Österreichs Verwaltung hat mit GovGPT eine eigene KI-Anwendung erhalten, die bis Jahresende rund 250.000 öffentliche Bedienstete bei ihrer Arbeit unterstützen soll, wie Digitalisierungsstaatssekretär Alexander Pröll am Montag bei einem Pressegespräch bekannt gab.
Was GovGPT leisten soll
GovGPT ist Teil der im März vorgestellten Initiative "Public AI" und nach Angaben des Staatssekretärs auf die Bundesverwaltung zugeschnitten. Pröll sagte, man habe etwas gebaut, das "wirklich dem Anspruch eines modernen digitalen Staates gerecht wird". Das Tool läuft über Server des Bundesrechenzentrums und wird als "vertrauenswürdiges, souveränes" Werkzeug beschrieben.
Zunächst soll GovGPT in den kommenden Tagen im Bundeskanzleramt implementiert werden. Danach sollen bis Jahresende schrittweise andere Teile der Verwaltung folgen, wie es bei der Präsentation hieß. Bis dahin sollen rund 250.000 öffentliche Bedienstete damit bei ihrer Aufgabenerfüllung unterstützt werden.
Konkret werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Staates damit beim Verfassen von Texten, Zusammenfassen von Dokumenten und Anlegen von Wissenssammlungen unterstützt. Pröll erklärte, Ziel sei es, die Verwaltung angesichts neuer Herausforderungen und einer anstehenden Pensionierungswelle zu entlasten.
Hintergrund: Pensionierungswelle und Budgetkonsolidierung
Hintergrund des Vorhabens ist eine bevorstehende Personalwelle: In den kommenden dreizehn Jahren würden 44 Prozent der öffentlichen Bediensteten in Pension gehen. Im Rahmen der Budgetkonsolidierung soll zudem nur jede zweite Stelle nachbesetzt werden, was den Druck auf die verbleibenden Beschäftigten zusätzlich erhöht.
Die Anwendung basiere aktuell auf der KI des Anbieters Mistral AI. Der französische Konzern erhalte aber keinen Zugriff auf die Daten der Verwaltung, hieß es. Zudem sei das System so gebaut, dass man den Anbieter in Zukunft noch austauschen könne, was einen Wechsel der technologischen Grundlage ermöglicht, ohne die gesamte Infrastruktur neu aufbauen zu müssen.
Weitere Anwendungen im Programm "Public AI"
Neben GovGPT sollen in den kommenden Monaten weitere Anwendungen im Rahmen von "Public AI" an den Start gehen. So soll noch Ende Juli der Chatbot "ida" in der ID Austria App und auf oesterreich.gv.at eingeführt werden, der Bürgerinnen und Bürgern bei digitalen Behördenwegen zur Seite stehen soll.
Europäischer Anspruch
Gegen Ende des Sommers starte weiters im Bundeskanzleramt "der stufenweise Roll-out von KI im elektronischen Akt". Damit soll künftig auch die Bearbeitung digitaler Akten in der Verwaltung durch KI unterstützt werden, wobei der schrittweise Ansatz eine begleitende Evaluation ermöglichen soll.
Pröll betonte den europäischen Anspruch des Projekts: Man wolle mit GovGPT Vorreiter in Europa sein, so der Staatssekretär. Damit positioniert Österreich die Verwaltungsdigitalisierung als strategisches Feld, in dem das Land eine Führungsrolle anstrebt und gleichzeitig auf digitale Souveränität setzt.
