Flugpreise aus Deutschland steigen deutlich: Ryanair kappt Berlin-Angebot, Lufthansa streicht weitere Flüge
Berlin, 13. Juli 2026
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Kurzfassung
Flugtickets aus Deutschland sind im ersten Halbjahr 2026 deutlich teurer geworden, während Ryanair seine Berliner Basis aufgibt und die Lufthansa-Gruppe unter Carsten Spohr weitere Streichungen ankündigt. Eine aktuelle Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt sowie Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen Preisaufschläge von 8,5 Prozent im Schnitt und 11,5 Prozent bei Europaflügen.
Flüge ab deutschen Flughäfen sind im ersten Halbjahr 2026 nach Daten des Statistischen Bundesamtes im Schnitt 8,5 Prozent teurer geworden als im Vorjahreszeitraum, während Ryanair seine Berliner Basis schließt und die Lufthansa-Gruppe unter Konzernchef Carsten Spohr weitere Streichungen für 2027 ankündigt.
Statistik bestätigt Trend: Acht Prozent mehr im Schnitt
Die Preise für Flugtickets sind im ersten Halbjahr 2026 deutlich gestiegen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes, die am Montag veröffentlicht wurden, verteuerten sich internationale Flüge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um durchschnittlich 8,5 Prozent. Besonders kräftig fielen die Steigerungen bei beliebten europäischen Strecken aus, die sich um 11,5 Prozent verteuerten, und bei Inlandsflügen, die um 9,5 Prozent zulegten.
Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln bestätigt diesen Trend in einer regelmäßigen Marktstudie, die auf einer breit angelegten Auswertung europäischer Verbindungen zum Stichtag 14. April 2026 beruht. Dabei wurden vier unterschiedliche Vorlaufzeiten zwischen einem Tag und drei Monaten geprüft. Auch in dieser Erhebung zeigte sich, dass Flüge für deutsche Verbraucherinnen und Verbraucher erneut teurer geworden sind, einschließlich bei den sogenannten Billigfliegern.
Billigflieger-Angebot schrumpft, anderswo wächst es
Nach Zahlen des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) haben die Billigflieger 2025 am deutschen Markt nur noch ein Rumpfangebot von 82 Prozent des Vor-Corona-Aufkommens aufrechterhalten. Im übrigen Europa gab es statt eines Rückgangs einen Zuwachs von mehr als 30 Prozent, denn vor allem der Branchenriese Ryanair nimmt laufend neue Boeing-Flugzeuge in seine Flotte auf.
Die Gründe für die höheren Flugpreise sind nach Einschätzung von Fachleuten vielfältig. Als Gründe für die höheren Flugpreise gelten unter anderem gestiegene Kerosinkosten. Diese waren infolge der zeitweisen Blockade der Straße von Hormus während des Iran-Kriegs sprunghaft gestiegen. Zudem hatten zahlreiche Fluggesellschaften ihre Tarife erhöht und Verbindungen aus Sicherheits- oder Wirtschaftlichkeitsgründen ausgesetzt.
Steuern und Kerosin als Preistreiber
Gründe für die hohen Tarife sind ein weiterhin knappes Flugangebot sowie hohe Gebühren und Steuern bei Abflügen von deutschen Flughäfen. Auch hohe staatliche Gebühren und Steuern in Deutschland gelten als Belastungsfaktor. So haben die jüngste Absenkung der nationalen Luftverkehrsteuer wenig geändert. Für die meisten Flüge fallen nun 2,50 Euro weniger an, doch auch die verbleibende Steuer und weitere Gebühren für Flugsicherung, Passagierkontrollen und weiteres halten die deutschen Kosten in der europäischen Spitzengruppe. Eine Senkung der Luftverkehrsteuer trat erst zu Beginn des zweiten Halbjahres in Kraft.
Ryanair-Chef Eddie Wilson kritisierte die deutsche Politik mit scharfen Worten: „Während andere europäische Länder die Luftverkehrsteuer abgeschafft und die Zugangskosten gesenkt haben, wird Deutschland zunehmend zu teuer für Wachstum. Die Entscheidung von Ryanair, ihre Berliner Basis ab dem Winterflugplan 2026 zu schließen, sowie die Streichung tausender Flüge durch Lufthansa sind klare Konsequenzen dieser verfehlten Politik.“ Die irische Fluggesellschaft hält an dem Plan fest, die noch verbliebenen sieben Flugzeuge aus Berlin an andere Standorte zu verlegen. Deutschlands Hauptstadt wird ab dem Herbst von den Iren deutlich seltener angeflogen.
Ryanair zieht sich aus Berlin zurück
Auch die Lufthansa-Gruppe reagiert auf die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen mit einem drastischen Kapazitätsabbau. Der Lufthansa-Konzern, zu dem auch Eurowings gehört, hat im Sommer mit dem Aus der Regionaltochter Cityline zehntausende Flüge gestrichen, weil diese unrentabel seien. Konzernchef Carsten Spohr hat intern für das kommende Jahr bereits weitere Streichungen angekündigt.
Lufthansa streicht Tausende Flüge
Das Drehkreuz Frankfurt leidet bereits unter sinkenden Passagierzahlen. Der wichtigste deutsche Flughafen-Hub verliert damit weiter an Bedeutung, während Billigflieger ihre Aktivitäten anderswo in Europa ausweiten. easyJet, das derzeit im Fokus eines Bieterwettstreits zwischen den US-Investitionsfirmen Castlelake und Apollo steht, betreibt eine Flotte von 210 Flugzeugen und verfügt über materielle und immaterielle Vermögensgegenstände, die den aktuellen Börsenwert deutlich übersteigen könnten.
Die DLR-Studie zeigt erhebliche Preisunterschiede zwischen den Anbietern. Die Anbieter Ryanair (89,73 Euro) und Easyjet (107,32 Euro) landeten im Mittelfeld. Die vier größten Direktflug-Airlines berechneten im Tagesgeschäft im Schnitt zwischen 81 Euro (Wizz Air) und 141 Euro (Eurowings) für ein One-Way-Ticket ohne Gepäck. Das billigste Ticket im DLR-Vergleich wurde für einen Ryanair-Flug von Karlsruhe nach London am kommenden Tag für 15 Euro angeboten.
Preisunterschiede im DLR-Vergleich
Die teuerste Einzelpreis-Spanne fand sich bei einer Eurowings-Verbindung: Der höchste Einzelticketpreis von 494,99 Euro wurde von den DLR-Forschern für einen Eurowings-Flug von Düsseldorf nach Bilbao bei Buchung am Vortag ermittelt. Derselbe Flug sollte sechs Tage später nur noch 154,99 Euro kosten. Tickets, die einen Tag vor Abflug gebucht wurden, kosteten im Schnitt zwischen 118 Euro (Wizz Air) und 201 Euro (Eurowings).
Mit einer Buchungsfrist von drei Monaten betragen die durchschnittlichen Preise 71 Euro (Ryanair) bis 97 Euro (Wizz). Ein Jahr zuvor lag die Preisspanne in der Stichprobe noch zwischen 67 Euro und 130 Euro. Wer also früh bucht, kann weiterhin sparen, muss aber insgesamt deutlich mehr zahlen als noch im Vorjahr.
Zusatzgebühren und gescheiterte EU-Regel
Zu den genannten Preisen erhalten die Kunden nur das nackte Ticket und dürfen eine kleine Tasche mit an Bord nehmen, die den meisten Menschen bestenfalls für einen Tagestrip ausreichen dürfte. Für jedes weitere Gepäckstück, selbst gewählte Sitzplätze oder einen kleinen Snack halten die Airlines zusätzlich die Hand auf und erzielen so beträchtliche Zusatzeinnahmen. Das EU-Parlament war zuletzt mit dem Versuch gescheitert, ein zusätzliches Kabinengepäck im günstigsten Ticketpreis mit einzubeziehen.
Auch Pauschalreisen verteuerten sich, wenn auch weniger stark als reine Flüge. Die größten Preisaufschläge gab es bei Reisen nach Ägypten mit 5,2 Prozent. Für Griechenland blieben die Preise mit einem Plus von 0,2 Prozent nahezu unverändert. Kaum verändert waren die Preise für Flüge nach Südamerika mit einem Plus von 0,3 Prozent. Türkei-Reisen verteuerten sich um 1,3 Prozent, und die Balearen (3,6 Prozent) sowie Inlandreisen in Deutschland (2,8 Prozent) lagen im Mittelfeld. Insgesamt wurde die Preissteigerung bei Pauschalreisen ins Ausland im Vergleich zu den Flugpreisen als moderater beschrieben.
Bei den Fernzielen verzeichneten Flüge nach Mittelamerika mit einem Plus von 12,5 Prozent die stärksten Aufschläge, Tickets nach Asien und Australien wurden um 4,9 Prozent teurer. Günstiger wurden dagegen Flüge nach Afrika, deren Preise um 12,0 Prozent sanken. Die genannten Auswertungen stammen vom Statistischen Bundesamt, das am Montag seine aktuellen Preisstatistiken zu Flügen und Pauschalreisen vorlegte.
Analysten uneins über Lufthansa-Aktie
Analysten bewerten die Lage bei der Lufthansa-Aktie uneinheitlich. Barclays Capital stufte Lufthansa am 8. Juli 2026 mit „Underweight“ ein, Bernstein Research bewertete die Aktie am 6. und 7. Juli 2026 mit „Market-Perform“, DZ Bank am 10. Juli 2026 mit „Hold“, während UBS am 3. Juli 2026 eine Kaufempfehlung („Buy“) aussprach. Die Aktienkursentwicklung dürfte auch davon abhängen, ob die angekündigten Streichungen unter Konzernchef Carsten Spohr die erhoffte finanzielle Entlastung bringen oder ob Ryanair und easyJet das entstehende Angebot in Deutschland weiter verringern.
Für Reisende bedeutet die Entwicklung vor allem eines: Wer im Sommer 2026 oder im Winter 2026/27 von Deutschland aus fliegen will, muss mit deutlich höheren Preisen rechnen und mit einem schrumpfenden Angebot – insbesondere ab Berlin und auf innerdeutschen Strecken. Wer flexibel ist und früh bucht, kann die Aufschläge abmildern; wer kurzfristig fliegt, zahlt die höchsten Preise, die in Einzelfällen bei annähernd 500 Euro für einen einzelnen Kurzstreckenflug liegen können.
Fragen & Antworten
Warum schließt Ryanair seine Basis in Berlin?
Ryanair-Chef Eddie Wilson begründet die Schließung der Berliner Basis ab dem Winterflugplan 2026 mit den im europäischen Vergleich zu hohen Steuern und Gebühren in Deutschland. Die noch verbliebenen sieben Flugzeuge sollen an andere Standorte verlegt werden, sodass Berlin ab Herbst deutlich seltener angeflogen wird.
Welche Auswirkungen hat die Schließung der Lufthansa-Tochter Cityline?
Die Lufthansa-Gruppe hat im Sommer 2026 das Aus ihrer Regionaltochter Cityline bekannt gegeben und Zehntausende Flüge gestrichen, weil diese unrentabel seien. Konzernchef Carsten Spohr hat intern für das kommende Jahr bereits weitere Streichungen angekündigt.
Wie haben sich die Flugpreise ab Deutschland im ersten Halbjahr 2026 entwickelt?
Nach Daten des Statistischen Bundesamtes sind Flugtickets aus Deutschland im ersten Halbjahr 2026 im Schnitt 8,5 Prozent teurer geworden als im Vorjahreszeitraum. Europaflüge verteuerten sich um 11,5 Prozent, Inlandsflüge um 9,5 Prozent und Flüge nach Mittelamerika sogar um 12,5 Prozent.
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