Ebola-Ausbruch in Ostkongo: Hilfsorganisationen warnen vor unzureichender Eindämmung
Bunia, 15. Juni 2026
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Kurzfassung
Im Osten der Demokratischen Republik Kongo breitet sich Ebola weiter rasch aus. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen warnt, dass Überwachung und Kontaktverfolgung die Eindämmung des Ausbruchs untergraben. Offizielle Stellen gehen davon aus, dass die tatsächlichen Fallzahlen deutlich höher liegen als gemeldet.
Im Osten der Demokratischen Republik Kongo hat sich die Zahl der Ebola-Fälle binnen 24 Stunden um 72 auf insgesamt 782 erhöht, während die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) vor wachsenden Lücken bei Überwachung und Kontaktverfolgung warnt.
Die kongolesischen Gesundheitsbehörden meldeten am Montag einen anhaltend starken Anstieg der Ebola-Fälle im Nordosten des Landes. Wie das Informationsministerium mitteilte, stieg die Zahl der bestätigten Todesfälle im selben Zeitraum um 32 auf 181. Die Sterblichkeitsrate liegt den Angaben zufolge bei 23,1 Prozent. Nach Angaben des Ministeriums werden aktuell 359 Patientinnen und Patienten in Spitälern und Isolierstationen behandelt.
Warnung von MSF: Überlastete Behandlungszentren
Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) warnte, dass einen Monat nach Bekanntwerden des Ausbruchs in der Provinz Ituri die Lücken bei Überwachung und Kontaktverfolgung die Bemühungen um eine Eindämmung der hochgefährlichen Krankheit untergraben. Katy While, Koordinatorin von MSF im Kongo, erklärte: "Niemand kennt das wahre Ausmaß oder die genauen Ausbreitungsorte". Sie fügte hinzu: "Wir wissen jedoch, dass die meisten Behandlungszentren in der Provinz Ituri überlastet sind; viele unserer Patienten erreichen uns erst in einem fortgeschrittenen Stadium der Krankheit".
Tatsächlich dürften die offiziellen Zahlen das tatsächliche Ausmaß des Ausbruchs unterschätzen. Die jüngsten amtlichen Angaben beziehen sich auf den 13. Juni, was darauf hindeutet, dass die tatsächlichen Fallzahlen vermutlich höher liegen. Grund sind Verzögerungen bei den Tests sowie Todesfälle in Dörfern und Vororten, die nicht erfasst werden. Innerhalb von 24 Stunden sei die Zahl der Fälle um 72 auf insgesamt 782 gestiegen, hieß es aus dem Ministerium.
Lückenhafte Kontaktverfolgung und langsame Tests
Mit 56,5 Prozent liegt die Nachverfolgungsrate deutlich unter der Zielmarke. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt an, dass 90 Prozent aller Kontaktpersonen identifiziert und überwacht werden müssen, um die Ausbreitung der Krankheit zu stoppen. Ohne schnellere und flächendeckendere Tests wird es den Einsatzkräften schwerfallen, Fälle früh genug zu erkennen, um den Ausbruch einzudämmen, warnte While. Zudem hätten viele betroffene Gemeinden keinen ausreichenden Zugang zu Testungen, auch die Übermittlung der Laborergebnisse dauere noch lange.
Die Provinz Ituri, das Epizentrum des Ausbruchs, leidet seit Jahrzehnten unter bewaffneten Konflikten. Die Bevölkerung der Demokratischen Republik Kongo lebt laut Weltbank zu mehr als 85 Prozent von etwa drei US-Dollar pro Tag, was die Versorgung der Erkrankten zusätzlich erschwert. Bunia, die Hauptstadt Ituris mit über einer Million Einwohnerinnen und Einwohnern, verzeichnete mit 212 bestätigten Fällen die höchste Zahl aller Orte. Die Ebola-Fälle hatten sich vor der offiziellen Erklärung des Ausbruchs am 15. Mai in der abgelegenen Bergbaustadt Mongbwalu gehäuft; das Virus zirkulierte vermutlich bereits wochenlang unbemerkt.
Lage in Bunia: Angst unter medizinischem Personal und Bevölkerung
Eine Dekontaminationseinheit verbrachte das Wochenende damit, Wände in der Clinique Universelle, einem Krankenhaus in Bunia, mit Chlorlösung zu schrubben, nachdem ein Patient positiv auf Ebola getestet worden war. Die Klinik wurde daraufhin geschlossen. Am Tag, an dem ein Reporterteam in Bunia eintraf, erbrach ein kranker Mann auf einem Motorradtaxi Blut über seinen Fahrer und starb noch am Ort im Stadtzentrum.
Patient Mazirane, 38 Jahre alt, ist Patient Mazirane und schilderte die Lage mit den Worten: "We're not afraid, we're very afraid." Er berichtete, dass das Personal der Klinik zuvor ohne persönliche Schutzausrüstung gearbeitet habe und mehrere medizinische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Einsatz bereits gestorben seien. Auch Eliezer Kasongo, 25 Jahre alt, ein Eliezer Kasongo, berichtete: "There's fear, people are dying every day." Er ergänzte: "We started to see people die in the neighbourhood and we began to understand."
Herausforderungen bei der Eindämmung
Der aktuelle Ausbruch ist besonders schwer einzudämmen, da es für den Bundibugyo-Stamm des Ebola-Virus weder einen Impfstoff noch eine spezifische Therapie gibt. Das Virus wird durch körperlichen Kontakt und den Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen. Hilfsorganisationen haben in den vergangenen Wochen hunderte Tonnen Medikamente und Schutzausrüstung per Lufttransport in die Provinz Ituri gebracht, um die dortigen Behandlungseinrichtungen zu unterstützen.
Die Demokratische Republik Kongo, nach Fläche das zweitgrößte Land Afrikas, verfügt über riesige Reserven an Kupfer und Kobalt. Die Ebola-Bekämpfung ist derzeit in drei Provinzen mit aktiver Übertragung aktiv. Angesichts der bestehenden Lücken bei der Kontaktverfolgung, der Überlastung der Behandlungszentren und der weit verbreiteten Armut bleibt die Eindämmung des Ausbruchs eine erhebliche Herausforderung für kongolesische Behörden und internationale Hilfsorganisationen.
Fragen & Antworten
Wie ist die aktuelle Lage beim Ebola-Ausbruch in der DR Kongo?
Die Zahl der Fälle ist laut Gesundheitsministerium binnen 24 Stunden um 72 auf 782 gestiegen, 181 Menschen sind bisher gestorben. Hilfsorganisationen wie MSF gehen davon aus, dass die tatsächlichen Zahlen deutlich höher liegen.
Warum ist die Eindämmung des Ausbruchs so schwierig?
Die Kontaktverfolgungsrate liegt laut kongolesischem Gesundheitsministerium bei nur 56,5 Prozent, weit unter der WHO-Zielmarke von 90 Prozent. Für den aktuell zirkulierenden Bundibugyo-Stamm existiert zudem weder ein Impfstoff noch eine spezifische Therapie.
Was berichten Helfer und medizinisches Personal aus Bunia?
Patient Mazirane, Patient Mazirane, sagte: "We're not afraid, we're very afraid", und verwies auf fehlende Schutzausrüstung. Der ehrenamtliche Helfer Eliezer Kasongo berichtete: "There's fear, people are dying every day".
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