Die Polizei Steiermark ermittelt gegen einen Grazer Internisten, der jahrelang Patientinnen in seiner Privatordination sexuell missbraucht und heimlich nackt gefilmt haben soll; bislang sind acht Opfer bekannt.
Auslöser und Ermittlungsbeginn
Ein Grazer Internist soll Patientinnen jahrelang in seiner Privatordination sexuell missbraucht und heimlich nackt gefilmt haben. Wie ein Sprecher der Polizei gegenüber der APA bekannt gab, brachte ein Rechtshilfeersuchen aus dem Ausland den Fall ins Rollen. Die Polizei Steiermark bestätigte der APA auf Nachfrage entsprechende Ermittlungen.
Laut Kronen Zeitung soll einer Klientin des Mediziners das Handy aufgefallen sein, dessen Linse genau auf den intimen Untersuchungsbereich ausgerichtet war. Die Aufnahmen würden bis in das Jahr 2012 zurückreichen. Zahlreiche Fotos und Videos wurden offenbar auf einem Handy sichergestellt, wie die "Kronen Zeitung" am Sonntag berichtete. Viele der Fotos und Videos sollen noch gar nicht zugeordnet worden sein können.
Vorgehensweise des Verdächtigen
Die Ermittlungen laufen laut Polizei schon "seit längerem". Näheres wollte man am Sonntag zu dem Fall vorerst nicht bekannt geben. Derzeit seien acht Opfer bekannt, doch die Auswertung des sichergestellten Materials könnte die Zahl noch erhöhen.
Unter einem Vorwand soll der Arzt die meist jungen Patientinnen dazu gebracht haben, sich auszuziehen. Die Behandlung hätte er laut Bericht dann in einem Gynäkologenstuhl statt auf einer Liege vorgenommen, wobei diese Untersuchungen von der Notwendigkeit her ebenso hinterfragbar wären. Der Mediziner soll die Frauen teilweise sogar sediert, sich auf einem Gynäkologenstuhl sexuell an ihnen vergangen und dies aufgenommen haben.
Verteidigung und berufliche Konsequenzen
Die Frauen sollen außerhalb der regulären Ordinationszeiten behandelt worden sein, als keine Sprechstundenhilfe mehr zugegen war. Diese Randzeiten dürften es dem Beschuldigten ermöglicht haben, die Taten über Jahre hinweg unbemerkt auszuführen.
Er verteidigte sich bei seiner Einvernahme damit, dass sein Handeln medizinisch indiziert und die Filmaufnahmen abgesprochen gewesen seien. Der Verdächtige darf seinen Beruf laut "Krone" mittlerweile nicht mehr ausüben. Unklar blieb zunächst, auf welcher rechtlichen Grundlage das berufliche Tätigkeitsverbot verhängt wurde.
Offene Fragen und Ausblick
Die Behörden stehen vor der schwierigen Aufgabe, die teils jahrealten Aufnahmen einzelnen Opfern zuzuordnen. Viele der Fotos und Videos sollen noch gar nicht zugeordnet worden sein können. Damit könnten weitere Geschädigte identifiziert werden, die sich bislang nicht gemeldet haben.
Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die Kontrollmechanismen in privaten Arztpraxen. Da die Vorfälle außerhalb der regulären Ordinationszeiten stattgefunden haben sollen und die Untersuchungen medizinisch hinterfragbar erscheinen, stellt sich die Frage, wie solche Taten über einen so langen Zeitraum unentdeckt bleiben konnten.
