Bauern rechnen mit deutlich geringerer Getreideernte – Dürre und Hitze setzen Äcker unter Druck
Berlin, 02. Juli 2026
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Kurzfassung
Wegen anhaltender Trockenheit und Hitzestress rechnen Landwirte in Österreich und Deutschland mit einer deutlich geringeren Getreideernte als im Vorjahr. Erzeugerpreise sind niedrig, während Produktionskosten für Dünger, Energie und Treibstoff weiter hoch bleiben.
Angesichts von Frühjahrstrockenheit und Hitze sorgen sich Landwirte in Deutschland und Österreich um Menge und Qualität der diesjährigen Ernte, während gleichzeitig die Erzeugerpreise unter Druck stehen und die Produktionskosten hoch bleiben.
Die ersten Mähdrescher rollen aufs Getreidefeld – doch die Stimmung auf den Äckern ist gedämpft. Wegen Trockenheit und Hitze sorgen sich Landwirte um eine gute Ernte, wie der Deutsche Bauernverband mitteilte. Präsident Joachim Rukwied wollte sich am Vormittag um 10.30 Uhr auf einem Feld im brandenburgischen Rangsdorf-Groß Machnow südlich von Berlin zu den Erwartungen äußern.
Lage in Deutschland: Durchschnittliche Ernte mit großen regionalen Unterschieden
Der Deutsche Bauernverband geht insgesamt von einer durchschnittlichen Getreideernte aus, mit sehr großen regionalen Unterschieden. „Frühjahrstrockenheit und Hitzestress geben Anlass zur Sorge was Menge und Qualität der diesjährigen Ernte angeht“, erklärte der Verband. Zwar habe es nach kurzer Erholung im Mai durch Regen im Juni erneut extreme Hitze gegeben, dennoch werden in vielen Regionen Einbußen erwartet.
Parallel klagen Landwirte über massive Kostensteigerungen bei gleichzeitig niedrigen Erzeugerpreisen. Rukwied hatte bereits im Juni gesagt: „Die Preissituation im Ackerbau ist für alle Getreidearten miserabel, bis auf Raps.“ Maßnahmen wie der Agrardiesel für 2026 und 2027 seien „gerade in dieser Situation unverzichtbar, federn aber nur einen Teil der Kosten ab“.
Im vergangenen Sommer hatten die Landwirte wieder größere Mengen Getreide einfahren können – ein Schnitt, der sich in diesem Jahr vielerorts nicht wiederholen wird. Seit der Ernte 2025, die weltweit überdurchschnittlich hoch ausgefallen ist, stehen die Preise für Ackerfrüchte unter Druck, während die Produktionskosten weiterhin hoch sind, insbesondere für Dünger, Energie und Treibstoffe.
Lage in Österreich: 15 Prozent weniger Getreide als im Vorjahr
Ein noch deutlicheres Bild zeichnet die Lage in Österreich. Die Landwirtschaftskammer (LKÖ) rechnet im Wirtschaftsjahr 2025/26 mit 2,7 Millionen Tonnen Getreide ohne Mais – ein Minus von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr. „Ertragseinbußen gegenüber 2025 werden bei allen Getreidearten, aber auch bei Raps, Körnererbsen und Ackerbohnen erwartet“, hieß es bei einer Pressekonferenz in Deutschkreutz.
Dort traten LKÖ-Präsident Josef Moosbrugger und der Präsident der LK Burgenland sowie COPA-Vizepräsident Nikolaus Berlakovich gemeinsam vor die Presse. Moosbrugger sagte, die EU-Kommission habe erste Maßnahmen angekündigt, „angesichts der angespannten wirtschaftlichen Lage reichen diese Schritte jedoch nicht aus“. Besonders hart trifft es die östlichen Landesteile: „Klar ist gleichzeitig auch, dass die Einbußen im Osten erheblich stärker ausfallen als im Westen.“
Bei Winterweizen geht man aktuell von durchschnittlich bis zu 20 Prozent weniger Ertrag pro Hektar aus, während die Schätzungen im Burgenland sogar noch weiter darunter liegen. Auch die Anbauflächen haben sich verschoben: Rückgänge verzeichnen Erdäpfel (–18,5 Prozent; Stärkeerdäpfel –50,5 Prozent), Körnererbsen (–21,2 Prozent), Ackerbohnen (–12,2 Prozent), Sommergerste (–12,1 Prozent), Hafer (–9,3 Prozent) und Zuckerrüben (–8,3 Prozent).
Politische Forderungen: GAP-Reform und Ausgleich der Düngerkosten
Zulegen konnten Roggen (+10,1 Prozent), Ölkürbis (+9,5 Prozent), Wintergerste (+3,5 Prozent) sowie besonders stark Sonnenblumen (+19,7 Prozent). Raps stieg um 5,7 Prozent von sehr niedrigem Niveau. Die fünf wichtigsten Kulturen in Österreich bleiben aber Mais (Körner- und Silomais), Weizen, Gerste, Sojabohnen und Triticale. Insgesamt ist die Getreideanbaufläche nach derzeitigen Schätzungen gegenüber dem historischen Tiefststand 2025 weiter um 0,7 Prozent auf erstmals unter 0,5 Millionen Hektar gefallen.
Berlakovich forderte unterdessen mehr politische Unterstützung: „Wir brauchen eine starke, zukunftsweisende und ausreichend finanziell ausgestattete Gemeinsame EU-Agrarpolitik (GAP) samt Inflationsanpassung.“ Darüber hinaus kritisierte er, „dass europäische Bäuerinnen und Bauern im internationalen Vergleich mit den höchsten Düngemittelpreisen konfrontiert sind und noch zusätzlich durch Schutzmaßnahmen für die Industrie, wie den CO₂-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM), belastet werden“.
Witterungsverlauf als Ursache der Einbußen
Der Winter 2025 verlief wechselhaft, gefolgt von teils sehr trockenen Wintermonaten. Nach etwas Regen im Februar folgte eine längere Trockenphase im März und April. Diese Witterungsbedingungen gelten als wesentliche Ursache für die nun prognostizierten Ertragseinbußen in weiten Teilen Mitteleuropas.
Fragen & Antworten
Wer ist Joachim Rukwied und was kündigte er für Brandenburg an?
Joachim Rukwied ist Präsident des Deutschen Bauernverbands und wollte am Vormittag auf einem Feld in Rangsdorf-Groß Machnow südlich von Berlin über die Ernteerwartungen informieren.
Wie viel weniger Getreide erwartet die Landwirtschaftskammer Österreich?
Die LKÖ rechnet für 2025/26 mit 2,7 Millionen Tonnen Getreide ohne Mais – ein Minus von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr, mit besonders starken Einbußen im Osten.
Welche politischen Forderungen erheben die Bauernverbände?
Sie verlangen eine finanziell ausreichend ausgestattete Gemeinsame EU-Agrarpolitik mit Inflationsanpassung sowie Maßnahmen gegen die im internationalen Vergleich hohen Düngemittelpreise.
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