Leipzigs Straßenbahnen stehen still: Hitzeschäden an 300 Kilometern Gleisnetz
Leipzig, 30. Juni 2026
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Kurzfassung
Wegen massiver Hitzeschäden an Schienen und Weichen steht der Leipziger Straßenbahnverkehr seit Samstag weitgehend still. Über 50 Mitarbeitende und Helfer von Stadtwerken und Wasserwerken kratzen seit Tagen geschmolzene Fugenmasse aus dem Gleisnetz, damit die Bahnen schrittweise wieder fahren können.
Die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) haben am Wochenende den regulären Straßenbahnverkehr in Leipzig eingestellt, nachdem die extreme Hitze die Fugenmasse zwischen Schienen und Asphalt zum Schmelzen gebracht und in Weichen und Schienen gespült hatte.
Die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) haben den regulären Linienverkehr der Straßenbahnen aus Sicherheitsgründen eingestellt. Wie die LVB mitteilten, haben seit Samstagabend Tag und Nacht mehr als 50 Mitarbeitende Straßenbahnen gereinigt und die Fugenmasse aus Weichen und Gleisen gekratzt. An vielen Stellen sei Fugenmasse für Asphalt und Beton in Weichen und Schienen gelaufen und dort verklumpt, schrieb das Unternehmen auf seiner Facebook-Seite.
Ausmaß der Schäden
Insgesamt müssten 300 Kilometer Gleisnetz und rund 60 verklebte Triebwagen bereinigt werden. Vorher müsse aber noch ein Testbetrieb mit technischen Abnahmen und Probefahrten absolviert werden, erklärten die Verkehrsbetriebe. Die LVB setzen alles daran, den Straßenbahnbetrieb schnellstmöglich wieder verlässlich aufnehmen zu können.
Am Montagnachmittag teilten die LVB mit, dass die ersten Bahnen noch am Montag oder spätestens Dienstag wieder fahren sollen. Die Bahnen sollen laut LVB erst einmal als Zubringer zwischen Randgebieten und Stadtzentrum eingesetzt werden, beziehungsweise dann auch zu wichtigen Umsteigepunkten zum Busverkehr. Der Innenstadtring werde erst später dazu kommen.
Schrittweise Wiederinbetriebnahme
Indes konnte die Straßenbahnlinie 1 bereits am Montagabend den Betrieb wieder aufnehmen, nachdem sie mehr als zwei Tage vollständig stillgestanden hatte. Die Straßenbahnen seien zwischen dem Westen und der Innenstadt im Pendelverkehr unterwegs. Allerdings wurde die Route leicht geändert: Sie führt nun von der Marschnerstraße über das Neue Rathaus zum Wilhelm-Leuschner-Platz. Dann wenden die Bahnen und fahren zurück nach Lausen.
Die LVB weist darauf hin, dass die Fahrgäste nur direkt an den Haltestellen einsehen können, welche Routen sich für sie ergeben. Einen Schienenersatzverkehr für die ausgefallenen Straßenbahnen soll es nicht geben. Dafür gebe es nicht genügend Busse. Der Busverkehr fahre weiterhin planmäßig, wie das Unternehmen betonte.
Kein Ersatzverkehr für die Fahrgäste
Zur Ursache der Schäden erklärten die LVB am Montag, dass noch kein klares Muster erkennbar sei. So seien neue wie auch alte Streckenabschnitte betroffen. Am Nachmittag organisierte die LVB deshalb eine gemeinsame Aktion, um die Reste der Masse abzukratzen. Auch Beschäftigte der Stadtwerke und Wasserwerke helfen bei den Aufräumarbeiten.
Zahlreiche Menschen hätten bereits gefragt, wie sie helfen könnten, berichtete das Unternehmen. Damit griff die LVB die Hilfsangebote aus der Bevölkerung auf und bezog externe Kräfte in die Reinigungsarbeiten ein. Die Aktion solle die Beseitigung der verklumpten Fugenmasse weiter beschleunigen, hieß es.
Hilfsbereitschaft aus der Bevölkerung
Die hohen Temperaturen haben auch an vielen anderen Orten in Deutschland Schäden verursacht. Am Samstag erreichten die Temperaturen vielerorts in Sachsen die 40 Grad. In Nürnberg, Würzburg, Essen und Bremen haben die Verkehrsbetriebe mit geschmolzener Fugenmasse und Asphalt am und im Gleis zu kämpfen. In Nürnberg, Würzburg und Magdeburg gab es ebenfalls Probleme im Straßenbahnverkehr.
Hitzeschäden in weiteren Städten
Auch in Sachsen selbst schlugen die Hitzefolgen bei mehreren Verkehrsunternehmen durch. Die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) erklärten auf Anfrage, dass es teilweise zur Blasenbildung bei der Fugenmasse kam, ohne Folgen für den Bahnbetrieb. Weitere Störungen in Dresden seien zudem Weichen gewesen, die sich wegen der Hitze nicht stellen ließen. An drei Stellen habe es außerdem beginnende Gleisverwerfungen gegeben, also Verformungen der Gleise.
Laut DVB gab es einen Anstieg der hitzebedingten Fahrzeugausfälle. Zudem habe es bei einigen Straßenbahnen Überhitzungen gegeben. Ein bis zwei Stunden Abkühlung im Depot haben der DVB zufolge genügt, um die Fahrzeuge wieder einsatzbereit zu bekommen. Mehr als 30 Wagen seien jeweils am Samstag und Sonntag wegen Störungen getauscht oder in die Werkstatt gesandt worden.
Auch der Betrieb der Schwebebahn wurde laut Angaben eingestellt. Wegen ihrer historisch bedingten Bauart habe die Bahn nur wenige kleine Fenster zur Belüftung. Bei Innentemperaturen von über 45 Grad hätten keine Fahrgäste mitfahren können. Am Sonntag sei zudem die Fähre in Johannstadt wegen Niedrigwasser eingestellt worden.
Dresdner Schwebebahn und Fähre betroffen
Die Chemnitzer Verkehrsbetriebe (CVAG) haben einzelne Schäden festgestellt. Hierzu zählen demnach Gleisverwerfungen, Asphalt- und Bitumenschäden. Den Bahn- und Busbetrieb habe das nicht beeinträchtigt. Aufgrund hoher Temperaturen musste die CVAG an vielen Fahrzeugen technische Störungen verzeichnen. Die betreffenden Wagen seien ausgetauscht worden.
Nicht alle sächsischen Städte waren betroffen. In Sachsen melden die Verkehrsbetriebe Görlitz, Zwickau und Plauen auf Anfrage von MDR SACHSEN, dass sie während der Hitzetage keinerlei Störungen bei Straßenbahnen und Bussen hatten. Das Ausmaß der Schäden sei enorm, schrieben die LVB in einem Beitrag auf ihrer Facebook-Seite.
Diese Nachricht wurde am 30.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet. Die Berichte aus Leipzig, Dresden, Chemnitz und weiteren Städten zeigen, wie weit die Folgen der Hitzewelle in den öffentlichen Nahverkehr hineinreichen – von blockierten Weichen über verklebte Gleise bis hin zu überhitzten Fahrzeugen.
Durch die Hitze war die Fugenmasse zwischen Schienen und Asphalt geschmolzen und in Schienen und Weichen gelaufen. Dieser Effekt, der bislang in dieser Schwere selten beschrieben wurde, traf offenbar unterschiedlichste Streckenabschnitte – vom Altbestand bis zu neu gebauten Trassen gleichermaßen.
Fragen & Antworten
Warum steht der Leipziger Straßenbahnverkehr still?
Weil extreme Hitze die Fugenmasse zwischen Schienen und Asphalt geschmolzen und in Weichen und Schienen gespült hat, wo sie verklumpte. Die LVB stellte daraufhin den regulären Linienverkehr aus Sicherheitsgründen ein.
Wie groß ist der Schaden am Leipziger Gleisnetz?
Nach LVB-Angaben müssen rund 300 Kilometer Gleisnetz und etwa 60 verklebte Triebwagen gereinigt werden. Mehr als 50 Mitarbeitende arbeiten seit Samstagabend im Dauereinsatz.
Wann fahren die Leipziger Straßenbahnen wieder?
Die LVB kündigte an, dass die ersten Bahnen am Montagabend oder spätestens am Dienstag wieder fahren sollen, zunächst als Zubringer zwischen Randgebieten, Stadtzentrum und wichtigen Umsteigepunkten zum Bus. Vorher seien jedoch noch Testbetrieb, technische Abnahmen und Probefahrten nötig.
Hitzeschäden Leipzig: 300 km Gleise betroffen | nachrichten360