Größter Börsengang der Geschichte: SpaceX startet mit 1,77 Billionen Dollar an der Nasdaq
New York, 11 Juni 2026
Bruno Sanchez-Andrade Nuño from Washington, DC, USA / Wikimedia Commons / CC BY 2.0
Kurzfassung
Das Raumfahrtunternehmen SpaceX hat den größten Börsengang der Geschichte abgeschlossen und wird mit rund 1,77 Billionen Dollar bewertet. Kleinanleger reichten trotz Risikowarnungen Kaufangebote von mehr als 100 Milliarden Dollar ein, während Gründer Elon Musk seine Mehrheitskontrolle behält.
New York, 11 Juni 2026
Das US-Raumfahrtunternehmen SpaceX hat am Donnerstag den nach eigenen Angaben größten Börsengang der Geschichte vollzogen und wird dabei mit rund 1,77 Billionen Dollar bewertet; der Handel an der Nasdaq in New York soll am Freitag beginnen.
Ein Volumen der Superlative
Das Raumfahrtunternehmen SpaceX hat den nach eigenen Angaben größten Börsengang der Geschichte abgeschlossen. Insgesamt verkaufte das Unternehmen 555,6 Millionen Aktien zum Stückpreis von 135 Dollar, wie aus den Unterlagen hervorgeht. Daraus ergibt sich ein Emissionsvolumen von rund 75 Milliarden Dollar und eine Bewertung von etwa 1,77 Billionen Dollar – der bisherige Rekordhalter Saudi Aramco hatte 2019 knapp über 29 Milliarden Dollar eingenommen.
Anders als bei vielen anderen Börsengängen legte SpaceX den Ausgabepreis von 135 Dollar vorab selbst fest. Üblicherweise nennen Unternehmen zunächst eine Spanne - und ermitteln den Preis dann basierend auf dem Interesse der Investoren. Laut der Börsenaufsicht SEC will das Unternehmen wegen der großen Nachfrage mehr Aktien ausgeben als ursprünglich geplant. Die ausgegebenen Anteile entsprechen knapp fünf Prozent der insgesamt existierenden SpaceX-Aktien.
Andrang der Kleinanleger übertrifft Erwartungen
Wie mehrere Medien unter Berufung auf Insider berichteten, war der Andrang von Kleinanlegern riesig. Sie sollen über eine Handvoll ausgewählter Broker Kaufangebote für über 100 Milliarden Dollar eingereicht haben. Auf Privatanleger entfielen allerdings nur etwas mehr als 20 Prozent der ausgegebenen Aktien – den Großteil erhielten institutionelle Investoren wie Vermögensverwalter, darunter Blackrock, Banken, Hedgefonds und passive Indexfonds.
Der zentrale Geldbringer von SpaceX ist der Satelliteninternet-Dienst Starlink. Im vergangenen Jahr erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 18,67 Milliarden Dollar (rund 16 Milliarden Euro). So gab es im vergangenen Jahr rote Zahlen von rund 4,94 Milliarden Dollar. Wegen Milliarden-Investitionen in Künstliche Intelligenz schrieb SpaceX zuletzt allerdings rote Zahlen. Ein Grund für das Minus sind die hohen Kosten für die Entwicklung der großen Rakete Starship.
Geschäftsmodell: Starlink, Raketen, KI
Zugleich hat SpaceX für seine wiederverwendbaren Trägerraketen lukrative Verträge mit der US-Raumfahrtagentur Nasa abgeschlossen. Künftig will das Unternehmen verstärkt auf Künstliche Intelligenz setzen, auch mithilfe von Datencentern im Weltraum. Der Konzern mit Hauptsitz in Texas positioniert sich damit an der Schnittstelle von Raumfahrt, Satelliteninternet und KI-Infrastruktur.
Musk wird mit einem Stimmrechtsanteil von mehr als 80 Prozent auch nach dem Börsengang die volle Kontrolle über SpaceX behalten. Basis dafür sind Aktien mit mehr Stimmrechten. Konkret hält Musk über seine Class-B-Aktien mehr als 82 Prozent der Stimmrechte. Der Konzern nutzt damit ein sogenanntes Dual-Class-Share-Modell, das ihn vor dem Einfluss externer Aktionäre abschirmt. Elon Musk hat sogar versprochen, im ersten Jahr nach dem Börsengang keine Aktien zu verkaufen.
Musk behält die Kontrolle
Elon Musk, der das Raumfahrt-Startup 2002 gegründet hatte, könnte dadurch zum weltweit ersten Billionär werden. Musk besitzt nach verfügbaren Angaben mehr als 40 Prozent der SpaceX-Anteile. Der Milliardär führt daneben den Elektroautobauer Tesla. Finanzexperten haben Investoren deshalb vor Risiken beim Kauf von Aktien gewarnt.
Auf Basis der IPO-Bewertung ist SpaceX mehr wert als der Facebook-Mutterkonzern Meta. Mit rund 1,8 Billionen Dollar zählt das Unternehmen laut Berechnungen zu den zehn wertvollsten Konzernen weltweit. Teslas Marktkapitalisierung wird mit 1,5 Billionen Dollar angegeben und liegt damit unter dem projizierten SpaceX-Wert. Gemessen am Jahresumsatz ist SpaceX im Nasdaq-100-Technologieindex die teuerste Aktie mit 135 Dollar pro Anteil.
Der Weg für den Handelsbeginn am Freitag ist nun frei. Allerdings wird der reguläre Handel nicht bereits um 9:30 Uhr New Yorker Zeit starten, sondern mit einigen Stunden Verzögerung. Hintergrund ist, dass die Market-Making-Banken Zeit benötigen, um das erwartet hohe Volumen an Kauf- und Verkaufsorders zu organisieren. Deutsche Anleger konnten bereits am Donnerstag Orders für eine mögliche Zuteilung abgeben.
Passive Indexfonds sind verpflichtet, SpaceX-Aktien zu kaufen, da das Unternehmen in Kürze in große Indizes wie den Nasdaq 100 aufgenommen wird. Allerdings hatten nicht alle Indexanbieter ihre Regeln gelockert, um SpaceX einen beschleunigten Eintritt zu ermöglichen: Während Nasdaq-100 und Russell ihre Fast-Entry-Regeln anpassten, verzichtete S&P auf eine Lockerung. 87 Prozent der Teilnehmer einer Umfrage auf dem LinkedIn-Profil von Autor Leon Müller begrüßen die Entscheidung von S&P, die Aufnahmeregeln für die eigene Indexfamilie nicht zu lockern, um SpaceX einen Fast Entry zu ermöglichen.
Risikohinweise und historische Erfahrungen
Der hohe Anteil an Kleinanlegern könnte nach Einschätzung von Sam Grelck von Truist Advisory Services für zusätzliche Volatilität sorgen. Tech-Aktien unterliegen derzeit ohnehin starken Kursschwankungen. Märkte sind aktuell durch den Iran-Krieg und Unsicherheiten über Gewinner und Verlierer des KI-Booms geprägt. Im Schnitt steigen IPOs am ersten Handelstag um rund 19 Prozent – bei einem Ausgabepreis von 135 Dollar entspräche das etwa 30 Dollar pro Aktie.
Allerdings zeigen historische Daten, dass Börsenneulinge langfristig nicht immer profitabel sind. Eine Analyse von Truist zu 30 großen Tech-IPOs der vergangenen 15 Jahre ergab einen durchschnittlichen maximalen Verlust von 55 Prozent im ersten Handelsjahr; mehr als die Hälfte notierte ein Jahr nach dem Debut unter dem Ausgabepreis. Der IPO-Forscher Jay Ritter von der University of Florida berichtete, dass über mehr als 9200 IPOs seit 1980 die durchschnittliche marktbereinigte Drei-Jahres-Rendite für Anleger, die zum Schlusskurs des ersten Tages kauften, bei minus 21 Prozent lag.
SpaceX-Mitarbeiter können ihre Anteile in den kommenden Monaten nur gestaffelt verkaufen, nicht sofort. Einige Insider – Musk selbst hat sich ausdrücklich ausgeschlossen – dürfen ihre Aktien bereits rund zwei Tage nach dem ersten Quartalsbericht verkaufen, anstatt der üblichen 180-tägigen Sperrfrist zu unterliegen. Pensionsfonds aus Kalifornien und New York kritisierten Musks Governance-Struktur in einem Schreiben.
Ausblick auf den Handelsstart
Der Börsengang katapultiert Musk in eine neue Sphäre: Auf dem Papier überschritt sein Vermögen – gerechnet aus seinen SpaceX- und Tesla-Anteilen – erstmals die Marke von einer Billion Dollar. Damit wäre er der erste Mensch, dessen Privatvermögen diese symbolische Schwelle übersteigt. Early-Investoren von SpaceX gehören ebenfalls zu den größten Profiteuren: Sie stehen vor einigen der höchsten Buchgewinne in der Geschichte des Wagniskapitals.
Die Reaktion an den Märkten dürfte in den kommenden Tagen genau beobachtet werden. Der weltgrößte Börsengang gilt als Lackmustest dafür, ob die Anleger auch in einem von geopolitischen Spannungen und KI-Spekulationen geprägten Umfeld weiterhin bereit sind, hohe Bewertungen für Zukunftstechnologien zu akzeptieren. Diese Nachricht wurde am 12.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
Leon Müller, Redaktion finanzen.net, zeichnet für die Berichterstattung verantwortlich. Der Artikel skizziert, wer bereits früh in SpaceX investierte und nun von dem Börsengang profitiert. finanzen.net ZERO bietet den Handel mit US-Aktien bis 23 Uhr ohne Ordergebühren an, zuzüglich Spreads.
Fragen & Antworten
Wie groß ist der Börsengang von SpaceX?
SpaceX verkaufte 555,6 Millionen Aktien zum Preis von 135 Dollar – das entspricht einem Emissionsvolumen von rund 75 Milliarden Dollar und einer Bewertung von etwa 1,77 Billionen Dollar. Damit übertrifft der Börsengang den bisherigen Rekordhalter Saudi Aramco aus dem Jahr 2019 deutlich.
Wer hat die Mehrheit an SpaceX nach dem Börsengang?
Gründer Elon Musk behält die Kontrolle: Über seine Aktien mit höheren Stimmrechten (Class B) verfügt er nach dem Börsengang über mehr als 82 Prozent der Stimmrechte. Er besitzt zudem mehr als 40 Prozent der SpaceX-Anteile und hat versprochen, im ersten Jahr keine Aktien zu verkaufen.
Welche Risiken sehen Experten beim Kauf der SpaceX-Aktie?
Finanzexperten warnen vor Risiken, da SpaceX trotz hoher Investitionen in KI und die Starship-Rakete zuletzt Verluste von rund 4,94 Milliarden Dollar verzeichnete. Historische Analysen zeigen, dass Tech-IPOs im ersten Jahr im Schnitt bis zu 55 Prozent verlieren können und Anleger, die zum ersten Schlusskurs kauften, langfristig oft negative Renditen erzielten.
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