Galeria prüft 33 Filialen: Drohende Schließungen und Verhandlungen mit Vermietern
Essen, 22. Juli 2026
Jacopo Strada / Wikimedia Commons / Public domain
Kurzfassung
Die Warenhauskette Galeria überprüft 33 ihrer Filialen auf Wirtschaftlichkeit und schließt Schließungen nicht aus. Gleichzeitig verhandelt das Unternehmen mit Vermietern über Mietkonditionen und Flächenanpassungen.
Das Warenhausunternehmen Galeria überprüft 33 seiner Filialen auf Wirtschaftlichkeit und schließt Schließungen einzelner Standorte nicht aus, während parallel Gespräche mit Vermietern über Mieten und Flächen laufen.
Hintergrund: Dritte Insolvenz und Sanierungskurs
Galeria hat eine Liste von 33 Standorten vorgelegt, die auf ihre wirtschaftliche Tragfähigkeit hin untersucht werden. Ein Sprecher des Unternehmens wollte sich nicht dazu äußern, wann Entscheidungen über die betroffenen Filialen getroffen werden. Die Auswahlkriterien umfassen nach Unternehmensangaben unter anderem die Mietbelastung und die Ertragskraft der einzelnen Häuser.
Nach Angaben des Unternehmens sollen alle Galeria-Filialen dauerhaft profitabel arbeiten. Galeria-Manager Tilo Hellenbock erklärte dazu: „Wir werden jeden Standort einzeln und ergebnisoffen betrachten." Das Unternehmen prüft zugleich Umzüge in geeignetere Immobilien sowie mögliche Neueröffnungen.
Hintergrund der laufenden Prüfungen sind die anhaltenden finanziellen Schwierigkeiten. Anfang 2024 hatte Galeria bereits zum dritten Mal innerhalb von vier Jahren Insolvenz angemeldet. Als Grund wurden damals unter anderem die Probleme der Muttergesellschaft Signa genannt.
Im Sommer 2024 waren bereits neun Galeria-Filialen geschlossen worden. Im Juni wurde zudem bekannt, dass rund 30 der zuletzt 83 Filialen als gefährdet galten. Galeria beschäftigt nach eigenen Angaben rund 12.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Betroffene Standorte in den Bundesländern
Die geprüften Standorte verteilen sich auf zahlreiche Bundesländer. In Berlin sind die Häuser am Alexanderplatz, am Hermannplatz, am Kurfürstendamm und in Spandau betroffen. In Nordrhein-Westfalen stehen Euskirchen, Kleve, Köln (Breite Straße, Hohe Straße, Nippes), Mülheim an der Ruhr (Rhein-Ruhr-Zentrum) und Münster (Salzstraße) auf der Liste.
In Baden-Württemberg werden Freiburg (Europaplatz), Heilbronn, Mannheim, Offenburg und Singen überprüft. Bayern ist mit Aschaffenburg, Bayreuth, Memmingen, München (Rotkreuzplatz) und Würzburg vertreten. Aus Hessen sind Bad Homburg und Limburg an der Lahn betroffen.
Weitere Standorte auf der Liste sind Braunschweig und Oldenburg in Niedersachsen, Potsdam in Brandenburg, Wismar in Mecklenburg-Vorpommern, Magdeburg in Sachsen-Anhalt sowie Bad Kreuznach, Koblenz, Mainz und Speyer in Rheinland-Pfalz. In Hamburg ist der Standort Eimsbüttel genannt.
Neue Finanzierung und Verhandlungen mit Vermietern
Galeria hat nach eigenen Angaben eine neue Kreditlinie über bis zu 160 Millionen Euro erhalten. Das Geld stammt von der US-Investmentgesellschaft Gordon Brothers. Mit dem Kredit sollen unter anderem ein Darlehen des Minderheitseigners Bain Capital zurückgeführt und ausstehende Mietzahlungen beglichen werden.
Die Mittel sind nach Unternehmensangaben an einen Sanierungsplan gekoppelt, der weitere Filialschließungen vorsieht. Zugleich räumte Galeria Liquiditätsschwankungen ein und bestätigte, Vermieter um Stundungen gebeten zu haben.
In den vergangenen Monaten hatten sich mehrere Vermieter darüber beschwert, dass Mieten nicht oder nur teilweise gezahlt worden seien. Galeria kündigte an, nicht nur an den 33 genannten Standorten, sondern auch an den übrigen 50 Filialen mit den Vermietern über Mietkonditionen und Flächenanpassungen verhandeln zu wollen.
Die laufenden Prüfungen sind Teil eines umfassenden Sanierungskurses. Sollten Standorte geschlossen werden, wären neben den Beschäftigten auch die jeweiligen Innenstädte betroffen, in denen die Warenhäuser häufig als Anziehungspunkte gelten.
Galeria teilte mit, das Unternehmen werde die einzelnen Standorte sorgfältig prüfen und erst dann über das weitere Vorgehen entscheiden. Ein Sprecher bekräftigte, dass die Gespräche mit den Vermietern an allen Standorten fortgesetzt würden.
Reaktionen und offene Fragen
Die Gewerkschaft Verdi hatte in der Vergangenheit mehrfach vor einem weiteren Stellenabbau bei Galeria gewarnt und Sozialpläne sowie Beschäftigungssicherung gefordert. Konkrete Reaktionen auf die aktuelle Liste der 33 Prüfstandorte lagen zunächst nicht vor.
Insgesamt zeigt sich, dass Galeria sich in einer Phase grundlegender Umstrukturierung befindet. Sowohl die Finanzierung durch Gordon Brothers als auch die laufenden Mietverhandlungen sind eng mit dem Ziel verknüpft, das Unternehmen langfristig stabil aufzustellen und verlustbringende Standorte zu identifizieren.
Wann genau mit ersten Entscheidungen zu rechnen ist, blieb zunächst offen. Das Unternehmen betonte, dass jede Filiale für sich betrachtet werde und keine Vorabfestlegungen getroffen worden seien. Beobachter rechnen jedoch damit, dass in den kommenden Monaten weitere Schließungen bekannt werden könnten.
Fragen & Antworten
Welche Finanzierung hat Galeria erhalten?
Das Unternehmen hat eine neue Kreditlinie über bis zu 160 Millionen Euro von der US-Investmentgesellschaft Gordon Brothers erhalten. Das Geld soll zur Rückführung eines Darlehens von Bain Capital sowie zur Begleichung offener Mieten dienen und ist an einen Sanierungsplan mit weiteren Filialschließungen gekoppelt.
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