Belgien wirft den Senegal nach 0:2-Rückstand noch aus dem Turnier
Seattle, 02. Juli 2026
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Kurzfassung
Belgien hat im WM-Achtelfinale in Seattle einen 0:2-Rückstand gegen den Senegal noch in ein 3:2 nach Verlängerung gedreht. Matchwinner war Youri Tielemans, der sowohl den Ausgleich in der 89. Minute als auch den entscheidenden Strafstoß in der Nachspielzeit der Verlängerung verwandelte. Damit steht die Elf von Trainer Rudi Garcia im Viertelfinale und trifft dort erneut in Seattle auf den Sieger der Partie USA gegen Bosnien und Herzegowina.
Die belgische Fußballnationalmannschaft hat im WM-Achtelfinale in Seattle einen 0:2-Rückstand gegen den Senegal gedreht und das Spiel nach Verlängerung mit 3:2 gewonnen, womit sie ins Viertelfinale einzieht.
In Seattle spielen heute Belgien und Senegal um den Einzug ins Achtelfinale. Vor 66.925 Fans im Football-Tempel der Seattle Seahawks entwickelte sich am Mittwochabend eine Partie, die in den Schlussminuten der regulären Spielzeit und in der Verlängerung dramatischer kaum hätte sein können. Es war das erste Aufeinandertreffen zwischen den beiden Nationen. Bei 20 Grad und bewölktem Himmel sorgten die Bedingungen in Seattle für bestes Fußballwetter.
Spielbeginn in Seattle
Die Belgier liegen bis zur 86. Minute 0:2 hinten, gleichen aber noch aus. Bis dahin hatte das Team von Belgiens Trainer Rudi Garcia einen über weite Strecken enttäuschenden Auftritt gezeigt. Die "Roten Teufel", die auf Rang zehn der FIFA-Weltrangliste stehen, galten zwar als Favorit, fanden jedoch lange nicht ins Spiel. Belgiens Spielvortrag erinnerte in Halbzeit eins kaum an die Mannschaft, die tags zuvor mit dem 5:1 gegen Neuseeland den Gruppensieg in der Gruppe G eingefahren hatte.
Senegal, das sich nach zwei Niederlagen zum Auftakt mit dem Gruppensieg gegen den Irak in die K.o.-Phase gerettet hatte, trat dagegen selbstbewusst auf. "Ebenfalls mit 5 Toren, aber keinem Gegentor" gegen den Irak schaffte die Mannschaft von Trainer Pape Thiaw den Sprung unter die letzten 32. In Seattle stand der Senegal früh hoch in der Defensive und lauerte auf Konter, die Belgien immer wieder in Bedrängnis brachten.
Senegal legt früh vor
Bereits in der 13. Minute hätte Ismaila Sarr, der Profi von Crystal Palace, für die Vorentscheidung sorgen können, scheiterte jedoch nach einer Flanke von Ismail Jakobs und einem Fehler von Belgiens Schlussmann Thibaut Courtois nur am Pfosten. Der zweite Versuch aus liegender Position traf zudem lediglich das Außennetz. In der 25. Minute traf Habib Diarra aus kurzer Distanz zum 1:0, nachdem der Ball vom Pfosten zurückgeprallt war. Vorausgegangen war eine Flanke von Mané. Der ehemalige Bayern-Star stand damit erstmals richtig im Turnier, hatte Sadio Mané diesem Turnier bisher doch noch nicht seinen Stempel aufdrücken können, drehte zuletzt aber schon etwas mehr auf.
Nach dem Seitenwechsel erhöhte die Thiaw-Equipe. In der 51. Minute erhöhte die Thiaw-Equipe. Moussa Niakhaté spielte einen weiten Ball, den Ismaïla Sarr herrlich annahm und in die Maschen zimmerte. Damit war Sarr mit vier Toren im Turnier nun Senegals alleiniger WM-Rekordschütze. Belgien wirkte geschockt, mehr als harmlose Distanzschüsse durch Jeremy Doku (43.) und Maxim De Cuyper (45.) sprangen nicht heraus. Senegals Torhüter Mory Diaw reagierte jeweils stark.
Belgien kam kaum zur Entfaltung. Besonders Spielmacher Kevin De Bruyne leistete sich immer wieder einfachste Fehler bei Zuspielen. Zur Pause reagierte Garcia und brachte zur Pause den späteren Matchwinner Romelu Lukaku für Charles De Ketelaere. Romelu Lukaku, Belgiens Rekordtorschütze, kam also als Joker und veränderte die Dynamik. In der 56. Minute wurde der völlig unglücklich agierende De Bruyne ausgewechselt, danach nahm Garcia in De Bruyne und Doku auch noch die beiden eigentlich wichtigsten Offensivspieler heraus und brachte unter anderem den Ex-Herthaner Dodi Lukebakio.
Lukaku bringt die Wende
Die Wende kam spät. In der 86. Minute stellte der zur Pause eingewechselte Romelu Lukaku auf 1:2. Auf Vorlage des Ex-Dortmunders Thomas Meunier verkürzte der Stürmer, der Belgien in der Vergangenheit oft im Alleingang im Spiel gehalten hatte. Nur drei Minuten später folgte der Ausgleich: Youri Tielemans hatte von einem verunglückten Ausflug von Senegal-Goalie Mory Diaw profitiert und den Ball per Kopf ins Tor geköpft. Nach der Hereingabe von Leandro Trossard, der Tielemans den Ball in den Strafraum lieferte, glich Belgien zum 2:2 aus.
Die Schlussphase der regulären Spielzeit bot nun Dramatik pur. In der 109. Minute, also bereits in der Verlängerung, kam der eingewechselte Ibrahim Mbaye zu einer vorzüglichen Chance auf das 3:2 für Senegal. Doch der Joker verzog, der Ball strich knapp am linken oberen Eck vorbei. Auf der anderen Seite traf Dodi Lukebakio in der 117. Minute die Latte. Belgien drängte nun auf die Entscheidung.
Während des "Hydration Break" nach 70 Minuten war Belgien noch mit 0:2 in Rückstand. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich Leandro Trossard und der spätere Torschütze Tielemans während der zweiten Halbzeit bereits angeschrien, als Tielemans den Ball in Strafraumnähe nicht auf den frei stehenden Trossard gespielt hatte. Mitspieler Nicolas Raskin musste die beiden Belgier nach der Eskalation trennen, auf der Gegenseite kamen auch Lamine Camara und Moussa Niakhaté herüber, um die Lage zu beruhigen. Romelu Lukaku, am Boden liegend, gestikulierte wild. Die Szene zeigte, wie groß der Frust im belgischen Lager war. Erst nach dem Ausgleich umarmten sich Trossard und Tielemans wieder.
In der 117. Minute traf Lamine Camara im Strafraum Tielemans vom Schiedsrichter unbemerkt am Fuß. Doch der VAR meldete sich und bat Said Martinez zum Bildschirm. Der Schiedsrichter aus Honduras, der das Spiel geleitet hatte, entschied nach minutenlanger Überprüfung auf Strafstoß. Das vorangegangene Foulspiel war minutenlang via Videobeweis überprüft worden. Pathé Ciss legte sich vor den Elfmeterpunkt und verzögerte zusätzlich die Ausführung. So trat Tielemans gut 8 Minuten nach dem Foul an ihm zum Penalty an und versenkt den Ball unhaltbar im Lattenkreuz. In der Verlängerung verwandelte erneut Tielemans (120.+5) einen Foulelfmeter.
VAR und Elfmeter entscheiden
Den siegbringenden Treffer in der Verlängerung erzielte Youri Tielemans in der 125. Minute mittels Penalty. Damit war der 29-jährige Mittelfeldspieler von Arsenal der gefeierte Mann des Abends. Die Belgier stehen im WM-Achtelfinal, die Roten Teufel besiegen den Senegal mit 3:2 nach Verlängerung. Während der Senegal die Heimreise antreten muss, darf Belgien weiter vom Einzug in die nächste Runde träumen.
In den Schlussminuten hatte Senegal dabei noch eine weitere Großchance. In der 109. Minute setzte der eingewechselte Ibrahim Mbaye den Ball knapp am Tor vorbei. Zudem bot sich den Senegalesen in der regulären Spielzeit die Möglichkeit, durch Gueyes Volley in der 17. Minute früher davonzuziehen, doch der Schuss geriet zu zentral. Insgesamt zeigte Senegal eine starke Leistung, scheiterte aber am Ende an der fehlenden Effizienz und der späten belgischen Willensleistung.
Bereits vor dem Spiel hatten die afrikanischen Fußballer die Erinnerung an ein denkwürdiges Halbjahr mitgebracht. Knapp ein halbes Jahr nach dem denkwürdigen Afrika-Cup-Finale, das die Nation gegen Marokko auf dem Rasen gewann und erst später am grünen Tisch verlor, zeigte die Auswahl von Pape Thiaw eine couragierte Leistung. Sie gewannen drei ihrer vier K.o.-Spiele im Afrika-Cup jeweils mit 1:0 und holten auf dem Platz den Titel. Zwar wurde dieser später vom Sportgericht Marokko zugesprochen, doch die sportliche Leistung bleibt unbestritten.
Ausblick auf das Viertelfinale
Taktisch setzte Belgien auf das bewährte 4-4-2-System und stellte im Vergleich zum 5:1 gegen Neuseeland die gleiche Startelf auf. Garcia, der seit seinem Amtsantritt im Januar 2025 nur das erste Spiel unter seiner Leitung verlor, baute damit auf das erfolgreiche Personal der Gruppenphase. Pape Thiaw veränderte seine Mannschaft hingegen auf drei Positionen. Pathé Ciss, Pape Gueye und Iliman Ndiaye rückten für Abdoulaye Seck, Lamine Camara und Ibrahim Mbaye in die Anfangsformation.
In der Nachspielzeit der regulären Spielzeit bewahrte Belgien die Nerven, in der Verlängerung behielt die Mannschaft trotz Übermüdung die Oberhand. Trotz einer zwischenzeitlichen Anspannung zwischen Trossard und Tielemans, die Belgien durch die Auswechslungen zu kompensieren suchte, setzte sich am Ende die kollektive Stärke durch. Romelu Lukaku fasste die Stimmung nach dem Spiel passend zusammen: "Es war intensiv. Aber wir haben Kampfgeist gezeigt, wir haben wirklich 'Cojones' gehabt, das braucht man in so einem Spiel. Das hatten wir am Anfang nicht. Am Ende haben wir Charakter gezeigt. Der Senegal ist technisch und körperlich eine der besten Mannschaften im Turnier. Der Geist der Truppe hat sich gezeigt. Es war für mich besser, dass Yuri den Elfmeter schießt, es ist wichtiger, dass die Gruppe profitiert, nicht ich als Einzelner."
Nach dem Drama in Seattle steht Belgien also im Viertelfinale. Am kommenden Montag (Ortszeit) wartet, erneut in Seattle, das Achtelfinale, in dem der Sieger der Partie USA gegen Bosnien und Herzegowina der Gegner sein wird. Die Partie findet in der Nacht auf den 7. Juli ebenfalls in Seattle statt. In Seattle steigt damit die nächste große Aufgabe für die "Roten Teufel", die ihre bislang vielleicht stärkste Turnierleistung gegen den Senegal aber erst in den entscheidenden Minuten abrufen konnten.
Vor dem Stadion hatte sich während der ersten Hälfte zudem eine kuriose Szene ereignet. Während dem "Hydration Break" nach 70 Minuten, also deutlich später, waren zuvor schon junge Fans auf das Spielfeld gelaufen. Drei junge Zuschauer, einer davon im belgischen Trikot, hatten die Partie kurz unterbrochen – der erste Vorfall dieser Art bei diesem Turnier. Die Sicherheitskräfte griffen schnell ein, die Partie konnte ohne weitere Folgen fortgesetzt werden.
Fragen & Antworten
Wer hat das entscheidende Tor für Belgien geschossen?
Youri Tielemans erzielte am Mittwochabend in Seattle sowohl den Ausgleich in der 89. Minute per Kopf als auch den entscheidenden Strafstoß zum 3:2 in der Verlängerung nach einem Foul von Lamine Camara an ihm selbst.
Wie konnte Belgien das Spiel noch drehen?
Belgien lag bis zur 86. Minute mit 0:2 zurück, ehe der zur Pause eingewechselte Romelu Tielemans auf 1:2 verkürzte und Tielemans drei Minuten später per Kopf zum 2:2 ausglich, bevor in der Verlängerung nach langem VAR-Eingriff der umstrittene Elfmeterpfiff die Entscheidung brachte.
Gegen wen spielt Belgien im nächsten Spiel?
Im Viertelfinale wartet auf Belgien der Sieger der Partie USA gegen Bosnien und Herzegowina, die am Dienstag ausgetragen wird. Auch diese Begegnung findet erneut in Seattle statt.
Belgien Senegal 3:2 - Belgien dreht 0:2 in der Verlängerung | nachrichten360