geplantes Public-Private-Fundingvehikel für Start-ups, das Anfang 2027 operativ tätig werden soll. Laut Florian Haas soll er nationale und internationale Investoren signalisieren, dass Österreich Innovation und Unternehmertum aktiv unterstützt.
Start-up-Boom: 472 Mio. Euro für österreichische Jungfirmen | nachrichten360