Iranische Raketenangriffe auf Israel bringen US-Verhandlungen mit Teheran unter Druck
Berlin, 08 Juni 2026
Israel Central Bureau of Statistics / Wikimedia Commons / Attribution
Kurzfassung
Der Iran hat am Sonntagabend erstmals seit zwei Monaten Raketen auf Israel abgefeuert und damit die ohnehin stockenden Verhandlungen mit den USA über ein Ende des Kriegs zusätzlich belastet. Trump forderte beide Seiten auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren, und warnte Israel vor Gegenangriffen.
Berlin, 08 Juni 2026
Der Iran hat am Sonntagabend erstmals seit Anfang April Raketen auf Israel abgefeuert, woraufhin US-Präsident Donald Trump Israel zur Zurückhaltung aufrief und beide Seiten zur Rückkehr an den Verhandlungstisch aufforderte.
Angriff und Vorgeschichte
Der Iran hat am späten Sonntagabend nach Angaben der Armee zwei Angriffswellen mit insgesamt mindestens zehn Raketen auf israelisches Territorium abgefeuert. Es war der erste direkte Angriff dieser Art seit der Nacht auf den 8. April, wie das israelische Militär mitteilte. Augenblicklich wurde eine verletzte Person in Israel gemeldet; nach Armeeangaben wurden sämtliche Projektile abgefangen. Die Raketen richteten sich demnach vor allem gegen den Norden Israels, von Haifa bis zur Küstenstadt Caesarea heulten Sirenen.
Wie die Armee mitteilte, gab es zwei Angriffswellen. Alle Raketen wurden demnach abgefangen. Das Heimatschutzkommando habe eine vorsorgliche Anweisung direkt an Mobiltelefone in den betroffenen Gebieten gesendet. Unterricht in allen Schulen Israels wurde laut dem Zivilschutz für Montag abgesagt, der internationale Flughafen bei Tel Aviv blieb nach Medienberichten zunächst geöffnet.
Die iranische Militärführung bestätigte die Angriffe über den staatlichen Rundfunk. In einer vom staatlichen Rundfunk verbreiteten Erklärung begründeten die iranischen Streitkräfte die Attacke mit "wiederholten Verstößen" der Armee gegen die Waffenruhe im Libanon. Die iranischen Revolutionsgarden bezeichneten die Attacke als Warnung nach den jüngsten israelischen Luftangriffen gegen Ziele der vom Iran unterstützten Hisbollah-Miliz im Süden der libanesischen Hauptstadt Beirut. Teheran habe die Angriffe gestartet, um die schiitische Hisbollah-Miliz im Libanon zu unterstützen, hieß es.
Beirut unter Beschuss
Auslöser war nach Darstellung Teherans ein israelischer Luftangriff auf ein Hauptquartier der Hisbollah im Beiruter Vorort Dahiyeh am Sonntagnachmittag. Israels Armee hat trotz der eigentlich verkündeten Waffenruhe die Vororte der libanesischen Hauptstadt Beirut angegriffen. Die Armee habe "Terroristen-Hauptquartiere" als Reaktion auf den Beschuss Israels durch die Hisbollah angegriffen, teilten Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Israel Katz mit. Videos von Augenzeugen zeigten dichte Rauchwolken in den als Dahija bekannten Vororten von Beirut, die als Hochburg der Hisbollah gelten, aber auch dicht bewohnt sind. Augenzeugen beschrieben schwere Zerstörung an einem der Gebäude über mehrere Stockwerke. Nach Angaben einer Klinik wurden bei den Angriffen in Beirut mindestens zwei Menschen getötet.
Am Abend zuvor war der Norden Israels erneut vom Libanon aus mit Raketen angegriffen worden. Die Raketenabwehr habe zwei Geschosse abgefangen, die auf israelisches Gebiet vorgedrungen seien, teilte die Armee mit. Israel fliegt seinerseits Luftangriffe auf zahlreiche Ziele im Libanon und schickte Bodentruppen über die Grenze. Netanjahu sagte zum Auftakt einer Kabinettssitzung: "Wir werden nicht zulassen, dass die Hisbollah auf unser Gebiet und unsere Gemeinden schießt - und wir werden entsprechend handeln". Im Libanon habe die Armee im Laufe einer Woche 350 "Terroristen" getötet. "Wir greifen sie sehr hart an, und wir wissen, dass die Hisbollah auf der Flucht ist", sagte Netanjahu weiter.
Noch am Samstag hatte die Armee alle Einwohner von fünf Ortschaften und Dörfern im Südlibanon zur sofortigen Evakuierung aufgefordert. Armeesprecher Avichay Adraee erklärte auf X, die Bewohner sollten ihre Häuser zu ihrer eigenen Sicherheit unverzüglich verlassen und sich nördlich des Flusses Sahrani begeben. Der Sahrani-Fluss ist rund 30 Kilometer lang. Er entspringt im Libanongebirge und mündet etwa sieben Kilometer südlich der historischen Hafenstadt Sidon ins Mittelmeer. "Jeder, der sich in der Nähe von Hisbollah-Kämpfern, deren Einrichtungen und Kampfmitteln aufhalte, bringe sein Leben in Gefahr", warnte Adraee. Der Armeesprecher begründete den Evakuierungsbefehl auf X mit Verstößen der libanesischen Hisbollah-Miliz gegen die Waffenruhe.
Drohungen und Vergeltungssignale
Der Armeechef Samir drohte dem Iran mit einer harten Reaktion, sobald es dafür grünes Licht gebe. Auch der Armeechef warnte den Iran. Jerusalem wertete den Beschuss als direkten Bruch der Waffenruhe. Nach einer Sicherheitsberatung mit Netanjahu unter Beteiligung von Militär und Geheimdienst kündigte ein israelischer Regierungsvertreter Konsequenzen an. "Der Iran kann vergessen, dass wir das hinnehmen werden – die Reaktion wird hart ausfallen", sagte der namentlich nicht genannte Vertreter. Israel werde nicht zulassen, dass Iran neue Regeln etabliere oder Israels Souveränität verletze. Die Reaktion werde «hart» ausfallen, hieß es.
Der Iran hatte zuletzt in der Nacht auf den 8. April Raketen auf Israel abgefeuert. Am selben Tag hatten sich die USA und der Iran auf eine zunächst zweiwöchige Waffenruhe geeinigt, die anschließend verlängert wurde. Israel hatte seit Inkrafttreten einer offiziellen Waffenruhe Mitte April die Angriffe im Raum Beiruts deutlich eingeschränkt. In den vergangenen Tagen habe der Iran nach US-Informationen zudem Raketen auf Kuwait und Bahrain abgefeuert, erklärten US-Stellen. Beide Golfstaaten verurteilten die Angriffe als Verletzung ihrer Souveränität. Auch im iranischen Nachbarstaat Irak und in Syrien wurde jeweils der Luftraum vorerst gesperrt. Bei dem iranischen Angriff drangen mehrere Raketen auch in den Luftraum Jordaniens ein, wie dessen Regierung mitteilte.
Israels Armee meldet Raketenangriffe aus dem Iran. Nach Darstellung der israelischen Seite handelte es sich um die ersten iranischen Angriffe auf Israel seit Anfang April. Ein Militärsprecher erklärte, der Iran habe mit den neuen Raketenangriffen einen "schweren Fehler" begangen. Trump drängte Israel allerdings, von Gegenangriffen auf den Iran abzusehen. Trump hatte zuvor einen Stopp israelischer Angriffe in dem Gebiet und ein Ende von Angriffen der Hisbollah auf Israel verkündet. Trump hatte auch einen Stopp israelischer Angriffe in dem Gebiet und ein Ende von Angriffen der Hisbollah auf Israel verkündet.
Trumps Vermittlungsversuch
Trump forderte stattdessen gegenüber dem US-Nachrichtenmagazin "Axios" die Rückkehr beider Seiten an den Verhandlungstisch. Er forderte die Rückkehr an den Verhandlungstisch und kündigte an, im Anschluss mit Netanjahu zu telefonieren. Trump wollte anschließend mit dem israelischen Premier Netanjahu telefonieren. Gegenüber dem israelischen Journalisten Barak Ravid sagte Trump, er werde Netanjahu "sofort" anrufen, um Zurückhaltung zu mahnen: "Beide haben ihren Schlag gehabt — wir brauchen keinen weiteren". Im Sender Fox News zeigte sich Trump besorgt über die Eskalation und erklärte, iranische Angriffe auf Nordisrael würden den Verhandlungen mit Teheran "nicht helfen".
Trump sagte dem Sender weiter, die USA seien einer Einigung "sehr nah" gewesen und hätten mit einer Unterzeichnung noch in derselben Woche gerechnet. Laut Fox News deutete Trump an, dass die Iran-Verhandlungen auf eine mögliche Einigung zusteuerten, die "am Montag, Dienstag oder Mittwoch kommender Woche" erreicht werden könnte. Trump sagte zudem gegenüber Axios, er sei zuversichtlich, dass bald eine Einigung erzielt werden könne, und verwies darauf, dass Washington und Teheran auf dem Weg zu einem "guten" Abkommen seien; er wolle nicht, dass dieses durch die aktuellen Ereignisse scheitere. Trump: Keine Aufhebung der Iran-Sanktionen ohne Friedensabkommen.
Hintergrund: Krieg, Hormus und Energiepreise
Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran über eine dauerhafte Beendigung des Kriegs haben aber bisher keine Einigung gebracht. Am 28. Februar hatten Israel und die USA ihren Krieg gegen den Iran begonnen. Der Libanon war Anfang März in den Iran-Krieg hineingezogen worden. Seit Kriegsbeginn Ende Februar mit US-israelischen Angriffen auf den Iran hatte dieser die weltweit für den Öltransport wichtige Meerenge vor seiner Küste blockiert. Trump knüpfte die Waffenruhe auch an die Öffnung der Straße von Hormus. Nach dem Start einer US-Seeblockade in der Meerenge war vor einer Wiederaufnahme iranischer Angriffe auf Israel gewarnt worden. Die Durchfahrt von Tankern kam quasi zum Erliegen. In der Folge stiegen die Energiepreise weltweit deutlich an – was auch Trump innenpolitisch unter Druck setzte.
Israels Armee hatte Teheran gewarnt, dass die Hisbollah die Bedingungen für eine Waffenruhe ablehne und neue Angriffe folgen würden. Hisbollah-Chef Naim Kassim hatte die Vereinbarung zwischen der libanesischen Regierung und Israel abgelehnt. Die Hisbollah war nicht an den Verhandlungen beteiligt. Der Iran fordert in den Gesprächen mit Washington über eine Beilegung des Iran-Kriegs auch eine Einstellung der Kämpfe im Libanon. Kritiker stellten in Frage, ob es in den Verhandlungen zwischen Washington und Teheran zuletzt überhaupt Fortschritte gegeben habe, während Trump dies regelmäßig behauptet.
Israels Armee griff unterdessen im Südlibanon ein Militärfahrzeug an, bei dem nach Angaben der libanesischen Armee zwei Offiziere und ein Soldat getötet wurden. Der libanesische Präsident Joseph Aoun sprach auf der Plattform X von einer "eklatanten Verletzung" der libanesischen Souveränität. Die libanesische Armeeführung warf Israel vor, den Libanon und seine Bevölkerung fortlaufend anzugreifen, um Bemühungen um eine umfassende Waffenruhe und einen israelischen Rückzug aus besetztem libanesischem Gebiet zu sabotieren. Die libanesische Armee ist keine aktive Kriegspartei im Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah und verhält sich neutral. Das israelische Militär bestätigte den Angriff, erklärte jedoch, das Fahrzeug habe sich "verdächtig" auf israelische Soldaten zubewegt. Eine US-Studie sieht Trump vor einer strategisch schwierigen Lage.
Libanon, Hisbollah und regionale Eskalation
Der israelische Iran-Experte Danny Citrinowicz schrieb auf der Plattform X, Trump stehe vor einer "besonders schwierigen strategischen Situation". "Die ihm zur Verfügung stehenden Optionen sind alles andere als günstig, und er scheint eher bereit zu sein, nahezu um jeden Preis eine Einigung mit dem Iran zu erzielen, als ein Abgleiten in eine umfassendere regionale Konfrontation zu riskieren". Das US-Militär hat nach eigenen Angaben zwei iranische Drohnen abgeschossen. Dies teilt das zuständige US Regionalkommando auf der Plattform X mit. Diese Nachricht wurde am 08.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
Der Iran hatte bereits nach israelischen Angriffen auf den Libanon mit Vergeltung gedroht. Der oberste iranische Unterhändler drohte zudem mit Angriffen auf US-Stützpunkte. Der Iran hatte seine Raketensalven am späten Sonntagabend als Reaktion auf neue israelische Angriffe auf Vororte der libanesischen Hauptstadt Beirut am Sonntagnachmittag abgefeuert. Eine Klinik im Gazastreifen meldete fünf Tote bei einem israelischen Angriff. Medienberichten zufolge wollten die USA iranische Gelder für den Wiederaufbau am Golf verwenden; Kuwait kaufte ein Drohnenabwehrsystem in den USA.
Fragen & Antworten
Wer hat die Raketen auf Israel abgefeuert?
Nach Angaben der Armee und iranischer Staatsmedien hat der Iran am späten Sonntagabend zwei Angriffswellen mit mindestens zehn Raketen auf Israel abgefeuert – der erste direkte Angriff dieser Art seit Anfang April. Sämtliche Projektile seien abgefangen worden, hieß es aus Israel.
Warum hat der Iran die Angriffe ausgeführt?
Teheran begründete die Attacke mit "wiederholten Verstößen" Israels gegen die Waffenruhe im Libanon und kündigte an, damit die schiitische Hisbollah-Miliz im Libanon zu unterstützen. Auslöser war ein israelischer Luftangriff auf ein Hisbollah-Hauptquartier im Beiruter Vorort Dahiyeh.
Was fordert Trump nach den Angriffen?
Trump rief Israel zu Zurückhaltung auf und verlangte von beiden Seiten die Rückkehr an den Verhandlungstisch. Gegenüber Axios kündigte er an, umgehend mit Ministerpräsident Netanjahu zu telefonieren, und sagte: "Beide haben ihren Schlag gehabt – wir brauchen keinen weiteren".
Iran-Raketen auf Israel: Friedensgespräche unter Druck | nachrichten360