Klopp als Bundestrainer: Red Bull gibt offenbar frei | nachrichten360
DFB und Klopp: Red Bull soll Freigabe erteilen, Präsentation am Freitag geplant
Frankfurt, 19. Juli 2026
Mehdi Bolourian / Wikimedia Commons / CC BY 4.0
Kurzfassung
Red Bull steht Berichten zufolge vor der Freigabe von Jürgen Klopp für den Posten des Bundestrainers. Der DFB äußert sich nicht zum Verhandlungsstand, eine Vorstellung in Frankfurt am Freitag gilt laut dpa als möglich.
Nach übereinstimmenden Medienberichten will Red Bull Jürgen Klopp vorzeitig aus seinem bis 2029 laufenden Vertrag als Head of Global Soccer entlassen, damit dieser neuer Bundestrainer werden kann.
Laut einem Bericht der Bild-Zeitung, den auch Sky aufgriff, hat Red Bull einer Freigabe von Jürgen Klopp im Grundsatz zugestimmt. Demnach soll Oliver Mintzlaff als Chef des österreichischen Getränkekonzerns in einem Gespräch mit dem 59-Jährigen die Weichen für den Wechsel zum Deutschen Fußball-Bund gestellt haben. Eine ursprünglich diskutierte Ablösesumme sei frühzeitig vom Tisch gewesen, hieß es. Zudem werde Klopp entgegen früherer Überlegungen keine zusätzliche Rolle als Markenbotschafter oder Berater bei Red Bull behalten.
DFB äußert sich nicht - Freitag als Stichtag
Der DFB selbst hält sich offiziell bedeckt. „Der DFB kommentiert den aktuellen Verhandlungsstand mit Jürgen Klopp nicht. Eine finale Entscheidung treffen die zuständigen Gremien", teilte der Verband auf Anfrage mit. Die Nachrichtenagentur dpa berichtet unter Berufung auf eigene Informationen, dass im Idealfall bereits am kommenden Freitag in Frankfurt die offizielle Präsentation Klopps als 13. Bundestrainer erfolgen soll. Sky bestätigte nach eigenen Angaben einen vergleichbaren Zeitplan.
Bereits am vergangenen Samstag hatten sich DFB-Präsident Bernd Neuendorf, sein Stellvertreter Hans-Joachim Watzke und Klopp in New York getroffen. Dort sei nach Angaben aus Verhandlungskreisen eine Vorvereinbarung für einen Vertrag als Nachfolger von Julian Nagelsmann erzielt worden, der bis zur Weltmeisterschaft 2030 laufen soll. Offen waren zuletzt noch die abschließenden Gespräche mit Red Bull sowie die Klärung von Sponsoringfragen. Klopps Berater Marc Kosicke wies SID gegenüber Berichte über eine bereits erzielte Einigung zurück.
DFB-Spitzen bleiben dem Finale fern
Unterdessen halten sich die DFB-Spitzen beim anstehenden WM-Endspiel zwischen Argentinien und Titelverteidiger Spanien in East Rutherford auffällig zurück. Neuendorf und weitere Funktionäre werden dem Finale nach eigenen Angaben fernbleiben. Hintergrund ist das deutsche Aus im Achtelfinale, das die Mannschaft von Nagelsmann im Elfmeterschießen mit 3:4 gegen Paraguay erlitten hatte. Als Mitglied des FIFA-Councils hätte Neuendorf in der VIP-Tribüne einen reservierten Platz gehabt; der DFB verzichtet jedoch auf die Reise.
Klinsmann kritisiert fehlende Härte
In die sportliche Debatte mischt sich der frühere Bundestrainer Jürgen Klinsmann, 61, mit deutlicher Kritik an der Mannschaft. „Wir sind jetzt absolut im Mittelmaß, ganz verloren irgendwo angekommen", sagte er bei Sport1. „Wir müssen uns dafür schämen. Wir müssen eingestehen, dass viel, viel falsch gemacht wurde", ergänzte er bei Sky. Klinsmann führte das Defizit auch auf fehlende körperliche Härte zurück: „Sie waren zu weich, sie waren nicht fähig, zu leiden oder auch mal die Ellbogen auszufahren und sich Respekt zu verschaffen." Als Vorbild im Zweikampfverhalten nannte er Argentinien.
Klinsmann sprach sich zugleich für eine Verpflichtung Klopps aus und verwies auf dessen Energie und positive Ausstrahlung. Auch Mario Götze, 34, äußerte sich in einem Interview mit The Athletic lobend über den früheren Coach aus gemeinsamen Dortmunder Zeiten. „Was er versteht, und was die meisten Trainer vielleicht nicht verstehen, ist, wie man mit Menschen umgeht. Spieler führen, Erwartungen managen, die Mannschaft als Ganzes formen - das hat er perfekt verstanden. Er weiß genau, was er will und fordert", sagte Götze. Über die gemeinsame Vergangenheit ergänzte er: „Rückblickend hatte er einen enormen Einfluss auf mich und den Verein."
Klopp selbst tritt am Abend des Finaltages als TV-Experte bei MagentaTV auf, um die Partie Argentinien gegen Spanien zu analysieren. In diesem Rahmen wird er auch Per Mertesacker, ZDF-Kollege und möglicher Kandidat für eine DFB-Funktion etwa als Geschäftsführer, am Stadion treffen. Klopp hatte in jüngeren TV-Auftritten mehrfach persönliche Statements zur Frage des Bundestrainer-Amts abgegeben.
DFB distanziert sich von Infantino
Im politischen Berlin profilierte sich der DFB zugleich mit einer eigenständigen Position gegenüber dem Weltverband. Der Verband werde FIFA-Präsident Gianni Infantino vor dessen geplanter Wiederwahl im März 2027 nicht öffentlich mit einem Unterstützungsschreiben den Rücken stärken, hieß es. Damit setzt der DFB ein Distanzsignal in Richtung des mächtigen Verbandschefs.
Parallel zur Personaldebatte fordert U19-Nationalmannschaftskapitän Francis Onyeka im ARD-Morgenmagazin mehr Spielpraxis für junge Talente. „Ich finde schon, dass wir sehr viele Talente auch in Deutschland haben. Irgendwann müsste man das Vertrauen von den Bundesliga-Trainern bekommen, Spielminuten. Vielleicht wäre das etwas, was man in Deutschland ändern könnte..." Onyeka wird in der kommenden Saison von Bayer Leverkusen an den Aufsteiger SV Elversberg ausgeliehen. Sein Kollege Nick Woltemade, 24, der beim Turnier in den USA nur als Einwechselspieler im Achtelfinale gegen Paraguay zum Einsatz kam und einen Elfmeter verschoss, trainierte nach dem WM-Aus nach Deichstube-Angaben während seines Urlaubs auf einem Nebenplatz mit den U19-Coaches von Werder Bremen.
Insgesamt bleibt der Wechsel eine Wagen-und-Wagen-und-Wagen-Konstellation: Während Red Bull seinen prominenten Fußball-Manager ziehen lässt, steht der DFB vor der größten Personalentscheidung seit der Ära Bundestrainer. Sollte die Präsentation am Freitag tatsächlich über die Bühne gehen, wäre Klopp nach kurzer TV-Expertenphase wieder auf der großen sportlichen Bühne - diesmal in der Verantwortung für die deutsche Nationalmannschaft.
Fragen & Antworten
Was berichten Bild und Sky über die Freigabe Klopps durch Red Bull?
Beide Medien berichten übereinstimmend, dass Red Bull einer Freigabe des bis 2029 laufenden Vertrags von Jürgen Klopp als Head of Global Soccer grundsätzlich zugestimmt hat. Eine Ablösesumme sei demnach nicht vorgesehen.
Wie reagiert der DFB auf die Berichte über eine Einigung mit Klopp?
Der DFB kommentiert den Verhandlungsstand offiziell nicht und verweist auf die zuständigen Gremien, die eine finale Entscheidung treffen werden. Eine Bestätigung der Berichte steht aus.
Wer würde Klopp als Bundestrainer beerben, und was sagen frühere Weggefährten?
Klopp würde auf Julian Nagelsmann folgen, dessen Mannschaft im Achtelfinale gegen Paraguay mit 3:4 im Elfmeterschießen ausgeschieden war. Mario Götze und Jürgen Klinsmann äußerten sich lobend und verwiesen auf Klopps Fähigkeit, mit Spielern umzugehen und klare Forderungen zu stellen.