DFB bestätigt Gespräche mit Jürgen Klopp über Nachfolge von Julian Nagelsmann
Frankfurt am Main, 04. Juli 2026
AI-generated image (z-image via Kie.ai)
Kurzfassung
Nach dem WM-Aus gegen Paraguay ist Bundestrainer Julian Nagelsmann zurückgetreten. Der DFB bestätigte Gespräche mit Jürgen Klopp, der grundsätzliche Bereitschaft signalisierte. Eine rasche Lösung gilt als unwahrscheinlich, da Klopps Vertrag beim Red-Bull-Konzern noch bis 2029 läuft.
Der Deutsche Fußball-Bund hat nach dem enttäuschenden WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft gegen Paraguay offiziell Gespräche mit Jürgen Klopp über die Nachfolge von Julian Nagelsmann als Bundestrainer bestätigt.
Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat am Freitag, vier Tage nach dem Ausscheiden im Achtelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft gegen Paraguay, die Trennung von Bundestrainer Julian Nagelsmann bekannt gegeben. Wie der Verband mitteilte, habe Nagelsmann in einem vertraulichen Gespräch mit der Verbandsspitze darum gebeten, ihn nach dem enttäuschenden Verlauf der WM in den USA, Kanada und Mexiko von seinen Aufgaben zu entbinden. Nagelsmann, der im September 2023 die Nachfolge von Hansi Flick angetreten hatte, war erst 38 Jahre alt, als er den Posten übernahm.
In einer schriftlichen Erklärung, die der DFB gemeinsam mit der Mitteilung veröffentlichte, führte der 38-Jährige aus: „Ich habe in den vergangenen Tagen seit dem Ausscheiden viel nachgedacht und mich mit Vertrauten in meinem persönlichen Umfeld und im Verband ausgetauscht. Die Entscheidung ist mir alles andere als leichtgefallen. Mein oberstes Ziel war immer der Erfolg der Mannschaft. Sie hat nach so einer herben Enttäuschung die Chance auf einen unbelasteten Neuanfang verdient." Zuletzt hatte Nagelsmann unmittelbar nach der Niederlage noch erklärt: „Ich bin keiner, der wegläuft."
Abschied nach vier Tagen
Hintergrund der Trennung war nach übereinstimmenden Medienberichten allerdings nicht allein der Wunsch des Trainers. Vielmehr soll ihm dieser Schritt von der DFB-Spitze während eines Krisentreffens am Donnerstag in Frankfurt am Main nahegelegt worden sein. Der DFB habe Nagelsmann zuvor offenbar nahegelegt, freiwillig zurückzutreten. Der Verband verabschiedete sich damit von einem Coach, den Sportdirektor Rudi Völler einst als seine „Wunschlösung" präsentiert hatte. Völler selbst wird nach DFB-Angaben seine Zukunft beim Verband erst in einer Video-Schalte von Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung klären.
Wenige Stunden nach der offiziellen Bekanntgabe signalisierte Jürgen Klopp in einem Interview mit dem MagentaTV-Moderator Johannes B. Kerner in New York seine grundsätzliche Bereitschaft. Der 59-Jährige sagte: „Ich bin mittlerweile mehr als aufgetankt, also ich bin bereit." Zugleich stellte er klar, dass zunächst vertragliche Fragen mit seinem derzeitigen Arbeitgeber zu klären seien: „Zunächst müsse er mit seinem jetzigen Arbeitgeber Red Bull die Vertragsangelegenheiten klären" – so wörtlich aus dem Interview.
Klopps Signale aus New York
Der 59-jährige Klopp ist seit Jänner 2025 als Head of Global Soccer für die Red Bull GmbH tätig. In dieser Funktion steuert er die weltweiten Fußballaktivitäten des österreichischen Getränkeherstellers, zu dessen Klubs unter anderem RB Leipzig gehört. Sein Vertrag beim Unternehmen läuft laut Berichten bis 2029, weshalb eine Trennung nur mit einer einvernehmlichen Lösung möglich wäre. Klopp sagte dazu: „Ich halte Verträge normalerweise super gerne ein" und deutete zugleich Gespräche mit seinem Vorgesetzten Oliver Mintzlaff an: „wir haben natürlich auch schon Dinge angetextet und dementsprechend gehe ich da nicht von aus."
Klopp sprach zudem von „Zeit" als einzigem noch fehlendem Baustein für einen Vertragsabschluss und bezeichnete den Stand der Dinge als „noch ein bisschen ein ungelegtes Ei". Er verwies darauf, dass die Probleme des deutschen Fußballs nicht allein an der Personalie Nagelsmann hingen: „Die Probleme, die wir aktuell haben, hängen nicht an der Personalie Julian Nagelsmann." Auch die Veränderungen im deutschen Fußball seien unabhängig davon nötig, wer letztlich auf der Bank sitze: „Ob das am Ende dann ich sein werde oder wer auch immer das sein wird, das ändert nichts daran, dass die Veränderungen notwendig sind."
Bedingungen: Zeit und Gestaltungsspielraum
Ausdrücklich lobte Klopp seinen möglichen Vorgänger: „Julian ist ein außergewöhnlicher Trainer. Das wird er in seinem Trainerleben noch ganz oft beweisen dürfen." Eine Anstellung als Bundestrainer bezeichnete der frühere Liverpool-Coach als „Traumjob" – ein Begriff, den auch die spanische Zeitung AS aufgriff. Klopp hatte bei Borussia Dortmund die Deutsche Meisterschaft und mit dem FC Liverpool die englische Meisterschaft sowie die Champions League 2019 gewonnen, ehe er im Sommer 2024 eine Pause einlegte.
Über die Verhandlungen mit dem DFB sagte Klopp, diese seien „intensiv" und würden „Zeit in Anspruch nehmen". Auf die Frage nach seinen Bedingungen verwies der frühere Liverpool-Coach auf ein Wort: „Zeit" – und forderte zugleich großen Gestaltungsspielraum. „Der Wunschkandidat fordert beim DFB großen Gestaltungsspielraum", hieß es dazu in Berichten. Die bisherigen Tätigkeiten bei Red Bull beschrieb Klopp als intensive Phase: „Aber es war eine sehr intensive Zeit" und „Ich bin da bereits 19 Monate dabei". Klopps Vertrag mit dem Konzern läuft noch bis 2029.
Stimmen aus der Nationalmannschaft
Aus den Wortmeldungen ehemaliger Nationalspieler und Expertinnen wurde am Wochenende mehrheitlich Zustimmung für eine mögliche Berufung Klopps erkennbar. Christoph Kramer sagte im ZDF: „Ich glaube, es gab keine andere Möglichkeit, als dass Julian Nagelsmann den Weg räumen muss", und schob für die künftige Ausrichtung nach: „Jeder Neuanfang braucht vor allen Dingen Euphorie. Und ich glaube nicht, dass man diese in dieser Konstellation noch mal hätte hervorrufen können." Sein Kollege Per Mertesacker meinte im ZDF-Studio, der DFB habe „schnell und richtig entschieden". Auch die beiden Weltmeister von 2014 äußerten sich zur Personalie.
Bastian Schweinsteiger brachte die Wunschkonstellation des Verbandes in einem TV-Auftritt auf den Punkt: „Klopp und Völler, das wäre das Dream-Team!" Thomas Hitzlsperger warnte im DFB-Liveblog auf tagesschau.de davor, dass die DFB-Spitze die Gespräche nicht ausschließlich mit Klopp führen solle. ZDF-Reporter Markus Wolsiffer bilanzierte, das offizielle Bekenntnis sei bemerkenswert: „Das war ja über Jahre hinweg ein Gerücht, nun ist es offiziell: Er kann – nach Willen des DFB zumindest – der Bundestrainer werden."
Internationale Wahrnehmung
Die internationale Berichterstattung, darunter AS, Marca, Corriere dello Sport, Le Parisien, The Telegraph und der Daily Mirror, begleitete den Personalwechsel mit teils drastischen Worten. Die italienische Sportzeitung Corriere dello Sport schrieb: „Das deutsche WM-Fiasko hat das Ende der Ära Nagelsmann besiegelt." Le Parisien wertete den angekündigten Kontakt zu Klopp als Zeichen einer „Revolution" nach der WM-Enttäuschung, und die spanische Marca titelte: „Die Weltmeisterschaft hat schon das nächste Opfer gefordert."
DFB-Präsident Bernd Neuendorf äußerte sich bislang nicht öffentlich zu den Vorgängen. Sportdirektor Rudi Völler erklärte: „Nach dem für ausnahmslos alle enttäuschenden WM-Aus verdient Julians Entscheidung unseren Respekt, weil er Verantwortung übernimmt, wo er gerne weiter gestalten würde und die Nationalmannschaft als Ganzes über die eigene Person stellt." Neben Bundestrainer Nagelsmann verlassen auch dessen Assistenten Benjamin Glück und Benjamin Hübner den Verband. DFB-Geschäftsführer Andreas Rettig hatte zuvor bereits angekündigt, den Verband zum Jahresende zu verlassen.
Offene Fragen im Verband
Parallel zur Trainerfrage muss der DFB die sportliche Neuaufstellung bewältigen. Das erste Länderspiel nach der WM ist für den 24. September in den Niederlanden zum Auftakt der Nations League angesetzt, weitere Gruppengegner bis Jahresende sind Griechenland und Serbien. Über mögliche Alternativen zu Klopp äußerte sich der Verband bisher nicht – offiziell heißt es, es würden „Gespräche mit Jürgen Klopp" gesucht, Klopp habe „bereits seine grundsätzliche Bereitschaft zur Übernahme des Postens signalisiert".
Die Trennung von Nagelsmann ist nach Medienangaben mit einer Abfindung von rund sieben Millionen Euro verbunden. Hinzu kommt nach Angaben des Nachrichtenportals, das den Bericht verbreitete, ein Millionenverlust durch die verpassten sportlichen Einnahmen aus dem WM-Turnier. Damit steigt der finanzielle Druck auf den Verband, bei der kommenden Trainerlösung zugleich Tempo und Sparsamkeit unter einen Hut zu bringen – zumal Klopps Vertrag bei Red Bull noch bis 2029 läuft und ein früher Wechsel eine Einigung mit dem Konzern voraussetzt.
Die am 4. Juli 2026 über den dpa-Newskanal verbreitete Meldung verdeutlicht, wie ernst der DFB die Lage nach dem dritten verpassten WM-Achtelfinale in Folge nimmt. Gleichzeitig zeigt das Beispiel des Schweizer Erfolges gegen Algerien oder das Weiterkommen von Kap Verde, dass bei dieser WM in Vancouver und Inglewood Überraschungen möglich sind – während beim DFB nun alles darauf hindeutet, dass die Personalie Klopp zwar zur Chefsache geworden ist, aber Zeit braucht.
Fragen & Antworten
Wer ist Julian Nagelsmann und warum ist er zurückgetreten?
Julian Nagelsmann war seit September 2023 Bundestrainer der deutschen Nationalmannschaft, er ist 38 Jahre alt und trainierte zuvor TSG Hoffenheim, RB Leipzig und Bayern München. Nach dem Achtelfinal-Aus der deutschen Mannschaft bei der WM in den USA, Kanada und Mexiko bat er den DFB, ihn von seinen Aufgaben zu entbinden.
Welche Rolle spielt Jürgen Klopp in den DFB-Plänen?
Jürgen Klopp (59) ist seit Jänner 2025 Head of Global Soccer beim österreichischen Getränkehersteller Red Bull und wird vom DFB als Wunschkandidat für die Nachfolge gehandelt. Er hat gegenüber MagentaTV grundsätzliche Bereitschaft signalisiert, pocht aber auf Zeit und großen Gestaltungsspielraum.
Welche Hindernisse stehen einer schnellen Einigung mit Klopp entgegen?
Klopps Vertrag bei Red Bull läuft noch bis 2029, weshalb eine Trennung nur mit dem Konzern möglich wäre. Zudem fordert er zusätzlichen Gestaltungsspielraum beim DFB; beide Punkte machen eine rasche Lösung nach eigener Aussage unwahrscheinlich.
DFB und Klopp: Fahrplan zur Nagelsmann-Nachfolge | nachrichten360