Karner: Minuszuwanderung beim Asyl & Rückkehrprämie
Wien, 28. Juni 2026
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Kurzfassung
Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) sieht beim Asyl erstmals seit Jahrzehnten eine Minuszuwanderung. Zugleich verteidigte er eine Prämie von bis zu 3.000 Euro für freiwillige Rückkehrer nach Syrien und kündigte Maßnahmen gegen Jugendkriminalität an.
Österreichs Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) hat in der ORF-"Pressestunde" am Sonntag für das erste Halbjahr dieses Jahres erstmals seit Jahrzehnten eine "Minuszuwanderung" im Asylbereich gemeldet.
Laut Karner hätten 7.000 Menschen das Land verlassen, weil sie abgeschoben wurden oder weil die Behörden Druck auf sie ausgeübt hätten. Damit habe sich die Bilanz der Wanderungsbewegungen gedreht – weg von einem Zuzugsüberschuss, hin zu einem Saldo, in dem die Abwanderung überwiegt. "Erstmals seit Jahrzehnten haben wir eine Minuszuwanderung zu verzeichnen", sagte er in der ORF-"Pressestunde" am Sonntag.
Rückgang auch beim Familiennachzug
Auch beim Familiennachzug ziehe Karner eine positive Zwischenbilanz: Von 6.000 nachgezogenen Personen im ersten Halbjahr 2024 sei die Zahl auf 55 im ersten Halbjahr 2026 gesunken. Das Ressort wertet das als Beleg für eine wirksamere Steuerung der Migration.
Prämie für freiwillige Rückkehr
Zur Steuerung gehört aus Sicht des Ministers auch eine finanzielle Anreizpolitik: Syrerinnen und Syrern, die freiwillig in ihr Land zurückkehren, soll eine Prämie von bis zu 3.000 Euro ausgezahlt werden. Karner verteidigte das Vorhaben gegen Kritik als pragmatisches Instrument zur Reduktion der Asylzahlen.
EU-Asylpakt als Rahmen
Beim Thema Asyl setzt Karner auf internationale Zusammenarbeit und betonte die Wichtigkeit des EU-Asylpakts. "Es ist notwendig, Grenzverschiebungen anzusprechen." Damit meint er eine stärkere Harmonisierung der Asylpolitik auf europäischer Ebene sowie einen verstärkten EU-Außengrenzschutz. Länder wie Dänemark, die Niederlande, Griechenland und Deutschland wurden in dem Zusammenhang genannt.
Kritik an der Wortwahl der FPÖ
In der Debatte um schärfere Rhetorik in der Migrationspolitik ging Karner zudem mit der FPÖ ins Gericht. Er kritisierte die Verwendung des Begriffs "Remigration" durch die Freiheitliche Partei. Damit bezog er Stellung gegen eine Wortwahl, die außerhalb Österreichs international als problematisch und historisch belastet gilt.
Paket gegen Jugendkriminalität
Beim "Sorgenkind" Jugendkriminalität kündigte Karner ein Paket in Verhandlung an. Konkret sprach er von polizeilichen Regelbelehrungen, bei denen auch die Eltern vorgeladen werden, sowie von Fallkonferenzen für Intensivtäter, einem Messertrageverbot und der gefängnisähnlichen Unterbringung für Intensivtäter zwischen zehn und 14 Jahren. Dieses Maßnahmenbündel wird derzeit zwischen Bund, Ländern und Justiz verhandelt.
Messenger-Überwachung unter rechtsstaatlichen Vorgaben
Im Kampf gegen den Terror bezeichnete Karner die Messenger-Überwachung als notwendig. Diese soll allerdings in einem "extrem engen rechtlichen Korsett" stattfinden, wie er betonte – ein Hinweis darauf, dass Eingriffe in die Kommunikation an hohe rechtsstaatliche Hürden gebunden bleiben sollen.
Karner räumte zugleich ein, dass die politische Stimmung für die ÖVP derzeit schwierig ist. "Natürlich wäre es fein, wenn es in den Umfragen anders wäre", gab er zu. Die Innenpolitik und insbesondere die Asyl- und Sicherheitsthemen gelten in Umfragen als zentrale Mobilisierungsfelder, auf denen die Volkspartei Profil zurückgewinnen will.
Dass es in einer "Auszeit-WG" in Wien nur zwei Plätze für jugendliche Täter gebe, sei nicht ausreichend, sagte Karner. Damit griff er ein konkretes Kapazitätsproblem in der Jugendarbeit auf – und forderte indirekt mehr Plätze und klarere Zuständigkeiten für straffällig gewordene Jugendliche in der Hauptstadt.
Reaktionen und politisches Umfeld
Insgesamt verband Karner die Botschaft von der Minuszuwanderung mit einem Bündel weiterer Vorhaben: Rückkehrprämien, EU-Asylpakt, Maßnahmenpaket gegen Jugendkriminalität und ein strenger gefasster Rahmen für die Messenger-Überwachung. Die Mischung aus Bilanz und Ausblick soll den Kurs der Regierung in Migrations- und Sicherheitsfragen schärfen.
Die Opposition reagierte zurückhaltend. Während die FPÖ die Rhetorik weiter verschärft sehen will, verlangten andere Parteien mehr Transparenz bei den zugrunde liegenden Zahlen und bei der Definition von Minuszuwanderung. Wie sich der Saldo exakt aus Zu- und Abwanderung, Rückführungen und freiwilligen Abreisen zusammensetzt, blieb in der Sendung offen.
Beobachter werten die Wortwahl als bewusstes Signal in eine Phase, in der Umfragen der Regierungspartei wenig Spielraum lassen. Mit der Botschaft einer Trendwende beim Asyl soll der Eindruck einer politischen Wende hin zu mehr Kontrolle vermittelt werden – gerade auch im Hinblick auf die kommenden Debatten im Nationalrat.
Dass die Maßnahmen im Bereich Jugendkriminalität zwischen Bund, Ländern und Justiz noch verhandelt werden, weist auf offene Fragen der Zuständigkeit und Finanzierung hin. Ob das angekündigte Paket in der bisher angedachten Form in Kraft tritt, hängt vom Ausgang dieser Gespräche ab.
Insgesamt zeigt die Pressestunde das Bemühen des Innenministeriums, eine kohärente Linie über mehrere Politikfelder hinweg zu kommunizieren – Migration, innere Sicherheit und Jugendschutz. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Ankündigungen in konkrete Gesetzesvorhaben und Verwaltungshandeln münden.
Die nächsten Datenpunkte werden die Asylstatistiken für das zweite Halbjahr sowie die Ergebnisse der Verhandlungen zum Jugendkriminalitäts-Paket sein. Daran wird sich messen lassen, ob die derzeitige Minuszuwanderung als einmaliger Sondereffekt oder als nachhaltige Trendwende Bestand hat.
Fragen & Antworten
Wer ist Gerhard Karner?
Gerhard Karner ist österreichischer Innenminister und Mitglied der ÖVP. In dieser Funktion äußerte er sich in der ORF-"Pressestunde" zur Asyl- und Sicherheitspolitik.
Was bedeutet "Minuszuwanderung" laut Karner?
Laut Karner haben im ersten Halbjahr mehr Menschen Österreich verlassen – etwa durch Abschiebungen oder behördlichen Druck – als im selben Zeitraum zugewandert sind. Er sprach von "Minuszuwanderung" als Wendepunkt nach Jahrzehnten.
Welche Maßnahmen gegen Jugendkriminalität kündigte Karner an?
Karner nannte polizeiliche Regelbelehrungen unter Einbeziehung der Eltern, Fallkonferenzen für Intensivtäter, ein Messertrageverbot sowie eine gefängnisähnliche Unterbringung für Intensivtäter zwischen zehn und 14 Jahren. Das Paket ist laut seinen Angaben in Verhandlung.
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