Hitzewelle in Europa: Schweizer Spitäler behandeln mehr Hitze-Patienten, Spanien registriert heisseste Junitage seit 1950
Bern, 26. Juni 2026
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Kurzfassung
Anhaltende Hitze setzt weite Teile Europas zu: Schweizer Spitäler verzeichnen aktuell leicht mehr Hitze-Patienten, während Spanien den heissesten Juni seit Beginn vergleichbarer Messungen 1950 registriert. In der Westschweiz wurde mit 36,3 Grad in Visp ein Allzeit-Junirekord gemessen.
Eine ausgeprägte Hitzewelle hält Europa in Atem: Schweizer Spitäler behandeln nach SRF-Angaben derzeit leicht mehr Hitze-Patienten, in Spanien wurden die heissesten Junitage seit Beginn vergleichbarer Aufzeichnungen im Jahr 1950 registriert.
Extreme Temperaturen in Europa
Die jüngste Hitzewelle hat in mehreren europäischen Ländern deutliche Spuren hinterlassen. Wie aus einem Überblick des SRF-Hitzetrackers hervorgeht, der die aktuellen Höchsttemperaturen für 28 Messstationen ausweist, liegen die Werte verbreitet über der 35-Grad-Marke. Besonders betroffen ist die Schweiz, wo die Spitäler nach Angaben von SRF aktuell leicht mehr Hitze-Patienten versorgen als im Durchschnitt vergleichbarer Sommermonate.
Im Schweizer Kanton Wallis registrierte die Wetterstation in Visp am Donnerstag einen Allzeit-Junirekord von 36,3 Grad. Damit wurde die bisherige Höchstmarke für einen Juni in dieser Messreihe übertroffen. Auch an mehreren anderen Orten in der Schweiz kletterte das Thermometer über die 35-Grad-Marke, wie aus den Daten des SRF-Hitzetrackers hervorgeht.
Schweiz: Allzeit-Junirekord in Visp
Besonders drastisch ist die Lage in Spanien. Wie aus dem gleichen Newsticker hervorgeht, registrierte das Land die heissesten Junitage seit Beginn vergleichbarer Messungen im Jahr 1950. Am Montag wurden in Andalusien Höchsttemperaturen von 45,1 Grad gemessen. Damit wurde die bisherige Rekordmarke deutlich überschritten, was Meteorologen als aussergewöhnlich einstufen.
Die Behörden reagieren mit unterschiedlichen Massnahmen auf die extreme Witterung. In Dübendorf wurde nach Angaben von SRF für Donnerstag und Freitag «Hitzefrei light» eingeführt. Damit sollen besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen, vor allem ältere Menschen und Kinder, vor den gesundheitlichen Folgen der Hitze geschützt werden. In Frankreich spitzt sich die Lage laut den Berichten ebenfalls zu.
Auch die Infrastruktur zeigt sich zunehmend anfällig für die extremen Temperaturen. Wie aus dem SRF-Überblick hervorgeht, hat die Bahn in Westfrankreich den Verkehr wegen der Hitze teilweise eingestellt. Schienen können sich bei hohen Temperaturen ausdehnen, was die Sicherheit des Zugbetriebs gefährdet. In der Schweiz erwägt die Aufsichtsbehörde zudem, das Kernkraftwerk Beznau am Freitag abzustellen, da die Gewässertemperaturen zur Kühlung zu hoch sein könnten.
Infrastruktur unter Druck
Der Hamburger Halbmarathon, der für das kommende Wochenende geplant war, wurde wegen der erwarteten Belastung für die Läuferinnen und Läufer abgesagt. Die Veranstalter reagierten damit auf die anhaltende Wärme, die für die Teilnehmenden ein erhöhtes Gesundheitsrisiko bedeutet hätte. Auch den Schweizer Gletschern setzt die Hitze nach Angaben von SRF weiter zu, was sich langfristig auf die Wasserversorgung und den Tourismus auswirken dürfte.
Auf internationaler Ebene schlägt auch der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Alarm. Nach den zitierten WHO-Angaben sterben weltweit pro Jahr rund 500.000 Menschen an den Folgen von Hitze. Die WHO weist seit Jahren darauf hin, dass Hitzewellen zu den tödlichsten Wetterereignissen gehören und dass insbesondere ältere Menschen, chronisch Kranke und Säuglinge gefährdet sind. Die aktuellen Temperaturen in Europa zeigen nach Einschätzung von Experten, dass solche Warnungen weiterhin berechtigt sind.
Wirtschaft reagiert auf geopolitische Lage
Parallel zur Hitzewelle sorgt eine mögliche Abkühlung der geopolitischen Lage für vorsichtigen Optimismus in der Wirtschaft. IHS-Ökonom Klaus Weyerstraß erklärte mit Blick auf die Lage am Persischen Golf: «Zurzeit sieht es so aus, dass es zu einer Beruhigung am Persischen Golf kommt». Diese Einschätzung könnte sich nach Einschätzung des Wirtschaftsforschungsinstituts positiv auf die Energiepreise auswirken, die zuletzt wegen des Iran-Kriegs deutlich gestiegen waren.
Wifo-Ökonom Stefan Ederer prognostizierte: «Der Iran-Krieg bremst Österreichs Wirtschaft nur kurz aus, sinkende Energiepreise sorgen ab der zweiten Hälfte 2026 für neuen konjunkturellen Schwung». Damit zeichnet sich ab, dass die wirtschaftlichen Folgen des Konflikts nach Einschätzung der Experten begrenzt bleiben könnten.
Holger Bonin, Direktor des Instituts für Höhere Studien (IHS), zeigte sich ebenfalls erleichtert: «Österreichs Wirtschaft und die Bürger sind noch einmal davongekommen». Er verwies allerdings darauf, dass die geopolitischen Risiken insgesamt hoch blieben und mahnte Strukturreformen in den Bereichen Gesundheit, Bildung, Energie und Verwaltung an. «Die jüngste Krise bringt uns in Erinnerung, dass es keine gute Praxis ist, Dinge so auf Kante zu trimmen, dass man gerade noch einmal so durchkommt», appellierte Bonin laut dem IHS-Bericht.
Inflation und Arbeitsmarkt in Österreich
Die Inflation in Österreich bleibt nach den Prognosen der Wirtschaftsforschungsinstitute erhöht. Für 2026 erwarten Wifo und IHS eine Teuerung von 3,2 beziehungsweise 3,0 Prozent, für 2027 wird ein Rückgang auf 2,4 Prozent (Wifo) oder 2,3 Prozent (IHS) erwartet. IHS-Ökonom Klaus Weyerstraß erklärte: «Klarerweise war dieser Inflationsschub primär auf den Energiepreisschub zurückzuführen». Die Dienstleistungspreise waren nach seinen Worten im Mai um 4,4 Prozent gestiegen.
Am Arbeitsmarkt rechnen die Institute trotz der konjunkturellen Belastungen mit einer robusten Entwicklung. «Der Arbeitsmarkt bleibt insgesamt robust», sagte Weyerstraß. Das IHS erwartet für 2026 eine Arbeitslosenquote von 7,5 Prozent und für 2027 einen Rückgang auf 7,3 Prozent. Die Zahl der Arbeitslosen dürfte 2026 noch leicht steigen, bevor sie 2027 erstmals seit vier Jahren wieder zurückgeht.
Die Wirtschaft selbst soll in diesem Jahr nach den Prognosen um 0,8 Prozent (IHS) beziehungsweise 0,9 Prozent (Wifo) wachsen. Im zweiten und dritten Quartal 2026 rechnet das IHS allerdings weiterhin mit einer Stagnation der Wirtschaftsleistung. Die Wirtschaftsforschungsinstitute gehen davon aus, dass sich Produktion und Transport von Rohöl und Erdgas ab der zweiten Hälfte 2026 schrittweise normalisieren, was die Energiepreise wieder drücken sollte.
Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte nach Einschätzung von Weyerstraß keine andere Wahl, als die Leitzinsen zu erhöhen. «Die Europäische Zentralbank war gezwungen, die Leitzinsen zu erhöhen, und das spiegelt sich auch in höheren langfristigen Zinsen wider», sagte er. Die höheren Zinsen wirken sich laut den Daten auch auf den Wohnungsbau aus: Die Zahl der Baubewilligungen lag zuletzt um 45 Prozent unter dem Niveau von 2019.
Ausblick und weitere Entwicklung
In der Schweiz dürfte die anhaltende Hitze vorerst keine Entspannung bringen. Der SRF-Hitzetracker zeigt für die kommenden Tage weiterhin hohe Temperaturen. Beobachter rechnen damit, dass die Spitäler weiterhin vermehrt mit hitzebedingten Beschwerden konfrontiert werden. Die Behörden appellieren an die Bevölkerung, ausreichend zu trinken, schwere körperliche Anstrengungen in den Mittagsstunden zu vermeiden und ältere Nachbarn und Verwandte zu unterstützen.
Die Lage in Spanien bleibt unterdessen angespannt. Die spanischen Wetterdienste haben für mehrere Regionen Warnungen der höchsten Stufe ausgegeben. Schulen und öffentliche Einrichtungen wurden teilweise geschlossen. Die Behörden richteten zusätzliche Kühlräume ein, um die Bevölkerung vor den extremen Temperaturen zu schützen. Auch der Tourismussektor ist betroffen, da zahlreiche Sehenswürdigkeiten nur eingeschränkt zugänglich sind.
Insgesamt zeigt die aktuelle Wetterlage nach Einschätzung von Klimaexperten erneut, dass sich extreme Hitzewellen in Europa häufen. Die Hitzewelle des Juni 2026 reiht sich demnach in eine Serie von rekordverdächtigen Temperaturereignissen ein, die in den vergangenen Jahren weltweit beobachtet wurden. Forscherinnen und Forscher sehen darin einen klaren Zusammenhang mit dem menschengemachten Klimawandel.
Für die kommenden Tage rechnen die Meteorologen mit einer leichten Abkühlung in Teilen Mitteleuropas, während die Hitze in Südeuropa voraussichtlich anhalten wird. Die Schweizer Behörden kündigten an, die Lage weiterhin aufmerksam zu beobachten und bei Bedarf zusätzliche Schutzmassnahmen zu ergreifen. Die WHO rief die Mitgliedstaaten unterdessen erneut dazu auf, nationale Hitzeschutzpläne zu entwickeln und umzusetzen, um die Bevölkerung besser vor den Folgen extremer Temperaturen zu schützen.
Fragen & Antworten
Welche Temperaturen wurden in Europa während der Hitzewelle im Juni 2026 gemessen?
In Visp im Schweizer Kanton Wallis wurde mit 36,3 Grad ein Allzeit-Junirekord gemessen, in Andalusien in Spanien erreichte das Thermometer am Montag 45,1 Grad. Spanien registrierte damit die heissesten Junitage seit Beginn vergleichbarer Messungen im Jahr 1950.
Welche Massnahmen ergreifen die Behörden gegen die Hitze?
In Dübendorf wurde für Donnerstag und Freitag «Hitzefrei light» eingeführt, der Hamburger Halbmarathon am Sonntag wurde abgesagt und in Westfrankreich stellte die Bahn den Verkehr wegen Hitze teilweise ein. Das Kernkraftwerk Beznau in der Schweiz könnte am Freitag abgestellt werden, weil die Gewässertemperaturen zur Kühlung zu hoch sind.
Wie schätzt die WHO die gesundheitlichen Folgen der Hitzewelle ein?
Nach Angaben des WHO-Chefs sterben weltweit pro Jahr rund 500.000 Menschen an den Folgen von Hitze. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, chronisch Kranke und Säuglinge, weshalb die WHO seit Jahren verstärkte Schutzmassnahmen für diese Gruppen fordert.
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