Nach wochenlanger Hitze haben heftige Gewitter und teils sintflutartige Regenfälle in weiten Teilen Österreichs für eine vorübergehende Abkühlung gesorgt, wie die Meteorologen der Geosphere Austria am Montag mitteilten.
Wetterwechsel nach wochenlanger Hitze
Der Wetterwechsel kam für viele Menschen in Österreich wohl gerade noch rechtzeitig. Nach einer mehrwöchigen Phase mit Temperaturen deutlich über der Jahreszeit brachte eine Kaltfront nicht nur kräftige Gewitter, sondern auch deutlich frischere Luftmassen. Die Meteorologen der Geosphere Austria sprechen daher von einer kurzen, aber spürbaren Verschnaufpause.
Wie der Klimatologe Alexander Orlik von der Geosphere Austria am Montag auf APA-Anfrage erläuterte, summierte sich über alle Stationsmessungen der vergangenen sechs Tage im Schnitt eine Regenmenge von rund 30 Millimetern. Das entspreche etwa einem Fünftel der Niederschlagsmenge, die in einem durchschnittlichen Juli in Österreich fällt. „Das brachte zwar fürs Erste eine kleine Entspannung in der Dürreperiode, in der sich Österreich schon seit mehreren Monaten befindet", analysierte Orlik.
Beeindruckende Regenmengen in Wien
Besonders beeindruckend fielen die Regenmengen demnach in den vergangenen Tagen in Wien aus. An der Messstation Hohe Warte für die Bundeshauptstadt wurden in dem Zeitraum 53,4 Millimeter Regen registriert. Innerhalb von nur zehn Minuten fielen dort 14 Millimeter, binnen einer halben Stunde kamen 33,5 Millimeter zusammen, binnen 60 Minuten 45,9 Millimeter und innerhalb von zwei Stunden insgesamt 47,3 Millimeter.
Annähernd solche Mengen „geschüttet" hat es laut Orlik sonst nur in Seckau in der Steiermark, wo binnen 120 Minuten 38,5 Millimeter gemessen wurden, und im Kärntner Weitensfeld, wo 35,5 Millimeter in zwei Stunden fielen – allerdings bei insgesamt weit höheren Regenmengen im mehrtägigen Vergleichszeitraum als in Wien. Insgesamt weist die Messstation Hohe Warte für Wien in dem genannten Zeitraum 53,4 Millimeter Niederschlag aus.
Trockenheit im Osten bleibt bestehen
Auch an weiteren 49 Wetterstationen in Österreich fiel laut Orlik eine Regenmenge zwischen 50 und 100 Millimetern. Besonders ergiebig war der Niederschlag zudem in Tannheim in Tirol, in Mittelberg in Vorarlberg und in Seckau in der Steiermark: Dort summierte sich in der letzten Woche jeweils über 100 Millimeter Niederschlag. Die Geosphere sprach von „heftigen Gewittern", die die extreme Trockenheit zunächst stellenweise entschärft hätten.
Trotz der teils beeindruckenden Regenmengen bleibt die Gesamtlage jedoch angespannt. Orlik wies darauf hin, dass die Niederschläge vor allem im Westen und in den Alpenregionen fielen, während die östlichen Landesteile weiterhin unter teils rekordverdächtiger Trockenheit leiden. „Auf die niedrigen Grundwasserpegel – vor allem im Osten Österreichs – haben die Niederschlagsmengen kaum Auswirkung", hieß es dazu von der Geosphere.
Für eine Normalisierung der klimatischen Wasserbilanz fehle laut Orlik flächendeckend weiterhin eine Regenmenge von rund 160 Millimetern beziehungsweise 160 Litern pro Quadratmeter. Das entspreche in etwa dem Doppelten des durchschnittlichen Juliniederschlags und könne nicht durch einzelne Gewitterereignisse kompensiert werden, sondern erfordere anhaltenden, flächendeckenden Regen über mehrere Wochen.
Temperaturen sinken auf spätsommerliches Niveau
Auch die Natur profitiert nach Einschätzung der Fachleute nur kurzfristig. „Für die Natur bedeutet das einen Moment Erholung", erklärte die Geosphere. Tiefere Bodenschichten, aus denen viele Pflanzen und Bäume ihr Wasser beziehen, seien durch die zum Teil sehr schnell abfließenden Niederschläge kaum erreicht worden. Sturzfluten und vollgelaufene Keller standen in einigen Regionen dennoch auf der Tagesordnung.
Mit der Kaltfront verbunden ist zudem ein deutlicher Temperaturwechsel. „Man könnte sagen, es wird spätsommerlich", sagte Meteorologe Christian Resch von der Geosphere Austria. Am Montag lagen die Höchstwerte bei lebhaftem Nordwestwind meist um 25 Grad Celsius. Für den Dienstag werden ähnliche Temperaturen erwartet, dazu bleibt der Nordwestwind teils kräftig.
Im weiteren Verlauf der Woche bleiben die Werte demnach zunächst gedämpft: Am Mittwoch wird es bei lebhaftem Wind aus West bis Nord noch ein bisschen kühler, die Temperaturen gehen maximal auf 26 Grad zurück. Am Donnerstag bleibt es bei teils kräftigem Nordwestwind mit maximal 25 Grad weiterhin angenehm frisch.
Zum Wochenende hin deutet sich dann eine leichte Erwärmung an. Am Freitag wird es bei teils lebhaftem Nordwestwind warm, aber nicht mehr heiß und schwül, die Temperaturen liegen zwischen 22 und 29 Grad. Am Samstag wird es eine Spur wärmer, die Temperaturen steigen auf maximal 27 oder 28 Grad. Damit liegt die Prognose insgesamt leicht unter dem Durchschnitt für die Jahreszeit.
Auswirkungen auf Landwirtschaft und Natur
Parallel zu den Gewittern zogen die Wetterfronten auch über Oberösterreich hinweg, wo teils kräftige Niederschläge für Entwässerungsprobleme sorgten. Die Feuerwehren waren örtlich im Einsatz, um vollgelaufene Keller auszupumpen und umgestürzte Bäume von Straßen zu räumen. Verletzt wurde nach Angaben der Landeswarnzentrale aber niemand.
Für die Landwirtschaft sind die Niederschläge ein zweischneidiges Schwert. Während die oberflächliche Bodenfeuchte kurzzeitig zunimmt und Grünland sowie Getreide sich etwas erholen können, bleibt die Situation im Osten angespannt. Dort hatte sich die Trockenheit über Monate zugespitzt, teils wurden bereits Bewässerungsverbote für die Landwirtschaft verhängt.
Keine Trendwende in Sicht
Langfristig sehen die Klimatologen der Geosphere Austria keinen grundsätzlichen Wandel: Sollte sich die Großwetterlage in den kommenden Wochen wieder auf sommerliches Hochdruckwetter umstellen, müsse mit einer raschen Rückkehr der Hitze gerechnet werden. Die nun gefallenen Regenmengen seien daher als Atempause, nicht als Trendwende zu verstehen.
Insgesamt zeigt der Blick auf die Messwerte: Die kurze Hitze-Pause brachte sichtbare Entlastung, aber keine Lösung. Für die Landwirtschaft, die Wälder und die Trinkwasserversorgung im Osten Österreichs bleibt die Lage nach Einschätzung der Fachleute vorerst angespannt.
