Bundeskanzler Friedrich Merz hat US-Präsident Donald Trump in einem Telefonat am Freitagnachmittag die deutlich gestiegenen deutschen Verteidigungsausgaben erläutert und auf den NATO-Gipfel in Ankara an diesem Dienstag und Mittwoch verwiesen.
Das Gespräch zwischen Merz und Trump fand am Freitagnachmittag statt und diente nach Angaben aus Regierungskreisen der Vorbereitung des anstehenden NATO-Gipfels in Ankara. Im Zentrum standen die Verteidigungsausgaben Deutschlands sowie weiterer europäischer Bündnispartner, die Trump zuletzt öffentlich kritisiert hatte. Merz habe dabei deutlich gemacht, dass die von Trump auf Truth Social zitierten Zahlen nicht mehr aktuell seien.
Hintergrund der Verstimmungen ist eine Äußerung Trumps, wonach er die Verteidigungsausgaben Deutschlands, Großbritanniens und Italiens auf Grundlage älterer Daten als „lächerlich“ bezeichnet hatte. Die Bundesregierung verweist dagegen auf eine erhebliche Steigerung: Deutschland habe seine Verteidigungsausgaben seitdem nach eigenen Angaben um rund 25 Milliarden Euro auf 124 Milliarden Euro erhöht. Die europäischen Alliierten insgesamt hätten ihre Verteidigungsausgaben in den vergangenen zwölf Monaten laut Regierungskreisen um mehr als 100 Milliarden Euro gesteigert.
Hintergrund: Trumps Kritik und die Datenlage
Merz bezeichnete die Anstrengungen am Freitag vor der Presse als beispiellos. „Das ist die größte Kraftanstrengung, die wir jemals gemacht haben, um unsere Verteidigungsfähigkeit zu stärken. Insofern brauchen wir uns hier vor niemandem zu verstecken“, sagte der Kanzler. Diese Position wolle er auf dem Gipfel in Ankara „auch in aller Bescheidenheit zum Ausdruck bringen“, wie er hinzufügte.
Konkret plant die Bundesregierung, die Verteidigungsausgaben innerhalb von vier Jahren zu verdoppeln. Dazu sollen zusätzliche 1,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für verteidigungsbezogene Ausgaben wie Infrastruktur aufgewendet werden. Bis spätestens 2035 sollen insgesamt fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts jährlich in Verteidigung und Sicherheit fließen – mehr als zu jedem Zeitpunkt seit dem Ende des Kalten Krieges.
Das Fünf-Prozent-Ziel und seine Geschichte
Das Fünf-Prozent-Ziel hatten die NATO-Staats- und Regierungschefs beim Gipfel im vergangenen Jahr in Den Haag vereinbart. Auslöser waren der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine und der Druck aus Washington. Bis 2029 will Deutschland demnach die Marke von 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung erreichen, die im Bündnis als neuer Mindestwert festgelegt worden war.
Mit Blick auf Ankara kündigte Merz an, die deutschen Anstrengungen auch gegenüber den übrigen Bündnispartnern klar zu kommunizieren. Das Telefonat mit Trump wertete die Bundesregierung als Gelegenheit, mögliche Missverständnisse über die tatsächliche Höhe der deutschen Beiträge auszuräumen, bevor die Staats- und Regierungschefs am Dienstag und Mittwoch in der türkischen Hauptstadt zusammentreffen.
Ausblick auf den Gipfel in Ankara
Der Vorgang verdeutlicht zugleich die gewachsene Bedeutung der Ausgabenfrage innerhalb des Bündnisses. Seit dem Hague-Gipfel haben mehrere europäische NATO-Mitglieder ihre Budgets deutlich aufgestockt. Die Bundesregierung sieht darin einen Beleg dafür, dass Europa seine sicherheitspolitische Verantwortung stärker wahrnimmt – auch unabhängig von direkter Kritik aus den USA.
Für die kommenden Tage wird erwartet, dass die Verteidigungsausgaben in Ankara eines der dominierenden Themen sein werden. Neben den nationalen Beiträgen dürfte auch die Verteilung von Lasten innerhalb der Allianz auf der Tagesordnung stehen. Merz reist mit dem Ziel an, die deutsche Position als verlässlichen Bündnispartner darzustellen und zugleich für eine faire Lastenverteilung zu werben.
