Neue EU-Umfrage: Bürger sehen Union als Stabilitätsanker – doch Zuversicht schwindet
Brüssel, 01 Juli 2026
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Kurzfassung
Eine neue Eurobarometer-Umfrage zeigt: Drei Viertel der EU-Bürger sehen die Europäische Union als Ort der Stabilität in einer unsicheren Welt. Gleichzeitig blicken immer weniger Menschen zuversichtlich auf die Zukunft der EU – in Deutschland ist der Optimismus deutlich gesunken.
Brüssel, 01 Juli 2026
Einer neuen EU-weiten Umfrage zufolge betrachten drei Viertel der Europäerinnen und Europäer die Europäische Union als Ort der Stabilität in einer unsicheren Welt, obwohl die Zuversicht in die Zukunft der EU – insbesondere in Deutschland – spürbar nachlässt.
Die Europäische Union genießt bei ihren Bürgerinnen und Bürgern weiterhin ein hohes Ansehen als Stabilitätsfaktor. Laut einer neuen, im April und Mai durchgeführten Erhebung im Auftrag der EU-Kommission halten europaweit 76 Prozent der Befragten die EU für einen Ort der Stabilität in einer unsicheren Welt. In Österreich teilen 76 Prozent diese Einschätzung, in Deutschland sind es 70 Prozent.
Stabilitätsanker mit wachsender Skepsis
Gleichzeitig offenbart die Umfrage einen wachsenden Pessimismus, wenn es um die Zukunft der EU selbst geht. Während sich EU-weit noch 59 Prozent der Befragten optimistisch zur Zukunft der Union äußern, ist der Anteil in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr stark gesunken: Nur noch 48 Prozent der Bundesbürger sagten, sie seien "ziemlich optimistisch" oder "sehr optimistisch" – im vergangenen Jahr waren es noch fast 70 Prozent. Auch die Zukunft der Welt wird überwiegend schwarz gesehen: 58 Prozent der Europäerinnen und Europäer beurteilen sie pessimistisch, in Österreich jeder zweite.
Trotz dieser gedämpften Grundstimmung bewerten die meisten Menschen ihre persönliche Lage positiv. In Deutschland sind 83 Prozent der Befragten zufrieden mit ihrer Lebensqualität, EU-weit liegt der Wert ebenfalls bei 83 Prozent. Auch in Österreich zeigt die Umfrage eine hohe Zufriedenheit mit der eigenen Lebensqualität.
Persönliche Zufriedenheit bleibt hoch
Bei der Frage, was gute Lebensqualität konkret ausmacht, nannten die Befragten EU-weit am häufigsten die finanzielle Situation und die Fähigkeit, den Lebensunterhalt zu bestreiten – 54 Prozent stimmten diesem Aspekt am stärksten zu. Es folgten mit jeweils 53 Prozent körperliche und geistige Gesundheit sowie das Sozialleben. Auch die Qualität und der Zugang zur Gesundheitsversorgung sowie öffentliche und persönliche Sicherheit spielen mit jeweils 43 Prozent eine zentrale Rolle.
Die Europäerinnen und Europäer wurden zudem gefragt, welche Veränderungen ihre Lebensqualität am stärksten verbessern würden. Hier liegt die finanzielle Situation mit 43 Prozent vorne, gefolgt von der Qualität und dem Zugang zur Gesundheitsversorgung (37 Prozent) und dem Sozialleben (34 Prozent). In Österreich nannten 43 Prozent die finanzielle Bewältigung der Lebenskosten als wichtigstes Anliegen.
Sorge um den Lebensstandard
Sorgen bereitet vielen Befragten der Blick nach vorn: 38 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher glauben, dass sich ihr eigener Lebensstandard in den nächsten fünf Jahren verschlechtern wird, 46 Prozent erwarten keine Veränderung. Die persönliche und familiäre Zukunft wird allerdings deutlich positiver eingeschätzt als die der Welt insgesamt: In Österreich sehen 81 Prozent die Zukunft für die eigene Familie und für sich selbst optimistisch, für das eigene Land sind es 69 Prozent.
Ein weiteres zentrales Ergebnis betrifft die Aufgaben, denen sich das Europäische Parlament künftig widmen soll. Die Befragten in Deutschland und der gesamten EU nannten dabei am häufigsten die Bekämpfung von Inflation und steigenden Lebenshaltungskosten (46 Prozent), die Verteidigung und Sicherheit der EU (43 Prozent) sowie Wirtschaft und Schaffung von Arbeitsplätzen (33 Prozent). 60 Prozent der EU-Bürgerinnen und -Bürger wünschen sich zudem eine wichtigere Rolle für das Europaparlament – in Österreich sind es 49 Prozent.
Erwartungen an das Europaparlament
Bei der Frage, worauf sich die EU konzentrieren sollte, um ihre Position in der Welt zu stärken, stehen in Deutschland Energieunabhängigkeit (41 Prozent), Verteidigung und Sicherheit (38 Prozent) sowie Wettbewerbsfähigkeit (37 Prozent) ganz oben auf der Liste. Für die Österreicherinnen und Österreicher ist die Unabhängigkeit bei Energie und anderen Ressourcen mit 33 Prozent besonders wichtig, während EU-weit Verteidigung und Sicherheit (39 Prozent) als wichtigstes Anliegen gelten.
Dass die EU zur Stärkung von Frieden und Sicherheit beiträgt, glauben EU-weit 40 Prozent der Befragten, in Österreich 38 Prozent. Diese Einschätzung hat sich in Österreich im Vergleich zu den Vorjahren verfestigt: 62 Prozent sind dort der Ansicht, die EU sei ein Stabilitätsanker – das sind zwei Prozentpunkte mehr als 2025 und acht mehr als noch vor fünf Jahren.
Sicherheit und Frieden als Kernaufgaben
Insgesamt 74 Prozent der europaweit Befragten halten die EU-Mitgliedschaft ihres Landes für vorteilhaft. Als weitere Vorteile werden in Österreich vor allem der Beitrag der EU zu Wirtschaftswachstum (33 Prozent), neue Arbeitsmöglichkeiten (30 Prozent) und die verbesserte Zusammenarbeit mit anderen EU-Staaten (27 Prozent) gesehen. Auch EU-weit zählen die Sicherheit und Qualität von Lebensmitteln (40 Prozent, in Deutschland 35 Prozent) zu den am häufigsten genannten Vorteilen der Mitgliedschaft.
Für die Erhebung wurden europaweit zwischen April und Mai 26.421 Personen ab 15 Jahren persönlich interviewt, in Österreich waren es 1.003 Befragte, in Deutschland 1.507. Die Ergebnisse gelten als repräsentativ für die Bevölkerung der jeweiligen Länder.
Methodik der Erhebung
Die Umfrage zeichnet damit ein differenziertes Bild: Die EU wird von einer großen Mehrheit weiterhin als verlässlicher Anker in Krisenzeiten wahrgenommen, doch der wirtschaftliche Pessimismus – vor allem in Deutschland – und die Sorge um die globale Entwicklung trüben die Stimmung. Besonders die Themen Inflation, Sicherheit und Energieunabhängigkeit dominieren die Erwartungen der Bürgerinnen und Bürger an die Politik der kommenden Jahre.
Fragen & Antworten
Wie viele Menschen wurden für die EU-Umfrage befragt?
Für die Erhebung wurden europaweit zwischen April und Mai 26.421 Personen ab 15 Jahren persönlich interviewt. In Österreich waren es 1.003 Befragte, in Deutschland 1.507.
Wie viel Prozent der EU-Bürger sehen die Union als Stabilitätsanker?
Drei Viertel der europaweit Befragten (76 Prozent) halten die EU für einen Ort der Stabilität in einer unsicheren Welt. In Österreich teilen ebenfalls 76 Prozent diese Einschätzung, in Deutschland 70 Prozent.
Wie hat sich der Optimismus in Deutschland verändert?
Während im Vorjahr noch fast 70 Prozent der Bundesbürger optimistisch auf die Zukunft der EU blickten, sind es laut der neuen Umfrage nur noch 48 Prozent – ein deutlicher Rückgang innerhalb eines Jahres.