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ORF-Wahl: Kandidaten werben mit Plänen für junges und regionales Programm um die Film- und Musikbranche
Wien, 02. Juni 2026
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Kurzfassung
Sechs Bewerber um den ORF-Generaldirektionsposten haben der heimischen Film- und Musikwirtschaft ihre Pläne vorgestellt. Im Mittelpunkt stehen mehr Planungssicherheit, stärkere Investitionen in junges und regionales Programm sowie der Ausbau digitaler Angebote – trotz angekündigter Sparmaßnahmen der Regierung.
Sechs Kandidatinnen und Kandidaten für den Posten des ORF-Generaldirektors haben am Dienstag der heimischen Film- und Musikwirtschaft ihre Pläne für mehr junges und regionales Programm vorgestellt und dabei mehr Planungssicherheit sowie den Ausbau digitaler Plattformen zugesichert.
Der Fachverband der Film- und Musikwirtschaft in der Wirtschaftskammer lud die Bewerber zu einer Anhörung, in der es vor allem um die künftige Ausrichtung des ORF-Programms ging. Im Zentrum standen Fragen nach Investitionen in österreichische Inhalte, nach Verlässlichkeit bei Auftragsvergaben und nach Programmen, die gezielt junge Menschen sowie Zuschauerinnen und Zuschauer in den Regionen ansprechen. Der ORF investiert jährlich rund 100 Millionen Euro in die Filmwirtschaft und ist damit ein zentraler Partner für die Branche.
Clemens Pig, derzeitiger CEO der APA, betonte die besondere Rolle der Produzenten. Diese seien nicht bloß Zulieferer, sondern ein Teil des öffentlich-rechtlichen Auftrags: "Sie ist Teil des öffentlich-rechtlichen Auftrags." Pig sprach sich für unverwechselbares, österreichisches Programm aus, das Menschen aus den unterschiedlichen Regionen des Landes erreicht. Den anwesenden Produzenten sicherte er mehr Planbarkeit zu, statt der gegenwärtigen "Stop-and-Go"-Politik, die für Verunsicherung sorge.
Pig: Mehr Planbarkeit und Nachwuchsförderung
Pig will darüber hinaus mehr Know-how aus der Branche in den ORF holen und schlug etwa "Writer-Rooms" für junge Drehbuchautorinnen und -autoren sowie Kooperationen mit Filmhochschulen vor. Damit solle der öffentlich-rechtliche Sender auch in Zukunft kreative Talente fördern und enger mit der heimischen Ausbildungslandschaft verzahnt werden.
Markus Breitenecker, ehemaliger Geschäftsführer von ProSiebenSat.1Puls4, will den ORF stärker auf junge Zielgruppen ausrichten und ORF ON als zentrale Streamingplattform ausbauen. Er monierte, dass "die Planbarkeit, die Verlässlichkeit" fehle. Wenn gespart werden müsse, dann nicht bei diesen 100 Mio. Euro, sagte er mit Blick auf die Mittel, die der ORF in die Filmwirtschaft investiert.
Breitenecker und Larcher setzen auf junge Zielgruppen
Johannes Larcher, der zuvor bei großen internationalen Anbietern wie HBO Max und Hulu tätig war, will Inhalte für junge Menschen gezielt über digitale Plattformen wie YouTube und TikTok verbreiten. "Wir können es uns nicht leisten, dort nicht präsent zu sein", sagte er. Junge Creators aus der Social-Media-Szene wolle er an den ORF heranführen und mit ihnen zusammenarbeiten. Regionale Programmfarbe sei ein Pfund, mit dem internationale Streaminganbieter nicht mithalten könnten: "Da kann kein HBO, kein Netflix mit."
Larcher unterstützt zudem die vom Medienministerium vorgeschlagene Streamingabgabe, die internationale Konzerne verpflichten würde, im heimischen Markt zu investieren. Den Produzenten sagte er ein festgelegtes, jährliches Finanzierungsvolumen zu: "Ich kann versprechen, dass ich mich für ein festgelegtes, jährliches Volumen einsetzen werde." Eine genaue Summe nannte er noch nicht.
Totzauer: Programm als Kernauftrag
Lisa Totzauer, Chefin der ORF-Magazine, unterstrich die Rolle des Programms als Kernauftrag des Senders: "Programm ist unsere Existenzberechtigung." Niemand zahle die monatliche Haushaltsabgabe von 15,30 Euro "für Bürokratie", so Totzauer. Sie forderte, Strukturen zu verschlanken und Entscheidungsprozesse zu verkürzen, um die Partner aus der Branche besser einzubinden. Wichtig sei es, "aus der Reichweitenlogik rauszukommen" – Inhalte müssten nicht immer maximale Einschaltquoten erzielen, sondern gesellschaftliche Wirkung entfalten.
Totzauer verwies auf ein kürzlich abgeschlossenes Schulprojekt, bei dem junge Menschen wochenlang auf das Handy verzichtet hatten. Das Experiment habe zwar keine Top-Reichweiten im Fernsehen gebracht, der gesellschaftliche "Impact" sei aber "riesig" gewesen. Würde sie Generaldirektorin, wolle sie den Österreich-Anteil im Radioprogramm Ö3 um zehn Prozent erhöhen. Der Fokus müsse zudem auf regionaleres Programm gelegt werden.
Sorge vor Einschnitten durch Sparpaket
ORF-III-Geschäftsführerin Kathrin Zierhut-Kunz warnte vor den Folgen des von der Regierung geplanten Sparpakets. Die Kürzungen in Höhe von fast 100 Millionen Euro pro Jahr – zusätzlich zu einem bereits bestehenden Sparpaket – würden einen "massiven Eingriff ins Programm" bedeuten. Man wolle das Publikum über das Programm zurückgewinnen, müsse aber mit deutlich weniger Mitteln auskommen.
Eva Schütz, Herausgeberin von Exxpress, sprach sich für mehr Eigenproduktionen aus. Im Sinne eines effizienten Wettbewerbs sollten diese auch für Private geöffnet werden, die öffentlich-rechtliche Inhalte produzieren. Insgesamt stellten sich die sechs Kandidatinnen und Kandidaten hinter die Bedeutung der heimischen Film- und Musikwirtschaft für den ORF – alle sagten zu, dass die oder der Beste den Chefsessel im ORF erhalten solle.
Die Anhörung gilt als wichtiger Stimmungstest im Auswahlverfahren für die ORF-Spitze. Die Bewerber müssen sich in den kommenden Wochen weiteren Gesprächen stellen, bevor der Stiftungsrat über die Nachfolge entscheidet. Branchenvertreter werteten die Signale als Hinweis darauf, dass die künftige Führung trotz der angekündigten Sparmaßnahmen am Investitionsvolumen für heimische Inhalte festhalten will.
Fragen & Antworten
Welche Kandidaten treten bei der ORF-Wahl an?
Bei der Anhörung des Fachverbands der Film- und Musikwirtschaft stellten sich sechs Kandidatinnen und Kandidaten für den Posten des ORF-Generaldirektors vor, darunter Clemens Pig, Markus Breitenecker, Johannes Larcher, Lisa Totzauer, Kathrin Zierhut-Kunz und Eva Schütz.
Was fordert die Film- und Musikwirtschaft von der künftigen ORF-Führung?
Die Branche verlangt mehr Planungssicherheit bei Aufträgen, den Erhalt der jährlichen Investitionen von rund 100 Millionen Euro und mehr Raum für österreichisches, junges und regionales Programm.
Welche Rolle spielen Sparpläne im Auswahlverfahren?
Die von der Regierung angekündigten Sparmaßnahmen von fast 100 Millionen Euro pro Jahr werden von mehreren Kandidaten als massive Gefahr für das Programm gesehen und stehen im Zentrum der Debatte.