Newsom: Trump ermittelt gegen Familie – Vorwurf politischer Rache
Los Angeles, 16 Juni 2026
Office of the Lieutenant Governor of California / Wikimedia Commons / Public domain
Kurzfassung
Der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom wirft der Trump-Regierung vor, Bundesermittler gegen ihn, seine Ehefrau und sein Umfeld einzusetzen. Nach Angaben Newsoms handelt es sich um eine politisch motivierte Aktion, gegen die er sich öffentlich zur Wehr setzt.
Los Angeles, 16 Juni 2026
Der demokratische Gouverneur von Kalifornien, Gavin Newsom, hat der US-Regierung von Präsident Donald Trump vorgeworfen, Bundesermittlungen gegen ihn, seine Ehefrau und ehemalige Mitarbeiter aus politischen Motiven in Gang gesetzt zu haben.
Hintergrund der Ermittlungen
In einer Videobotschaft auf der Plattform X wandte sich Newsom am Montag direkt an den Präsidenten. „In den letzten Tagen haben Bundesbeamte bei Familienangehörigen, Freunden und ehemaligen Mitarbeitern geklopft – nicht, weil sie ein Verbrechen aufgedeckt hätten, sondern einfach, weil sie versuchen, eines zu finden", teilte Newsom heute auf der Plattform X mit. Die Vorwürfe schlagen hohe Wellen, da sie eine politisch motivierte Strafverfolgung eines prominenten Oppositionspolitikers und möglichen Präsidentschaftsbewerbers nahelegen.
Die Eskalation markiert eine neue Stufe im seit langem schwelenden Konflikt zwischen den beiden Politikern. Newsom erklärte, Trump wolle ihn unter anderem deshalb verfolgen, weil er erwäge, für das Präsidentenamt zu kandidieren. „Er ist hinter mir her, weil ich erwäge, für das Präsidentenamt zu kandidieren", sagte Newsom in dem Video. Damit bringt er die Ermittlungen explizit mit seinen möglichen Präsidentschaftsplänen in Verbindung.
Konkret berichtet Newsom, dass Bundesbeamte in den vergangenen Tagen bei Familienmitgliedern, Freunden und ehemaligen Mitarbeitern vorgesprochen und alte Dokumente angefordert hätten. Anlass seien Ermittlungen, die sich nach Informationen der „New York Times" sowohl gegen ihn selbst als auch gegen seine Ehefrau richteten. Die Ehefrau wird in den vorliegenden Berichten nicht namentlich genannt.
In dem Video wandte sich Newsom mit einem emotionalen Appell an den Präsidenten: „Sie können meine Unterlagen anfordern. Setzen Sie meinen Namen auf jede beliebige Feindesliste, die Sie haben, aber lassen Sie meine Frau und meine Familie aus Ihrem persönlichen Rachefeldzug heraus." Damit greift er den Vorwurf einer gezielten Einschüchterungskampagne gegen sein engstes Umfeld auf.
Reaktion des Weißen Hauses
Das Weiße Haus verwies auf Nachfragen von US-Medien an das US-Justizministerium. Eine Anfrage beim Justizministerium blieb zunächst unbeantwortet. Damit blieb die Regierung zunächst eine substanzielle Stellungnahme zu den Vorwürfen schuldig.
Die Beziehung zwischen Newsom und Trump ist seit Jahren von offener Feindschaft geprägt. Trump gehe nicht nur wegen seiner „bösen Tweets" gegen ihn vor, sagte Newsom am Montag in einem auf der Plattform X veröffentlichten Video. Beide Politiker liefern sich regelmäßig öffentliche Wortgefechte und gelten als langjährige Rivalen.
Bereits im vergangenen Jahr hatte es eine Verhaftung Newsoms im Kontext seiner Auseinandersetzungen mit der Trump-Regierung gegeben. Trump hatte damals erklärt, er würde eine Verhaftung Newsoms wegen dessen mutmaßlicher Behinderung der Einwanderungsbehörden in dem Bundesstaat unterstützen. Auf die Frage, ob sein Grenzschutz-Beauftragter Tom Homan Newsom festnehmen sollte, hatte Trump geantwortet: „Ich würde es tun, wenn ich Tom wäre. Ich finde das großartig."
Muster politischer Verfahren
Später sagte Trump auf die Nachfrage, welches Verbrechen Newsom begangen habe, dessen „Hauptverbrechen" sei es, für das Amt des Gouverneurs kandidiert zu haben. Newsom habe einen „so schlechten Job" gemacht. Damit hatte Trump die persönliche Dimension der Auseinandersetzung selbst öffentlich benannt.
Die Vorfälle reißen sich ein in ein breites Muster politisch motivierter Verfahren während Trumps zweiter Amtszeit. Einer im November 2025 veröffentlichten Zählung der Nachrichtenagentur Reuters zufolge waren seit Beginn von Trumps zweiter Amtszeit mindestens 470 Personen, Organisationen und Institutionen Ziel von Vergeltungsmaßnahmen geworden. Die Dimension verdeutlicht, dass Newsoms Fall kein Einzelfall ist.
So hatte das Justizministerium unter anderem Ermittlungen gegen Staatsbedienstete eingeleitet, die zu dem Schluss gekommen waren, dass Russland sich in die Präsidentschaftswahl 2016 eingemischt hatte. Auch andere politische Widersacher gerieten ins Visier der Bundesbehörden, darunter nach Berichten die New Yorker Generalstaatsanwältin Letitia James und der frühere FBI-Direktor James Comey.
Die Wortwahl Newsoms – er sprach davon, auf der „Abschussliste" des Republikaners gelandet zu sein – unterstreicht die Schwere der Vorwürfe. Mit dem Begriff verbindet sich die Sorge, dass die Justiz als Instrument persönlicher und politischer Abrechnung missbraucht werden könnte.
Folgen für die Präsidentschaftswahl 2028
Newsom forderte Trump zudem auf, ihn persönlich, nicht aber seine Familie zum Ziel zu machen. Die Formulierung „persönlicher Rachefeldzug" wählte er dabei mehrfach. Sie zielt auf den Kern des Vorwurfs: Die Ermittlungen seien nicht der Aufklärung von Straftaten, sondern der politischen Schwächung eines Gegners geschuldet.
Die Nachricht wurde am 16.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet. Damit fand der Konflikt auch Eingang in die deutsche Medienberichterstattung und erregte Aufmerksamkeit über die USA hinaus.
Politische Beobachter werten den Vorgang als bislang pointierten Versuch, einen möglichen Präsidentschaftsbewerber frühzeitig unter Druck zu setzen. Sollte Newsom tatsächlich 2028 antreten wollen, könnten die laufenden Ermittlungen seine Kampagne erheblich belasten – ein Szenario, das Trump und sein Umfeld offenbar einkalkulieren.
Frage der Gewaltenteilung
Der Vorfall wirft zugleich grundlegende Fragen zur Unabhängigkeit der US-Justiz auf. Wenn die Bundespolizei auf Wunsch des Präsidenten gegen politische Rivalen und deren Familien ermittelt, sehen Kritiker die Gewaltenteilung in Gefahr. Newsom selbst inszeniert seine Reaktion als Verteidigung demokratischer Grundsätze.
Die weitere Entwicklung bleibt abzuwarten. Weder das Justizministerium noch das Weiße Haus haben sich bislang inhaltlich zu den konkreten Vorwürfen geäußert. Damit ist offen, ob es sich um ein breit angelegtes Verfahren oder um eine begrenzte Vorermittlung handelt.
Fest steht, dass die Auseinandersetzung zwischen Newsom und Trump den Wahlkampfzyklus bis 2028 prägen wird. Beide Seiten haben ein Interesse daran, die Deutungshoheit über die Vorgänge zu behalten – Trump als Verteidiger seiner Regierung, Newsom als Opfer einer aus seiner Sicht unrechtmäßigen Verfolgung.
Fragen & Antworten
Worum geht es in den Vorwürfen Newsoms gegen die Trump-Regierung?
Gavin Newsom wirft der US-Regierung vor, Bundesermittler gegen ihn, seine Ehefrau und ehemalige Mitarbeiter einzusetzen. Er spricht von einem persönlichen Rachefeldzug und sieht darin eine politisch motivierte Aktion ohne tatsächlichen strafrechtlichen Anlass.
Was sagt das Weiße Haus zu den Vorwürfen?
Das Weiße Haus verwies Anfragen von US-Medien an das Justizministerium. Eine Anfrage beim Justizministerium blieb zunächst unbeantwortet, sodass die Regierung bisher keine substanzielle Stellungnahme abgegeben hat.
Wie ordnen Beobachter die Vorgänge ein?
Einer Reuters-Zählung zufolge sind seit Beginn von Trumps zweiter Amtszeit mindestens 470 Personen, Organisationen und Institutionen Ziel von Vergeltungsmaßnahmen geworden. Die Ermittlungen gegen Newsom werden daher als Teil eines breiteren Musters politisch motivierter Verfahren gesehen.
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