Berlin, 09 Juni 2026
Die US-Raumfahrtbehörde NASA hat mit dem Italiener Luca Parmitano erstmals einen ESA-Astronauten für das Mondprogramm Artemis benannt, der 2027 mit der Mission Artemis 3 in eine Erdumlaufbahn starten soll.
Wie NASA-Chef Jared Isaacman ankündigte, gehört Luca Parmitano zu den vier Raumfahrern, die 2027 mit der Mission Artemis 3 ins All fliegen sollen. „Der erste ESA-Astronaut auf einer „Artemis"-Mission wird der Italiener Luca Parmitano“, hieß es in der Bekanntmachung. Damit ist Parmitano der erste Europäer, der im Rahmen des NASA-Mondprogramms fliegt – jedoch nicht zur Landung auf dem Mond.
Artemis 3 ohne Mondlandung
Stattdessen soll das Koppeln des Raumschiffs „Orion" mit Mondlandesystemen getestet werden. „Artemis 3" soll 2027 zu Tests in eine Erdumlaufbahn starten. Eine Mondlandung ist für diese Mission anders als ursprünglich geplant nicht vorgesehen: „Anders als ursprünglich geplant ist bei „Artemis 3" keine Mondlandung vorgesehen“, teilte die NASA mit. Im Notfall steht Bob Hines als Ersatz bereit.
Neben Parmitano gehören die US-Amerikaner Andre Douglas, Frank Rubio und Randy Bresnik zur Crew. Die Mission ist Teil des Artemis-Programms, das 2017 angekündigt wurde und ursprünglich bereits 2024 mit einer bemannten Mondlandung aufwarten sollte. Wegen wiederholter Verzögerungen verschob sich der Zeitplan mehrfach. Die NASA verfolgt mit dem Programm das Ziel, eine dauerhafte Präsenz auf dem Mond aufzubauen.
Reaktionen aus Europa
Für die europäische Raumfahrt ist die Nominierung Parmitanos ein Meilenstein. „Erstmals wird Europa mit einem eigenen Astronauten beim NASA-Mondprogramm dabei sein“, kommentierte der ehemalige ESA-Generaldirektor Jan Wörner, der das Amt von 2015 bis 2021 innehatte. Er beglückwünschte den 49-jährigen Italiener und bezeichnete ihn als „absoluter Profi und zudem ein sehr sympathischer Typ“. Gleichzeitig äußerte er die Erwartung: „Meine Erwartung und Hoffnung ist, dass auch bei der Landung auf dem Mond ein Europäer dabei ist.“
Wörner betonte zudem: „Prima, dass ein Europäer am Artemis-Programm teilnehmen kann“. Sein Nachfolger an der Spitze der ESA, Josef Aschbacher, hatte Ende 2025 angekündigt: „Ich habe entschieden, dass die ersten Europäer, die auf einer Mondmission fliegen werden, Esa-Astronauten deutscher, französischer und italienischer Nationalität sein werden.“ Damit hatte er den deutschen Astronauten zunächst eine frühe Rolle in Aussicht gestellt.
Deutsche Astronauten gehen leer aus
Doch bei Artemis 3 ist kein deutscher Raumfahrer an Bord. Die deutschen ESA-Astronauten Alexander Gerst und Matthias Maurer hatten öffentlich ihren Wunsch geäußert, an der Mondmission teilzunehmen. Die Entscheidung der NASA, Parmitano für den Flug 2027 zu nominieren, bedeutet, dass ein Deutscher bei dieser Mission nicht berücksichtigt wurde.
Für 2028 sind mit Artemis 4 und Artemis 5 zwei Mondlandemissionen geplant. Damit bleibt die Möglichkeit offen, dass bei künftigen Missionen auch ein deutscher Astronaut zum Einsatz kommt. Schon Anfang April dieses Jahres waren Menschen zum ersten Mal seit mehr als einem halben Jahrhundert wieder in die Nähe des Mondes geflogen, hatten diesen allerdings nicht betreten.
Ausblick auf Artemis 4 und 5
Luca Parmitano blickt auf eine langjährige Astronautenkarriere zurück. Er war bereits 2019 zum zweiten Mal ins All geflogen. Mit seiner Nominierung für Artemis 3 setzt er seine Karriere im Rahmen der internationalen Zusammenarbeit zwischen NASA und ESA fort. Das Artemis-Programm ist nach der griechischen Göttin des Mondes und Zwillingsschwester des Gottes Apollo benannt und bildet das zentrale Vorhaben der NASA für die kommenden Jahre.
Die ESA und die NASA hatten die Partnerschaft im Rahmen des Artemis-Programms über Jahre aufgebaut. Mit dem europäischen Servicemodul des Orion-Raumschiffs liefert Europa ein zentrales technisches Element. Die Nominierung Parmitanos ist der bislang sichtbarste Ausdruck dieser Zusammenarbeit bei der Besatzung.
