Burnham bildet Kabinett und senkt als erste Amtshandlung die Mehrwertsteuer auf Strom
London, 21. Juli 2026
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Kurzfassung
Andy Burnham hat am Montag sein Kabinett vorgestellt und als erste Maßnahme eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Stromrechnungen angekündigt. Der neue britische Premierminister, der Keir Starmer ablöst, berief unter anderem John Healey zum Finanzminister und Ed Miliband zum Außenminister.
Andy Burnham ist seit Montag der neue britische Premierminister, bildete noch am ersten Amtstag sein Kabinett und kündigte am Morgen eine Senkung der Mehrwertsteuer auf private Stromrechnungen an.
Regierungsbildung am ersten Amtstag
Andy Burnham, 56, ist seit Montag der neue britische Premierminister. Er löst Keir Starmer ab, der im Juni seinen Rücktritt erklärte. Noch am selben Tag wurde Burnham von König Charles III. mit der Regierungsbildung beauftragt. Wie aus einer Erklärung des Amtssitzes Downing Street hervorging, führte er am Mittag laut BBC seine erste Kabinettssitzung durch. Bereits am frühen Morgen war eine erste Maßnahme verkündet worden.
Diese erste Amtshandlung zielt direkt auf die Lebenshaltungskosten der britischen Bevölkerung. Mit einer Senkung der Mehrwertsteuer auf Stromrechnungen sollen Privathaushalte entlastet werden. Burnham hatte den Briten bereits im Vorfeld Unterstützung angesichts hoher Lebenshaltungskosten zugesichert. Er habe mehrfach betont, dass die neue Regierung den Menschen das Gefühl vermitteln müsse, dass Hilfe komme, hieß es aus Regierungskreisen.
Erste Amtshandlung: Entlastung beim Strom
In seiner Ansprache an die Ministerinnen und Minister sagte Burnham nach Angaben von Teilnehmern, die Minister müssten eine Regierung bilden, die sich für das Thema Lebenshaltungskosten einsetze und den Menschen das Gefühl vermittele, dass Hilfe komme. Diese programmatische Linie wurde auch in der Downing Street hervorgehoben, wo es hieß, der Schwerpunkt liege auf der Reindustrialisierung des gesamten Landes sowie auf Verteidigung und Sicherheit.
Zum neuen Finanzminister ernannte Burnham den 66-jährigen John Healey. Healey ist seit 1997 Abgeordneter und war schon unter Tony Blair Schatzkanzler. Erst im Juni hatte Healey das Verteidigungsministerium im Streit verlassen, weil ihm seiner Meinung nach zu wenig Geld für den Verteidigungs-Investitionsplan zugesagt worden war. Healey sagte zu seiner Ernennung, sie sei „the greatest honour“ und kündigte an: „Together we will build a new economy, create new hope and advance the interests of working people in this country“.
John Healey wird Finanzminister
John Healey folgt auf Rachel Reeves, die seit Starmers Amtsantritt 2024 erste Schatzkanzlerin des Landes war. Reeves verlässt das Kabinett als loyale Unterstützerin ihres Vorgängers. Laut Berichten lehnte sie ein anderes Kabinettsamt ab. Zunächst war der bisherige Energieminister Ed Miliband für den Posten gehandelt worden, dann die bisherige Innenministerin Shabana Mahmood. Schließlich fiel die Wahl auf Healey.
Zum neuen Außenminister bestimmte Burnham Ed Miliband, der unter Starmer Energieminister war und in dieser Funktion die Gründung des staatlichen Energieunternehmens Great British Energy vorangetrieben sowie neue Bohrungen in der Nordsee blockiert hatte. Ed Miliband löst Yvette Cooper ab. Als außenpolitische Prioritäten nennt er die fortgesetzte Unterstützung der Ukraine, die Beziehungen zu den USA sowie einen tragfähigen Frieden zwischen Israel und Palästina. 2015 hatte er Labour als Parteichef in eine Wahlniederlage geführt; sein älterer Bruder David Miliband war zuvor Außenminister im Kabinett von Gordon Brown gewesen.
Ed Miliband wechselt ins Außenamt
Im Außenressort übernimmt Alex Norris, bisher Staatsminister für Grenzsicherheit und Asyl, das Tagesgeschäft. Ed Miliband selbst galt in Parteikreisen als Favorit für das Finanzressort, wechselt nun aber auf den prestigeträchtigen Posten des Außenministers. Damit verbunden ist ein deutlicher Kurswechsel in der britischen Außenpolitik, der in London bereits erste Reaktionen hervorrief.
Eine der auffälligsten Personalentscheidungen ist die Berufung der 38-jährigen Louise Haigh zur First Secretary of State. Das Amt ist erstmals seit September 2021 wieder besetzt. Haigh hatte sich dem Lager um Burnham im Mai dieses Jahres angeschlossen und unterstützte ihn bei der Rückkehr ins Parlament und an die Parteispitze. 2024 hatte Starmer sie als Verkehrsministerin entlassen, weil sie eine frühere Verurteilung wegen Betrugs nicht offengelegt hatte. Für die 38-jährige Haigh ist es eine Rückkehr ins Kabinett. Hintergrund: Sie hatte in ihren Zwanzigern ein Diensthandy als gestohlen gemeldet und die Polizei nicht informiert, als es wieder auftauchte.
Louise Haigh und David Lammy: Comeback und Rausschmiss
David Lammy, bislang Vize-Premierminister und Justizminister, zuvor auch Außenminister, wird ganz aus dem Kabinett entlassen. Lammy und die frühere Finanzministerin Rachel Reeves spielen unter der neuen Regierung keine größere Rolle mehr. Damit setzt Burnham in der Führungsmannschaft einen klaren Bruch mit der Ära Starmer durch. Auch Angela Rayner, die wegen einer Steueraffäre als stellvertretende Premierministerin zurücktreten musste und inzwischen vom Verdacht der Steuerhinterziehung freigekommen ist, kehrt als Wohnungsbauministerin zurück. Sie hatte dieses Amt unter Keir Starmer bereits von 2024 bis 2025 innegehabt.
Im Verteidigungsressort kommt es zu einem schnellen Wechsel: Wes Streeting übernimmt das Ministerium von Dan Jarvis. Dieser hatte das Ministerium erst sechs Wochen zuvor von Healey geerbt und zählt mit dieser kurzen Amtszeit zu den am kürzesten dienenden Verteidigungsministern der britischen Geschichte. Streeting war bis Mai dieses Jahres Gesundheitsminister und trat zurück, weil er das Vertrauen in Starmer verloren hatte. Anschließend forderte er Starmer als Premierminister heraus, scheiterte und löste damit den Rücktrittsprozess von Starmer aus. Streeting hatte zudem kurzzeitig als Gegenkandidat Burnhams um die Parteiführung rivalisiert, zog sich aber zurück, nachdem dieser ins Parlament einzog.
Streeting übernimmt das Verteidigungsministerium
In einer Erklärung auf der Plattform X kündigte Streeting an: „We will ensure that our armed forces have the necessary resources, and stand resolutely by our international allies, especially Ukraine.“ Yvette Cooper, zuvor Leiterin des Außenministeriums, wurde zur Gesundheitsministerin ernannt. Shabana Mahmood bleibt Innenministerin und ist damit die Einzige der „Great Offices of State“, die ihren Posten unverändert behält. 2024 leitete sie Labours Wahlkampf, danach setzte sie als Justizministerin ein Programm zur vorzeitigen Haftentlassung durch, um überfüllte Gefängnisse zu entlasten.
Das neue britische Kabinett setzt sich aus zwölf Frauen und elf Männern zusammen, einschließlich des Premierministers. Es ist das erste Mal, dass mehr Frauen als Männer berufen wurden. Insgesamt umfasst das Kabinett 23 Mitglieder einschließlich des Premierministers. Diese Zahl entspricht der Größe des bisherigen Starmer-Kabinetts.
Kabinett mit Frauenmehrheit
Zu den weiteren Vorhaben gehört ein harterer Kurs in der Migrationspolitik. Künftig sollen sich ausländische Straftäter und illegal eingewanderte Migranten nicht mehr auf weit entfernte Verwandtschaftsbeziehungen berufen können, um eine Abschiebung zu verhindern. Darüber hinaus kündigte die Premieramtsstelle im Voraus an, dass eines der ersten offiziellen Vorhaben Burnhams die Stoppung eines Plans zur Einführung digitaler Ausweise für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zur Bekämpfung illegaler Einwanderung sei. Ein parteiübergreifender Parlamentsausschuss hatte diesen Plan zuvor als „Fiasko“ beschrieben.
Migrationspolitik und Digital-ID-Pläne
Eine seiner ersten offiziellen Handlungen als Premierminister war ein Telefongespräch mit US-Präsident Donald Trump. Trump hatte zuvor Zweifel an Burnham geäußert und ihn als „small-town mayor“ und „extremely liberal“ bezeichnet. Im anschließenden Eintrag auf der Plattform Truth Social schrieb Trump, das Gespräch sei „very well“ verlaufen, und fügte hinzu: „The Prime Minister has a great task ahead of him, but he will master it, and of course the USA will stand by him!“. Nach Angaben Trumps wurden Themen wie Nordseeöl, Handel, das Militärbündnis, Minenräumung in der Straße von Hormus und weitere Fragen erörtert; ein persönliches Treffen sei für die nähere Zukunft geplant.
Trump äußerte zudem die Hoffnung, dass Burnham als Premierminister wieder Öl- und Gasbohrungen in der Nordsee zulassen werde. Diese Erwartung steht in direktem Widerspruch zu den bisherigen Entscheidungen des bisherigen Energieministers Ed Miliband, der neue Bohrungen in der Nordsee blockiert hatte. Wie Burnham diesen Konflikt auflösen will, blieb zunächst offen.
Telefongespräch mit Donald Trump
Ein Sprecher Burnhams erklärte, der Premier hoffe, dem US-Präsidenten bei einem künftigen Besuch zeigen zu können, was Manchester zu bieten habe, und verwies dabei auf Burnhams frühere Rolle als Bürgermeister von Greater Manchester. Die Nachricht wurde am 21.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
Fragen & Antworten
Wer ist Andy Burnham und wie wurde er Premierminister?
Andy Burnham ist seit Montag, dem 21. Juli 2026, der neue britische Premierminister; er löst Keir Starmer ab, der im Juni seinen Rücktritt erklärt hatte, und wurde noch am selben Tag von König Charles III. mit der Regierungsbildung beauftragt.
Welche erste Maßnahme kündigte die neue Regierung an?
Am Morgen seiner ersten Kabinettssitzung kündigte Burnham eine Senkung der Mehrwertsteuer auf private Stromrechnungen an, um die Lebenshaltungskosten der britischen Haushalte zu entlasten.
Wer wurde Finanzminister und wer Außenminister?
John Healey, zuvor unter Tony Blair bereits Schatzkanzler, wurde Finanzminister; Ed Miliband, vorher Energieminister, wechselte als Außenminister ins Ressort von Yvette Cooper.
Burnham als Premier: Kabinett & Stromsteuer-Senkung | nachrichten360