Grazer Internist sitzt in Zürich in Untersuchungshaft: Vorwurf des sexuellen Missbrauchs und heimlicher Aufnahmen an Patientinnen
Zürich, 24. Juli 2026
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Kurzfassung
Ein 65-jähriger österreichischer Facharzt für Magen, Darm und Verdauung sitzt seit Anfang Juli in Zürich in Untersuchungshaft. Ihm wird vorgeworfen, in seiner Praxis Patientinnen betäubt, sexuell missbraucht und heimlich gefilmt zu haben; eine der Betroffenen war minderjährig.
Ein 65-jähriger österreichischer Internist, der in Graz und in der Schweiz eine Praxis führte, sitzt seit Anfang Juli in Zürich in Untersuchungshaft; ihm wird vorgeworfen, in seiner Zürcher Praxis über Jahre hinweg Patientinnen betäubt, sexuell missbraucht und heimlich gefilmt zu haben.
Wie die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich auf Anfrage mitteilte, befindet sich der 65-jährige Österreicher seit Anfang Juli in Untersuchungshaft. Die Behörde bestätigte zugleich, dass sie ein Strafverfahren "wegen Verdachts auf Schändung, Verletzung des Geheim- oder Privatbereichs durch Aufnahmegeräte und weitere Delikte zum Nachteil von Patientinnen in seiner Zürcher Praxis" führt. Der Mediziner, Facharzt für Magen, Darm und Verdauung, hatte neben seiner Praxis in Graz auch in der Schweiz eine Ordination betrieben.
Hintergrund: Ein Hinweis aus dem Herbst 2025
Nach einem Bericht des österreichischen Senders ORF bekamen die Behörden im Herbst 2025 einen Hinweis der Schweizer Kollegen. Demnach waren die Ermittlungen durch ein Rechtshilfeersuchen der Schweizer Justizbehörden ausgelöst worden, das in Graz eingetroffen war. Die Ermittlungen kamen ins Rollen, als eine Patientin eine versteckte Kamera im Untersuchungsraum bemerkte.
Der Arzt soll Frauen am Abend für angeblich nötige Untersuchungen in die Praxis bestellt haben, als das Personal schon gegangen war. In dieser Situation soll er Patientinnen betäubt, sie sexuell missbraucht und die Taten mit Kameras aufgezeichnet haben. Nach österreichischen Medienberichten sollen die heimlichen Aufnahmen schon 2012 begonnen haben.
Die Staatsanwaltschaft Zürich teilte mit, dass bei dem Beschuldigten mehrere Datenträger sichergestellt worden seien und Videomaterial ausgewertet werde. Auf dem gesichteten Material seien mehrere weitere, bislang nicht namentlich bekannte Opfer zu sehen. Die Behörde äußerte sich mit Blick auf das laufende Verfahren nicht weiter: "Mit Blick auf das laufende Verfahren äußern wir uns nicht weiter".
Vorwürfe: Betäubt, gefilmt, missbraucht
Wie viele Frauen betroffen sind, ist nicht bekannt. Die Ermittler gehen jedoch davon aus, dass mindestens acht Patientinnen betroffen sind. Eine der Betroffenen war zum Zeitpunkt der Tat minderjährig. Die Kronen Zeitung berichtete unter Berufung auf Ermittler, dass ein verdeckter Ermittler sich als Patientin ausgegeben habe, um den Arzt zu überführen; die Zürcher Staatsanwaltschaft bestätigte dies allerdings nicht.
Der Internist soll in seiner Praxis mehrere Kameras installiert haben, die teils in Taschentuchboxen versteckt gewesen sein sollen. Die Behörden bestätigten diese Darstellung bisher nicht ausdrücklich. Die formellen Vorwürfe umfassen nach Angaben der Staatsanwaltschaft den Verdacht auf Schändung, Verletzung des Geheim- oder Privatbereichs durch Aufnahmegeräte und weitere Delikte zum Nachteil von Patientinnen.
Schändung ist nach Schweizer Strafrecht sexueller Missbrauch einer Person, die zum Zeitpunkt der Tat nicht urteils- oder widerstandsfähig war. Dieser Straftatbestand kommt zur Anwendung, wenn die Opfer – wie hier mutmaßlich durch eine Sedierung – nicht in der Lage waren, sich zu wehren oder die Situation realistisch einzuschätzen.
Ermittlungen: Datenträger sichergestellt, Material wird ausgewertet
Wie die Kronen Zeitung am Freitag berichtete, hatte der Internist seine Tätigkeit in der Schweiz auch nach einem gegen ihn verhängten Berufsverbot fortgesetzt. Dieses war nach Beginn der Ermittlungen gegen ihn ausgesprochen worden. Die Kronen Zeitung verwies zudem auf eine verdeckte Ermittlerin, die sich als Patientin ausgegeben haben soll.
In Österreich laufen parallel Ermittlungen, weil der Arzt auch in Graz eine Praxis führte. Die Kronen Zeitung sowie die Nachrichtenagentur APA hatten unter Berufung auf die Zürcher Staatsanwaltschaft zuerst über den Fall berichtet. Die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich und die steirischen Behörden stehen dem Vernehmen nach in Kontakt.
Die Staatsanwaltschaft Zürich stellte in ihrer Stellungnahme ausdrücklich klar: "Es gilt die Unschuldsvermutung bis zu einem rechtskräftigen Verfahrensabschluss". Damit ist der Beschuldigte bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung als unschuldig anzusehen.
Rechtliche Einordnung: Was bedeutet Schändung im Schweizer Recht?
Die Zürcher Staatsanwaltschaft bestätigte die Verhaftung und die Untersuchungshaft, äußerte sich darüber hinaus auf Nachfrage der APA aber weder bestätigend noch dementierend zu weiteren Details. Auch die APA selbst hatte über den Fall berichtet und dabei auf die Bestätigung der Behörde verwiesen.
Der Fall weckt Erinnerungen an ähnliche Verfahren in der Schweiz und in Österreich, in denen medizinisches Personal Patientinnen unter dem Vorwand notwendiger Behandlungen geschädigt haben soll. Die Auswertung des sichergestellten Videomaterials dürfte nach Einschätzung von Ermittlerkreisen weitere Aufklärung über das Ausmaß der Taten und die Zahl der Betroffenen bringen.
Die Behörden riefen mögliche weitere Opfer dazu auf, sich zu melden. Patientinnen, die in der Zürcher Praxis des Beschuldigten behandelt wurden und Auffälligkeiten bemerkt haben, könnten für die Ermittlungen von Bedeutung sein. Die genauen Zeiträume und das Ausmaß der Vorfälle sind Gegenstand der laufenden Untersuchungen.
Offene Fragen: Wie viele Frauen sind betroffen?
Die Untersuchungshaft wurde nach Angaben der Staatsanwaltschaft Anfang Juli, also rund zwei Monate nach Beginn der intensiven Ermittlungen im Frühjahr 2026, vollzogen. Seither befindet sich der Beschuldigte in Haft, während die Ermittlerinnen und Ermittler das sichergestellte Material auswerten und mögliche weitere Opfer identifizieren.
Mit der Bestätigung der Verhaftung durch die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich ist der Fall öffentlich geworden. Die Generalstaatsanwaltschaft Zürich führt das Verfahren wegen der besonderen Bedeutung der Vorwürfe und der grenzüberschreitenden Dimension eng mit den österreichischen Behörden abgestimmt.
Die APA hatte am 24. Juli 2026 über den Fall berichtet und sich dabei auf die Bestätigung der Zürcher Behörden gestützt. Weitere Medien wie die Kronen Zeitung und der ORF griffen die Informationen auf und ergänzten sie um eigene Recherchen und Hinweise aus dem Ermittlungsumfeld.
Unschuldsvermutung und weiteres Verfahren
Sollte sich der Verdacht erhärten, drohen dem Beschuldigten in der Schweiz mehrere Strafverfahren mit teilweise erheblichen Strafandrohungen. Der Straftatbestand der Schändung sieht nach Schweizer Recht eine Freiheitsstrafe vor, ebenso die Verletzung des Geheim- oder Privatbereichs durch Aufnahmegeräte, sofern weitere Aufnahmen ausgewertet werden.
Bis zu einem rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens gilt die Unschuldsvermutung. Die Staatsanwaltschaft Zürich bat ausdrücklich um Verständnis dafür, dass über laufende Ermittlungen keine weiteren Angaben gemacht werden können, und verwies auf den Schutz der Persönlichkeitsrechte der Betroffenen.
Fragen & Antworten
Wer ist der beschuldigte Arzt aus Graz?
Es handelt sich um einen 65-jährigen österreichischen Facharzt für Magen, Darm und Verdauung, der sowohl in Graz als auch in Zürich eine Praxis führte. Nach Angaben der Zürcher Staatsanwaltschaft sitzt er seit Anfang Juli in Untersuchungshaft.
Was wird dem Internisten in Zürich vorgeworfen?
Die Staatsanwaltschaft führt ein Verfahren wegen Verdachts auf Schändung, Verletzung des Geheim- oder Privatbereichs durch Aufnahmegeräte und weitere Delikte zum Nachteil von Patientinnen in seiner Zürcher Praxis.
Wie kam es zu den Ermittlungen gegen den Arzt?
Im Herbst 2025 ging in Graz ein Rechtshilfeersuchen der Schweizer Justizbehörden ein, nachdem eine Patientin nach Medienberichten eine versteckte Kamera im Untersuchungsraum bemerkt hatte.
Grazer Internist in Zürich verhaftet: Missbrauchsvorwürfe | nachrichten360