Belgien und Ägypten haben sich in einem turbulenten Gruppenspiel der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in Seattle 1:1 (0:1) getrennt, wobei Mohammed Hany mit einem Eigentor in der 66. Minute den Ausgleich für die Belgier erzwang.

Frühe Führung durch Ashour

Vor 66.775 Zuschauerinnen und Zuschauern in Seattle leitete Schiedsrichter Abatti aus Brasilien die Begegnung der Gruppe G, die von vielen Beobachtern als vorzeitiges Spiel um den Gruppensieg eingestuft worden war. Ägypten, trainiert von Hussam Hassan, erwischte einen Traumstart und ging früh in Führung. Belgien, gecoacht von Rudi Garcia, tat sich gegen kompakt stehende Ägypter zunächst schwer, ein eigenes Tor zu erzwingen.

Den ersten großen Aufreger des Abends lieferte Ashour in der 19. Minute: Mit einem Fernschuss aus rund 20 Metern überwand er den belgischen Schlussmann Thibaut Courtois und brachte Ägypten mit 1:0 in Führung. Der Treffer war erst die zweite Führung einer ägyptischen Mannschaft bei einer Weltmeisterschaft überhaupt – die erste datiert aus dem Jahr 2018, als Mohammed Salah gegen Saudi-Arabien traf. Am Spieltag feierte Salah, der in die Entstehung des Führungstreffers eingebunden war, seinen 34. Geburtstag.

Belgien drückt, Ägypten hält dagegen

Belgien suchte in der Folge intensiv nach einer Antwort. In der 33. Minute prüfte Mustafa Siko den belgischen Torhüter mit einem Distanzschuss, den Courtois gerade noch mit den Fingerspitzen über die Latte lenkte. Kurz vor der Pause hatte Jeremy Doku, der in der Berichterstattung als Stürmer von Manchester City beschrieben wird, in der Nachspielzeit (45.+1) die beste belgische Möglichkeit der ersten Hälfte, jagte den Ball aber deutlich über das Gehäuse. Mit der knappen Führung für Ägypten ging es in die Kabinen.

Auch nach dem Seitenwechsel blieb die Partie umkämpft. In der 53. Minute traf Kevin De Bruyne mit einem Freistoß nur den linken Pfosten. De Bruyne gehört gemeinsam mit Romelu Lukaku zu den erfahrenen Kräften im belgischen Kader, für die diese WM wohl die letzte Chance auf einen großen Titel mit der Nationalmannschaft darstellt. Belgien befindet sich in einem Generationswechsel und wird anders als bei vergangenen Turnieren nicht zu den Top-Favoriten gezählt – in der Qualifikation blieb man allerdings ungeschlagen und erzielte 29 Tore.

Lukaku-Einwechslung als Wendepunkt

Die Wende kam in der 66. Minute, unmittelbar nach der Einwechslung von Lukaku. Der Angreifer von Napoli wurde nur etwa 22 Sekunden nach seiner Hereinnahme aktiv: Eine Flanke von Thomas Meunier lenkte Lukaku mit dem Körper entscheidend ab, sodass Mohammed Hany den Ball ins eigene Netz bugsierte. Der vermeintliche Ausgleichstreffer wurde damit zum Eigentor und bedeutete das 1:1.

In der Schlussphase drängten beide Mannschaften auf den Sieg. In der 83. Minute verhinderte Ufa Schubair mit einer starken Parade einen Kopfball von Brandon Mechele, in der 87. Minute köpfte Lukaku aus guter Position über das Tor. Am Ende blieb es beim 1:1, das für Ägypten historische Bedeutung hat: Es war das siebte WM-Spiel der Ägypter ohne Sieg, der erste Punktgewinn bei einer Weltmeisterschaft blieb ihnen aber durch das späte Gegentor verwehrt.

Ausblick auf die kommenden Gruppenspiele

In der Gruppe G stehen neben Belgien und Ägypten auch Iran und Neuseeland, die ebenfalls um Punkte kämpfen. Ägypten trifft im nächsten Gruppenspiel am 22. Juni um 03:00 Uhr MESZ in Vancouver auf Neuseeland. Belgien wartet derweil auf den weiteren Turnierverlauf, in dem die Mannschaft um De Bruyne, Lukaku und Doku zeigen will, dass sie trotz des Generationswechsels noch immer zu den Spitzenteams gehört. Das Moped unter den Füßen, wie Xaver Schlager einst über Doku sagte, brachte Belgien am Ende immerhin einen Punkt ein.

Insgesamt lieferten beide Teams eine intensive Partie, die den Erwartungen an ein Spitzenspiel der Gruppe G gerecht wurde. Für Ägypten bleibt nach dem Remis die Erkenntnis, dass die Mannschaft international konkurrenzfähig ist, auch wenn der erste WM-Sieg weiter auf sich warten lässt. Belgien wiederum nimmt aus Seattle einen Punkt mit, der angesichts des Spielverlaufs eher wie ein kleiner Sieg für die Belgier wirkt – und der Auftakt zu einer Weltmeisterschaft sein könnte, in der das Team von Rudi Garcia über sich hinauswachsen will.