Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und Jürgen Klopp haben sich bei einem mehr als vierstündigen Treffen in New York auf wesentliche Eckpunkte eines möglichen Vertrags als Bundestrainer geeinigt, wobei eine endgültige Einigung noch von der Zustimmung seines derzeitigen Arbeitgebers Red Bull abhängt.
Verhandlungen in New York
Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und Jürgen Klopp haben sich nach Informationen des Sport-Informations-Dienstes (SID) bei einem intensiven Austausch auf wesentliche Eckpunkte eines möglichen Vertrags verständigt. „Bei dem konstruktiven Austausch wurde eine Verständigung über wesentliche Eckpunkte eines potenziellen Vertrages erzielt“, teilte der Verband mit. Eine endgültige Vereinbarung steht demnach unter dem Vorbehalt, dass Klopps derzeitiger Arbeitgeber Red Bull zustimmt.
Das erste persönliche Gespräch zwischen Klopp und der DFB-Spitze fand am Rande des John F. Kennedy Flughafens in New York statt und dauerte mehr als vier Stunden. Für den DFB nahmen Präsident Bernd Neuendorf (65) und Vizepräsident Hans-Joachim Watzke (67) teil, auf Klopps Seite war auch dessen Berater Marc Kosicke anwesend. Die „Bild“-Zeitung veröffentlichte Fotos des Treffens.
Klopp soll den Angaben zufolge einen Vertrag über einen WM-Zyklus bis 2030 unterschreiben. Sein gemeldetes Jahresgehalt als Nationaltrainer soll bei über sieben Millionen Euro liegen. Vorgesehen ist, dass Klopp seine Vorbereitung mit der Mannschaft in etwa zehn Wochen in Herzogenaurach aufnimmt. In den ersten zehn Tagen nach dem WM-Aus stehen Länderspiele gegen die Niederlande, Serbien und zweimal gegen Griechenland an.
Rolle Red Bulls und mögliche Doppelrolle
Eine mögliche Vereinbarung muss in einer gemeinsamen Sitzung von Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung des DFB beschlossen werden. Auch die DFB GmbH & Co. KG muss letztlich zustimmen. Die Gespräche sollen in der kommenden Woche fortgesetzt werden.
Auf Seiten Red Bulls ist Oliver Mintzlaff der Entscheider, der Klopps Wechsel zum DFB freigeben müsste. Mintzlaff war nach dem WM-Debakel 2022 Mitglied der DFB-Taskforce. Klopp ist beim österreichischen Getränkehersteller noch bis 2029 als „Head of Global Soccer“ angestellt. Um eine millionenschwere Abfindung zu vermeiden, favorisiert der DFB ein Modell, bei dem Klopp parallel als Markenbotschafter an Red Bull gebunden bleibt.
Klopp selbst hatte nach dem deutschen WM-Ausscheiden gegen Paraguay gesagt: „Der deutsche Fußball steht jetzt natürlich an einem Wendepunkt. Wir müssen jetzt Dinge grundlegend verändern“. Über Mintzlaff sagte er: „Ich weiß, dass ihm der deutsche Fußball am Herzen liegt“. Seine Tätigkeit als TV-Experte bei MagentaTV bezeichnete Klopp als „Fortbildung in Sachen Weltklassefußball“.
Kritik aus den Regionalverbänden
In den DFB-Gremien sitzen unter anderem die Regionalverbandspräsidenten Ralph-Uwe Schaffert (Nord), Peter Frymuth (West), Hermann Winkler (Sachsen) und Christoph Kern (Bayern). Sie müssen über die Personalie mitentscheiden. Ab 2027 erhält der DFB zudem erhebliche finanzielle Mittel durch einen neuen Ausrüstervertrag mit Nike.
In den Regionalverbänden wächst nach SID-Informationen allerdings Unmut über die geplante Doppelrolle Klopps. Uwe Döring, Präsident des Schleswig-Holsteinischen Fußball-Verbandes (SHFV) und Mitglied des FC St. Pauli, kritisierte öffentlich: „Als Fußballfan und Mitglied des FC St. Pauli habe ich Klopps Engagement bei Red Bull nie verstanden, Geld kann es ja eigentlich nicht mehr sein. Aber vielleicht liege ich da auch falsch, dieser ganze Irrsinn bei Trainergehältern und Abfindungen, die auch bei Nichtleistungen gezahlt werden, stößt mich nur noch ab. Hoffentlich wird die Schraube nicht überdreht, es wenden sich jetzt schon viele ab.“
Mehrere Regionalverbandspräsidenten teilen Dörings Kritik an der Doppelrolle. Klopps Vorgänger Julian Nagelsmann soll beim DFB eine millionenschwere Abfindung erhalten haben. Klopp, der frühere Coach von Borussia Dortmund und FC Liverpool, soll Nachfolger von Julian Nagelsmann werden. Jürgen Klinsmann, der 2006 das „Sommermärchen“ verantwortete, hatte die Rolle des Nationaltrainers einmal als „Menschen-Manager“ beschrieben.
Historischer Vergleich und nächste Schritte
Die Nachricht wurde am 12. Juli 2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet. Der DFB erklärte: „Beide Seiten sind zuversichtlich, dass die Verhandlungen – vorbehaltlich einer Einigung mit Klopps derzeitigem Arbeitgeber Red Bull – letztlich erfolgreich abgeschlossen werden können“.
Historischer Vergleich: Bereits 2004 waren DFB-Chef Gerhard Mayer-Vorfelder und Generalsekretär Horst R. Schmidt heimlich von Frankfurt nach New York geflogen, um mit Jürgen Klinsmann über die Nachfolge von Rudi Völler nach dem EM-Vorrunden-Aus in Portugal zu verhandeln. Klinsmann ist heute 61 Jahre alt, Klopp 59.
Die kommende Woche gilt als entscheidend: Dann sollen die Gespräche zwischen DFB, Klopp und Red Bull fortgesetzt werden, bevor Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung über den Vertrag abstimmen.
