Geosphere Austria: Erste Jahreshälfte 2026 war eine der niederschlagsärmsten seit 1885
Wien, 14. Juli 2026
C.Stadler/Bwag / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0
Kurzfassung
Die erste Jahreshälfte 2026 war in Teilen Österreichs die niederschlagsärmste seit 1885. Laut Geosphere Austria fehlen im Flächenmittel rund 160 Liter pro Quadratmeter, um das Defizit auszugleichen.
Eine Halbjahresbilanz von Geosphere Austria zeigt, dass die Trockenheit in Österreich ein massives Problem bleibt: Von Jänner bis Juni 2026 fiel im Flächenmittel um 27 Prozent weniger Niederschlag als im langjährigen Durchschnitt, in einigen Regionen Ostösterreichs lag die Abweichung sogar bei bis zu 50 Prozent.
Die Wetterbilanz fällt ernst aus. Wie Geosphere Austria am Dienstag bekannt gab, fiel zwischen 1. Jänner und 30. Juni 2026 über ganz Österreich gerechnet um 27 Prozent weniger Niederschlag als im Vergleich mit dem langjährigen Durchschnitt. Auf einen viel zu niederschlagsarmen Winter folgten ein zu warmes Frühjahr und ein außergewöhnlicher Sommerbeginn, der die Lage weiter verschärfte.
Der Klimatologe Alexander Orlik von Geosphere Austria, der die Daten analysierte, ordnete die aktuellen Werte in einen längeren klimatologischen Kontext ein. So war es im Jahr 2003 und 1993 mit Defiziten von 30 bzw. 29 Prozent sogar noch etwas niederschlagsärmer als im heurigen ersten Halbjahr. Niederschlagsarme Verhältnisse in den ersten sechs Monaten eines Jahres treten in Österreich immer wieder auf – neu ist jedoch das Ausmaß in einzelnen Landesteilen.
Historischer Vergleich seit 1885
„Derart niederschlagsarm war es in diesen Teilen seit 1885 nicht mehr", sagte Orlik. Damals wurden Abweichungen von 35 Prozent registriert. Derart niederschlagsarm war es im Flächenmittel in diesen Teilen des Bundesgebietes seit dem Jahr 1885 nicht mehr, wo ebenfalls um rund 35 Prozent weniger Niederschlag fiel.
Detaillierte Niederschlagsdaten veranschaulichen die regionale Schwere. In Hohenau an der March in Niederösterreich fielen vom 1. Jänner bis 13. Juli insgesamt 143 Millimeter Niederschlag. Damit wurde der bisherige Tiefststand aus 2012 (161 Millimeter) eingestellt. Die Tagesdaten des Niederschlags sind in Hohenau seit 1948 verfügbar, sodass der heurige Wert in der langen Messreihe hervorsticht.
Messwerte aus Hohenau und Salzburg
Auch in Oberösterreich und im Salzburger Raum zeigen die Stationen historisch tiefe Werte. An der Messstation am Salzburger Flughafen wurden im ersten Halbjahr 2026 lediglich 321 Millimeter Niederschlag gemessen; das langjährige Mittel liegt bei 625 Millimeter. Der bisherige Tiefststand: 440 Millimeter (gemessen 2025). Die Tagesdaten sind seit 1939 verfügbar.
In Ried im Innkreis in Oberösterreich fielen vom 1. Jänner bis 13. Juli insgesamt 298 Millimeter Niederschlag, das ist ein weiterer Hinweis auf das Ausmaß der Trockenheit im Innviertel. In Kremsmünster wurde der bisherige Tiefststand aus dem Jahr 1976 (332 Millimeter) annähernd erreicht; ein vergleichbar niedriger Wert wurde zuletzt vor rund fünfzig Jahren registriert.
Vom Walgau und dem Montafon in Vorarlberg über den Salzburger Flachgau, das Innviertel bis zum Wald- und Weinviertel, dem Wiener Becken und Teilen des Burgenlandes – die Niederschlagsdefizite liegen zwischen 30 und 40 Prozent. In Wien, im Weinviertel und in Teilen des Burgenlandes liegt der klimatische Wasserbilanzindex der vergangenen 30 Tage unter minus 2,5, was auf eine akute Bodentrockenheit hinweist.
Lage im Osten Österreichs
Drastisch fällt die Lage im Osten Österreichs aus. Dort beträgt die Abweichung zum Teil sogar bis zu 50 Prozent, wie Meteorologe Orlik vorrechnet. Die östlichen Landesteile vereinen damit besonders niedrige Niederschlagsmengen mit einer hohen Verdunstungsrate, was die agrarische und hydrologische Belastung weiter erhöht.
Orlik rechnet vor, was nötig wäre, um den seit Jahresbeginn in Österreich fehlenden Niederschlag auszugleichen: „Es müsste in den kommenden Wochen im Flächenmittel rund 160 Liter pro Quadratmeter zusätzlich regnen. Es fehlt also der Niederschlag von einem gesamten und einem weiteren Drittel eines Sommermonats“, vergleicht Orlik. Konkret: „160 Liter pro Quadratmeter müssten es in den kommenden Wochen werden, rechnet Orlik vor – zusätzlich.“
Prognose: Gewitter ohne flächendeckenden Regen
Die unmittelbaren Aussichten sind laut Prognoseabteilung der Geosphere Austria wenig ermutigend. In den kommenden Tagen werden vor allem im Westen, aber auch in Kärnten und der Steiermark immer wieder Gewitter erwartet, allerdings keine ausgiebigen, flächendeckenden Niederschläge. Im Osten Österreichs dürfte es größtenteils trocken bleiben.
Die Großwetterlage liefert dazu den Rahmen: Mitteleuropa ist derzeit gerade mitten in einer weiteren, ausgeprägten Hitzewelle, die zwischen Großbritannien und Griechenland die Tageshöchstwerte nach oben treibt. Temperaturspitzen von mehr als 40 Grad wurden bereits gemessen, und die Hitzewelle ab Mitte Juni brachte neue Rekordwerte an Hunderten Messstationen. Die Folge zeigte sich bereits in Waldbrandlagen in südeuropäischen Nachbarländern.
Hitzewelle und Waldbrandgefahr in Europa
Die Verbindung zu Waldbränden in anderen Teilen Europas rückt näher. Die Folge der Hitzewelle waren verheerende Waldbrände in Spanien und Frankreich. Zwar gab es ähnliche Defizite in der ersten Jahreshälfte bereits in den Jahren 1993 und 2003, doch im Osten Österreichs ist die Lage außerordentlich.
Für die Landwirtschaft und die Wasserversorgung bedeutet die Halbjahresbilanz eine anhaltende Belastung. Bodenfeuchte, Grundwasserstände und Flusspegel in den betroffenen Regionen bleiben unter den für die Jahreszeit üblichen Werten. Die Wetterbeobachter erwarten, dass sich die Defizite ohne flächendeckende Niederschläge im Sommer weiter vergrößern.
Geosphere Austria sieht die aktuelle Entwicklung mit Sorge. „Die Trockenheit bleibt ein massives Problem“, mahnt Meteorologe Alexander Orlik. Die Halbjahresbilanz vom Dienstag sei lediglich eine Momentaufnahme, die sich bei ausbleibendem Regen in den kommenden Wochen deutlich zuspitzen könne.
Die nächste Zwischenbilanz dürfte mit den Augustwerten anfallen. Sollten die prognostizierten Gewitter die Trockenheit nicht spürbar lindern, ist nach Einschätzung der Meteorologen mit einer weiteren Verschärfung der hydrologischen Lage zu rechnen.
Der Bericht wurde von der Austrian Press Agency (APA) am 14.7.2026 veröffentlicht.
Fragen & Antworten
Wer ist Alexander Orlik und welche Rolle spielt er in der Halbjahresbilanz?
Alexander Orlik ist Klimatologe und Meteorologe bei Geosphere Austria. Er hat die Halbjahresbilanz analysiert und öffentlich eingeordnet, wonach die Trockenheit in Österreich ein massives Problem bleibt.
Wie niederschlagsarm war das erste Halbjahr 2026 im Vergleich zu früheren Jahren?
Im Flächenmittel fiel zwischen 1. Jänner und 30. Juni 2026 um 27 Prozent weniger Niederschlag als im langjährigen Durchschnitt; nur 2003 (minus 30 Prozent) und 1993 (minus 29 Prozent) waren im ersten Halbjahresvergleich noch etwas trockener.
Welche Regionen Österreichs sind besonders betroffen?
Besonders betroffen sind Teile Ostösterreichs mit Abweichungen von bis zu 50 Prozent, darunter Wien, das Weinviertel, das Wiener Becken und Teile des Burgenlandes, sowie der Walgau, das Montafon, der Salzburger Flachgau und das Innviertel mit Defiziten zwischen 30 und 40 Prozent.
Dürre Österreich Juli 2026: Halbjahresbilanz Geosphere | nachrichten360