Ebola-Ausbruch im Kongo wächst schneller als die Eindämmung: über 2.000 Fälle und 754 Tote
Genf, 15. Juli 2026
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Kurzfassung
Im Osten der Demokratischen Republik Kongo breitet sich das Ebola-Virus vom Typ Bundibugyo schneller aus, als die Helfer reagieren können. Nach offiziellen Daten aus Kinshasa sind inzwischen mehr als 2.011 Infektionen und 754 Tote bestätigt – die Africa CDC spricht vom schnellsten Ebola-Ausbruch, der je auf dem afrikanischen Kontinent dokumentiert wurde.
Im Osten der Demokratischen Republik Kongo hat sich der Ebola-Ausbruch nach offiziellen Daten der Regierung in Kinshasa auf 2.011 bestätigte Fälle und 754 Tote ausgeweitet, wobei die Weltgesundheitsorganisation warnt, dass rund 80 Prozent der Neuinfektionen aus unbekannten Übertragungsketten stammen.
Der aktuelle Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo ist besonders schwer einzudämmen. Er betrifft den Ebola-Erreger vom Typ Bundibugyo, für den es bislang weder einen zugelassenen Impfstoff noch eine spezielle Therapie gibt. An einer Impfung wird allerdings gearbeitet, und in der vergangenen Woche haben klinische Studien zu Ebola-Behandlungen begonnen.
Ebola ist eine lebensbedrohliche Krankheit. Das Virus wird durch Körperkontakt und Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen. Verstorbene Patienten gelten als hochinfektiös und müssen unter strengen Hygieneregeln bestattet werden, um weitere Ansteckungen zu verhindern. Nach Angaben der WHO müssten 90 Prozent aller Kontaktpersonen eines Infizierten identifiziert und 21 Tage lang überwacht werden, um die Ausbreitung zu stoppen – ein Schwellenwert, den die Helfer derzeit in vielen Gebieten verfehlen.
Kein Impfstoff, keine Therapie
Am Dienstag ist die Zahl der bestätigten Ebola-Fälle auf 2.011 gestiegen, geht aus offiziellen Daten der Regierung in Kinshasa hervor. Bereits am Montag waren 54 Fälle allein in den Provinzen Ituri, Nord-Kivu und Haut-Uele bestätigt worden. Laut einer Statistik haben sich seit Ausbruch des Geschehens insgesamt 1.926 Menschen in den drei betroffenen Provinzen infiziert. Nach den jüngsten Regierungszahlen sind 754 Infizierte gestorben.
Die Dunkelziffer dürfte weiter höher liegen, unter anderem wegen der drastischen Quarantänemaßnahmen für Infizierte. WHO-Notfalldirektor Chikwe Ihekweazu sagte Reportern in Genf nach einem Besuch in Bunia, in der Provinz Ituri seien 70 bis 80 Prozent der neuen Fälle zuvor nicht auf einer Kontaktliste gestanden. Ihekweazu erklärte zudem, das wahre Ausmaß des Ausbruchs könne zwei- bis viermal so groß sein wie offiziell ausgewiesen.
Dunkelziffer und unbekannte Übertragungsketten
Bunia gehört nach WHO-Angaben zu den am härtesten getroffenen Städten. Dort steigt die Behandlungskapazität wöchentlich auf inzwischen fast 800 Betten. Auch die Laborkapazität ist von einem Labor auf 14 Labore gewachsen. Dennoch liegt die Kontaktverfolgungsquote nach WHO-Angaben je nach Region und Quelle nur zwischen 55 und 64 Prozent – zu wenig, um das Virus einzudämmen.
Die Africa Centres for Disease Control and Prevention erklärten den Ausbruch zum am schnellsten wachsenden Ebola-Geschehen, das je auf dem afrikanischen Kontinent dokumentiert wurde. Wessam Mankoula von der Africa CDC sagte auf einer Pressekonferenz, der gegenwärtige Ebola-Ausbruch sei der mit dem schnellsten Wachstum überhaupt: «nicht nur im Vergleich zu früheren Bundibugyo-Ausbrüchen, sondern auch im Vergleich zu allen anderen Ebola-verursachenden Virusarten».
Die kongolesischen Behörden hatten am 15. Mai einen neuen Ebola-Ausbruch erklärt – allerdings hatte sich das Virus zu diesem Zeitpunkt bereits seit Wochen unbemerkt ausgebreitet. Nach WHO-Angaben war der Erreger schon vor der offiziellen Erklärung über Wochen im Umlauf. Am 2. Juni räumte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus ein, die Krankheit habe einen Vorsprung gehabt und die WHO hinke der Epidemie hinterher.
Schnellster Ausbruch aller Zeiten
Der Ausdruck der Hilflosigkeit spiegelt sich auch in einer WHO-Aussage von Anfang Juli: «as of today, 80% of new cases are outside our contact lists and so are coming to us from unknown chains of transmission». Ihekweazu sagte zudem: «Perhaps the most alarming finding is that many of the newly reported deaths are people who died in their communities without ever reaching a health facility and without receiving care».
John Bahati Nguna berichtete der Nachrichtenagentur: «Wir beerdigen Menschen, die vier Tage lang ohne medizinische Hilfe zu Hause waren, und es ist offensichtlich, dass sie an Ebola starben». Viele neu gemeldete Todesfälle ereignen sich demnach in den Gemeinden, ohne dass die Patienten je eine Gesundheitseinrichtung erreichen.
Der Tropenmediziner Martin Grobusch rechnet damit, dass der aktuelle Ausbruch bis ins kommende Jahr andauern könnte. Auch Tedros hatte Ende Mai bei einem Besuch im Ostkongo betont, der Ausbruch könne nur eingedämmt werden, wenn die betroffenen Gemeinden im Mittelpunkt der Reaktion stünden und die Bevölkerung die Maßnahmen mittrage.
Konflikte, Misstrauen und Streiks
Die Reaktion wird durch mehrere Faktoren erschwert: Eine Finanzierungslücke, Angriffe auf Gesundheitszentren, ein anhaltender Konflikt im Ostkongo und Misstrauen unter den lokalen Gemeinschaften behindern die Eindämmung. In der Provinz Ituri sind Dutzende bewaffnete Gruppen aktiv, Hunderttausende Menschen sind vertrieben. Der Ausbruch hat sich mittlerweile auf 42 von 117 Gesundheitszonen in drei Provinzen ausgebreitet.
Viele Geberländer haben ihre humanitären Hilfszahlungen im vergangenen Jahr drastisch gekürzt. Internationale Hilfsorganisationen erhalten weniger Geld, was zur Schließung oder eingeschränkten Funktionsfähigkeit von Gesundheitszentren führt. Wegen der Kürzungen verfügt das Welternährungsprogramm (WFP) nicht mehr über ausreichend Nahrungsmittel für alle Bedürftigen. Olivier Nkakudulu vom WFP in Ituri warnte in einem Interview im Juni: «Die Hygienemassnahmen sehen vor, dass Menschen in bestimmten Gebieten bleiben sollen. Aber wenn diese Menschen keine Nahrungsmittelhilfe bekommen, halten sie sich natürlich nicht an die Anordnung. Sie werden sich etwas zu essen suchen, auf den Märkten oder an anderen Orten. Dabei können sie andere Menschen anstecken.»
Folgen für Uganda und die USA
Im Distrikt Rwampara legten am Montag Dutzende Beschäftigte eines Ebola-Behandlungszentrums die Arbeit nieder – darunter Epidemiologen, Fahrer und Totengräber. Einige Klinikmitarbeiter hatten bereits in der Vorwoche mit Streiks begonnen. Am Dienstag einigten sich die Streikenden darauf, die Arbeit unter der Bedingung wiederaufzunehmen, dass die Regierung sie binnen 72 Stunden bezahlt. Sie sagten der Nachrichtenagentur AP, sie seien seit fast zwei Monaten nicht mehr bezahlt worden. Die Streikenden erklärten: «Just one day of strike action has already caused damage. Patients were unable to access the center» und kündigten an: «We hold the government solely responsible for any loss of life if the site closes after this ultimatum».
Die Sorge vor einer grenzüberschreitenden Ausbreitung ist akut. Im benachbarten Uganda sind nach offiziellen Angaben 20 Ebola-Fälle bestätigt, darunter zwei Todesfälle. Die USA greifen indes zu strikten Maßnahmen, um das Einschleppen der Infektion zu unterbinden. US-Staatsbürger, die sich in der DR Kongo aufhalten, dürfen nicht mehr direkt in ihre Heimat ausreisen. Sie müssen sich zuvor mindestens 21 Tage in einem Drittland aufhalten, ehe sie wieder in die USA gelassen werden. Am 11. Juli hatte die US-Seuchenschutzbehörde CDC mitgeteilt, dass ein US-Bürger, der für eine Hilfsorganisation im Kongo arbeitete, positiv auf das Ebola-Virus getestet worden war.
Trotz aller Widrigkeiten zeigen die laufenden klinischen Studien und die ausgebaute Laborkapazität, dass die internationale Gemeinschaft den Ausbruch nicht aufgibt. Ob die Maßnahmen jedoch schnell genug greifen, ist offen – die WHO spricht von einem Rennen, das die Helfer bislang nicht gewonnen haben: «we have not caught up in the race».
Die Behörden und Hilfsorganisationen stehen unter enormem Druck. Die kommenden Wochen gelten als entscheidend dafür, ob die Eindämmungsstrategie – Kontaktverfolgung, sichere Bestattungen, Impfstoffentwicklung und Ernährungshilfe – aufgehalten werden kann. (APA, 15.7.2026)
Fragen & Antworten
Welcher Ebola-Typ ist im Kongo ausgebrochen?
Im Kongo zirkuliert der seltene Ebola-Erreger vom Typ Bundibugyo, für den es nach Angaben der WHO weder einen zugelassenen Impfstoff noch eine spezifische Therapie gibt. An einer Impfung wird allerdings gearbeitet.
Warum breitet sich das Virus so schnell aus?
Nach WHO-Angaben stammen rund 80 Prozent der neuen Fälle aus unbekannten Übertragungsketten, weil die Kontaktverfolgung nur zwischen 55 und 64 Prozent liegt. Bewaffnete Konflikte in Ituri, Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen, Misstrauen in der Bevölkerung und Streiks von Klinikpersonal wegen ausbleibender Bezahlung behindern die Eindämmung zusätzlich.
Welche Maßnahmen ergreifen andere Länder?
Im benachbarten Uganda wurden 20 Ebola-Fälle mit zwei Toten registriert. Die USA haben ein Einreiseverbot für direkt aus dem Kongo heimkehrende US-Bürger verhängt; sie müssen sich zuvor mindestens 21 Tage in einem Drittland aufhalten.
Ebola Kongo 2026: über 700 Tote, schnellster Ausbruch | nachrichten360