Masernausbruch in den USA erreicht höchsten Stand seit 35 Jahren – Kinder überproportional betroffen
Washington, 25. Juli 2026
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Kurzfassung
Die US-Gesundheitsbehörde CDC hat in diesem Jahr bislang 2.318 Masernfälle registriert – so viele wie seit dem Zeitraum 1989 bis 1991 nicht mehr. Besonders betroffen sind Kinder unter fünf Jahren, während die Impfquote bei Kindern im Einschulungsalter unter die kritische Herdenimmunitätsschwelle gefallen ist.
Die US-Gesundheitsbehörde CDC hat am Freitag gemeldet, dass in den USA in diesem Jahr bislang 2.318 Masernfälle registriert wurden – die höchste Zahl seit dem Zeitraum 1989 bis 1991, und Experten führen den Anstieg auf eine wachsende Impfskepsis zurück.
Wie die CDC am Freitag mitteilte, wurden in den Vereinigten Staaten im laufenden Jahr bislang 2.318 Maserninfektionen erfasst. Damit ist der bisherige Höchstwert aus dem gesamten Vorjahr – 2.289 Fälle – bereits überschritten. Noch ist das Jahr nicht zu Ende, und die Behörde rechnet mit weiter steigenden Zahlen, da landesweit kontinuierlich neue Infektionen gemeldet werden.
Rekordwert aus den späten 1980er-Jahren übertroffen
William Moss, Epidemiologe an der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health, zeigte sich besorgt über die Entwicklung. „Dass wir diesen Meilenstein erreichen, ist besonders eklatant, da wir erst Juli haben und landesweit weiterhin Masernfälle gemeldet werden“, sagte er. Der bisherige Rekordwert stammt aus dem Zeitraum zwischen 1989 und 1991, als in den USA über mehrere Jahre hinweg großflächige Masernwellen auftraten.
Die Fälle erstrecken sich mittlerweile über 45 US-Bundesstaaten sowie den District of Columbia. Besonders betroffen sind neben South Carolina, wo seit Oktober 2025 ein einzelner Ausbruch über sechs Monate hinweg nahezu 1.000 Menschen erkrankt hat, auch Utah, Arizona, Texas, Florida, Virginia und Pennsylvania. South Carolina verzeichnet damit den größten lokalen Ausbruch seit der Jahrtausendwende.
South Carolina: Größter lokaler Ausbruch seit der Jahrtausendwende
Die CDC hat in diesem Jahr bislang 35 neue Masernausbrüche registriert, nachdem es im gesamten Vorjahr 48 Ausbrüche gewesen waren. 16 der in diesem Jahr erfassten Fälle stehen nach Angaben der Behörde im Zusammenhang mit Reisenden aus dem Ausland. Insgesamt 151 Personen mussten wegen einer Maserninfektion im Krankenhaus behandelt werden.
Besonders alarmierend ist die Altersverteilung der Erkrankungen. 69 Prozent der Infizierten sind Kinder und Jugendliche bis 19 Jahre, ein Fünftel der Betroffenen ist jünger als fünf Jahre. Zehn Prozent der erkrankten Kleinkinder unter fünf Jahren wurden im Krankenhaus behandelt, bei älteren Kindern und Jugendlichen lag die Hospitalisierungsquote bei drei Prozent.
Kinder überproportional betroffen
Fachleute sehen einen direkten Zusammenhang mit sinkenden Impfquoten. Die durchschnittliche Impfquote bei der MMR-Impfung – sie schützt gegen Masern, Mumps und Röteln – ist unter Kindern im Einschulungsalter im vergangenen Jahr auf 92,5 Prozent gefallen. Damit liegt sie unter der für Masern geltenden Herdenimmunitätsschwelle von 95 Prozent. In 16 Bundesstaaten liegt die Impfquote bei Kindergartenkindern sogar unter 90 Prozent.
Impfquote unter Herdenimmunitätsschwelle
„Wir erleben eine vermeidbare Krise, die unverhältnismäßig stark Kinder trifft“, sagte Andrew Racine, Präsident der American Academy of Pediatrics. Er verwies darauf, dass 93 Prozent der Erkrankten ungeimpft gewesen seien, während der verbleibende Anteil eine oder zwei Dosen des Impfstoffs erhalten hatte. Eine vollständige Impfung mit zwei Dosen bietet laut CDC einen Schutz von 97 Prozent.
Kritik an politischer Kommunikation
Racine übte scharfe Kritik an der politischen Ebene. „Seit Anfang vergangenen Jahres haben führende Politiker auf Bundesebene Masern als harmlos und unvermeidbar abgetan und irreführende Informationen über den MMR-Impfstoff verbreitet“, sagte er. Als zentrale Figur dieser Kritik gilt US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr., der wiederholt die wissenschaftlich widerlegte Behauptung verbreitet hat, Masernimpfungen seien mit Autismus verknüpft.
Im Juni des Vorjahres hatte Kennedy sämtliche Mitglieder des CDC-Fachgremiums für Impfungen abberufen. Seither warnen Fachorganisationen vor einer wachsenden Verunsicherung in der Bevölkerung. Die American Academy of Pediatrics gehört zu den medizinischen Gesellschaften, die sich öffentlich für eine breite Impfkampagne aussprechen.
Trotz der hohen Fallzahlen sind in diesem Jahr bislang keine Todesfälle durch Masern gemeldet worden. Im Vorjahr waren drei Menschen an den Folgen einer Maserninfektion gestorben. Masern können laut CDC Fieber, Hautausschlag und Atemwegsprobleme verursachen; in schweren Fällen kann es zu Komplikationen wie Lungenentzündung oder einer lebensbedrohlichen Hirnentzündung kommen.
Status der Masern-Erklärung aus dem Jahr 2000
Die USA hatten Masern im Jahr 2000 offiziell als ausgerottet deklariert. Diese Einstufung bedeutet, dass es keine dauerhafte inländische Übertragungskette des Virus mehr gab. Mit den aktuellen Ausbrüchen steht dieses Etikett zunehmend zur Disposition, auch wenn die CDC bislang keine formelle Rücknahme der Erklärung vorgenommen hat.
Die Berichterstattung über die Lage wurde unter anderem von Reuters aufgegriffen und am 25. Juli 2026 über den Deutschlandfunk ausgestrahlt. Die österreichische Nachrichtenagentur APA verbreitete den Beitrag am gleichen Tag. Damit findet die Entwicklung auch in der europäischen Berichterstattung verstärkt Beachtung, da Europa in den vergangenen Jahren ebenfalls mit steigenden Masernzahlen konfrontiert war.
Gesundheitsexperten betonen, dass einzelne Impfdosen nicht ausreichen, um die Ausbreitung des Virus zu stoppen. Erst eine Impfquote von deutlich über 95 Prozent in der Bevölkerung biete sogenannte Herdenimmunität, die auch jene Menschen schützt, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können – darunter Säuglinge, Schwangere oder immungeschwächte Personen.
Mit Blick auf das kommende Schuljahr rufen Kinderärzte dazu auf, den Impfstatus von Kindern und Jugendlichen zu überprüfen. Die American Academy of Pediatrics empfiehlt die erste MMR-Dosis im Alter von 12 bis 15 Monaten und die zweite Dosis zwischen vier und sechs Jahren. Nachholimpfungen seien jederzeit möglich, betonen Mediziner.
Fragen & Antworten
Warum sind in den USA aktuell so viele Menschen an Masern erkrankt?
Die CDC führt den Anstieg auf sinkende Impfquoten zurück: 93 Prozent der Erkrankten waren ungeimpft, und die durchschnittliche MMR-Impfquote bei Kindergartenkindern liegt mit 92,5 Prozent unter der Herdenimmunitätsschwelle von 95 Prozent. Experten wie Andrew Racine verweisen zudem auf irreführende Informationen über den MMR-Impfstoff aus der Bundespolitik.
Welche Rolle spielt US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. in der Debatte?
Robert F. Kennedy Jr. hat wiederholt die wissenschaftlich widerlegte Behauptung verbreitet, Masernimpfungen seien mit Autismus verknüpft. Im Juni des Vorjahres berief er zudem sämtliche Mitglieder des CDC-Fachgremiums für Impfungen ab, was von Fachorganisationen als Risiko für die Impfkampagne kritisiert wird.
Wie gefährlich ist eine Maserninfektion für Kinder?
69 Prozent der Infizierten sind Kinder und Jugendliche bis 19 Jahre, ein Fünftel ist jünger als fünf Jahre. Zehn Prozent der erkrankten Kleinkinder mussten im Krankenhaus behandelt werden; Masern können Fieber, Hautausschlag, Atemwegsprobleme und in seltenen Fällen eine lebensbedrohliche Hirnentzündung verursachen.
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