Deutsche Bahn investiert 50 Millionen Euro in KI-gestützte Fahrgastinformation
Berlin, 08 Juli 2026
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Kurzfassung
Die Deutsche Bahn will bis Ende 2027 rund 50 Millionen Euro zusätzlich in moderne IT und Künstliche Intelligenz investieren, um Reisende bei Verspätungen und Zugausfällen schneller und verlässlicher zu informieren. Geplant sind unter anderem die KI-Assistenz Kiana, eine neue App namens DB Info und 7000 neue Anzeigen an Bahnhöfen.
Berlin, 08 Juli 2026
Die Deutsche Bahn will mit zusätzlichen Investitionen von 50 Millionen Euro in Künstliche Intelligenz und neue Informationskanäle dafür sorgen, dass Reisende bei Verspätungen, Zugausfällen und kurzfristigen Gleiswechseln künftig deutlich schneller und konsistenter informiert werden.
KI im Zentrum der neuen Strategie
Die Deutsche Bahn stellt ihre neue Kommunikationsstrategie am Mittwoch in Berlin vor. Bahnchefin Evelyn Palla kündigte an: „Damit machen wir die Kundeninformation verlässlicher, schneller und besser.“ Der bundeseigene Konzern reagiert damit auf die anhaltende Kritik an der Fahrgastinformation während Verspätungen und Störungen.
Kern des Sofortprogramms ist der verstärkte Einsatz Künstlicher Intelligenz. Palla erklärte im März gegenüber der Deutschen Presse-Agentur: „Wir müssen hier auch noch mehr als in der Vergangenheit auf Künstliche Intelligenz setzen, insbesondere bei den Verspätungsprognosen können wir da Verbesserungen erzielen.“ Eine zentrale Rolle soll die KI-Assistenz „Kiana“ spielen, die in die Webseite und die App DB Navigator integriert werden soll.
Kiana soll perspektivisch in mehr als 100 Sprachen verfügbar sein und eingeloggten Nutzern individuelle Auskünfte zu ihrer Reise liefern. „Hier könnten Reisende individuelle Auskünfte zu ihrer Fahrt erfragen und sich zum Beispiel gewünschte Verbindungen raussuchen lassen“, heißt es in der Ankündigung. Die Integration der Assistenz will die Bahn bis Ende 2026 abgeschlossen haben.
Neue App DB Info ab Dezember
Ergänzend arbeitet die Bahn an einer neuen Anwendung unter dem Markennamen „DB Info“. Diese soll laut Konzern ab Dezember verfügbar sein und Echtzeitinformationen zu individuellen Reiseketten liefern. Palla sagte: „Wichtige Hinweise und Informationen müssen auf allen Informationskanälen gleichzeitig ausgespielt werden.“ Die Arbeiten an DB Info will die Bahn bis Ende des Jahres abschließen.
Der Konzern reagierte damit auch auf die Kritik, dass Informationen Reisende bei Verspätungen oder Zugausfällen oft zu spät erreichen. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) sagte: „Bisher ließen Informationen für Reisende bei Verspätungen oder Zugausfällen oft zu wünschen übrig. Ich begrüße sehr, dass sich das jetzt ändern soll.“
7000 neue Anzeigen und schnellerer App-Infofluss
Ein zentrales Versprechen betrifft die Reaktionszeit bei kurzfristigen Gleiswechseln: Bisher dauere es bis zu 60 Sekunden, bis eine Information am Bahnsteig erscheine und in der App ankomme. Künftig sollen die Infos innerhalb von zwei Sekunden im DB Navigator angezeigt werden. In der App soll ein prominentes Info-Fenster auf Probleme auf der gewählten Strecke hinweisen.
Zusätzlich kündigte die Bahn 7000 neue Anzeigen an kleinen, mittleren und großen Bahnhöfen an. Sie sollen besser lesbar sein und mehr Platz für wichtige Informationen bieten. An kleinen Stationen sind moderne Displays mit einer Knopf-Audiofunktion und einem Monitor für Baustelleninformationen vorgesehen. An großen Stationen sollen neben Wagenreihung und Anschlusszügen künftig auch Serviceeinrichtungen angezeigt werden.
DB Navigator soll zudem mit dem Hinweis „gleiche Ankunftszeit“ darauf aufmerksam machen, wenn frühere Anschlussverbindungen die gleiche Ankunftszeit bieten wie eine spätere Wahl. Im Laufe des Jahres 2026 sind außerdem Push-Mitteilungen über die App geplant, mit denen Fahrgäste aktiv über Änderungen informiert werden sollen.
Drei kurzfristige Maßnahmenpakete
Das Sofortprogramm ist nach Angaben des Konzerns eines von insgesamt drei kurzfristigen Maßnahmenpaketen zur Verbesserung des Reiseerlebnisses. Ein erstes Programm für mehr Sicherheit und Sauberkeit an den Bahnhöfen läuft bereits seit einigen Wochen, ein zweites für mehr Komfort in den Fernzügen seit einigen Monaten. Die Reinigung an Bahnhöfen soll auf rund 1400 Stationen im Jahr ausgeweitet werden – ungefähr doppelt so viele wie zuvor.
Für mehr Komfort im Zug will die Bahn künftig pro Jahr 20 Millionen Euro zusätzlich investieren. Damit sollen unter anderem ein verlässlicheres Angebot in den Bord-Restaurants und eine höhere Verfügbarkeit von Anlagen wie Toiletten oder Kaffeemaschinen sichergestellt werden.
Die Investitionen von insgesamt rund 50 Millionen Euro für die Kundenkommunikation sollen bis Ende 2027 fließen. Davon sollen bis Ende kommenden Jahres 50 Millionen Euro in Technik und Leitstellen investiert werden, um eingehende Störungsmeldungen schneller zu verarbeiten und auf den verschiedenen Kanälen auszuspielen. IT und Prozesse in den Leitstellen würden im Zuge der Verbesserungen optimiert.
Gemischte Reaktionen aus Politik und Verbänden
Eine zentrale Fahrgastinformations-Datenplattform soll an DB InfraGO übertragen werden, „damit Bund und DB InfraGO die technische Grundlage für eine verbesserte integrierte Reisendeninformation über Betreibergrenzen hinweg“ schaffen. Damit sollen künftig auch Informationen anderer Anbieter in Echtzeit abrufbar sein.
Die Reaktionen auf das Programm fielen gemischt aus. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) begrüßte die Pläne; Bundesvorsitzende Christiane Rohleder sagte: „Noch immer erleben Reisende Situationen, in denen sie bei Störungen nicht ausreichend informiert werden, auf der Strecke stranden und nicht wissen, wie sie ihre Fahrt fortsetzen können.“ Nun komme es darauf an, „dass die angekündigten Maßnahmen zu spürbaren Verbesserungen für die Reisenden führen“. Die Allianz „Bahn für alle“, der IG Metall, ver.di und Umweltverbände angehören, bezeichnete das Sofortprogramm als „überfällig“.
Ausblick: Sanierungen und neue Plattform
Kritik kam von der Grünen-Bundestagsabgeordneten Paula Piechotta. „Wirklich besser geworden sei durch ‚toll klingende Programme‘ der Bahn allerdings selten etwas“, sagte sie. Die Bahn müsse sich an ihrer Kernaufgabe messen lassen, „planbare Mobilität“ zu schaffen. Auch der Sprecher des Bündnisses „Bahn für alle“, Carl Waßmuth, sagte der Rheinischen Post: „Bahnkunden haben heute viel zu erleiden – von krassen Verspätungen über Zugausfälle bis hin zu gesperrten Toiletten und monatelang defekten Rolltreppen.“ Nötig sei auch mehr Personal, „Menschen, die Fragen beantworten können, die auch mal beim Gepäck mit anfassen und im Fahrradabteil helfen“.
Eigenständig kündigte Palla zudem an, das Vorgehen bei den Korridorsanierungen nochmals grundlegend zu überprüfen: „die Art und Weise, wie wir mit der Korridorsanierung umgehen, wie wir planen, wie wir umsetzen, wie wir in Betrieb nehmen“, werde umfassend auf den Prüfstand gestellt. Hintergrund ist unter anderem die Verzögerung der Baustelle Nürnberg–Regensburg, die bereits die zweite Generalsanierung ist, die nicht planmäßig fertig wird.
Bis Ende dieses Jahres sollen zudem eine neue Internetseite und eine überarbeitete Reise-App erscheinen. Bis Mitte der 2030er-Jahre will die Bahn rund 40 besonders wichtige Strecken grundlegend sanieren. Palla hatte Fahrgästen bereits zuvor gesagt, dass es Jahre dauern werde, bis Züge wieder verlässlicher fahren. Pünktlichkeit selbst wird durch die jetzt vorgestellten Maßnahmen jedoch nicht verbessert.
Fragen & Antworten
Was plant die Deutsche Bahn mit der KI-Assistenz Kiana?
Kiana soll in die Webseite und die DB-Navigator-App integriert werden, perspektivisch in mehr als 100 Sprachen verfügbar sein und eingeloggten Nutzern individuelle Auskünfte zu ihrer Reise liefern. Die Integration will die Bahn bis Ende 2026 abschließen.
Warum hat die Bahn jetzt ein Sofortprogramm zur Kundenkommunikation vorgestellt?
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) hatte kritisiert, dass Informationen für Reisende bei Verspätungen oder Zugausfällen oft zu wünschen übrig ließen. Die Bahn reagiert darauf mit zusätzlichen Investitionen in Höhe von rund 50 Millionen Euro bis Ende 2027.
Was ändert sich für Reisende konkret bei kurzfristigen Gleiswechseln?
Bisher dauerte es laut Bahn bis zu 60 Sekunden, bis eine Information am Bahnsteig in der App erschien. Künftig soll die Information zu einem Gleiswechsel innerhalb von zwei Sekunden im DB Navigator angezeigt werden.
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