Ebola: US-Einreisesperre zwingt Air France zur Umleitung | nachrichten360
Air-France-Flug wegen US-Einreiseverbots umgeleitet – Ebola-Notstand weitet sich aus
Berlin, 22. Mai 2026
Christian Wolf (www.c-w-design.de) / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0 de
Kurzfassung
Ein Air-France-Flug von Paris nach Detroit wurde wegen US-Einreisebeschränkungen nach Montréal umgeleitet. Unterdessen breitet sich das seltene Bundibugyo-Ebolavirus im Osten der Demokratischen Republik Kongo aus, die WHO rief den Gesundheitsnotstand aus.
Ein Air-France-Flug von Paris nach Detroit musste am Mittwoch einen ungeplanten Zwischenstopp in Montréal einlegen, weil einem kongolesischen Passagier aufgrund der US-Einreisebeschränkungen im Zuge des Ebola-Ausbruchs die Einreise verweigert wurde.
Die Maschine war am Mittwochnachmittag in Paris gestartet und befand sich auf dem Weg in die Vereinigten Staaten. An Bord habe es zu keinem Zeitpunkt einen medizinischen Notfall gegeben, teilte Air France mit. Der Passagier aus der Demokratischen Republik Kongo habe keinerlei Krankheitssymptome gezeigt und sei auf Anordnung der US-Behörden in Montréal von Bord gegangen.
Die Vereinigten Staaten lassen Staatsangehörige der Demokratischen Republik Kongo derzeit nur noch über den Flughafen Washington-Dulles einreisen. Die Maßnahme wurde verhängt, nachdem am vorherigen Freitag ein Ebola-Ausbruch im Osten des Kongo gemeldet worden war. Das Virus war laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich schon seit Monaten unerkannt im Umlauf.
Nach dem Zwischenstopp setzte die Maschine ihren Flug in die USA fort. Der kongolesische Reisende blieb in Kanada, wo er weiter von den Behörden betreut wurde. Der Vorfall illustriert die zunehmende Sorge der internationalen Gemeinschaft vor einer Ausbreitung der hochgefährlichen Infektionskrankheit.
US-Einreiseverbot als drastische Maßnahme
Die WHO hatte am Wochenende wegen des Ausbruchs einen internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Für den Kongo gelte nun die Risiko-Stufe „sehr hoch“, für die Region die Stufe „hoch“ und auf globaler Ebene die Stufe „niedrig“, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Freitag. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums der DR Kongo gibt es landesweit bisher 670 Verdachtsfälle.
Der aktuelle Ausbruch betrifft die östliche Unruheprovinz Ituri, die an Uganda und den Südsudan grenzt. Dort sind nach Kämpfen rund 100 000 Menschen auf der Flucht, was die Eindämmung des Virus enorm erschwert. „Der Ebola-Ausbruch begann laut der afrikanischen Gesundheitsbehörde Africa CDC in der DR Kongo in der nordöstlichen Provinz Ituri“, heißt es in einer Mitteilung.
Es handelt sich um den seltenen Bundibugyo-Typ des Ebolavirus, für den es weder einen Impfstoff noch eine Therapie gibt. Übertragen wird der Erreger durch Körperkontakt und Kontakt mit Körperflüssigkeiten. Bislang wurden 82 Infektionen und sieben Todesfälle offiziell bestätigt, zudem gibt es 177 ungeklärte Todesfälle und fast 750 Verdachtsfälle.
Die Millionenstadt Kisangani liegt südlich der am stärksten betroffenen Provinz. Die Situation in den abgelegenen Gebieten ist dramatisch: Viele Orte liegen tief im Regenwald und sind kaum mit dem Auto erreichbar. Medikamente, Schutzmaterial und Labortechnik müssen eingeflogen werden; nach Angaben von Ärzten vor Ort fehlt es an allem – selbst an Matratzen für die Kranken.
Die Lage in der Krisenregion Ituri
Helfer arbeiten inmitten einer Konfliktzone, in der mehrere bewaffnete Milizen aktiv sind. Diese finanzieren sich teilweise durch Entführungen und Raubzüge. Während früherer Ebola-Ausbrüche wurden Gesundheitszentren wiederholt angegriffen, Helfer bedroht oder sogar getötet. Zwischen 2018 und 2020 wurden Hunderte Gesundheitszentren attackiert, damals starben fast 2300 Menschen.
Blutproben müssen mehr als 1700 Kilometer nach Kinshasa geflogen werden, um untersucht zu werden. Es besteht ein dringender Bedarf an Laboren und Personal vor Ort, doch es mangelt an Finanzierung. „Damit hat das Virus eine Region erreicht, die Hunderte Kilometer vom Epizentrum entfernt liegt“, teilte die dort herrschende Rebellenallianz Alliance Fleuve Congo mit, nachdem nun auch in der Provinz Süd-Kivu ein Fall bestätigt wurde.
Auch im Nachbarland Uganda wurden inzwischen zwei Infektionen nachgewiesen. Die Regierung in Kampala kündigte an, als Vorsichtsmaßnahme innerhalb der nächsten 48 Stunden alle Flüge in die DR Kongo einzustellen. Die Stimmung in der ugandischen Hauptstadt wirkt laut der SRF-Afrika-Korrespondentin Sarah Fluck, die in Uganda lebt, derzeit bemerkenswert ruhig. Uganda ist politisch stabiler als der Kongo und logistisch besser aufgestellt.
Um die Eindämmung zu unterstützen, stellen die Vereinten Nationen rund 60 Millionen Dollar aus einem Notfallfonds bereit und entsenden zusätzliches Personal. Viele Organisationen fordern zudem mehr Schutz für die Helfer, darunter den Einsatz von UN-Blauhelm-Truppen. Die Afrikanische Union warnte jedoch vor Reisebeschränkungen und deren wirtschaftlichen Folgen.
Internationale Reaktionen und Hilfen
In Berlin wird seit Mittwoch ein mit Ebola infizierter US-Bürger in der Charité behandelt. Der 39-jährige Mann hatte sich im Kongo angesteckt. Nach Angaben des Universitätsklinikums ist er sehr geschwächt, befinde sich aber aktuell in keinem kritischen Zustand. Er zeige deutliche Krankheitssymptome, benötige jedoch derzeit keine intensivmedizinischen Maßnahmen.
Der Nachweis des Bundibugyo-Virus sei gelungen, teilte die Charité mit. Die Ehefrau und vier Kinder des Patienten befinden sich in getrennter Quarantäne. Der US-amerikanische Ebola-Patient sei zwei Tage nach der Aufnahme „sehr geschwächt“, hieß es.
Ebolafieber ist eine ansteckende und lebensbedrohliche Infektionskrankheit. Das Virus wird durch Körperkontakt und Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen. Die Inkubationszeit beträgt in der Regel zwei bis 21 Tage. Bei einem Ausbruch der Zaire-Variante in Westafrika waren in den Jahren 2014 und 2015 mehr als 11 000 Menschen gestorben. Der jetzige Ebola-Ausbruch ist der größte seit jenem von 2018 bis 2020, der im Osten von Kongo-Kinshasa 3500 Todesopfer forderte.
Der Fall in der Berliner Charité
Ebola-Patienten in Isolierstationen werden sofort und vollständig abgeschirmt und dürfen sich nicht von ihren Familien verabschieden. Das führt dazu, dass einige Betroffene fliehen oder zunächst traditionelle Heiler aufsuchen, statt ein Krankenhaus aufzusuchen. Das Misstrauen gegenüber offiziellen Stellen ist in der Region verbreitet.
Der Ausbruch ist der insgesamt 17. registrierte Ebola-Ausbruch in der DR Kongo seit 1976. Die Weltgesundheitsorganisation betont, dass die Seuche oft unterschätzt werde. Nach Angaben der Gesundheitsbehörde Africa CDC seien 61 Infektionen offiziell bestätigt worden. Die Helfer vor Ort stehen vor der gewaltigen Aufgabe, in einem von Krieg und Vertreibung gezeichneten Land Vertrauen aufzubauen.
Trotz aller Hindernisse gibt es Fortschritte: Es werden Diagnosekapazitäten aufgebaut und internationale Hilfe mobilisiert. Mittlerweile wird auch ein Medikament des US-Pharmakonzerns Gilead Sciences erwogen, das ursprünglich zur Behandlung von Covid-19 entwickelt wurde, als mögliches Therapeutikum. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Seuche eingedämmt werden kann oder sich weiter ausbreitet.