Das Bruttoinlandsprodukt der Volksrepublik China ist von April bis Juni 2026 um 4,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gewachsen, wie das nationale Statistikamt in Peking mitteilte; es ist das schwächste Quartalswachstum seit Ende 2022.

Schwächstes Quartalswachstum seit Ende 2022

Das Bruttoinlandsprodukt legte von April bis Juni um 4,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu, wie das nationale Statistikamt in Peking heute mitteilte. Analysten hatten im Schnitt mit einem Wachstum von 4,5 Prozent gerechnet, wie die Behörde weiter ausführte.

Der Wert bleibt damit unter dem Jahresziel der Regierung in Peking: Für das Gesamtjahr strebt die chinesische Regierung ein Wachstum zwischen 4,5 und 5 Prozent an. Das Halbjahreswachstum von 4,7 Prozent entspricht damit der Zielspanne für das Gesamtjahr, wie das Statistikamt erklärte.

Industrie und Exporte als Stützen

Im gesamten ersten Halbjahr wuchs die Industrieproduktion nach Angaben der Statistikbehörde um 5,4 Prozent. Besonders die starke Auslandsnachfrage stützt Chinas Industrie, wie aus der Mitteilung hervorgeht.

Die Exporte stiegen im Juni in US-Dollar gerechnet um 27 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, die Importe legten um 36 Prozent zu. Vor allem die internationale Nachfrage nach Halbleitern, Computertechnik und Autos stützt die chinesischen Hersteller.

Im ersten Halbjahr hätten Chinas Industrieunternehmen deshalb 279,8 Milliarden Chips hergestellt, ein Anstieg um 23,1 Prozent. Zudem habe der weltweite technologische Wandel in der KI die Nachfrage nach Computerchips enorm erhöht, erklärte die Statistikerin Wang Guanhua.

KI und Halbleiter als Wachstumstreiber

Laut Statistikerin Wang Guanhua trugen IT- und Unternehmensdienstleistungen im ersten Halbjahr etwa ein Viertel zum Gesamtwachstum der Wirtschaft bei. Außerdem fördert China verstärkt Zukunftsbranchen wie die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz (KI) und erhofft sich dadurch weiteres Wirtschaftswachstum.

Unter den führenden Tech-Konzernen wie Alibaba oder Tencent herrscht schon länger starker Konkurrenzkampf, etwa bei der Integration von KI in ihren Apps. China treibt die Modernisierung traditioneller Industrien mithilfe von KI weiter voran, um neue Wachstumsimpulse zu setzen.

Immobiliensektor bleibt Sorgenkind

Die Zahlen zeichnen das Bild einer zunehmend zweigeteilten Wirtschaft. Industrie und Außenhandel entwickeln sich weiterhin vergleichsweise stark. Konsum, Investitionen und Immobilienmarkt bleiben dagegen schwach.

Die Investitionen in den Sektor brachen im ersten Halbjahr um 18 Prozent ein, wie die Statistikbehörde bekannt gab. Der Wert der verkauften Neubauimmobilien sank um 13,6 Prozent im selben Zeitraum.

Der Abschwung auf dem Immobilienmarkt gilt als Belastung für das Vertrauen und die Kaufbereitschaft vieler Haushalte. Laut Statistiker Mao zeigte eine Umfrage seiner Behörde, dass die Immobilienbranche in diesem Jahr mit stabilen oder sogar steigenden Wohnungspreisen rechne.

Erste politische Maßnahmen, um die Nachfrage anzukurbeln und den Wohnungsbestand zu senken, hätten Wirkung gezeigt, sagte Mao Shengyong. Erste Effekte seien sichtbar, wenngleich der Sektor insgesamt hinter dem übrigen Wachstum zurückbleibe.

Die gesamten Anlageinvestitionen gingen von Januar bis Juni um 5,7 Prozent zurück. Starke Exporte können die Schwäche im Inland nicht ausgleichen, wie aus den Daten hervorgeht.

Regierung ruft zu mehr Konjunkturstützung auf

Der Rückgang des Wachstums im zweiten Quartal sei auf "äußere Faktoren" zurückzuführen, sagte der Vize-Kommissar des Statistikamtes Mao Shengyong. Er nannte etwa die Konfliktlage im Nahen Osten und ein langsameres Wachstum der Weltwirtschaft.

In China sei besonders die Petrochemie-Branche betroffen gewesen. Alle anderen Sektoren hätten sich jedoch normal entwickelt, erklärte Mao Shengyong weiter.

Ministerpräsident Li Qiang hatte am Montag bei einem Treffen mit Experten und Unternehmern eine stärkere Unterstützung der Wirtschaft und weitere Maßnahmen zur Belebung der Binnennachfrage gefordert. Die Regierung steht damit unter wachsendem Handlungsdruck, das Jahresziel noch zu erreichen.

Handelsspannungen mit der EU als Risiko

In Deutschland und der EU wird darüber diskutiert, wie mit den rasch steigenden Einfuhren chinesischer Produkte und den Überkapazitäten in einzelnen Industriezweigen umgegangen werden soll. Die Handelsspannungen mit Europa könnten die exportgetriebene Erholung der chinesischen Industrie zusätzlich belasten.

Chinas Wirtschaft wächst langsamer als erwartet, fasste die Statistikbehörde die Datenlage zusammen. Beobachter sehen die kommenden Monate als entscheidend dafür an, ob Peking mit zusätzlichen Konjunkturmaßnahmen nachsteuern wird, um das Jahresziel von 4,5 bis 5 Prozent noch zu sichern.