Andy Burnham bildet neues Kabinett: Telefonat mit Trump als erster Amtsakt
London, 21. Juli 2026
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Kurzfassung
Andy Burnham ist am Montag von König Charles III. zum britischen Premierminister ernannt worden und hat unmittelbar ein Telefongespräch mit US-Präsident Donald Trump geführt. Sein neu zusammengestelltes Kabinett bringt zahlreiche Wechsel an der Spitze zentraler Ministerien mit sich.
Andy Burnham ist am Montag von König Charles III. zum neuen britischen Premierminister ernannt worden und hat in dieser Funktion sein Kabinett vorgestellt, wobei sein erster offizieller Akt ein Telefongespräch mit US-Präsident Donald Trump war.
Regierungsbildung und Ernennung
Der frühere Bürgermeister von Groß-Manchester Andy Burnham wurde am Montag von König Charles III. im Buckingham-Palast mit der Regierungsbildung beauftragt. Bereits am vorherigen Freitag war der 56-jährige Labour-Politiker zum neuen Vorsitzenden seiner Partei gewählt worden. Damit folgt Burnham auf Keir Starmer, der im Juni nach schlechten Ergebnissen bei Regional- und Kommunalwahlen zurückgetreten war. Burnham ist laut verfügbaren Angaben der siebte britische Premierminister innerhalb der letzten zehn Jahre.
Noch am Tag seiner Ernennung stellte Burnham sein neues Kabinett vor. Wie aus Downing Street verlautete, führte er zuerst ein Telefongespräch mit US-Präsident Donald Trump. Trump schrieb anschließend auf Truth Social, das Gespräch sei „sehr gut“ verlaufen, und kündigte an, man werde sich „in nicht allzu ferner Zukunft treffen, um Themen von gemeinsamem Interesse zu erörtern“. Themen des Telefonats seien „Nordseeöl, Handel, das Militärbündnis, die Minenräumung in der Straße von Hormus und viele andere Themen“ gewesen.
Erstes Telefonat mit Trump
Laut einer Mitteilung aus Downing Street sagte Burnham dem US-Präsidenten, die Wiederindustrialisierung des gesamten Landes habe für ihn als Premierminister Priorität. Er bekräftigte zudem, die Sicherheit des Vereinigten Königreichs und seiner Verbündeten sei ein zentrales Anliegen seiner politischen Agenda. Trump äußerte kurz darauf die Hoffnung, dass Burnham als Premierminister wieder Öl- und Gasförderung in der Nordsee zulassen werde. Zuvor hatte Trump Zweifel an Burnham geäußert und ihn als „Bürgermeister einer Kleinstadt“ sowie als „extrem liberal“ bezeichnet.
Gespräche mit Paris und Kiew
Auch mit weiteren Staats- und Regierungschefs nahm Burnham am Montag Kontakt auf. So führte er ein Telefongespräch mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron, bei dem es nach britischer Darstellung unter anderem um die Fortsetzung der Unterstützung der Ukraine ging. Beide sprachen sich dafür aus, die sogenannte Koalition der Willigen gemeinsam weiter anzuführen. Macron und Burnham einigten sich zudem auf Bemühungen zur Deeskalation im Nahen Osten und zur Wiedereröffnung der Straße von Hormuz. Auf der Plattform X schrieb Macron, er wünsche sich, dass die Beziehungen zwischen Großbritannien und Frankreich der britischen EU-Politik neuen Schwung verleihen.
Daneben sprach Burnham nach Angaben einer Sprecherin auch mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. In seiner Antrittsrede erklärte er, die Reform der Pflegeversorgung zu einem Schwerpunkt seiner Amtszeit machen zu wollen. Die Finanzierung der Langzeitpflege sei ein seit Jahren ungelöstes Problem im Vereinigten Königreich. Burnham kündigte eine offene Debatte mit der Bevölkerung über die künftige Tragung der Kosten an. Er erklärte: „Der derzeitige Status sei nicht zu rechtfertigen und müsse in Ordnung gebracht werden“. Darüber hinaus kündigte er den Bau neuer Sozialwohnungen, eine Reform des Bildungssystems und eine Stärkung der Industrie an.
Neues Kabinett: Wechsel an Schaltstellen
Im Kabinett kommt es zu einem weitgehenden personellen Umbruch. Der frühere Energieminister Ed Miliband übernahm überraschend das Außenministerium. Miliband hatte die Labour-Partei bereits von 2010 bis 2015 geführt; sein Bruder David Miliband war unter Premier Gordon Brown ebenfalls Außenminister. Die frühere Außenministerin Yvette Cooper wechselte an die Spitze des Gesundheitsministeriums. Der bisherige Gesundheitsminister Wes Streeting, der Burnham kurzzeitig in der parteiinternen Führungsfrage herausgefordert hatte, wurde zum Verteidigungsminister ernannt.
Der frühere Verteidigungsminister John Healey wurde von Burnham zum neuen Schatzkanzler bestellt. Healey hatte das Kabinett seines Vorgängers Starmer wenige Wochen zuvor aus Protest gegen dessen Kurs verlassen. Er bezeichnete seine Berufung laut vorliegenden Angaben als „die größte Ehre“ und kündigte an, eine neue Wirtschaft aufbauen zu wollen. Shabana Mahmood blieb Innenministerin. Angela Rayner, die zuvor nach einer Steueraffäre als Vizepremierministerin zurückgetreten und in der Folge vom Verdacht der Steuerhinterziehung freigesprochen worden war, kehrte als Wohnungsbauministerin zurück. Den Posten hatte sie bereits unter Starmer von 2024 bis 2025 inne.
Internationale Reaktionen auf den Amtsantritt
Als Justizminister wurde Alex Norris eingesetzt. Jonathan Reynolds übernahm das Wirtschaftsministerium, Miatta Fahnbulleh wurde Energieministerin und Angela Eagle übernahm das Umweltministerium. Lucy Powell wurde Bildungsministerin, Lisa Nandy blieb Kulturministerin. Anneliese Midgley wurde zur Vorsitzenden der parlamentarischen Labour-Gruppe bestimmt. Dagegen mussten der frühere stellvertretende Premierminister und Justizminister David Lammy sowie die frühere Finanzministerin Rachel Reeves ihre Plätze räumen. Lammy sagte der Nachrichtenagentur PA: „Ich wäre stolz gewesen, weiterhin im Kabinett zu dienen. Aber ein neuer Premierminister hat das Recht, sein eigenes Team zusammenzustellen“ Reeves verlässt das Kabinett als loyale Unterstützerin des früheren Premiers.
International fielen die Reaktionen auf den Amtsantritt verhalten positiv aus. Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz gratulierte Burnham am Montagmittag und lud ihn zu einem baldigen Besuch in Berlin ein. Er bezeichnete das Vereinigte Königreich und Deutschland als einander enge Verbündete und Partner und hob die tiefe Verbindung zwischen beiden Ländern hervor. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen gratulierte ebenfalls und erklärte, sie freue sich auf eine stärkere Partnerschaft mit Großbritannien.
Innere Reformagenda und Ausblick
In seiner Antrittsrede erklärte Burnham, Großbritannien werde die Ukraine im Krieg gegen Russland weiterhin unterstützen. Mit Blick auf die Pflege sagte er: „Der derzeitige Status sei nicht zu rechtfertigen und müsse in Ordnung gebracht werden“. Die Reform der Pflegeversorgung, der Bau neuer Sozialwohnungen, die Stärkung der Industrie und eine Reform des Bildungssystems bilden nach seinen Worten die Schwerpunkte seiner Agenda. Mit dem Telefonat mit Trump und den anschließenden Kontakten zu Macron, Selenskyj und weiteren Partnern signalisierte der neue Premier zugleich außenpolitische Handlungsfähigkeit.
Die Berufung Ed Milibands zum Außenminister wurde in britischen Medien als überraschend beschrieben. Miliband war zuvor Energieminister und hatte die Labour-Partei zwischen 2010 und 2015 geführt. Mit Streeting als Verteidigungsminister und Healey als Schatzkanzler besetzte Burnham zwei Schlüsselressorts mit Politikern, die zuvor Distanz zum Kurs seines Vorgängers Starmer gezeigt hatten. Die Entlassungen Lammys und Reeves' markieren zugleich einen Bruch mit dem früheren Führungszirkel der Partei.
Mit Blick auf die USA verwies Trump auf die Minenräumung in der Straße von Hormus als Gesprächsthema. Macron und Burnham hatten sich nach britischer Darstellung ebenfalls auf Bemühungen zur Wiedereröffnung der Meerenge verständigt. Trump war im September 2025 zuletzt zu einem Staatsbesuch von König Charles III. empfangen worden. Die Frage, inwieweit sich die künftige britische Regierung erneut für Öl- und Gasförderung in der Nordsee öffnen wird, gilt als offene Streitfrage zwischen London und Washington.
Insgesamt tritt Burnham mit einem klaren Bruch gegenüber der Vorgängerregierung an. Mehrere enge Vertraute Starmers verlassen das Kabinett, während profilierte Quereinsteiger wie Miliband und Streeting neue Zuständigkeiten übernehmen. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob der neue Premier die angekündigten Reformen in Pflege, Bildung und Wohnungsbau innenpolitisch durchsetzen und die außenpolitischen Signale an Washington, Paris und Kiew in konkrete Politik umsetzen kann.
Am Tag der Ernennung, dem 21. Juli 2026, berichtete der Deutschlandfunk in seiner Sendung über den Amtsantritt und die ersten Personalentscheidungen. Damit gilt die Regierungsbildung Burnhams als der zentrale innenpolitische Einschnitt in Großbritannien in diesem Sommer.
Fragen & Antworten
Wer ist Andy Burnham und wie wurde er Premierminister?
Andy Burnham ist ein 56-jähriger Labour-Politiker und ehemaliger Bürgermeister von Groß-Manchester, der am Freitag vor seiner Ernennung zum neuen Parteivorsitzenden gewählt und am Montag, den 21. Juli 2026, von König Charles III. zum Premierminister ernannt wurde.
Welche Ministerien hat Burnham neu besetzt?
Burnham berief Ed Miliband zum Außenminister, John Healey zum Schatzkanzler und Wes Streeting zum Verteidigungsminister; Yvette Cooper wechselte an die Spitze des Gesundheitsministeriums, während Shabana Mahmood als Innenministerin und Lisa Nandy als Kulturministerin im Amt blieben.
Was hat Burnham mit Trump, Macron und Selenskyj besprochen?
Burnham führte am Tag seiner Ernennung Telefongespräche mit US-Präsident Trump über Handel, Nordseeöl und die Wiedereröffnung der Straße von Hormus, mit Frankreichs Präsident Macron über die Unterstützung der Ukraine und die Koalition der Willigen sowie mit dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj.
Burnham Kabinett 2026: Trump-Anruf und neue Minister | nachrichten360