EU-Außenminister beraten in Brüssel über Sanktionen gegen Israel und das 21. Russland-Paket
Brüssel, 13. Juli 2026
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Kurzfassung
Die EU-Außenminister kommen am Montag in Brüssel zusammen, um über Sanktionen gegen Israel wegen der Siedlungspolitik im Westjordanland und über das 21. Sanktionspaket gegen Russland zu beraten. Während mehrere Mitgliedstaaten scharfe Maßnahmen fordern, bremst Deutschland und macht eine einstimmige Entscheidung wahrscheinlich.
Die EU-Außenministerinnen und Außenminister haben sich am Montag in Brüssel getroffen, um unter anderem über mögliche Sanktionen wegen der israelischen Siedlungspolitik im Westjordanland und über das 21. Sanktionspaket gegen Russland zu beraten.
Streit um Handelsbeschränkungen gegen Siedlungen
Im Mittelpunkt des Treffens stand die Frage, ob in Reaktion auf die Ausweitung illegaler israelischer Siedlungen im Westjordanland weitere Sanktionen verhängt werden sollten. Die EU-Kommission hatte für die Beratungen Handlungsoptionen erarbeitet. Sie umfassen Beschränkungen und Verbote für die Einfuhr von Waren aus israelischen Siedlungen.
Länder wie Spanien, Irland und Belgien fordern scharfe Sanktionen wegen der israelischen Siedlungspolitik. Auch mehrere andere EU-Staaten, darunter Irland, die Niederlande und Spanien, haben bereits eigene Handelsbeschränkungen gegen israelische Siedlungen in den besetzten palästinensischen Gebieten verhängt. Die Mitgliedstaaten sind sich einig, dass die israelische Siedlungspolitik gegen das Völkerrecht verstößt, konnten sich bislang jedoch nicht auf weitreichende Sanktionen einigen.
Bulgarien will einen Teil dieser EU-Sanktionen nicht mittragen. Deutschland und Tschechien waren bis zuletzt dagegen. Damit stellt sich die Frage, ob ein solcher Schritt einstimmig unter allen 27 Mitgliedstaaten beschlossen werden müsste oder ob eine qualifizierte Mehrheit genügt.
Uneinigkeit über Einstimmigkeit oder qualifizierte Mehrheit
Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas sagte in Brüssel, es gebe unterschiedliche rechtliche Auffassungen. Nach Ansicht des Juristischen Dienstes des Rates der Mitgliedstaaten reiche eine qualifizierte Mehrheit für die Handelsmaßnahmen aus. „Es gebe noch offene Fragen“, sagte Kallas. Die Befürworter der Handelsmaßnahmen müssten sich nun darauf verlassen, dass die Position, die unter anderem Deutschland, die EU-Kommission und andere Mitgliedstaaten vertreten – nämlich Einstimmigkeit – erfolgreich angefochten wird.
Wenn die Handelseinschränkungen als außenpolitische Sanktionen eingestuft werden, könnten sie nur einstimmig beschlossen werden. Die 15 EU-Staaten, die die Maßnahmen unterstützen, müssten zusammen auch mindestens 65 Prozent der Gesamtbevölkerung der EU repräsentieren. Eine einstimmige Entscheidung würde die Verabschiedung solcher Sanktionen gegen den Willen Deutschlands und anderer kritischer Staaten unmöglich machen.
Position Deutschlands: Gespräche statt Sanktionen
Johann Wadephul stellte in Brüssel klar, dass mögliche Beschränkungen oder Verbote für die Einfuhr von Waren aus israelischen Siedlungen im Westjordanland seiner Ansicht nach nur einstimmig beschlossen werden könnten. Er habe zudem die Erwartung an die israelische Regierung formuliert, „entschieden und klar gegen gewalttätige Siedler vorzugehen“. Deutschland erwarte, dass die israelische Regierung „entschieden und klar gegen gewalttätige Siedler vorgeht“.
Wadephul sagte: „Wir haben eine klare Auffassung zu der Siedlungspolitik. Sie steht nicht im Einklang mit internationalem Recht.“ Er kritisierte die Siedlungspolitik damit ähnlich wie Sanktionsbefürworter aus Ländern wie Spanien, Frankreich, Schweden, Belgien und Irland. Zugleich betonte er, er wolle sich auf effektive Gespräche mit der israelischen Regierung konzentrieren. Diese Erwartung habe er bei einem Besuch in Israel in der Vorwoche deutlich gemacht.
Der Adis Ahmetovic sprach sich vor dem Treffen für mögliche Sanktionen gegen Israel aus. „Deutschland muss den Weg frei machen für eine geeinte europäische Haltung“, sagte er den RND-Zeitungen. „Keiner erwartet vom Außenminister Wadephul, erste Geige in Fragen von Nahost in Brüssel zu spielen, aber bei so offensichtlichen völkerrechtlichen Verstößen durch Benjamin Netanjahu und seine Regierung kann die deutsche Position nicht das Veto sein.“ Maßstab der deutschen Außenpolitik müssten vielmehr „Recht und Regeln“ sein.
Diplomaten hatten am Freitag gesagt, es werde auf dem Treffen keine konkrete Entscheidung erwartet; Ziel sei es einzuschätzen, ob es genügend Unterstützung gibt, um das Thema voranzubringen. Diplomaten sagten zudem, die Schlüsselakteure Deutschland und Italien seien in der Frage weiter unentschlossen. Angesichts der klaren Positionierung Deutschlands sei ein rascher Fortschritt bei den Sanktionen sehr unwahrscheinlich.
Weiteres Thema: 21. Sanktionspaket gegen Russland
Beim Treffen der Außenminister ging es zudem um das geplante 21. Sanktionspaket gegen Russland. Dieses 21. Sanktionspaket zielt auf die Sektoren Energie, Handel, Finanzdienstleistungen und Kryptowährungen ab. EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas sagte unmittelbar vor dem Treffen, dass sich die EU-Staaten noch nicht auf das geplante 21. Sanktionspaket gegen Russland geeinigt haben. Geplant ist dabei auch, gegen weitere Personen, Einrichtungen und Organisationen aus Russland Sanktionen zu verhängen.
Kallas hoffte, dass die Mitgliedstaaten sich bei den anstehenden Beratungen darauf verständigen könnten, 250 weitere russische Personen und Einrichtungen auf die Sanktionsliste zu setzen. Dies wäre die größte Zahl an Einzelpersonen und Organisationen, die die EU auf einen Schlag auf die Liste setzen würde. Aus Österreich wird Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) zu den Gesprächen erwartet.
Weitere Themen bei dem Außenministertreffen sind die jüngsten Entwicklungen im Iran-Krieg sowie der anhaltende russische Angriffskrieg gegen die Ukraine. Mit den Staaten des Golf-Kooperationsrates (GCC) findet ein Sicherheitsforum statt. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha und die Friedensnobelpreisträgerin Oleksandra Matwijtschuk sind zu einem informellen Gedankenaustausch nach Brüssel eingeladen.
Fragen & Antworten
Worüber haben die EU-Außenminister in Brüssel beraten?
Im Mittelpunkt stand die Frage, ob die EU wegen der Ausweitung illegaler israelischer Siedlungen im Westjordanland weitere Sanktionen verhängen soll. Außerdem ging es um das 21. Sanktionspaket gegen Russland und um die Lage in der Ukraine.
Warum blockiert Deutschland schärfere Sanktionen gegen Israel?
Johann Wadephul vertritt die Auffassung, dass Handelsbeschränkungen gegen israelische Siedlungen als außenpolitische Sanktionen einstimmig beschlossen werden müssten. Eine solche Einstimmigkeit mache Sanktionen gegen den Willen Deutschlands unmöglich.
Welche Maßnahmen hat die EU-Kommission vorgeschlagen?
Die EU-Kommission hat unter anderem Beschränkungen und Verbote für die Einfuhr von Waren aus israelischen Siedlungen in den Beratungen vorgelegt. Über deren Annahme wird weiter gestritten.
EU-Sanktionen gegen Israel: Beratung der Außenminister in | nachrichten360