DAX vor Stabilisierung – Ölpreis und Iran-Konflikt belasten die Stimmung
Frankfurt, 09 Juli 2026
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Kurzfassung
Der deutsche Leitindex DAX zeigte sich am Donnerstagmorgen leicht erholt und notierte vorbörslich wieder über der Marke von 25.000 Punkten. Gleichzeitig trieben die Eskalation im Nahen Osten und steigende Ölpreise die Sorgen vor einer neuen Inflationswelle. Anleger reagierten bislang jedoch vergleichsweise gelassen und setzten auf eine diplomatische Lösung.
Frankfurt, 09 Juli 2026
Nach dem Rücksetzer vom Vortag deutet sich beim deutschen Leitindex DAX am Donnerstag eine Stabilisierung an, während der Iran-Konflikt und steigende Ölpreise die Märkte weiter belasten.
Vorbörsliche Erholung nach dem Rückschlag
Der X-DAX signalisierte rund eine Stunde vor Handelsbeginn ein Plus von 0,8 Prozent auf 25.102 Punkte. Auch der DAX selbst wurde vorbörslich mit einem Aufschlag von etwa 0,6 Prozent und knapp über der Marke von 25.000 Zählern erwartet. Am Mittwoch hatte der deutsche Leitindex noch 2,2 Prozent auf 24.897 Punkte verloren und damit den Rückschlag vom Wochenbeginn fortgesetzt. Seit dem Rekordhoch von 25.900 Punkten am Montag büßte der DAX damit zeitweise mehr als 1.000 Punkte ein.
Hintergrund der Verunsicherung ist eine erneute Zuspitzung im Nahen Osten. Donald Trump erklärte eine Waffenruhe mit dem Iran für beendet und ordnete am Rande eines NATO-Gipfels in Ankara neue Angriffe an. US-Streitkräfte bombardierten in einer zweiten aufeinanderfolgenden Nacht Ziele im Iran. Die Kämpfe stehen im Zusammenhang mit dem Streit um die Straße von Hormus. Trump ließ allerdings zugleich die Tür für weitere Verhandlungen mit Teheran offen. Nach Angaben Trumps strebe der Iran weiterhin ein Rahmenabkommen mit den USA an.
Eskalation im Nahen Osten und neuer Ölpreis-Schub
Der Abbas Araghtschi erklärte dagegen, Verhandlungen über ein endgültiges Abkommen würden nicht beginnen, solange Drohungen andauerten. Diese Pattsituation trieb den Ölpreis spürbar nach oben: Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostete im frühen Handel fast 79 US-Dollar, verglichen mit rund 72 Dollar zu Wochenbeginn. Seit Montag sind die Ölpreise damit um gut zehn Prozent gestiegen.
Die steigenden Energiekosten schürten Inflationssorgen und nährten Erwartungen, dass die US-Notenbank Federal Reserve in diesem Jahr doch noch die Zinsen anheben könnte. An den US-Börsen endete der Handel am Mittwoch uneinheitlich: Der Dow Jones Industrial Average verlor 1,09 Prozent auf 52.348 Punkte und beendete damit seinen jüngsten Rekordlauf. Der S&P 500 gab 0,28 Prozent auf 7.482 Punkte nach. Der von Tech-Größen wie Nvidia, Apple, Microsoft und Amazon dominierte Nasdaq 100 legte dagegen leicht um 0,27 Prozent auf 29.252 Punkte zu.
In Asien zeigten sich die Börsen am Donnerstag ebenfalls stabilisiert; Japans Nikkei 225 steuerte auf eine Erholung zu. Der südkoreanische KOSPI hatte zuvor besonders stark unter dem vorläufigen Ende der KI-Rally gelitten und näherte sich wieder seinem niedrigsten Stand seit knapp zwei Monaten. Marktteilnehmer sprachen von einem spürbar eingetrübten Sentiment für KI-Titel, das vor allem in Asien zu spüren war.
Anleger bleiben trotz Risiken gelassen
Angesichts der geopolitischen Spannungen zeigten sich die Anleger in den vergangenen Tagen zugleich bemerkenswert gelassen. Elliot Hentov, politischer Stratege beim Vermögensverwalter State Street, erklärte: „Die erneute Eskalation der bewaffneten Auseinandersetzungen im Nahen Osten dürfte die Marktaussichten nicht grundlegend verändern.“ Weiter schrieb er: „Im Klartext: Keine der beiden Seiten strebt eine vollständige Wiederaufnahme des Krieges an, sodass sich die Auseinandersetzungen letztendlich wahrscheinlich beruhigen werden.“ Auch Chris Weston, Chefanalyst bei Pepperstone, sieht diese Erwartung im Markt angelegt: „Der Markt scheint im Moment noch davon auszugehen, dass der Konflikt letztlich deeskaliert“, sagte er und fügte hinzu: „Dennoch verstehen die Händler, dass man aufgeschlossen bleiben muss.“
Marktanalyst Jochen Stanzl von der Consorsbank äußerte sich kritischer: „Das geopolitische Risiko hat spürbar zugenommen. Monatelang entwickelte sich der Irankonflikt in eine Richtung, die auf ein diplomatisches Endspiel hindeutete. Die Ereignisse der letzten Tage gehen allerdings in die falsche Richtung.“ Die anhaltenden Kampfhandlungen in der Region hielten das Marktumfeld insgesamt angespannt, hieß es weiter.
Branchen unter Druck: Airlines verlieren, Energieprofiteure legen zu
Die Verunsicherung schlug sich auch in einzelnen Branchen nieder: Die Aktien der Fluggesellschaften American Airlines, Delta Air Lines und United Airlines verloren wegen der höheren Treibstoffkosten jeweils bis zu vier Prozent. Anteilsscheine der Öl- und Gasproduzenten Chevron und ConocoPhillips stiegen dagegen um jeweils mehr als ein Prozent. Apple gaben leicht nach, obwohl das Unternehmen mit Broadcom ein neues Abgeschlossen angekündigt hatte: Im Rahmen der Vereinbarung soll Broadcom in den USA mehr als 15 Milliarden Chips für Apple fertigen. Broadcom-Titel legten nach der Bekanntgabe des Deals, der mit einem Volumen von mehr als 30 Milliarden US-Dollar beziffert wird, um vier Prozent zu.
Im Fokus der Anleger stand am Donnerstag überdies die deutsche Automobilindustrie. Medienberichten zufolge könnten bei Volkswagen bis zu 100.000 Stellen auf dem Spiel stehen, wobei der Konzern diese Zahl nicht bestätigte. Volkswagen sprach von bevorstehenden „weitreichenden“ Veränderungen, ohne konkrete Stellenabbauzahlen zu nennen. Der Aufsichtsrat des Wolfsburger Unternehmens kommt am Donnerstag vor dem Hintergrund der Sparmaßnahmen zusammen. Im Bundestag ist zudem für 15:05 Uhr eine sogenannte Aktuelle Stunde zur Lage der Automobilbranche angesetzt.
Automobilindustrie im Fokus des Bundestags
Positive Nachrichten lieferten derweil mehrere Nebenwerte: SCHOTT Pharma hob nach einem starken Quartal seine Jahresziele für Umsatzwachstum und operative Profitabilität an. Auf Tradegate legte die Aktie vorbörslich im Vergleich zum Xetra-Schluss um gut elf Prozent zu. Die kanadische Bank RBC stufte das Papier daraufhin auf „Outperform“ hoch. Charles Weston erklärte, mit den vorläufigen Zahlen zum dritten Geschäftsquartal habe SCHOTT Pharma die letzten verbliebenen Bedenken ausgeräumt. Auch die Papiere des Waferherstellers Siltronic wurden auf Tradegate mit einem Plus von 3,7 Prozent in den Erholungsversuch geschickt, nachdem die französische Investmentbank Exane BNP das Kursziel von 74 auf 108 Euro anhob und die Einstufung auf „Outperform“ setzte. Deutz-Titel gewannen auf Tradegate sieben Prozent, nachdem der Motorenhersteller die Übernahme der Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft (FFG) für rund 1,6 Milliarden Euro ankündigte. FFG zählt zu den europäischen Anbietern militärischer Land- und Sondersysteme und ist Partner der Bundeswehr sowie der Streitkräfte von NATO-Staaten und der Ukraine. Nordex wurde auf Tradegate vorbörslich mit einem Plus von knapp fünf Prozent gehandelt, nachdem der Windturbinenhersteller im zweiten Quartal deutlich mehr Aufträge als im Vorjahr verbucht hatte – die Bestellungen ohne Servicegeschäft stiegen um knapp ein Drittel, während die Preise stabil blieben. Südzucker steigerte im ersten Geschäftsquartal das operative Ergebnis deutlich und hob seinen Umsatzausblick für das Geschäftsjahr 2026/27 leicht an; der Aktienkurs reagierte auf Tradegate zunächst nicht.
Fragen & Antworten
Warum steigt der Ölpreis derzeit so deutlich?
Die erneute Eskalation im Iran-Konflikt und US-Luftangriffe auf Ziele im Iran haben die Sorgen um die Straße von Hormus verschärft; ein Barrel Brent verteuerte sich seit Wochenbeginn um rund zehn Prozent auf fast 79 US-Dollar.
Welche Rolle spielt Trump in der aktuellen Krise?
Donald Trump erklärte die Waffenruhe mit dem Iran für beendet und ordnete am Rande eines NATO-Gipfels in Ankara neue Angriffe an, ließ aber zugleich die Tür für weitere Verhandlungen mit Teheran offen.
Welche deutschen Unternehmen stehen am Donnerstag besonders im Fokus?
Im Zentrum steht Volkswagen, dessen Aufsichtsrat zum Sparprogramm tagt und bei dem laut Medienberichten bis zu 100.000 Stellen gefährdet sein könnten; zudem sorgten Quartals- und Übernahmemeldungen bei SCHOTT Pharma, Siltronic, Deutz und Nordex für Bewegung.
DAX heute: Stabilisierung erwartet – Ölpreis und | nachrichten360