Der Nürnberger IT-Dienstleister Datev hat Unternehmen in Deutschland aufgefordert, ihre Vorbereitungen auf die kommende E-Rechnungspflicht deutlich zu beschleunigen.
Der Chef des Softwarehauses, Robert Mayr, zog bei der Vorlage von Halbjahreszahlen eine nüchterne Bilanz zum Stand der Umstellung. Zwar wachse die Zahl verarbeiteter E-Rechnungen deutlich, der Anteil am gesamten Rechnungsaufkommen sei aber weiterhin gering. „Unsere erfreulichen Wachstumsraten dürfen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass das immer noch ein geringer Anteil am gesamten Rechnungsaufkommen ist“, sagte Mayr.
Wachstum bei E-Rechnungen
Im ersten Halbjahr 2026 verarbeitete Datev nach eigenen Angaben mehr als 51 Millionen E-Rechnungen über seine Systeme. Im Gesamtjahr 2025 waren es rund 64 Millionen. Das Unternehmen steigerte im ersten Halbjahr des Vorjahres seinen Umsatz auf 810,2 Millionen Euro. Seit Jahresbeginn 2026 wuchs der Kundenstieg um rund 80.000 auf nunmehr über eine Million.
Datev ist nach eigenen Angaben Marktführer bei Software für Steuerberater in Deutschland. Das Unternehmen sieht sich damit an einer Schnittstelle, an der die Umstellung auf elektronische Rechnungen für viele mittelständische Betriebe gebündelt werden müsste. Mayr forderte die Firmen auf, das Thema nicht länger aufzuschieben.
Fristen der E-Rechnungspflicht
Seit dem 1. Januar 2025 sind Unternehmen in Deutschland verpflichtet, strukturierte E-Rechnungen empfangen zu können. Ab dem 1. Januar 2027 müssen Firmen mit einem Jahresumsatz von mindestens 800.000 Euro selbst E-Rechnungen versenden. Spätestens 2028 soll die Pflicht für alle B2B-Rechnungen gelten, wobei die Einführung gestaffelt nach Unternehmensgröße erfolgt.
Strukturierte E-Rechnungen unterscheiden sich von bloß elektronischen Belegen wie PDF-Dateien, weil sie maschinenlesbar sind und direkt in Buchhaltungssysteme weiterverarbeitet werden können. „Dabei lassen sich digitale Rechnungsdaten leichter prüfen und Unstimmigkeiten schneller erkennen“, erklärte Mayr. Damit sei die Umstellung nicht nur eine Pflicht, sondern biete auch handfeste Vorteile bei der Prüfung.
Belastung für den Mittelstand
Mayr räumte ein, dass die E-Rechnungspflicht in Deutschland häufig als zusätzliche Belastung wahrgenommen werde, vor allem für Kleinst-, kleinere und mittlere Unternehmen. „In Deutschland werde die E-Rechnungspflicht oft als zusätzliche Belastung wahrgenommen, vor allem für Kleinst-, kleinere und mittlere Unternehmen“, sagte er. Zugleich betonte er, dass das Thema bei einem Großteil insbesondere der kleineren Mittelständler nach wie vor nicht im Fokus stehe.
Der Datev-Chef verwies darauf, dass die Pflicht nicht abstrakt sei, sondern unmittelbar auf die Abläufe in Kanzleien und Buchhaltungen durchschlage. Wer seine Prozesse nicht rechtzeitig anpasse, müsse mit Engpässen in der Belegverarbeitung rechnen. Die kommenden Stichtage ließen nur noch wenig Puffer, warnte er.
Angesichts der wachsenden Kundenzahlen und der steigenden Zahl verarbeiteter E-Rechnungen sieht sich Datev technisch gerüstet. Gleichzeitig hängt der Erfolg der Umstellung aus Sicht des Unternehmens davon ab, dass die Anwender in den Betrieben ihre internen Abläufe anpassen. Datev wolle daher mit Information und Beratung über die anstehenden Pflichten unterstützen, hieß es.
Die Halbjahreszahlen beruhen nach Angaben von Datev auf eigenen Erhebungen des Unternehmens. Der Meldung liegt eine Nachricht aus dem dpa-Newskanal zugrunde.
Mit Blick auf die nächsten Schritte forderte Mayr die Unternehmen auf, die Umstellung als strategisches Thema zu begreifen. Wer jetzt investiere, sichere sich Wettbewerbsvorteile und reduziere gleichzeitig das Risiko von Engpässen an den kommenden Stichtagen.
Die E-Rechnungspflicht ist Teil einer breiteren Digitalisierungsoffensive in der europäischen Wirtschaft. Vergleichbare Regelungen gibt es bereits in mehreren EU-Mitgliedstaaten. Mayr signalisierte, dass Datev den deutschen Mittelstand bei der Anpassung an diese Standards weiter eng begleiten werde.
