Extreme Hitze in Deutschland: 38,5 Grad in Kitzingen – DWD warnt vor weiteren Hitzerekorden
Kitzingen, 19 Juni 2026
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Kurzfassung
Am Freitag erreichte die Hitzewelle in Deutschland mit 38,5 Grad in Kitzingen einen neuen Höchstwert. Der Deutsche Wetterdienst warnt vor weiteren steigenden Temperaturen, schweren Gewittern und einer erhöhten Waldbrandgefahr. Verletzte bei Blitzeinschlägen und Überschwemmungen im Westen und Süden.
Kitzingen, 19 Juni 2026
Eine Hitzewelle hat am Freitag in weiten Teilen Deutschlands Temperaturen von bis zu 38,5 Grad Celsius erreicht, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) mitteilte; Spitzenreiter war Kitzingen in Bayern.
Bereits am Mittag hatten Frankfurt und Schaafheim in Hessen mit jeweils 32,2 Grad zu den Hotspots gehört, ehe die Temperaturen im Tagesverlauf weiter stiegen. Nach vorläufigen Messungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) wurde der Tageshöchstwert in Kitzingen in Bayern mit 38,5 Grad registriert, "Der Tageshöchstwert wurde laut DWD mit 38,5 Grad am Freitag im bayerischen Kitzingen gemessen." Auf Platz zwei folgten Waghäusel-Kirrlach in Baden-Württemberg und Andernach in Rheinland-Pfalz mit jeweils 37,5 Grad sowie Bad Kreuznach in Rheinland-Pfalz mit 38,0 Grad. Im Frankfurter Westend wurden 37,2 Grad gemessen, in Schaafheim-Schlierbach 36,6 Grad.
Der DWD rechnet für Samstag mit "schwülheißen 30 bis 38 Grad", mit den höchsten Werten im Südwesten, und warnt zugleich vor schweren Gewittern im Westen, Südwesten und Süden Deutschlands sowie in der Lausitz. Für Sonntag prognostizieren die Meteorologen Temperaturen von bis zu 39 Grad: "Auch am Sonntag soll es heiß weitergehen: Temperaturen von bis zu 39 Grad stehen in den Prognosen". In Hessen gelten für sämtliche Landkreise amtliche Hitzewarnungen bis Samstagabend, am Dienstag werden erneut bis zu 38 Grad erwartet.
Temperaturen am Freitag
Hintergrund
Der höchste jemals im Monat Juni in Deutschland gemessene Wert stammt aus dem Jahr 2019: "Der höchste jemals im Monat Juni gemessene Wert wurde ebenfalls 2019 gemessen: 39,6 Grad registrierten die Wetterexperten am 30. Juni in Bernburg in Sachsen-Anhalt." Die höchste jemals in Deutschland registrierte Temperatur wurde am 25. Juli 2019 in Tönisvorst und Duisburg-Baerl mit 41,2 Grad gemessen. Am 19. Juni lag der bisherige Rekord für diesen Kalendertag bei 39,2 Grad in Dresden im Jahr 2022. Ein DWD-Sprecher warnte: "Da können noch höhere Werte kommen".
Hintergrund
Hessen erlebte am Freitag seinen bisher heißesten Tag des Jahres mit Spitzenwerten über 37 Grad. Der bisherige hessische Rekord für diese Jahreszeit lag bei 37,5 Grad aus dem Jahr 2002. Die hr-Wetterredaktion erklärte, die möglichen Gewitter würden "keine richtige Abkühlung bringen". hr-Meteorologe Ingo Bertram sagte: "Es wird nicht viele treffen", so Bertram. "Aber wenn es dumm kommt, wird es heftig." Wo und wann es tatsächlich gewittere, sei aber schwer vorherzusagen, so hr-Meteorologe Ingo Bertram.
Gesundheitsrisiken
Gesundheitsrisiken
Angesichts der Belastung warnte die hessische Gesundheitsministerin Diana Stolz (CDU) Kinder, ältere Menschen und Vorerkrankte zu besonderer Vorsicht. Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbands VdK, sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: "Extreme Hitze kann genauso tödlich sein wie extreme Kälte – das ist noch zu wenig im Bewusstsein vieler Verantwortlicher". Sie forderte: "Ganz unmittelbar trifft es Menschen ohne festen Wohnsitz. Sie brauchen Zugang zu sicheren, gekühlten Unterkünften und zu sauberem, kühlem Trinkwasser". Besonders Ältere, Kinder, Schwangere und Menschen mit Vorerkrankungen sind gefährdet.
Luftqualität und Ozon
Die hessische Arbeitsministerin Heike Hofmann (SPD) appellierte an Arbeitgeber, Beschäftigte vor zu großer Hitze am Arbeitsplatz zu schützen. Sie warnte: "Nicht nur das durch die UV-Strahlung bedingte Hautkrebsrisiko bei Arbeiten im Freien birgt erhebliche Gesundheitsgefahren, auch die Belastung für das Herz-Kreislauf-System wächst". Nach den von Hofmann zitierten Arbeitsstättenregeln soll die Temperatur in Arbeitsräumen 26 Grad nicht überschreiten; ab 30 Grad ist der Arbeitgeber verpflichtet, die Hitzebelastung zu reduzieren. Vorgeschlagene Maßnahmen sind unter anderem, Wärmequellen wie Drucker nicht im Arbeitsraum aufzustellen, Kleidungsvorschriften zu lockern und Arbeitszeiten mittels Gleitzeit in kühlere Tagesabschnitte zu verlagern.
Unwetter und Schäden
Luftqualität und Ozon
In Riedstadt (Groß-Gerau) im südhessischen Raum maß das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) am Freitag einen Ozon-Stundenmittelwert von 190 Mikrogramm pro Kubikmeter. Das HLNUG erklärte, bei unveränderter Wetterlage sei an weiteren Messstationen mit einer Überschreitung des Schwellenwerts zu rechnen. Ab einem Ozon-Stundenmittelwert über 180 Mikrogramm pro Kubikmeter wird empfohlen, dass Kinder, Jugendliche und empfindliche Personen körperliche Anstrengungen im Freien vermeiden.
Blitzeinschläge mit Verletzten
Unwetter und Schäden
Die extreme Hitze ging am Freitag mit schweren Gewittern einher, die vor allem in West- und Süddeutschland Schäden anrichteten. "In Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg zum Beispiel rückten in der Nacht Feuerwehren dutzende Male etwa wegen Schäden durch Unwetter aus." In Burgwald-Bottendorf (Waldeck-Frankenberg) fielen während nächtlicher Gewitter 31 Liter Regen pro Quadratmeter. In Riedstadt (Groß-Gerau) im südhessischen Raum registrierte das HLNUG am Freitag einen Ozon-Stundenmittelwert von 190 Mikrogramm pro Kubikmeter, im Sauerland gab es Hagel, in Köln stürzten Bäume um. In Wuppertal schlug ein Blitz in ein Haus ein, wie der WDR berichtet. In Ostfriesland kam es zu einem schweren Unwetter, bei dem sogar Einsatzkräfte ihre Fahrten unterbrechen mussten; ein Ort war demnach von der Außenwelt abgeschnitten.
Großveranstaltungen unter Druck
In Brandenburg zog am Abend eine Sturmfront mit Starkregen, überfluteten Straßen und kurzen Stromausfällen durch; nach Angaben der Feuerwehr kippten einige Bäume um. In Baden-Württemberg haben Gewitter vereinzelt bereits für vollgelaufene Keller gesorgt. In Rheinland-Pfalz kam es durch Starkregen zu schweren Überschwemmungen, besonders betroffen war der Rhein-Lahn-Kreis. "Die Pegelstände der Flüsse Dörsbach, Mühlbach und Aar stiegen am Freitagabend binnen kürzester Zeit stark an." Eine Sprecherin sprach von einem Hochwasser, wie es statistisch nur alle 50 Jahre vorkommt. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) hatte bereits am Abend zeitweise vor einem Extremhochwasser gewarnt.
Waldbrandgefahr und Ausblick
Blitzeinschläge mit Verletzten
Bei einem Blitzeinschlag während eines Sportfests in Rastatt in Baden-Württemberg wurden neun Menschen verletzt. Sechs von ihnen kamen in ein Krankenhaus, wie ein Sprecher der Polizei mitteilte. In Lebensgefahr schwebt den Angaben nach jedoch niemand. Während des Unwetters schlug ein weiterer Blitz in Münsingen im Landkreis Reutlingen ein und verletzte eine Frau leicht; der Rettungsdienst brachte sie in ein Krankenhaus.
Meteorologen warnten, dass sich vereinzelt Unwetter mit bis zu 40 Litern Regen pro Quadratmeter entwickeln könnten. In Schwaben und im westlichen Oberbayern müsse mit Starkregen von bis zu 20 Litern pro Quadratmeter, Hagel und Sturmböen gerechnet werden. Der DWD rief die Bevölkerung auf: "Vermeiden Sie nach Möglichkeit die Hitze, trinken Sie ausreichend Wasser und halten Sie die Innenräume kühl."
Großveranstaltungen unter Druck
Die Hitzewelle traf auch zahlreiche Open-Air-Veranstaltungen. Das Southside-Festival in Neuhausen ob Eck in Baden-Württemberg, zu dem 60.000 Besucher erwartet wurden, musste wegen eines Unwetters zeitweise unterbrochen werden. "Aufgrund der Wetterlage wurde das Festival vorübergehend unterbrochen", teilten die Veranstalter mit. Die Veranstalter empfahlen den Besuchern, sich während des Unwetters in Fahrzeugen aufzuhalten. Nach Angaben der Organisatoren handelt es sich lediglich um eine temporäre Unterbrechung. Im Anschluss soll das Musik-Event fortgesetzt werden. Fast 60.000 Besucher werden an diesem Wochenende erwartet.
Ein Festivalgelände mit rund 5000 Besuchern in Viöl südlich von Flensburg in Schleswig-Holstein wurde in der Nacht zu Samstag wegen eines Sturms vorübergehend geräumt. Wie ein Polizeisprecher mitteilte, wurden 13 Menschen leicht verletzt. Im niedersächsischen Landkreis Rotenburg (Wümme) findet am Wochenende das Hurricane-Festival in Scheeßel mit etwa 78.000 Besuchern statt. Im Norden findet parallel das Hurricane-Festival statt; beide Events zählen über das ganze Wochenende Zehntausende Besucher.
Waldbrandgefahr und Ausblick
Angesichts der Hitze mahnte der Umweltverband WWF wegen erhöhter Waldbrandgefahr zu Vorsicht bei Ausflügen in der Natur. Demnach kann bereits eine unbedarft weggeworfene Zigarette oder ein Lagerfeuer zu einem Waldbrand führen. Hitzewellen sind im Zuge des Klimawandels häufiger und intensiver geworden. Der DWD hatte auch für weite Teile Niedersachsens und für Hamburg vor 'extremer Hitze' gewarnt. In Berlin und Brandenburg steigen die Temperaturen am Samstag der DWD-Vorhersage zufolge auf 32 bis 35 Grad; lokal Sturmböen zwischen 65 und 80 Kilometern pro Stunde, Hagel und Starkregen mit bis zu 25 Litern pro Quadratmeter in kurzer Zeit sind möglich.
Am Samstagabend ab 22:00 Uhr ist das WM-Spiel Deutschland gegen Elfenbeinküste draußen beim Public Viewing zu sehen. In der Hauptstadt ist am Wochenende zudem Tag der offenen Tür der Bundesregierung, und bei der Fête de la Musique finden in etlichen deutschen Städten – vor allem in Berlin – kostenlose Konzerte statt. In den Bergen werden zu Mittag in 2.000 Metern Höhe um 17 Grad gemessen. Am Montag drohen nach einem trockenen Vormittag am Nachmittag und Abend vom Hügel- und Bergland ausgehend erneut Unwetter bei 27 bis 34 Grad.
Bei der Hitzewelle über Österreich ist vor allem der Osten betroffen. Eine Hitzewelle aus dem Süden Europas von Spanien aus kommend zieht über Österreich. Laut den ORF-Meteorologen werden in Wien und im Weinviertel Spitzenwerte bis zu 37 Grad erreicht; am Samstag steigert sich die Hitze weiter auf bis zu 37 Grad. Am Sonntag bleibt es bei 27 bis 35 Grad schwül, wobei das Weinviertel, Wien und das Nordburgenland die höchsten Werte verzeichnen. Während es im Osten extrem heiß bleibt, sind für den Westen Gewitter ab Samstagnachmittag angesagt; am Dienstag sorgt viel Sonnenschein bei 28 bis 35 Grad für teils drückende Schwüle, während Schauer am ehesten auf die Alpen beschränkt bleiben.
Sonntag ist der längste Tag des Jahres und kalendarischer Sommeranfang. Einige Wettermodelle deuten darauf hin, dass der gesamte Juni heiß bleiben wird. Die Feuerwehren in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg mussten in der Nacht dutzende Male ausrücken, schwere Schäden durch die nächtlichen Gewitter werden jedoch nicht gemeldet.
Fragen & Antworten
Wo wurde am Freitag die höchste Temperatur in Deutschland gemessen?
Nach vorläufigen Messungen des Deutschen Wetterdienstes wurde der Tageshöchstwert am Freitag in Kitzingen in Bayern mit 38,5 Grad Celsius registriert. Auf den Plätzen folgten Bad Kreuznach mit 38,0 Grad sowie Waghäusel-Kirrlach und Andernach mit jeweils 37,5 Grad.
Welche Warnungen hat der Deutsche Wetterdienst herausgegeben?
Der DWD rechnet für Samstag mit schwülheißen 30 bis 38 Grad, mit den höchsten Werten im Südwesten, und warnt vor schweren Gewittern im Westen, Südwesten und Süden Deutschlands sowie in der Lausitz. Für Sonntag prognostiziert der DWD Temperaturen von bis zu 39 Grad.
Welche Schäden richteten die Unwetter am Freitag an?
Feuerwehren rückten in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg dutzende Male aus, im Rhein-Lahn-Kreis kam es zu schweren Überschwemmungen, in Köln stürzten Bäume um und in Rastatt wurden bei einem Blitzeinschlag neun Menschen verletzt. Auf dem Festivalgelände in Viöl in Schleswig-Holstein wurden 13 Menschen bei einer Räumung leicht verletzt.
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