Nach der Hitzewelle: Schwere Gewitter ziehen über Teile Österreichs
Wien, 02. Juli 2026
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Kurzfassung
Nach dem Ende einer 13-tägigen historischen Hitzewelle ziehen schwere Gewitter mit Starkregen, Hagel und Sturmböen über weite Teile Österreichs. In Niederösterreich rückte die Feuerwehr rund 60 Mal aus, besonders betroffen waren die Bezirke Tulln und Neunkirchen.
Eine 13-tägige historische Hitzewelle hat Österreich am Mittwoch schlagartig verlassen und ist von einer Kaltfront mit schweren Gewittern, Starkregen, Hagel und Sturmböen abgelöst worden, die in mehreren Bundesländern für Dutzende Feuerwehreinsätze sorgte.
Steiermark gibt Akutwarnung heraus
Das Land Steiermark hat nach dem abrupten Ende einer 13-tägigen Hitzewelle eine offizielle Akutwarnung herausgegeben. Wie das Land mitteilte, "verabschiedete" sich die historische Hitzewelle mit einer Kaltfront schlagartig. Am Mittwoch breiteten sich laut GeoSphere Austria von Norden kommend heftige Gewitter über weite Teile der Steiermark aus. Für den Großteil des Bundeslandes gilt eine orange Unwetterwarnung.
Auch in anderen Teilen Österreichs, von Kärnten bis ins Burgenland sowie in Niederösterreich und Wien, besteht weiterhin Unwettergefahr. Laut GeoSphere kann es in Niederösterreich auch außerhalb von Gewittern starke Böen geben. Am Alpenostrand gehen heftige Gewitter nieder, wie der private Wetterdienst "uwz" berichtet. Eine Zelle in Neudorf/Landsee brachte kürzlich 70 Liter Regen pro Quadratmeter und Böen von 77 km/h.
Gewitterwarnungen in weiteren Bundesländern
In der Steiermark ist laut den Behörden "mit lokalen Unwettern, Hagel und Sturmspitzen von 80 bis 100 km/h zu rechnen". Die Behörde warnt vor einer deutlichen Verschärfung der Wetterlage durch herabfallende Äste, umfallende Bäume und mögliche Stromausfälle. Auch der private Wetterdienst UWZ berichtet von extremen Regenmengen und kleinräumigen Überflutungen.
In Niederösterreich rückte die Feuerwehr seit Mittwochnachmittag rund 60 Mal aus. Wie Klaus Stebal vom Landeskommando auf Anfrage berichtete, wurden die Bezirke Tulln und Neunkirchen von den Unwettern besonders erwischt. In Gloggnitz (Bezirk Neunkirchen) musste die Feuerwehr mehrfach ausrücken. Hier wurden unter anderem von größeren Wassermengen aus der Verankerung beförderte Kanaldeckel wieder eingesetzt.
Feuerwehr in Niederösterreich im Dauereinsatz
In Würmla waren Auspumparbeiten, umgestürzte Bäume und verunreinigte Straßen die vorherrschenden Meldebilder. Intensive Niederschläge machten sich auch im Süden des Bundeslandes bemerkbar. Damit war Würmla der Hotspot der Unwetter-Einsätze in Niederösterreich.
Bereits am Vormittag wurden im Osten und Süden Österreichs unter meist wolkenlosem Himmel sommerliche Höchstwerte von bis zu 36 Grad erreicht. Im Westen Österreichs lag dagegen bereits deutlich kühlere Luft, die für einen Temperaturrückgang sorgte. Im Tagesverlauf bildeten sich dann in weiten Teilen Österreichs Gewitter, die sich am Nachmittag besonders in der Osthälfte des Landes verstärkten.
Rote Warnungen und Verhaltenshinweise
Für Teile Kärntens, vor allem den Bezirk St. Veit an der Glan, gilt eine Akutwarnung wegen der Gewitterfront. Die Unwetterzentrale (UWZ) gibt für Kärnten regionale Warnungen der Stufen Orange und Rot aus, mit Starkregen, Hagel und teils schweren Sturmböen. Über Kärnten zieht am Nachmittag nach einem heißen und sonnigen Beginn eine Kaltfront mit teils heftigen Gewittern hinweg.
Rote Wetterwarnungen gelten aktuell in einzelnen Bezirken Kärntens, der Steiermark, des Burgenlands und Niederösterreichs. In den betroffenen Bezirken sind am Nachmittag Starkregen, Hagel und stürmische Böen möglich. GeoSphere Austria erklärt, dass die Gewitter in Niederösterreich lokal intensiv ausfallen können, mit Starkregen, Hagel und orkanartigen Böen.
Die Behörden raten, während der Gewitter sichere Gebäude aufzusuchen und offene Fenster zu schließen. Im Straßenverkehr wird aufgrund von aquaplaning-gefährdeter Fahrbahnen und schlechter Sicht zu erhöhter Vorsicht und reduzierter Geschwindigkeit geraten. Das Land Steiermark rät, sich von Bächen und kleineren Fließgewässern fernzuhalten, da diese rasch anschwellen können. Zudem sollten Partyzelte gesichert und Markisen eingezogen werden.
Die Wetterlage in der Steiermark hat sich mit der Kaltfront deutlich verschlechtert, wobei heftige Gewitter besonders in der Obersteiermark Starkregen, Hagel und stürmische Böen verursachen. Der Wetterdienst warnt vor gefährlichen Sturmböen und wolkenbruchartigem Regen. Die UWZ warnt zudem, dass schwere Gewitter aus der Buckligen Welt südlich von Wiener Neustadt auf das Burgenland übergreifen, mit extremen Regenmengen, die kleinräumige Überschwemmungen auslösen können.
Wetterberuhigung zum Donnerstag
Nach Angaben der UWZ wird sich die Wetterlage in der Nacht zum Donnerstag nach Durchzug der Kaltfront allmählich beruhigen. Am Donnerstag ist es in Österreich überwiegend ruhig mit einem Mix aus Sonne und Wolken, einzelne Schauer bleiben laut GeoSphere Austria aber möglich. Für die Nacht prognostiziert GeoSphere Austria eine schwache Kaltfront, die aber abseits des westlichen Berglands ohne Regen auskommt.
Am Freitag regnet es vor allem nördlich des Alpenhauptkamms, also in Vorarlberg, Tirol, Salzburg, Oberösterreich sowie dem nördlichen Teil Niederösterreichs und Wien. Die Tageshöchsttemperaturen liegen laut GeoSphere zwischen 23 und 29 Grad. Am Donnerstag bewegen sich die Tageshöchsttemperaturen zwischen 22 und 29 Grad. Es bleibt aber warm.
Am Samstag wird es laut den Prognosen allgemein sonnig, mit Ausnahme vereinzelter kleiner Regenschauer. Die Höchsttemperaturen bleiben in den 20ern. In der Osthälfte ist mit starkem Wind zu rechnen, der für Erfrischung sorgt, zumindest im Alpenvorland und im Osten des Landes. Der Sonntag soll sich ebenfalls sonnig zeigen, einzelne Schauer bleiben schwach.
Rekordhitze auch in Norddeutschland
Parallel zur Entwicklung in Österreich hatte die Hitzewelle auch im Norden Deutschlands Rekorde gebrochen. Im ersten Halbjahr 2026 wurden an fast allen niedersächsischen Wetterstationen Temperaturrekorde gebrochen. Am 26. und 27. Juni, knapp bevor das erste Halbjahr 2026 endete, wurden an 47 von 49 untersuchten Wetterstationen in Niedersachsen die bisherigen Höchstwerte übertroffen. Etwa in Lüchow (Landkreis Lüchow-Dannenberg) wurden 40,2 Grad gemessen. Dieser Wert zum Höhepunkt der Hitzewelle am 27. Juni ist laut ARD-Wetterkompetenzzentrum die höchste Temperatur, die jemals in Niedersachsen dokumentiert worden ist.
Erst zum zweiten Mal überhaupt waren dabei in Niedersachsen auch mehr als 40 Grad gemessen worden. Spitzenreiter bisher war der 20. Juli 2022 gewesen. Vor allem in der Lüneburger Heide und im Wendland standen extrem hohe Werte auf den Thermometern. Selbst nachts war es an einzelnen niedersächsischen Stationen noch zwischen 24 und 25 Grad warm.
Bisher gab es nach Angaben der Meteorologen massive Hitzewellen erst im Juli und im August. Im Juni habe es sich in der Vergangenheit nur auf einzelne heiße Tage beschränkt. In ihrem frühen Auftreten und in ihrem Ausmaß sei diese erste Hitzewelle 2026 "historisch" gewesen. Meteorologen rechnen schon Mitte der kommenden Woche mit der ersten Hitzewelle für das zweite Halbjahr 2026.
Meteorologen: Klimaerwärmung verläuft sprunghaft
Die Geschichte der 40-Grad-Marke in Deutschland beginnt am 27. Juli 1983 in Bayern. Danach wurden die 40 Grad erst wieder im August 2003 erreicht, also im Hochsommer. 2003 sei der erste Mega-Sommer gewesen, seit 2018 tauchten Hitze- und Trocken-Sommer deutlich vermehrt und verstärkt in den Aufzeichnungen im Norden auf. Am 20. Juli 2022 gab es zum ersten Mal in der Geschichte die 40 Grad auch in Hamburg. Faßberg 39,5 Grad (bisher 39,0 Grad, Juli 2022).
Laut dem ARD-Wetterkompetenzzentrum ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch in Mitteleuropa im Sommer 45 Grad erreicht werden. Die Klimaerwärmung verlaufe "nicht langsam und geradlinig, sondern treppenförmig und sprunghaft". Von einer Hitzewelle sprechen Meteorologen, wenn an mindestens drei Tage in Folge 30 Grad Celsius oder mehr gemessen werden. Mit dem Beginn der kommenden Woche ist auch wieder mit mehr Regen zu rechnen, vor allem in der östlichen Hälfte Österreichs.
Trotz der kurzfristigen Abkühlung bleibt es in Österreich eher sonnig und trocken – doch nach einer tagelangen Hitzewelle kühlt es in den kommenden Tagen nun nachhaltig ab. Zum Wochenende hin wird laut den Prognosen wieder zunehmender Hochdruckeinfluss über Österreich erwartet.
Fragen & Antworten
Welche Regionen Österreichs waren von den Unwettern am 2. Juli 2026 besonders betroffen?
Betroffen waren vor allem die Steiermark, Kärnten, das Burgenland und Niederösterreich. In Niederösterreich wurden die Bezirke Tulln und Neunkirchen mit Würmla und Gloggnitz als Schwerpunkte genannt.
Wie viele Feuerwehreinsätze gab es in Niederösterreich während der Gewitter?
Die Feuerwehr rückte in Niederösterreich rund 60 Mal aus. In Würmla standen Auspumparbeiten, umgestürzte Bäume und verunreinigte Straßen im Vordergrund, in Gloggnitz wurden unter anderem aus ihrer Verankerung gerissene Kanaldeckel wieder eingesetzt.
Welche Temperaturrekorde wurden in Deutschland während der Hitzewelle gebrochen?
In Lüchow (Landkreis Lüchow-Dannenberg) wurde am 27. Juni 2026 mit 40,2 Grad die höchste jemals in Niedersachsen dokumentierte Temperatur gemessen. An 47 von 49 untersuchten Wetterstationen in Niedersachsen wurden die bisherigen Höchstwerte übertroffen.
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