Galeria benennt 33 gefährdete Filialen: Verhandlungen mit Vermietern laufen
Düsseldorf, 22. Juli 2026
Jacopo Strada / Wikimedia Commons / Public domain
Kurzfassung
Die Warenhauskette Galeria hat die 33 Standorte benannt, deren wirtschaftliche Zukunft nun auf dem Spiel steht. Bundesweit sind mehr als 10.000 Arbeitsplätze betroffen, davon 17 Filialen in Nordrhein-Westfalen.
Das Düsseldorfer Unternehmen Galeria hat am Mittwoch die Namen der 33 Filialen veröffentlicht, deren wirtschaftliche Tragfähigkeit nun geprüft wird, während gleichzeitig Verhandlungen mit Vermietern über Mietkonditionen und Flächenanpassungen laufen.
Die Warenhauskette Galeria steht vor einer ihrer bislang tiefgreifendsten Umstrukturierungen. Das Düsseldorfer Unternehmen erklärte am Mittwoch, es habe für die 33 Filialen "intensive Verhandlungen" über Mietkonditionen und Flächenanpassungen aufgenommen. Bundesweit betreibt Galeria noch 83 Standorte mit insgesamt mehr als 10.000 Arbeitsplätzen. Allein 17 dieser Filialen befinden sich in Nordrhein-Westfalen.
Hintergrund: Dritte Insolvenz und neuer Eigentümer
Galeria hatte Anfang 2024 zum dritten Mal innerhalb weniger Jahre Insolvenz angemeldet. Die Kaufhauskette war im Zuge der Insolvenz des österreichischen Mutterkonzerns Signa in Schwierigkeiten geraten. Später übernahm ein Investorenkonsortium die Warenhauskette. Die neuen Eigentümer strichen unter anderem die Namen Kaufhof und Karstadt und verlegten den Verwaltungssitz von Essen nach Düsseldorf.
Erst Ende Juni hatte die angeschlagene Warenhauskette einen Kredit von bis zu 160 Millionen Euro erhalten von der US-Investmentgesellschaft Gordon Brothers. Das Geld ist an einen auf drei Jahre angelegten Sanierungsplan geknüpft, der auch vorsieht, das Filialnetz von nun 33 Häusern zu prüfen.
Bereits laufende Verhandlungen an neun Standorten
Bei der Kaufhauskette Galeria stehen 33 der insgesamt 83 Standorte auf der Kippe. Den Angaben zufolge wird an neun Standorten bereits seit einigen Monaten verhandelt. Dazu gehören drei Filialen in Berlin, zwei in Köln und jeweils eine in München, Mannheim, Braunschweig und Aschaffenburg. An den übrigen 24 Standorten wurden die Gespräche nun ebenfalls gestartet.
Galeria-Finanzvorstand Norman Krotten erläuterte die Strategie: "Bei den weiteren 24 Standorten starten wir jetzt proaktiv Gespräche, um bestehende Verträge an die lokalen Gegebenheiten und veränderten Marktbedingungen der jeweiligen Stadt anzupassen". Verhandlungen mit den Vermietern der Filialen seien "einer von sechs strategischen Hebeln" einer im Juni beschlossenen strategischen Neuausrichtung des Unternehmens, teilte Galeria mit.
Strategie der sechs Hebel
Ziel sei es, für die 33 Standorte möglichst zeitnah eine wirtschaftlich tragfähige Perspektive zu entwickeln. Sollten die Verhandlungen scheitern, "können konzeptionelle Anpassungen die Konsequenz sein". Das bedeutet: Die Filialen könnten "nicht mehr als klassisches Warenhaus" fortgeführt werden. Unter Umständen könnten die Filialen auch gänzlich schließen.
Bei einzelnen Standorten seien jedoch die Rahmenbedingungen "sehr herausfordernd", warnte das Unternehmen. Auch für die übrigen 50 Standorte seien Gespräche mit Vermietern und lokalen Partnern geplant, erklärte Galeria weiter. Da alle Filialen diesbezüglich Optimierungspotenzial hätten, sollen auch an den übrigen 50 Standorten Gespräche mit den Vermietern geführt werden.
Galeria-Geschäftsführer Tilo Hellenbock betonte: "Viele Häuser haben noch nicht ausgeschöpft, was in ihrem lokalen Markt möglich ist". "Wir werden jeden Standort einzeln und ergebnisoffen betrachten", sagte Hellenbock weiter. Schon im Juni war bekannt geworden, dass rund 30 der noch 83 bestehenden Filialen als gefährdet gelten.
Betroffene Standorte in den Bundesländern
Die nun veröffentlichte Liste der Standorte umfasst Filialen in nahezu allen Bundesländern. In Baden-Württemberg sind Freiburg (Europaplatz), Heilbronn, Mannheim, Offenburg und Singen betroffen. In Bayern stehen Aschaffenburg, Bayreuth, Memmingen, München (Rotkreuzplatz) und Würzburg auf der Liste. Auch Brandenburg mit Potsdam, Hamburg mit Eimsbüttel, Mecklenburg-Vorpommern mit Wismar und Niedersachsen mit Braunschweig und Oldenburg sind vertreten.
In Nordrhein-Westfalen stehen sieben der noch 17 geöffneten Filialen auf dem Prüfstand: Euskirchen, Kleve, Köln (Breite Straße, Hohe Straße und Nippes), Mülheim (Rhein-Ruhr Zentrum) sowie Münster (Salzstraße). Damit konzentriert sich ein erheblicher Teil der gefährdeten Standorte auf das bevölkerungsreichste Bundesland. Auch Rheinland-Pfalz ist mit Bad Kreuznach, Koblenz, Mainz und Speyer stark betroffen.
Unter den betroffenen Standorten befinden sich auch zwei in Hessen: die Filialen in Bad Homburg und Limburg. In Sachsen-Anhalt steht Magdeburg auf der Liste. Berlin ist mit Alexanderplatz, Hermannplatz, Kurfürstendamm und Spandau besonders häufig vertreten.
Erleichterung in Berlin-Tegel
Am Mittwochmorgen wurde bekannt, dass die Galeria-Filiale in der Gorkistraße in Tegel erhalten bleibt. Das Berliner Quartier war in der Vergangenheit immer wieder von Leerstand gebeutelt: 2023 zog C&A aus, dann schloss auch das traditionsreiche Schuhgeschäft Leiser. Die Fußgängerzone im Berliner Norden wurde ein Jahr zuvor nach einem 250 Millionen Euro teuren Umbau wiedereröffnet.
"Karstadt war in Tegel immer ein starker Anker", sagte der Reinickendorfer Bezirksverordnete Felix Schönebeck (CDU). "Dass die Filiale in der Gorkistraße erhalten bleibt, ist daher eine sehr gute Nachricht für Tegel", erklärte Schönebeck weiter. Er habe "nach der Schließung vom Nachfolger 'Hertie' sehr lange dafür gekämpft, dass Galeria zurück nach Tegel kommt".
Ausblick auf die kommenden Monate
Galeria gehört zu den bekanntesten Warenhausketten Deutschlands, deren Geschichte über Jahrzehnte mit den Namen Kaufhof und Karstadt verbunden war. Nach der Übernahme durch das neue Investorenkonsortium wurden diese Markennamen gestrichen und die Zentrale nach Düsseldorf verlegt. Die erneute Standortprüfung fällt in eine Phase, in der der stationäre Einzelhandel in vielen Innenstädten ohnehin unter massivem Druck steht.
Die unmittelbaren Folgen für die Beschäftigten sind noch nicht absehbar. Galeria erklärte, Ziel sei es, für die 33 Standorte möglichst zeitnah eine wirtschaftlich tragfähige Perspektive zu entwickeln. Gleichzeitig wies das Unternehmen darauf hin, dass bei einzelnen Standorten die Rahmenbedingungen "sehr herausfordernd" seien. Die kommenden Wochen und Monate werden zeigen, welche der Filialen durch Verhandlungslösungen gehalten werden können und welche möglicherweise ganz vom Markt verschwinden.
Fragen & Antworten
Welche Galeria-Filialen sind konkret von der Prüfung betroffen?
Galeria hat insgesamt 33 Standorte benannt, darunter in Baden-Württemberg Freiburg, Heilbronn, Mannheim, Offenburg und Singen, in Bayern Aschaffenburg, Bayreuth, Memmingen, München (Rotkreuzplatz) und Würzburg sowie in Berlin Alexanderplatz, Hermannplatz, Kurfürstendamm und Spandau.
Wer leitet die Verhandlungen bei Galeria?
Die Verhandlungen werden von der Geschäftsleitung um Geschäftsführer Tilo Hellenbock und Finanzvorstand Norman Krotten geführt, die als zentrale Stimmen der strategischen Neuausrichtung auftreten.
Die Prüfung ist Teil eines im Juni beschlossenen Sanierungsplans, der an einen 160-Millionen-Euro-Kredit der US-Investmentgesellschaft Gordon Brothers geknüpft ist und eine wirtschaftlich tragfähige Perspektive für die Standorte entwickeln soll.
Galeria Filialen Schließung: 33 Standorte auf Prüfstand | nachrichten360