DFB sucht Gespräch mit Klopp: Reise in die USA und letzte vertragliche Hürden
Frankfurt am Main, 05 Juli 2026
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Kurzfassung
Der DFB plant Gespräche mit Jürgen Klopp über die Nachfolge von Julian Nagelsmann als Bundestrainer. Präsident Bernd Neuendorf und Vize Hans-Joachim Watzke reisen dafür in die USA, doch eine Freigabe durch Red Bull und offene Vertragsfragen stehen noch aus.
Frankfurt am Main, 05 Juli 2026
Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) führt Gespräche mit Jürgen Klopp über die Nachfolge von Julian Nagelsmann als Bundestrainer, wobei Präsident Bernd Neuendorf und DFB-Vize Hans-Joachim Watzke laut Bild in der kommenden Woche in die USA reisen wollen, um den derzeitigen Head of Global Soccer von Red Bull persönlich zu treffen.
Hintergrund der Kontaktaufnahme ist das enttäuschende Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in den USA, das im Achtelfinale gegen Paraguay nach Elfmeterschiehen besiegelt wurde. Der bisherige Bundestrainer Julian Nagelsmann trat nach diesem Resultat zurück; auch seine Co-Trainer Benjamin Hübner und Benjamin Glück verließen den Verband. Eine erste Reaktion aus dem Profi-Lager folgte prompt: ARD-Experte Bastian Schweinsteiger brachte die Stimmung im Land auf den Punkt und sagte: „Der deutsche Fußball liegt am Boden, wir brauchen wieder Hoffnung.“
Hintergrund
Der DFB reagierte auf das WM-Debakel am Tag vor dem nun vorliegenden SID-Bericht mit einer ersten Stellungnahme: Als ersten Schritt zur Neubesetzung werde der Verband Gespräche mit Jürgen Klopp suchen. Klopp selbst hatte zuvor in einem Interview mit MagentaTV auf einem New Yorker Dach angedeutet, er sei für die Aufgabe bereit: „Ich bin mittlerweile mehr als aufgetankt, also ich bin bereit.“ Zudem bezeichnete er den deutschen Fußball als an einem Wendepunkt stehend: „Der deutsche Fußball steht jetzt natürlich an einem Wendepunkt. Wir müssen jetzt Dinge grundlegend verändern.“
Personelle Weichenstellungen im DFB-Umfeld
Gleichzeitig machte Klopp deutlich, dass bis zu einer Unterschrift Zeit nötig sei. Auf die Frage, was zur Vertragsunterzeichnung noch fehle, antwortete er knapp: „Zeit.“ Zunächst müsse er zudem vertragliche Fragen mit seinem aktuellen Arbeitgeber Red Bull klären, bei dem er als Head of Global Soccer einen bis 2029 laufenden Vertrag besitzt. Klopp formulierte es selbst so: „Red Bull muss sauber aus der Nummer rauskommen können.“ Zudem kündigte er an, dass die Gespräche mit dem DFB intensiv werden würden: „Es werden intensive Gespräche sein müssen, weil natürlich die Probleme, die wir aktuell haben, nicht an der Personalie Julian Nagelsmann hängen.“
Personelle Weichenstellungen im DFB-Umfeld
Der Bundestrainer-Kandidat und seine Stationen
Mit Blick auf die sportliche Leitung des Verbandes deutet sich zugleich eine weitere Veränderung an. Sport-Geschäftsführer Andreas Rettig verlässt den DFB zum Jahresende, wie der SID-Bericht festhält. Zudem erwägt Rudi Völler, der 66-jährige DFB-Sportdirektor, nach den Worten von dpa-Informationen über seine Zukunft zu entscheiden; laut Sport1 könnte eine Entscheidung bereits in der kommenden Woche fallen. Dabei hängt Völlers künftige Rolle offenbar auch davon ab, wer als neuer Bundestrainer verpflichtet wird: Er wolle im direkten Gespräch mit Klopp ausloten, ob es eine Basis gebe. „Es geht – auch als Signal – wohl nicht nur um einen Vertrag bis zur EM 2028, sondern gleich bis zur WM 2030“, heißt es in dem Bericht weiter.
Parallel dazu sollen laut Bild in den USA Gespräche über die sportliche Ausrichtung stattfinden, die deutlich über eine Personalentscheidung hinausgehen. Dass die Entfernung zwischen New York und der DFB-Zentrale in Frankfurt über 6.000 Kilometer beträgt, unterstreicht den logistischen Aufwand, den die DFB-Spitze für das Treffen mit Klopp betreibt. Präsident Bernd Neuendorf ist 64 Jahre alt, sein Vize Hans-Joachim Watzke 67; Watzke verbindet mit Klopp eine langjährige Zusammenarbeit aus der gemeinsamen Zeit bei Borussia Dortmund, in der beide Titel gewannen.
Der Bundestrainer-Kandidat und seine Stationen
Mögliche Co-Trainer und Berater
Klopp selbst ist 59 Jahre alt und hält sich während des Turniers überwiegend in New York auf, wo er das WM-Endspiel am 19. Juni in New York/New Jersey als TV-Experte von MagentaTV begleiten wird. Telekom-TV-Chef Arnim Butzen erklärte dazu gegenüber SID: „Wir planen mit Jürgen Klopp bis zum Ende des Turniers, er wird beim Finale mit dem kompletten Experten-Team für uns im Einsatz sein.“ Neben Klopp werden dort auch Thomas Müller und Mats Hummels als zusätzliche TV-Experten im Einsatz sein. Klopps nächster geplanter MagentaTV-Auftritt ist das Achtelfinale zwischen Brasilien und Norwegen am Sonntag um 22:00 Uhr MEZ in East Rutherford.
Zugleich äußerte sich Klopp auch beim österreichischen Privatsender ServusTV, der zur Red Bull Media House GmbH gehört. Er machte dort deutlich, dass die WM-Erfahrung für ihn auch persönlich wertvoll sei: „Es ist wie eine Fortbildung. Also wie auch immer es für mich weitergeht, blöder werde ich nach dieser Weltmeisterschaft sicher nicht sein.“ Sein sportlicher Hintergrund umfasst Titel mit Borussia Dortmund und dem FC Liverpool, und sein prägender Spielstil basiert auf Gegenpressing, unmittelbarer Reaktion nach Ballverlust und vertikalen Umschaltmomenten nach Ballgewinn.
Freigabe und finanzielle Rahmenbedingungen
Mögliche Co-Trainer und Berater
Als mögliche Mitglieder seines künftigen Trainerstabs werden laut SID vor allem zwei langjährige Wegbegleiter gehandelt. Peter Krawietz (54), heute Head of Soccer Philosophy bei Red Bull Soccer International, arbeitete bereits als Scout in Mainz (2001–2008) und als Co-Trainer bei Borussia Dortmund (2008–2015) sowie beim FC Liverpool (2015–2024) eng mit Klopp zusammen. Auch Pepijn Lijnders wird laut Bild als möglicher Assistent gehandelt; er war zuvor Klopps Chef-Assistent in Liverpool, trainierte kurz Red Bull Salzburg und arbeitete zuletzt als Assistent von Pep Guardiola bei Manchester City. Zudem wird mit Zsolt Löw ein 47-jähriger Ungar als möglicher Co-Trainer genannt.
Stimmen aus der Fußballöffentlichkeit
Freigabe und finanzielle Rahmenbedingungen
Bei Red Bull gilt Oliver Mintzlaff, derzeit CEO des Konzerns, als zentraler Entscheidungsträger über eine mögliche Freigabe Klopps. Mintzlaff hatte Klopp vor etwa anderthalb Jahren selbst als „Königstransfer ohne Ablöse“ vorgestellt und war zuvor über Jahre für den Aufstieg von RB Leipzig verantwortlich. Mintzlaff ist allerdings beim Formel-1-Rennen in Silverstone in England; ein persönliches Gespräch mit der DFB-Spitze in den USA ist vorerst nicht öffentlich angekündigt. Allgemein wird erwartet, dass der DFB eine Ablöse- beziehungsweise Ausgleichszahlung an Red Bull leisten muss, um Klopp freizubekommen; Mintzlaff hatte einst für Julian Nagelsmann eine Ablöse von über 25 Millionen Euro von RB Leipzig an den FC Bayern ausgehandelt.
Zur Finanzierung des Projekts könnte nach SID-Informationen auch ein lukrativer Nike-Deal beitragen, der dem DFB zusätzliche Mittel verschaffen würde. Ein weiterer Punkt: Klopp hat noch einen persönlichen Werbevertrag mit dem Nike-Konkurrenten Adidas, der 2020 langfristig geschlossen wurde und Ende des Jahres ausläuft. DFB-intern wird dies laut dem Bericht nicht als Problem gesehen.
Eine mögliche Ablösesumme wäre nicht der einzige finanzielle Posten im Umbruch. So erhält Julian Nagelsmann nach SID-Informationen trotz seines Rücktritts eine Abfindung von sieben Millionen Euro.
Stimmen aus der Fußballöffentlichkeit
In der Fußballöffentlichkeit wird die mögliche Verpflichtung Klopps überwiegend positiv aufgenommen. Christian Heidel, der Klopp 2001 selbst zum Trainer von Mainz 05 gemacht hatte und sich im SWR-Sport-Interview als „dicke Freunde“ mit ihm bezeichnete, sagte: „Das wäre nicht nur in Deutschland so, das wäre wahrscheinlich auf der halben Welt so“, dass Klopp die beste Wahl sei, die überhaupt machbar wäre. Heidel sieht in Klopp einen „Menschenfänger“, der „emotional ist, der die Spieler mitreißen kann, der eine direkte Ansage hat, der ein klares Konzept hat“. Zugleich warnt er: „Er ist ja nicht der Messias, der jetzt kommt. Er trifft ja auch auf Voraussetzungen. Er muss auch die Spieler haben.“ Heidel sieht den deutschen Fußball „Lichtjahre von der Weltspitze entfernt“, fordert eine Entscheidung „in aller Ruhe auch im Familienkreis“ und sagt voraus, dass „die Erwartungshaltung natürlich vom ersten Tag an wieder unermesslich“ wäre.
Heidel zog zugleich Parallelen zu Julian Nagelsmann: „Ich würde sagen, Empathie, Ausstrahlung, das Emotionale, das ist jetzt nicht unbedingt die große Stärke von Julian, das ist aber die große Stärke von Jürgen Klopp.“ Nagelsmann bleibe aus seiner Sicht ein „überragender Trainer“, dessen Stärken aber im täglichen Training einer Vereinsmannschaft lägen: „Aber er ist ein Trainer, der seine Stärken dann zeigen kann, wenn er täglich mit einer Mannschaft arbeitet. Und bei einer Nationalmannschaft ist das nicht möglich.“ Heidel blickte zudem auf die Stimmung vor der WM zurück: „als wir in die USA abgeflogen sind, dass wir Weltmeister werden müssen“, habe im Flugzeug die Gespräche bestimmt; „Aber das bedeutet nicht, dass wir in vier Jahren als Top-Favorit zur Weltmeisterschaft fahren.“
Auch Lothar Matthäus äußerte sich in seiner BILD-Kolumne kritisch über das zurückliegende Projekt Nagelsmann. Er sprach von „kleinen Nagelsmännern ohne Widerspruch“ im Trainerstab, warf dem Coach fehlende Präsenz bei Vereins-, U21- und Auslandsbesuchen vor und bemängelte, dass Nagelsmann lieber „Nachrichten per WhatsApp als persönliche Gespräche“ geführt habe, was „eigentlich undenkbar für eine Führungskraft“ sei. Die Mannschaft beschrieb Matthäus als „ein reiner Hühnerhaufen“. Zugleich äußerte er Zuversicht für die Zukunft: „Ich bin sicher, dass Jürgen Klopp das alles besser macht, wenn er Bundestrainer wird.“
Kritik an Verband und Kader
Matthäus griff zugleich die DFB-Spitze scharf an und warf ihr vor, zu lange gezögert und Nagelsmanns Vertrag unnötig bis 2028 verlängert zu haben. Dem Vernehmen nach enthielt der Vertrag laut Matthäus nur eine Trennungsklausel für ein Ausscheiden in der Gruppenphase. Zudem fragte er öffentlich, wer die Abfindungssumme verantworte – und nannte dabei DFB-Geschäftsführer Andreas Rettig oder DFB-Präsident Bernd Neuendorf.
Parallel fordert der frühere Nationalspieler Mats Hummels eine Verjüngung des Kaders: Man müsse „vielleicht auch an Spieler ran, die Anfang 30 sind und mehrere Chancen hatten, für Deutschland bei Turnieren gute Ergebnisse zu erzielen“. Zu den genannten Spielern gehören unter anderem Leroy Sané (30), Leon Goretzka (31) und Antonio Rüdiger (33). Philipp Lahm wiederum argumentierte in The Athletic, dass Joshua Kimmich im zentralen Mittelfeld spielen sollte und nicht als Rechtsverteidiger, und nannte als offensive Achse Kai Havertz, Florian Wirtz und Jamal Musiala. Dietmar Hamann forderte derweil, dass Kimmich aus der Nationalmannschaft zurücktreten solle; Hamann bestritt 59 Länderspiele für Deutschland. Per Mertesacker, 41-jähriger Spieler des letzten deutschen Weltmeister-Teams von 2014, erklärte sich offen für eine Tätigkeit beim DFB: „dem deutschen Fußball, dem ich auch so viel zu verdanken habe, mal was zurückzugeben, wenn das gewünscht ist – dafür stehe ich natürlich zur Verfügung.“ Er war „über viele Jahre Leiter der Nachwuchsakademie beim FC Arsenal“. Philipp Lahm sieht sich hingegen derzeit nicht beim DFB. Bastian Schweinsteiger, ARD-Experte, erklärte, er werde sich „nicht drücken“ bei einer möglichen DFB-Mitarbeit.
GSN-Ranking und Ausblick
Im Hinblick auf eine Trainerwahl hatte das Global Soccer Network (GSN) bereits vor dem Turnier ein zwölfphasiges Modell genutzt, um die Passung von Trainern zum deutschen Team zu bewerten. Demnach liegen Ralf Rangnick (78,21 Prozent Fit), Sebastian Hoeneß (77,14), Pep Guardiola (75,56) und Laurent Blanc (72,55) vor Jürgen Klopp (70,74) und Oliver Glasner (69,98); Christian Streich folgt mit 63,46 Prozent auf Rang sieben. Rangnick ist aktuell österreichischer Nationaltrainer, Hoeneß trainiert den VfB Stuttgart.
Mit Blick auf die sportlichen Termine steht für die deutsche Mannschaft am 24. September in den Niederlanden das erste Nations-League-Spiel nach der WM an. Bis dahin werden die Weichen im Verband neu gestellt sein müssen – die Reise der DFB-Spitze nach New York ist dabei nur ein erster, sichtbarer Schritt.
Fragen & Antworten
Wer reist für den DFB in die USA, um mit Klopp zu sprechen?
DFB-Präsident Bernd Neuendorf und DFB-Vize sowie Liga-Präsident Hans-Joachim Watzke planen laut Bild, in der kommenden Woche in die USA zu fliegen, um Jürgen Klopp persönlich zu treffen.
Welche Hürden stehen einer Verpflichtung Klopps noch im Weg?
Klopp hat einen bis 2029 laufenden Vertrag als Head of Global Soccer bei Red Bull; zudem sind vertragliche Details zwischen DFB und Red Bull noch offen, und der DFB rechnet mit einer Ausgleichszahlung an Red Bull.
Warum sucht der DFB überhaupt einen neuen Bundestrainer?
Julian Nagelsmann trat nach dem Achtelfinal-Aus der deutschen Mannschaft bei der WM gegen Paraguay zurück; auch seine Co-Trainer Benjamin Hübner und Benjamin Glück verließen den Verband.
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