Andy Burnham wird neuer Premierminister Großbritanniens
London, 19. Juli 2026
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Kurzfassung
Andy Burnham wird am Montagvormittag von König Charles III. mit der Regierungsbildung beauftragt und löst damit Keir Starmer im Amt des Premierministers ab. Der ehemalige Bürgermeister von Manchester ist bereits als neuer Labour-Vorsitzender bestätigt und plant, in seiner Antrittsrede einen Neuanfang für das politisch krisengeplagte Land zu skizzieren.
Andy Burnham wird am Montagvormittag von König Charles III. mit der Regierungsbildung beauftragt und löst damit Keir Starmer als Premierminister des Vereinigten Königreichs ab.
Der Wechsel an der Spitze der britischen Regierung erfolgt inmitten einer seit Monaten anhaltenden Regierungskrise. Wie aus dem Redemanuskript hervorgeht, das bereits vorab öffentlich zugänglich gemacht wurde, will der designierte Premierminister die aktuelle Lage als einen Moment der "Reflexion und Entschlossenheit" beschreiben. Burnham werde betonen, dass Großbritannien den Herausforderungen ehrlich ins Auge blicken müsse.
Der 56-Jährige folgt auf Keir Starmer, der im Juni seinen Rücktritt erklärt hatte, nachdem die Labour-Partei bei regionalen und lokalen Wahlen deutliche Verluste hinnehmen musste. In Großbritannien ist das Amt des Premierministers traditionell an den Vorsitz der Regierungspartei gebunden. Am Freitag hatte die Labour-Partei Burnham als ihren neuen Vorsitzenden bestätigt; ein entsprechender Beschluss wurde parteiintern getroffen.
Hintergrund: Die siebte Führungsfigur in zehn Jahren
Mit seiner Ernennung ist Burnham der siebte Premierminister innerhalb der vergangenen zehn Jahre und damit die siebte Person im höchsten Regierungsamt seit der Brexit-Entscheidung. Auf dem Papier übernimmt er ein Land, das als siebtgrößte Volkswirtschaft der Welt gilt und zugleich permanentes Mitglied im UN-Sicherheitsrat ist.
Burnham selbst bringt langjährige politische Erfahrung mit: Neun Jahre lang war er Bürgermeister von Manchester, wo er den Spitznamen "King of the North" erhielt. In dieser Zeit wuchs die Wirtschaft der Region überdurchschnittlich, und die Armut in innerstädtischen Vierteln ging zurück. Zudem gewann er eine Nachwahl deutlich und zog damit ins Londoner Parlament ein.
Nach seinem Einzug in die Downing Street am Montagmittag will Burnham in einer ersten Rede konkrete Verbesserungen im Alltag der Menschen im Vereinigten Königreich ankündigen. Dabei werde er den Briten "mehr Luft zum Atmen" bei finanziellen Entscheidungen versprechen. Zugleich soll seine Regierung verdeutlichen, dass das Vereinigte Königreich international wieder als Beispiel für handlungsfähiges Regieren wahrgenommen werden könne.
Innenpolitische Agenda und Labour-Partei
Mit Blick auf die innenpolitische Lage kündigte Burnham an, den wachsenden Erfolg der rechtspopulistischen Partei Reform UK von Nigel Farage stoppen zu wollen. Die Labour-Abgeordneten im Unterhaus stützen den neuen Parteichef und künftigen Premierminister dabei nahezu geschlossen.
Außenpolitisch profilierte sich Burnham bislang kaum – doch liegen bereits programmatische Aussagen vor. So entschuldigte er sich für die anfängliche britische Unterstützung der israelischen Militäroperation in Gaza und kündigte an, den Druck auf die israelische Regierung erhöhen zu wollen, etwa durch schärfere Sanktionen und ein Handelsverbot für Waren aus illegalen Siedlungen.
In sicherheitspolitischer Hinsicht kann der ukrainische Präsident Selenskyj nach Einschätzung des Berichts auch unter Burnham mit britischer Unterstützung rechnen, wie sie zuvor bereits Starmer zugesichert hatte. Jonathan Powell soll als nationaler Sicherheitsberater im Amt bleiben. Eine Entscheidung über die Nachfolge im Amt des Außenministers steht noch aus; offen ist, ob Yvette Cooper ihren Posten behält.
Außenpolitik und Sicherheit
Für die künftige Ausrichtung Londons gegenüber der Europäischen Union zeichnen sich Konturen ab. So hatte Burnham auf dem letztjährigen Labour-Parteitag den Wunsch geäußert, das Vereinigte Königreich möge zu Lebzeiten wieder der EU beitreten. Anand Menon vom King's College London äußerte allerdings die Einschätzung: "Ich vermute, dass Burnham dem 'Neustart' mit der EU weniger Priorität einräumen wird - denn er kostet derzeit viel Energie, bringt aber nur sehr wenig."
Mihir Sharma vom in London ansässigen Institute for Public Policy Research (IPPR) empfahl Burnham, neue Partner innerhalb der EU zu suchen, etwa die nordischen Länder oder Polen, die einer engeren verteidigungspolitischen Zusammenarbeit offener gegenüberstünden als Frankreich oder Deutschland. Sharma wörtlich: "Großbritannien ist eine wichtige Militärmacht. Die Sicherheit in Europa würde gestärkt, wenn das Land an Rüstungsprojekten mitarbeitet und sich an Maßnahmen zum Schutz der industriellen Basis beteiligt."
Sharma verwies zugleich auf die enge sicherheitspolitische Bindung an die USA über das Five-Eyes-Netzwerk. Die USA seien "ein unverzichtbarer Partner für Großbritannien. Für die dienstleistungsorientierte Wirtschaft, aber auch, was die Sicherheit angeht." Unter Starmer hatten sich die Beziehungen zur EU deutlich verbessert; zugleich verweigerte London zunächst die Nutzung britischer Militärstützpunkte für US-Angriffe auf den Iran.
Verhältnis zu den USA und zur EU
Das Verhältnis zu Washington gilt als schwieriger Lackmustest. Donald Trump erklärte auf Journalistennachfrage, er kenne Burnham nicht; er sei wohl Bürgermeister einer kleineren Stadt. Zuvor hatte Trump den bisherigen Amtsinhaber Starmer gerügt: Starmer sei "kein Winston Churchill", hatte Trump den britischen Premier zuletzt gerügt.
Der Blick auf die jüngere Vergangenheit britischer Premiers fällt ernüchternd aus. Der Bericht vergleicht die Amtsinhaber mit politischen Ämtern auf kommunaler oder regionaler Ebene: Theresa May wäre demnach "unter normalen Umständen höchstens zur Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz oder Kärnten" gelangt, Boris Johnson "zum Kulturreferenten einer Stadt wie Zürich oder Hannover", Liz Truss "zur oberfränkischen Kreistagsvorsitzenden". Rishi Sunak habe zuvor als Hedgefonds-Manager Millionen verdient, ehe er mit 35 in die Politik ging; Starmer wiederum habe als Spitzenjurist Karriere gemacht und erst mit 52 den Sprung ins Unterhaus gewagt.
Protokoll der Amtsübergabe
Insgesamt deutet die Gemengelage auf einen umfassenden Neuanfang hin: innenpolitisch mit dem Versprechen finanzieller Entlastung, außenpolitisch mit dem Bemühen, sowohl gegenüber der EU als auch gegenüber den USA neue Akzente zu setzen – und mit einer symbolischen Geste der Selbstkritik, indem Burnham die schwierige Lage Großbritanniens als Moment der "Reflexion und Entschlossenheit" rahmen will.
Die Berichterstattung über die anstehende Regierungsübergabe stammt von Sebastian Borger aus London für die Deutsche Presse-Agentur (dpa) und wurde am 19. Juli 2026 veröffentlicht.
Die Amtseinführung folgt einem festen Protokoll: Gegen Mittag erscheint zunächst Amtsinhaber Keir Starmer, reicht seinen Rücktritt ein und empfiehlt den Nachfolger. Kurz darauf erhält der neue Labour-Vorsitzende Andy Burnham Audienz und Regierungsauftrag – bereits im vierten Jahr seiner Amtszeit ernennt Charles III. damit seinen vierten Premierminister.
Fragen & Antworten
Wer ist Andy Burnham?
Andy Burnham ist 56 Jahre alt, war neun Jahre lang Bürgermeister von Manchester und wurde am Freitag zum neuen Vorsitzenden der Labour-Partei gewählt. Am Montag wird er von König Charles III. mit der Regierungsbildung beauftragt und löst damit Keir Starmer als Premierminister ab.
Warum tritt Keir Starmer zurück?
Keir Starmer kündigte im Juni angesichts schlechter Umfragewerte und Verluste der Labour-Partei bei vorangegangenen regionalen und kommunalen Wahlen seinen Rücktritt an. Nach nur zwei Jahren im Amt zeigte ihm die eigene Fraktion die Tür.
Welche außenpolitischen Schwerpunkte plant Burnham?
Burnham will nach eigener Aussage die britische Sicherheit weiter eng mit der Ukraine verzahnt halten und den Druck auf die israelische Regierung erhöhen, unter anderem durch Sanktionen und ein Handelsverbot für Waren aus illegalen Siedlungen. Zudem sprach er sich dafür aus, dass das Vereinigte Königreich in Europa verteidigungspolitisch eine aktivere Rolle übernehmen solle.
Andy Burnham wird britischer Premierminister – Nachfolger | nachrichten360