Hitzewelle in Deutschland: 41 Grad am Sonntag, Waldbrandgefahr und mehrere Tote durch Badeunfälle
Berlin, 28. Juni 2026
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Kurzfassung
Zum Abschluss der Hitzewelle erwartet der DWD am Sonntag in Berlin und Brandenburg Temperaturen von 37 bis 41 Grad Celsius. In Sachsen-Anhalt wurde bereits am Samstag mit 41,5 Grad ein neuer deutscher Temperaturrekord aufgestellt. Seit Freitag starben mindestens fünf Menschen bei Badeunfällen.
Zum Abschluss einer außergewöhnlichen Hitzewelle erwartet der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Sonntag in Berlin und Brandenburg Temperaturen von 37 bis 41 Grad Celsius, während seit Freitag mindestens fünf Menschen bei Badeunfällen in Deutschland ums Leben kamen.
Rekordtemperaturen in Deutschland und Europa
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) kündigte für Sonntag den letzten extremen Hitzetag an. In Berlin und Brandenburg werden Temperaturen von 37 bis 41 Grad erwartet, wie der DWD mitteilte. Bereits am Samstag registrierte die Station Drewitz in Sachsen-Anhalt laut DWD um 16:30 Uhr 41,5 Grad Celsius – ein neuer deutscher Temperaturrekord.
Auch im benachbarten Ausland wurden neue Hitzerekorde gemessen. In Tschechien verzeichnete die Wetterstation Doksany nördlich von Prag am Samstag zunächst 40,6 Grad Celsius, später auf 40,8 Grad korrigiert. Der bisherige tschechische Rekord hatte bei 40,4 Grad gelegen. In der Schweiz registrierte Basel 38,8 Grad als neuen Höchstwert. In Dänemark maß der Wetterdienst in Ødum nördlich von Aarhus 37 Grad – die höchste Temperatur seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1874.
Die anhaltende Trockenheit sorgt in fast allen Landkreisen am Sonntag für eine hohe Waldbrandgefahr. In den Kreisen Dahme-Spreewald, Elbe-Elster, Märkisch-Oderland, Spree-Neiße mit Cottbus und Teltow-Fläming herrscht sogar eine sehr hohe Gefahr, wie das Ministerium für Land- und Ernährungswirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz mitteilte. Lediglich in der Prignitz wird die Gefahr auf einen mittleren Wert eingestuft. Auch innerhalb Berlins reicht die Waldbrandgefahr laut Waldbrandgefahrenindex des DWD je nach Bezirk von mittel bis sehr hoch.
Waldbrandgefahr in Berlin und Brandenburg
Die Hitze forderte in den vergangenen Tagen mehrere Menschenleben. Seit Freitag kamen bei Badeunfällen in Deutschland mindestens fünf Menschen ums Leben. Am Freitag zog ein Besucher einen 45-jährigen Mann im Seepark Lünen bei Dortmund aus dem Wasser; der Mann starb später im Krankenhaus, wie die Polizei mitteilte. Am Samstag ertrank ein 27-Jähriger im Neckar bei Heidelberg, ein 30-Jähriger starb in einem Badesee bei Neuhofen südlich von Mannheim. In Hessen wurde zudem ein 40-jähriger Mann tot aus dem Waldsee Raunheim südwestlich von Frankfurt geborgen. Bereits am vorherigen Wochenende hatten sich in der Nähe von Biblis zwei Badeunfälle ereignet, bei denen drei Männer starben.
Mehrere Tote durch Badeunfälle
In einem Seniorenheim in Dormagen mussten mehrere Bewohner medizinisch versorgt werden, nachdem sie aus einem überhitzten Gebäude mit Temperaturen über 35 Grad geholt worden waren. Die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) stellten den Tramverkehr wegen Hitzeschäden an Schienen und Weichen bis Montagmorgen um 3:30 Uhr ein.
Politische Forderungen und Energieengpässe
Die Hitzewelle wirkt sich auch auf die Energieversorgung aus. In Ungarn drosselte der Energiekonzern MVM die Leistung eines Reaktors im Kernkraftwerk Paks um 243 Megawatt, weil das Kühlwasser der Donau 29,7 Grad Celsius erreicht hatte und damit über der Grenze von 29,5 Grad lag. Der ungarische Energieminister Istvan Kapitany erklärte, die Haushalte würden die reduzierte Leistung nicht spüren, und rief die Bevölkerung auf, den Stromverbrauch am Abend zu senken.
In der politischen Debatte forderte die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katharina Dröge ein Notprogramm zur Abkühlung. „Deutschland braucht ein Abkühl-Sofortprogramm, um Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Kitas und Schulen zu klimatisieren“, erklärte Dröge. Sie schlug zudem ein neues Förderprogramm für kombinierte Klima- und Solaranlagen vor: „Wir schlagen ein neues Förderprogramm für ‚Klima-Solar-Anlagen‘ vor.“ Die hohe Sonneneinstrahlung während der Hitzewelle böte ideale Bedingungen für solche Anlagen.
Der Höhepunkt der Hitze wird am Sonntag von Gewittern begleitet. Örtlich ziehen tagsüber und in der Nacht zum Montag Hitzegewitter auf. Dabei kann es lokal zu Starkregen, Hagel und schweren Sturmböen kommen. ZDF-Meteorologin Christa Orben warnte: „Es ist eine extreme Luftmasse und das bedeutet, die hat auch ein heftiges Potenzial, also die stellt sehr viel Energie zur Verfügung und die Gewitter nutzen diese Energie für sich aus. Das heißt, wenn sich jetzt Gewitter bilden, dann sind das Unwetter und da kann es schwere Sturmböhen bis Orkanböhen geben - also Bäume, die umstürzen. Es gibt heftigen Starkregen bis zu 50 Liter pro Quadratmeter in kurzer Zeit, das kann zu Überschwemmungen führen und auch großkörniger Hagel ist dabei.“
Wetterausblick: Abkühlung ab Montag
In der Nacht zum Montag kühlt es dann bereits ab auf Tiefstwerte von 23 bis 19 Grad. Am Montag sacken die Temperaturen im Vergleich zu den vorherigen Hitzetagen deutlich ab: Es werden maximal 27 bis 31 Grad erreicht. Dazu regnet es zeitweise und örtlich kommt es zu Gewittern. Auch in der Nacht zum Dienstag regnet es gelegentlich bei mindestens 19 bis 14 Grad. Am Dienstag ist es wechselnd bewölkt und meistens trocken bei höchstens 26 bis 29 Grad.
Der Wasserverbrauch in Deutschland erreichte ebenfalls Spitzenwerte. Am Mittwoch verzeichnete Hamburg Wasser mit 412,20 Millionen Litern den höchsten Tagesverbrauch des Jahres. Ein Sprecher von Hamburg Wasser erklärte: „Die jetzigen Verbräuche sind - noch - im Bereich der saisonal zu erwartenden Schwankungen.“ Die Juni-Spitzen seien typisch: „Im Juni sind sie bei solchem Wetter quasi vorprogrammiert, weil noch nirgendwo Sommerferien sind.“
Die Ironman-Europameisterschaft in Frankfurt am Main wird am Sonntag (Start 6:20 Uhr) mit etwa 70 Profi-Triathleten in verkürzten Distanzen ausgetragen. Wegen der Hitze wurde die Radstrecke von 180 auf 125 Kilometer und der Lauf von einem vollen Marathon auf einen Halbmarathon (21,1 Kilometer) mit Ziel am Römerberg verkürzt. Das 3,8 Kilometer lange Schwimmen im Langener Waldsee bleibt unverändert.
In Großbritannien suchen Reisende verstärkt nach klimatisierten Hotels: Suchanfragen auf Booking.com für britische Hotels mit Klimaanlage haben sich seit dem 1. Juni verdreifacht. Daten des Zahlungsdienstleisters Adyen zeigten zudem, dass die Umsätze der britischen Hotelbranche zwischen dem 22. und 25. Juni im Vergleich zum Vorjahr um 34 Prozent gestiegen seien, was auf die Hitzewelle zurückgeführt wird.
Das hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie rät generell vom Baden in Flüssen ab. Die Behörde verwies auf gefährliche Strömungen, Schifffahrt und Verunreinigungen durch Fäkalbakterien. Auch wenn die Temperaturen ab Montag deutlich sinken sollen, warnen Experten weiterhin vor den Folgen der extremen Hitzebelastung.
Fragen & Antworten
Welcher Temperaturrekord wurde am Samstag in Deutschland aufgestellt?
Die DWD-Station Drewitz in Sachsen-Anhalt registrierte am Samstag um 16:30 Uhr 41,5 Grad Celsius und stellte damit einen neuen deutschen Temperaturrekord auf.
Wie viele Menschen sind seit Freitag bei Badeunfällen gestorben?
Seit Freitag kamen bei Badeunfällen in Deutschland mindestens fünf Menschen ums Leben, darunter Männer in Lünen, Heidelberg, Mannheim und Raunheim.
Welche Maßnahmen fordert die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katharina Dröge?
Katharina Dröge forderte ein Abkühl-Sofortprogramm, um Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Kitas und Schulen zu klimatisieren, sowie ein Förderprogramm für kombinierte Klima- und Solaranlagen.
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