Trump ernennt Pulte zum Geheimdienstkoordinator – Kritik | nachrichten360
Trump ernennt Immobilienunternehmer Pulte zum kommissarischen Geheimdienstkoordinator
Washington, 02. Juni 2026
AI-generated image (flux-2/pro-text-to-image via Kie.ai)
Kurzfassung
US-Präsident Donald Trump hat den 38-jährigen Immobilienunternehmer Bill Pulte zum kommissarischen Nationalen Geheimdienstkoordinator ernannt. Pulte, derzeit Chef der Immobilienaufsicht FHFA, hat keine Erfahrung in Sicherheitsfragen – die Opposition und Teile der Republikaner kritisieren die Entscheidung scharf.
US-Präsident Donald Trump hat den Immobilienunternehmer Bill Pulte zum kommissarischen Nationalen Geheimdienstkoordinator der Vereinigten Staaten ernannt und ihn damit vorübergehend an die Spitze von 18 US-Geheimdiensten gesetzt.
Trump verkündete die Personalentscheidung am Dienstag über seine Plattform Truth Social. Der 38-jährige Pulte, Erbe des US-Wohnungsbaukonzerns PulteGroup, solle die Geheimdienste leiten, bis ein ständiger Amtsinhaber gefunden sei, erklärte der Präsident. In den sozialen Medien schrieb Trump, Pulte verfüge über „umfassende Erfahrung im Umgang mit den sensibelsten Angelegenheiten in Amerika, der Sicherheit und Stabilität der Märkte“.
Pulte ist seit Trumps erneuter Amtsübernahme vor etwa 16 Monaten Vorsitzender der Federal Housing Finance Agency (FHFA), die 2008 nach der Hypothekenkrise gegründet worden war. In dieser Funktion leitet er zugleich die staatlich gestützten Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac, die nach Angaben des Präsidenten Werte von mehr als zehn Billionen US-Dollar verwalten. Laut Trump soll Pulte diese Ämter auch in der Übergangsphase behalten.
Pultes bisherige Ämter
Für eine Übergangszeit von bis zu 210 Tagen benötigt Pulte nach US-Recht keine Bestätigung durch den Senat. Damit kann er das Amt sofort geschäftsführend übernehmen. Ein konkretes Datum für den Amtsantritt wurde bisher nicht genannt. Die Stelle war frei geworden, weil die bisherige Geheimdienstkoordinatorin Tulsi Gabbard ihren Rücktritt angekündigt hatte, der Ende Juni 2026 wirksam wird.
Gabbard hatte als Grund für ihren Rücktritt familiäre Umstände genannt. Medienberichten zufolge war es zuvor zwischen ihr und Trump über den Krieg gegen Iran zu Differenzen gekommen. Ob Pulte dauerhaft Geheimdienstkoordinator werden soll, ließ der Präsident zunächst offen.
Kritik aus beiden Parteien
Die Ernennung stieß sowohl bei führenden Demokraten als auch bei Teilen von Trumps Republikanern auf scharfe Kritik. Der Minderheitsführer der Demokraten im Senat, Chuck Schumer, erklärte, Pulte könne angesichts weltweiter Bedrohungen „nicht damit beauftragt werden, unsere nationale Sicherheit zu schützen“. Der stellvertretende Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im Senat, der Demokrat Mark Warner, nannte Pulte einen eifrigen Vollstrecker von Trumps Plan, „politische Vergeltung“ an Widersachern zu üben.
Auch der republikanische Senator John Cornyn sagte, er sehe keine Hinweise auf Pultes Eignung für den Posten. Die demokratische Senatorin Elissa Slotkin schrieb auf der Plattform X: „Herr Pulte hat seine derzeitige Behörde gegen die Kritiker des Präsidenten instrumentalisiert und er hat Bundesaufseher entlassen, die gegen seine Verbündeten ermittelten.“
Vorwürfe gegen Pulte
Mehrere US-Medien bezeichnen Pulte als „Kampfhund“ des Präsidenten, weil er Trumps politische Gegner wiederholt öffentlich angegriffen hatte. In Berichten des US-Nachrichtenportals „Politico“ heißt es, der Finanzminister Scott Bessent habe Pulte bei einem privaten Abendessen führender Regierungsbeamter lautstark beschimpft und ihm dabei auch mit körperlicher Gewalt gedroht. „Es ist entweder er oder ich“, wird Bessent demnach zitiert.
Pulte ist der Erbe des Wohnungsbaukonzerns PulteGroup und verfügt nach Angaben aus den vorliegenden Quellen über keinerlei Erfahrung im Bereich der nationalen Sicherheit oder der Spionageabwehr. Kritiker werfen ihm vor, ein Art Erfüllungsgehilfe des Präsidenten zu sein, der Trumps Anweisungen ohne Widerspruch umsetze.
Spannungen mit dem Iran
In das Umfeld Pultes fallen auch Vorwürfe rund um Unregelmäßigkeiten bei Hypotheken, die gegen ein Mitglied des Direktoriums der US-Notenbank Federal Reserve erhoben worden waren. Trump hatte die Entlassung der Fed-Direktorin Lisa Cook angestrebt, die sich jedoch widersetzt hat und weiterhin im Amt ist. Der Fall wird derzeit vom Obersten Gerichtshof der USA geprüft.
Pultes Bestellung zum kommissarischen Geheimdienstkoordinator fällt in eine Phase erhöhter internationaler Spannungen. Berichten zufolge haben die iranischen Revolutionsgarden in der Nacht zum Mittwoch ballistische Raketen und Drohnen auf US-Militärstützpunkte in Kuwait und Bahrain abgefeuert. Nach US-Angaben wurden die Projektile abgefangen. Als Auslöser der Gewalt gilt eine US-Militäroperation am Dienstag, bei der US-Streitkräfte einen unbeladenen Öltanker vor der iranischen Insel Chark beschossen und ihn manövrierunfähig gemacht hatten, weil er trotz US-Blockade einen iranischen Hafen habe anlaufen wollen. Anschließend griffen US-Streitkräfte eine iranische Militäranlage auf der Insel Qeshm in der Straße von Hormuz an.
Die Ernennung wirft Fragen nach der fachlichen Qualifikation des designierten Geheimdienstkoordinators auf. Während Trump die Entscheidung als logische Erweiterung von Pultes bisherigen Aufgaben darstellt, sehen Beobachter darin den Versuch, einen politischen Gefolgsmann in eine Schlüsselposition der nationalen Sicherheit zu setzen. Der Nationale Geheimdienstkoordinator ist traditionell einer der einflussreichsten Berater des Präsidenten in Fragen der nachrichtendienstlichen Aufklärung und fungiert als Schnittstelle zwischen den 18 Diensten, darunter CIA und NSA.
Die kommissarische Übergangslösung gibt dem Weißen Haus Zeit, einen Kandidaten für die dauerhafte Besetzung zu suchen. Sollte innerhalb von 210 Tagen kein vom Senat bestätigter Nachfolger gefunden werden, müsste Trump einen anderen Weg wählen oder eine Verlängerung anstreben. Beobachter rechnen damit, dass die Debatte über Pultes Eignung den Nominierungsprozess für einen ständigen Amtsinhaber erschweren wird.
Ausblick auf den Übergang
Unabhängig von der Personalentscheidung bleiben die außenpolitischen Herausforderungen für den neuen Geheimdienstkoordinator enorm. Die Friedensverhandlungen zwischen der Ukraine und Russland sind seit Wochen eingefroren, ein ukrainischer Drohnenangriff auf einen Reisebus im russisch kontrollierten Teil der Region Donezk hatte nach Angaben aus den Quellen sieben Tote und elf Verletzte gefordert. In dieser Gemengelage wird Pulte nach seinem Amtsantritt unmittelbar mit der Koordination der nachrichtendienstlichen Erkenntnisse zu mehreren aktiven Krisenherden betraut sein.
Die Kontroverse um Pulte verdeutlicht zugleich einen wiederkehrenden Konflikt innerhalb der US-Politik: Die Befürworter einer starken Exekutive sehen in der Ernennung vertrauter Persönlichkeiten eine Stärkung der Präsidialgewalt, während Kritiker darin eine Aushöhlung der fachlichen Standards und der demokratischen Kontrolle sehen. Die kommenden Wochen dürften zeigen, ob der Senat Pulte nach Ablauf der Übergangsfrist in einer Anhörung genauer auf den Zahn fühlen wird.
Die Nachricht wurde am 02.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet. Weitere internationale Schlagzeilen jenes Tages – darunter der größte Auslandsauftrag in der jüngeren Geschichte des Rüstungskonzerns Rheinmetall über 5,7 Milliarden Euro aus Rumänien, die Wahl des bangladeschischen Außenministers Khalilur Rahman zum Präsidenten der UN-Generalversammlung sowie die geplante Benennung einer Straße in Berlin nach der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem – verdeutlichen, dass die Personalie Pulte in einen breiteren Kontext der internationalen Sicherheitspolitik eingebettet ist.
Fragen & Antworten
Wer ist Bill Pulte und welche Ämter bekleidet er?
Bill Pulte ist ein 38-jähriger US-Immobilienunternehmer und Erbe des Wohnungsbaukonzerns PulteGroup. Er ist seit Trumps erneutem Amtsantritt Vorsitzender der Federal Housing Finance Agency (FHFA) und leitet zugleich die staatlich gestützten Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac.
Warum ernannte Trump Pulte zum kommissarischen Geheimdienstkoordinator?
Trump begründete die Entscheidung mit Pultes Erfahrung im Umgang mit sensiblen Angelegenheiten sowie der Sicherheit und Stabilität der Märkte. Die Ernennung wurde nötig, weil die bisherige Amtsinhaberin Tulsi Gabbard ihren Rücktritt zum 30. Juni 2026 angekündigt hat.
Welche Kritik wurde an der Ernennung Pultes geäußert?
Führende Demokraten wie Chuck Schumer und Mark Warner sowie der republikanische Senator John Cornyn kritisierten, dass Pulte angesichts weltweiter Bedrohungen nicht für den Schutz der nationalen Sicherheit geeignet sei. Kritiker werfen ihm zudem vor, ein Erfüllungsgehilfe Trumps zu sein, der politische Gegner gezielt angreife.