Digital News Report: Soziale Medien verdrängen bei Jüngeren klassische Nachrichtenquellen
Salzburg, 16 Juni 2026
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Kurzfassung
Der aktuelle Digital News Report zeigt für Österreich, dass Soziale Netzwerke bei den 18- bis 24-Jährigen erstmals fast jeder zweite Befragte als wichtigste Nachrichtenquelle nutzt. Klassische Fernsehnachrichten führen insgesamt weiterhin, während KI-Chatbots noch eine Randerscheinung bleiben. Das Vertrauen in Nachrichten hat sich nach dem Pandemietief leicht stabilisiert.
Salzburg, 16 Juni 2026
Soziale Medien haben sich bei jungen Erwachsenen in Österreich zur wichtigsten Nachrichtenquelle entwickelt, während klassische Fernsehnachrichten insgesamt weiter dominieren und KI-Chatbots noch eine Nischenrolle spielen – das zeigt der am Dienstag veröffentlichte Digital News Report des Reuters Institute for the Study of Journalism.
Studie und Methodik
Für den Österreich-Teil der Studie zeichnet der Fachbereich Kommunikationswissenschaft der Universität Salzburg verantwortlich. Die von Anfang Jänner bis Anfang Februar durchgeführte Befragung von rund 2.000 Personen alleine in Österreich ist repräsentativ für die online aktive Bevölkerung ab 18 Jahren.
Bei den 18- bis 24-Jährigen ist Social Media bei fast jedem zweiten Befragten (46,7 Prozent) die dominierende Quelle für News – ein starker Anstieg gegenüber 2025 (33,1 Prozent). TV-Nachrichtenprogramme stehen in dieser Altersgruppe deutlich seltener an erster Stelle (10,4 Prozent), Radionachrichten haben hier einen höheren Stellenwert (13,3 Prozent).
Soziale Medien bei Jüngeren vorn
Über alle Altersgruppen hinweg werden klassische Fernsehnachrichten nach wie vor am häufigsten als Hauptnachrichtenquelle (29,7 Prozent) angeführt. Soziale Netzwerke (18,3 Prozent) holen allerdings auf und legten gegenüber dem Vorjahr um 3,5 Prozentpunkte zu.
Bei den Onlinenachrichtenmarken liegt bei der Frage nach der Häufigkeit der Nutzung ORF.at klar vor den Onlineausgaben von "Krone" und "Standard". ORF.at liegt sowohl bei Männern und Frauen als auch in fast allen Altersgruppen in dieser Auswertung an der Spitze, lediglich bei den 35- bis 44-Jährigen liegt Krone.at hauchdünn vor ORF.at.
Bei der politischen Selbstverortung der Befragten liegt ORF.at bei "links" und "Mitte" klar voran, bei "rechts" liegt wiederum die Onlinausgabe der "Krone" knapp vor ORF.at.
Mit rund vier von zehn Befragten aus Österreich, die Nachrichten im Allgemeinen vertrauen, allerdings auch eine Besserung gegenüber 2024, als mit 35 Prozent ein Tiefpunkt erreicht wurde. 2025 war der Wert geringfügig höher als heuer. Im internationalen Schnitt trauen 37 Prozent den Nachrichten, ein Tiefstand seit 2015.
Besonders Personen, die sich politisch als "Mitte-links" einstufen, haben überdurchschnittlich großes Vertrauen in Nachrichten (50,6 Prozent), gefolgt von "ausgeprägt links" (44,5 Prozent). Hinter ORF, "Standard" und "Presse" rangieren Regional- und Lokalzeitungen, denen 60,6 Prozent der Befragten ihr Vertrauen aussprechen.
Vertrauen in österreichische Medienmarken
Deutlich weniger stufen dagegen die Boulevardmedien "Heute" (36,5 Prozent), "oe24" (40,7 Prozent) und "Kronen Zeitung" (46,4 Prozent) sowie die Nachrichten bei ATV (42,4 Prozent) als vertrauenswürdig ein.
Gleichzeitig äußern 51 Prozent der 18- bis 34-Jährige Besorgnis darüber, zutreffende und unzutreffende Infos im Internet nicht voneinander unterscheiden zu können. In der Gesamtbevölkerung sind es 46 Prozent. Jede fünfte Person hat hingegen keine Bedenken, Fakten von Falschmeldungen unterscheiden zu können.
KI-Chatbots als Nischenphänomen
Der Anteil der Bevölkerung, der KI-Chatbots als Hauptnachrichtenquelle nennt, liegt unter einem Prozent. Rund ein Viertel der unter 35-Jährigen bringt nachrichtlichen Inhalten aus KI-Chatbots Vertrauen entgegen. Als "erste Anlaufstelle, an die ich mich heutzutage bei den meisten Dingen wende", führen 26,8 Prozent der KI-Chatbot-Nutzer diese Tools an.
Als Gründe zur Nutzung von KI-Chatbots werden etwa die Möglichkeit, Nachfragen zu stellen, wenn man detailliertere Informationen oder Erläuterungen möchte (44,4 Prozent), und die Übersetzung von Sprachen (41,6 Prozent) genannt.
37,6 Prozent der Befragten meinen, dass Nachrichten von öffentlich-rechtlichen Anbietern – wie hierzulande dem ORF – einen sehr oder eher positiven Effekt auf das Leben im Land haben, und damit deutlich mehr als jene Gruppe, die von einem eher oder sehr negativen Effekt spricht (24,3 Prozent). Damit liegen die Werte für Österreich sehr nah am globalen Schnitt. Erstmals erhoben wurde eine Einschätzung zur gesellschaftlichen Wirkung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.
Wirkung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und Zahlungsbereitschaft
Die Ergebnisse deuten laut dem Bericht darauf hin, dass das durch die Pandemie und die darauffolgenden gesellschaftlichen Spannungen belastete Vertrauensverhältnis zwischen Bevölkerung und Medien stabilisiert wurde.
Ein deutliches Minus verzeichnet die Zahlungsbereitschaft für Onlinenews. 16,1 Prozent der Befragten (global: 14,7 Prozent) gaben an, im Vorjahr für Onlinenachrichten gezahlt zu haben, ein Rückgang von fast sechs Prozentpunkten. Allerdings liegt der Wert nach wie vor über jenem von 2024, als der "Digital News Report" für Österreich 13,7 Prozent auswies. Als Gründe für die Bezahlung von Onlinenachrichten werden am häufigsten die Unterstützung von Journalismus (43 Prozent) und der Zugriff auf hilfreiche Inhalte, die man anderweitig nicht erhalten würde (36,3 Prozent), angeführt.
Fragen & Antworten
Welche Nachrichtenquelle nutzen 18- bis 24-Jährige in Österreich am häufigsten?
Bei den 18- bis 24-Jährigen ist Social Media mit 46,7 Prozent die dominierende Quelle für News – ein Anstieg gegenüber 33,1 Prozent im Jahr 2025.
Welche Onlinemarke führt in Österreich bei der Nutzungshäufigkeit?
ORF.at liegt bei der Nutzungshäufigkeit klar vor den Onlineausgaben von "Krone" und "Standard" und führt in fast allen Altersgruppen.
Wie hat sich das Vertrauen in Nachrichten in Österreich entwickelt?
Das Vertrauen lag 2021 bei 46 Prozent, fiel 2024 auf 35 Prozent und ist seither geringfügig gestiegen; rund vier von zehn Befragten vertrauen Nachrichten im Allgemeinen.
Digital News Report 2026: Social Media bei 18–24-Jährigen | nachrichten360