E-Scooter-Unfälle in Deutschland: 38 Tote und Zehntausende Verletzte im vergangenen Jahr
Wiesbaden, 16. Juli 2026
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Kurzfassung
Im vergangenen Jahr sind in Deutschland 38 Menschen bei Unfällen mit E-Scootern gestorben – elf mehr als im Vorjahr. Die Polizei registrierte rund 16.500 Unfälle mit Personenschaden, ein Anstieg um 38 Prozent gegenüber 2024.
Bei Unfällen mit E-Scootern sind in Deutschland im vergangenen Jahr 38 Menschen ums Leben gekommen, elf mehr als im Jahr zuvor – gleichzeitig stieg die Zahl der polizeilich erfassten Unfälle mit Personenschaden um rund 38 Prozent auf 16.496 Fälle.
Zahlen des Statistischen Bundesamts
Das teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mit. Demnach starben 38 Menschen bei Unfällen mit Beteiligung eines E-Scooters - elf mehr als im Jahr davor. Von den fünf weiteren bei E-Scooter-Unfällen Getöteten waren drei Personen zu Fuß unterwegs, eine mit dem Fahrrad und eine mit dem Auto.
Hinzu kamen 1.895 Schwer- und 16.184 Leichtverletzte. Insgesamt registrierte die Polizei im vergangenen Jahr in Deutschland 16.496 solcher Unfälle - gut 38 Prozent mehr als 2024. Damit hat sich die Zahl der E-Scooter-Unfälle mit Verletzten und Toten seit 2021 nahezu verdreifacht.
Besonders betroffen sind junge Menschen: Mehr als jeder Zweite war jünger als 25 Jahre, fast 84 Prozent der Verunglückten waren unter 45. Nur 3,1 Prozent gehörten zur Altersgruppe 65 plus. E-Scooter-Fahrer waren an 5,5 Prozent aller Verkehrsunfälle mit Personenschaden beteiligt.
Kinder und Jugendliche besonders betroffen
Im Jahr 2025 verunglückten in Deutschland 5.014 Kinder und Jugendliche im Alter von unter sechs bis 18 Jahren bei Unfällen mit E-Scootern. Fünf junge Menschen kamen bei den Unfällen zu Tode, 438 verletzten sich schwer. Hierzulande verunglückten jährlich im Durchschnitt mehr als 2.500 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren bei Unfällen mit den elektrischen Rollern. Jugendliche von 15 bis unter 18 Jahre seien dabei am stärksten vertreten.
Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendchirurgie erklärte, Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren seien besonders häufig betroffen. In der Altersgruppe bis 15 Jahre liegt der Anstieg der Unfälle bei 120 Prozent. Von den unter 15-Jährigen waren 1.520 Jugendliche die Verursacher, in der Altersgruppe 15 bis 18 Jahre waren 1.870 junge Menschen die Verursacher.
Als häufigste Unfallursache bei den E-Scooter-Fahrern nannten die Statistiker das falsche Benutzen von Fahrbahn oder Gehwegen mit einem Anteil von 21,6 Prozent. Das dritthäufigste Fehlverhalten war nicht angepasste Geschwindigkeit - gefolgt von Fehlern beim Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren, Ein- und Anfahren.
Unfallursachen: Wege, Geschwindigkeit, Alkohol
Bei Zusammenstößen mit Fahrradfahrenden waren es etwas mehr als 74 Prozent, bei denen die E-Scooter-Fahrer die Hauptschuld trugen. Obwohl E-Scooter-Fahrer bei Zusammenstößen mit Autos nur in 38 Prozent der Fälle die Hauptschuld trugen, waren sie bei Unfällen mit Radfahrern zu 74 Prozent die Hauptverursacher, bei Unfällen mit Fußgängern sogar zu 89 Prozent.
Auch Alkohol spielt eine erhebliche Rolle: Dies war bei 10,9 Prozent der Fälle die Ursache und damit häufiger als bei Fahrradfahrern mit 7,7 Prozent. Im vergangenen Jahr waren dies fast elf Prozent. Für unter 21-Jährige und Führerscheinneulinge gilt ohnehin die Null-Promille-Grenze; allgemein liegt die Grenze bei 0,5 Promille.
Fast die Hälfte der schweren Unfälle geschehe ohne Fremdeinwirkung: Vielmehr seien Gleichgewichtsverlust oder falsche Selbsteinschätzung der Grund. Von den 33 auf E-Scootern tödlich Verunglückten starb fast die Hälfte bei Alleinunfällen. Die Unfälle mit E-Rollern ereigneten sich vor allem in Großstädten.
Mitfahrer und Alleinunfälle
Unter den Verunglückten waren auch 822 Mitfahrer, obwohl dies verboten ist. Einer von ihnen kam ums Leben. Mehr als fünf Prozent der Verunglückten waren Mitfahrerinnen und Mitfahrer; davon waren 49 Jugendliche Mitfahrende, die meisten davon im Alter von zehn bis 18 Jahren. Gut vier von fünf Verunglückten waren selbst mit dem E-Scooter unterwegs.
Bei Stürzen würden vor allem gefährliche Kopfverletzungen, Verletzungen des Bauchraums sowie Knochenbrüche im Rumpfbereich drohen. In der Nacht zu Mittwoch starb bei einem Unfall in Berlin-Kreuzberg ein weiterer E-Scooter-Fahrer. Auch dass die kleinen Räder sehr empfindlich auf Schlaglöcher, Kantsteine oder nasses Laub reagieren, trägt zur Unfallhäufigkeit bei.
Forderungen: DVR und DGKJCH
Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat forderte die Einführung eines E-Scooter-Befähigungsnachweises für alle Verkehrsteilnehmenden, die keinen Führerschein besitzen. Er fordert zum einen eine Anhebung der Altersgrenze für E-Scooter-Fahrende von 14 auf 15 Jahre und mehr Kontrollen; wäre mit der Anhebung des Mindestalters wieder eine Gleichstellung mit dem Mofa oder Kleinkrafträdern sichergestellt, argumentiert der DVR.
Außerdem soll ein Befähigungsnachweis eingeführt werden – in Anlehnung an die Mofa-Prüfbescheinigung. Weil E-Scooter-Fahrende vor allem während der Dämmerung oder in der Dunkelheit schlecht zu erkennen seien, wenn sie die Fahrbahnen queren, plädiert der DVR überdies für gelbe Seitenmarkierungsleuchten an den Geräten.
Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendchirurgie fordert ein Verbot für E-Scooter für Kinder unter 14 Jahren sowie eine Helmpflicht. Zusätzlich zu einer Helmpflicht empfiehlt die Gesellschaft Sicherheitstrainings, die auf Kinder und Jugendliche zugeschnitten sind. Sie werden unter anderem vom ADAC, der Deutschen Verkehrswacht oder der Polizei angeboten. Die Verkehrswacht etwa bündelt Informationen, Materialien und Trainings auf ihrer neuen Plattform ScootSkills.
"Besorgniserregend ist, dass bei Unfällen mit E-Scootern Kinder und Jugendliche auffallend häufig schwere Verletzungen erleiden", erklärte die Fachgesellschaft. "Entgegen der Wahrnehmung als harmloses Spielzeug haben E-Scooter in der Kinder- und Jugendchirurgie das Trampolin als häufigste Ursache für schwere Freizeitverletzungen abgelöst", sagte DGKJCH-Sprecher Joachim Suß, Chefarzt für Kinderchirurgie am Kinderkrankenhaus Wilhelmstift in Hamburg.
"Das birgt ein hohes Unfallpotenzial, das wir mit Aufklärung, Schutzmaßnahmen und Regeln vermeiden müssen", betont DGKJCH-Präsident Guido Seitz. Kinder unter 14 seien unerfahren, mit den Verkehrsregeln nicht ausreichend vertraut und überschätzten sich häufig.
Verschärfte Haftung und politische Debatte
Der TÜV-Verband forderte mit Blick auf die Zahlen, dass höhere Bußgelder und strengere Haftungsregelungen strikt durchgesetzt werden müssten. E-Scooter sollten fester Bestandteil der Verkehrserziehung werden. Fahrsicherheitstrainings, ähnlich der Radfahrausbildung, während der Schulzeit könnten insbesondere jungen Nutzerinnen und Nutzern helfen, Risiken besser einzuschätzen und ihr Fahrzeug sicher zu beherrschen.
Der Bundestag hatte zuletzt strengere Haftungsregeln beschlossen. Wegen der steigenden Zahlen an Unfällen verschärft die Regierung die Haftung für E-Scooter. So soll der Opferschutz im Straßenverkehr deutlich verbessert werden. Wer zum Beispiel angefahren wird oder über einen abgestellten E-Scooter stolpert, soll künftig leichter Schadenersatz erhalten. Schadensersatzansprüche sollen bei Unfällen künftig leichter gegenüber dem Vermieter geltend gemacht werden können.
In der Debatte um das Abstellen der Roller positioniert sich auch die Politik: Ja sagt, Ute Bonde, Berliner Verkehrssenatorin, CDU. Dagegen ist Dustin Williams, Vertreter der Plattform Shared Mobility. E-Scooter-Fahrer müssen - falls vorhanden - Fahrradwege oder Schutzstreifen nutzen und ansonsten auf Fahrbahnen oder Seitenstreifen ausweichen. Das Fahren auf Gehwegen ist verboten. E-Scooter dürfen eigentlich nur allein und erst ab 14 Jahren gefahren werden. Dabei sind E-Scooter nur für eine Person zugelassen - Mitfahren ist verboten.
Diese Nachricht wurde am 16.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet. Sie machen knapp drei Viertel aller E-Scooter aus: 1,4 Millionen gab es davon bereits im Jahr 2023, Tendenz steigend. Zum Vergleich: 2025 kamen bei rund 97.000 Unfällen mit Fahrrädern 462 Menschen ums Leben; die Polizei registrierte insgesamt 297.364 Verkehrsunfälle mit Personenschaden.
Fragen & Antworten
Wie viele Menschen sind im vergangenen Jahr bei E-Scooter-Unfällen in Deutschland gestorben?
Laut Statistischem Bundesamt kamen 38 Menschen bei Unfällen mit Beteiligung eines E-Scooters ums Leben, elf mehr als im Jahr zuvor.
Welche Forderungen erhebt die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendchirurgie?
Die DGKJCH fordert ein Verbot von E-Scootern für Kinder unter 14 Jahren, eine Helmpflicht sowie gezielte Fahrtrainings für junge Nutzer.
Was hat der Bundestag bei der Haftung für E-Scooter beschlossen?
Der Bundestag hat strengere Haftungsregeln beschlossen, damit Opfer künftig leichter Schadenersatz erhalten – etwa wenn sie angefahren werden oder über einen abgestellten E-Scooter stolpern.
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