Israelische Angriffe auf Beiruter Vororte erschüttern fragile Waffenruhe mit dem Libanon
Beirut, 7. Juni 2026
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Kurzfassung
Die israelische Armee hat am 7. Juni 2026 Vororte der libanesischen Hauptstadt Beirut angegriffen, obwohl eine Waffenruhe in Kraft ist. Zeitgleich starben im Südlibanon drei Soldaten der libanesischen Armee durch einen israelischen Beschuss, was die Spannungen weiter verschärft.
Trotz einer formell geltenden Waffenruhe hat die israelische Armee am 7. Juni 2026 Vororte der libanesischen Hauptstadt Beirut bombardiert, während zugleich im Südlibanon drei Soldaten der libanesischen Armee bei einem israelischen Angriff auf ein Militärfahrzeug getötet wurden.
Waffenruhe in Washington vereinbart
In der Nacht zum Donnerstag hatten sich Israel und der Libanon nach Angaben des US-Außenministeriums zwar auf einen neuen Anlauf zur Umsetzung der bisher faktisch kaum wirksamen Waffenruhe geeinigt. Die Vereinbarung war zuvor bei Gesprächen in Washington getroffen worden. Israel und die libanesische Regierung hatten sich am Mittwoch bei Gesprächen in Washington auf die „Umsetzung einer Waffenruhe" geeinigt. Es sollten dabei bestimmte „Testgebiete" unter „exklusiver Kontrolle" der libanesischen Armee geschaffen werden, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung. Beide schränkten ein, dass die Umsetzung aber von der Einstellung der Angriffe der Hisbollah abhänge.
Die pro-iranische Miliz, die bereits die vorherigen Waffenruhen mit Israel abgelehnt hatte, akzeptiert aber auch die neue Vereinbarung nicht. Die Hisbollah lehnte die vereinbarten Bedingungen ab, kurz darauf erfolgten neue Angriffe der mit dem Iran verbündeten Miliz. Die vom Iran unterstützte Hisbollah, die nicht an den Verhandlungen beteiligt war, lehnte die Bedingungen jedoch ab. Der Libanon war Anfang März in den Iran-Krieg hineingezogen worden, nachdem der oberste iranische Führer Ajatollah Ali Khamenei getötet worden war. Seitdem habe die Hisbollah wiederholt Raketen auf Israel abgefeuert.
Angriffe auf Beiruter Vororte Dahija
Am 7. Juni flog die israelische Armee Angriffe auf die als Dahija bekannten Vororte von Beirut. Die Armee habe „Terroristen-Hauptquartiere" als Reaktion auf den Beschuss Israels durch die Hisbollah angegriffen, teilten Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Israel Katz mit. Videos von Augenzeugen zeigten dichte Rauchwolken in den als Dahija bekannten Vororten von Beirut, die als Hochburg der Hisbollah gelten, aber auch dicht bewohnt sind. Augenzeugen beschrieben schwere Zerstörung an einem der Gebäude über mehrere Stockwerke. Die Vororte Dahija gelten als Hochburg der iranisch gestützten Hisbollah und sind überwiegend schiitisch geprägt.
Israel hatte seit Inkrafttreten einer offiziellen Waffenruhe Mitte April die Angriffe deutlich eingeschränkt. US-Präsident Donald Trump hatte auch einen Stopp israelischer Angriffe in dem Gebiet und ein Ende von Angriffen der Hisbollah auf Israel verkündet. Doch Israel hatte jedoch damit gedroht, diese Gebiete bei Hisbollah-Attacken auf Israel erneut anzugreifen und die Bewohner der Vororte erneut Mal zur Flucht gedrängt. Israel setzte derweil seine Angriffe im Libanon fort und veröffentlichte Evakuierungsaufforderungen für fünf Dörfer im Süden und Osten des Landes.
Evakuierungsaufforderungen für fünf Dörfer
Die Armeesprecher Avichay Adraee kündigte auf der Plattform X an, dass die Bewohner ihre Häuser aus Sicherheitsgründen sofort verlassen und sich nördlich des Sahrani-Flusses aufhalten sollten. Der Sahrani-Fluss ist etwa 30 Kilometer lang, entspringt im Libanon-Gebirge und mündet rund sieben Kilometer südlich der historischen Hafenstadt Sidon ins Mittelmeer. Adraee warnte, jeder in der Nähe von Hisbollah-Kämpfern, deren Einrichtungen und Waffen gefährde sein eigenes Leben. Die Armee begründete die Evakuierungsanordnung mit Verstößen der Hisbollah gegen die Waffenruhe.
Drei Soldaten der libanesischen Armee getötet
Bei einem israelischen Angriff auf ein Militärfahrzeug im Südlibanon sind nach Angaben der libanesischen Armee zwei Offiziere und ein Soldat getötet worden. Die libanesische Armee teilte mit, drei Soldaten seien am Samstag beim Beschuss eines Militärfahrzeugs im Süden des Landes getötet worden. Der Angriff ereignete sich auf der Straße von Kafr Tibnit nach Charbital in der Region Nabatija. Die libanesische Armee ist in dem Konflikt zwischen Israel und der proiranischen Terrorgruppe Hisbollah keine aktive Kriegspartei und verhält sich neutral.
Die israelische Armee bestätigte den Angriff, widersprach jedoch der Darstellung. Die israelische Armee erklärte, das angegriffene Fahrzeug habe sich „verdächtig bewegt" in einer „aktiven Kampfzone". Das Fahrzeug habe sich „verdächtig" auf israelische Soldaten zubewegt und sei in einer zuvor evakuierten Kampfzone unterwegs gewesen. Bewegungen in solchen Zonen müssten mit der israelischen Armee abgestimmt werden. Zudem lagen nach Armeeangaben konkrete Hinweise vor, dass die Hisbollah aus diesem Gebiet Feuer auf israelische Soldaten eröffnen wollte. Nach der Identifizierung des Fahrzeugs und angesichts dieser Lageeinschätzung sei der Befehl zum Beschuss erteilt worden.
Die libanesische Armee erklärte heute auf X zudem, Israel greife anhaltend den Libanon und seine Bevölkerung an. Dies ziele darauf ab, alle Bemühungen um eine Lösung zu vereiteln, die eine Wiederherstellung der Stabilität, einen umfassenden Waffenstillstand und den Rückzug Israels aus den besetzten libanesischen Gebieten ermöglicht. Der libanesische Präsident Joseph Aoun sprach von einem eklatanten Verstoß gegen die libanesische Souveränität sowie internationale Gesetze und Normen. Aoun erklärte auf der Plattform X, die Eskalation erfolge trotz der Bemühungen des Libanons, in Verhandlungen den israelischen Angriffen ohne Abschreckung ein Ende zu setzen.
Die Angriffe im Libanon richteten sich gegen die „Terrororganisation Hisbollah", betonte das Militär und kündigte zugleich an, den Vorfall zu prüfen. Der Vorfall werde untersucht. Die israelische Armee erklärte, sie habe bei ihrem Militäreinsatz gegen die pro-iranische Hisbollah binnen 48 Stunden rund 150 Ziele im Süden des Libanon angegriffen. Dabei seien Waffenlager, Kommandozentralen und Raketenabschussvorrichtungen der Miliz ins Visier genommen worden. Zuvor war der Norden Israels erneut vom Libanon aus mit Raketen angegriffen worden; die Raketenabwehr habe zwei Geschosse abgefangen, die auf israelisches Gebiet vorgedrungen seien, teilte die Armee mit.
Die pro-iranische Hisbollah erklärte unterdessen, sie habe israelische Soldaten im Süden des Libanon angegriffen sowie einen Artillerieposten auf der israelischen Seite der Grenze. Israel hatte jedoch damit gedroht, diese Gebiete bei Hisbollah-Attacken auf Israel erneut anzugreifen und die Bewohner der Vororte erneut Mal zur Flucht gedrängt. Die Hisbollah lehnte die vereinbarten Bedingungen ab, kurz darauf erfolgten neue Angriffe der mit dem Iran verbündeten Miliz.
Israels Begründung der Angriffe
Zu Beginn einer Kabinettssitzung sagte Netanjahu: „Wir werden nicht zulassen, dass die Hisbollah auf unser Gebiet und unsere Gemeinden schießt - und wir werden entsprechend handeln". Im Libanon habe die israelische Armee im Laufe einer Woche 350 „Terroristen" getötet. Netanjahu sagte weiter: „Wir greifen sie sehr hart an, und wir wissen, dass die Hisbollah auf der Flucht ist". Damit begründete die israelische Führung das militärische Vorgehen als Reaktion auf den anhaltenden Raketenbeschuss aus dem Libanon. Die Angriffe zielen nach offizieller israelischer Darstellung ausschließlich auf die pro-iranische Miliz, nicht auf die libanesische Zivilbevölkerung.
Diplomatische Bemühungen und iranische Reaktion
Die Eskalation fällt in eine Phase verstärkter diplomatischer Bemühungen. Libanesische Staatsmedien berichteten, die israelische Armee habe mehrere Angriffe im Süden und Losten des Libanon ausgeführt. Der Iran besteht darauf, den Libanon in ein mögliches Abkommen mit den USA zur Beendigung des Kriegs einzubeziehen. Die iranische Nachrichtenagentur Tasnim berichtete, dass der pakistanische Innenminister Mohsin Naqvi zu Gesprächen mit dem iranischen Außenminister Abbas Araghchi und weiteren hochrangigen iranischen Vertretern nach Iran gereist sei. Der Chef der libanesischen Armee habe sich laut Medienberichten auf dem Weg nach Pakistan befunden.
Parallel verschärft sich auch der regionale Konflikt mit dem Iran. Das US-Militär hat nach eigenen Angaben mehrere vom Iran auf Kuwait und Bahrain abgefeuerte Raketen abgefangen. Das US-Militär hat nach eigenen Angaben zwei iranische Drohnen abgeschossen. Dies teilt das zuständige US-Regionalkommando auf der Plattform X mit. Der Iran wirft den USA nach Angriffen auf Radaranlagen eine Verletzung der Waffenruhe vor. Zudem warnte der Iran seine Nachbarstaaten, den USA keine Gebiete für Militäroperationen zur Verfügung zu stellen. Iran kritisierte die USA und bezeichnete die Lage als „Diskriminierung höchster Stufe".
Humanitäre Folgen für die Zivilbevölkerung
Die humanitären Folgen für die libanesische Zivilbevölkerung sind bereits spürbar. Das Hiram-Krankenhaus in der Stadt Tyros teilte mit, eine Krankenschwester sei auf dem Weg zur Arbeit durch einen Angriff getötet worden. Die Nachrichtenagentur AP berichtete insgesamt neun Tote bei israelischen Angriffen im Südlibanon. Die palästinensische Behörde meldete Tote nach einem Angriff im Gazastreifen. Die Gewalt in der Region droht damit, die mühsam ausgehandelte Waffenruhe zwischen Israel und der libanesischen Regierung vollends zu zerreißen.
Die Waffenstillstandsvereinbarung sieht vor, dass bestimmte „Testgebiete" unter „exklusiver Kontrolle" der libanesischen Armee geschaffen werden. Beide Seiten hatten die Umsetzung an die Bedingung geknüpft, dass die Hisbollah ihre Angriffe einstellt. Da die Miliz dies ablehnt, bleibt die Vereinbarung vorerst ein Papier. Die Entwicklungen der kommenden Tage werden zeigen, ob die diplomatischen Kanäle – insbesondere über Vermittler wie Pakistan und die USA – eine weitere Eskalation verhindern können.
Fragen & Antworten
Wer ist Joseph Aoun und wie reagierte er auf den Angriff?
Joseph Aoun ist der Präsident des Libanon. Er bezeichnete den Angriff als eklatanten Verstoß gegen die libanesische Souveränität sowie internationale Gesetze und Normen und kritisierte die Eskalation als Verhandlungsblockade.
Warum griff Israel die Vororte von Beirut an, obwohl eine Waffenruhe gilt?
Nach Angaben von Ministerpräsident Netanjahu und Verteidigungsminister Katz reagierte Israel mit den Angriffen auf vorherigen Raketenbeschuss durch die Hisbollah. Die Hisbollah hat die Waffenruhevereinbarung mit der libanesischen Regierung jedoch nie anerkannt.
Welche Rolle spielt die Hisbollah in dem Konflikt?
Die Hisbollah ist eine pro-iranische Miliz, die nicht an den Waffenruheverhandlungen beteiligt war und die vereinbarten Bedingungen ablehnt. Sie verübt nach israelischer Darstellung Angriffe auf israelisches Gebiet, woraufhin Israel Vergeltungsschläge gegen Stellungen der Miliz ausführt.
Israel bombardiert Beiruter Vororte – Waffenruhe mit | nachrichten360