Apple und EU-Kommission sprechen über Zukunft von Siri AI in Europa
Brüssel, 01 Juli 2026
Arne Müseler / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0 de
Kurzfassung
Apple-Chef Tim Cook hat sich in einem virtuellen Krisengespräch mit EU-Kommissarin Henna Virkkunen über die Einführung der neuen Siri-KI in der Europäischen Union ausgetauscht. Die EU-Kommission sieht den von Apple vorgeschlagenen "Trusted System Agent" bislang als nicht ausreichend an.
Brüssel, 01 Juli 2026
Apple-CEO Tim Cook hat am Mittwoch in einem virtuellen Krisengespräch mit EU-Kommissarin Henna Virkkunen über die geplante Einführung der neuen KI-gestützten Siri-Version in der Europäischen Union verhandelt.
Anlass des Treffens war die Ankündigung des US-Konzerns bei der vor wenigen Wochen abgehaltenen WWDC, dass Siri AI wegen der Vorgaben des Digital Markets Act wohl nicht mehr in diesem Jahr in der EU verfügbar sein wird. Anfang Juni auf der WWDC machte Apple klar, wer schuld daran ist, dass der iPhone-Konzern nicht in der Lage sein wird, die "neue Siri" mit der Veröffentlichung von iOS 27 und iPadOS 27 in der Europäischen Union anzubieten. Das neue System soll stärker an ChatGPT erinnern und kann unter anderem auf persönliche Daten wie E-Mails, Nachrichten und Kontakte zugreifen, um kontextbezogene Aufgaben zu erledigen.
Hintergrund des Konflikts ist der Digital Markets Act (DMA), der Apple als sogenannten Gatekeeper verpflichtet, seine Plattformen für Wettbewerber zu öffnen. Der Konzern fürchtet wohl, dass einige Features möglicherweise Millionenstrafen wegen Verstößen gegen die zentralen Wettbewerbsregeln der EU mit sich bringen könnten. Konkret verlangt der DMA, dass Drittanbieter von KI-Assistenten wie OpenAI oder Anthropic denselben Zugriff auf Gerätedaten erhalten wie Siri AI selbst.
Hintergrund: Der Digital Markets Act
Das Unternehmen beschrieb dies als "eine Zwischeninstanz, die es virtuellen Assistenten ermöglichen würde, auf dieselben Funktionen und Fähigkeiten wie Siri AI für Geräte in der EU sicher zuzugreifen", wie es der DMA der Staatengemeinschaft verlangt. Apple erklärte, man habe eine 18-monatige Übergangsphase vorgeschlagen. Diese hätte es erlaubt, Siri AI direkt zu starten, während das Unternehmen den Trusted System Agent schrittweise einführt. Die Trusted-System-Agent-Software soll als Puffer zwischen Nutzerdaten und KI-Modellen externer Anbieter fungieren, ohne diesen vollständigen Zugriff auf das Apple-Gerät zu gewähren.
Die Europäische Kommission habe diesen Plan jedoch abgelehnt. Nach dem Treffen ließ ein EU-Sprecher wissen, es habe einen "konstruktiven Austausch über Themen von gemeinsamem Interesse" gegeben. Die Arbeit an diesen Themen müsse allerdings noch fortgesetzt werden. Die Financial Times hatte zuvor berichtet, die Gespräche seien ein Versuch gewesen, "die Temperatur in diesem erbitterten Streit zu senken".
Apples Vorschlag: Trusted System Agent
Apple sieht die Verantwortung hingegen bei der EU, die sich gegen die Vorschläge sperrt. "In den vergangenen Monaten haben die EU-Regulierungsbehörden keinen der von Apple vorgeschlagenen Lösungsansätze akzeptiert", erklärt Apple in einem Statement, "mit denen Siri AI in der EU eingeführt und gleichzeitig die sichere Unterstützung anderer virtueller Assistenten gewährleistet werden sollte." Ein anonymer Kommissionsbeamter sagte laut Financial Times, Apple wolle mit dem Vorschlag Zeit schinden.
EU-Kommissionssprecher Thomas Regnier ließ sich den Vorwurf nicht gefallen und antwortete öffentlich nur einen Tag später – auch, weil es gelte, "die Dinge geradezurücken". Apple war laut Regnier schlichtweg nicht in der Lage, Interoperabilitätslösungen zu entwickeln, die den grundlegenden Datenschutz- und Sicherheitsstandards der EU entsprechen. Die Kommission betont, dass die Regeln für alle Marktteilnehmer gleichzeitig und ohne Sonderausnahmen gelten müssten.
Position der EU-Kommission
Aus Sicht der EU-Verantwortlichen ist Apples Bitte um eine 18-monatige Übergangsfrist ein sogenannter "regulatorischer Urlaub", der den Wettbewerb verzerren würde. Die Kommission fordert, dass Apple seine Interoperabilitätspflichten während der Einführung der neuen Technologie aussetzt, die Frist aber als Aufschub der DMA-Pflichten insgesamt versteht. Apple hingegen sieht die Übergangsphase als technisch notwendig, um den Trusted System Agent überhaupt entwickeln und ausrollen zu können.
Laut zwei mit den Gesprächen vertrauten Personen, die in der Financial Times zitiert werden, ging es bei dem Treffen auch darum, wie Apple das runderneuerte Siri in Europa einführen kann. Die neue KI-Siri ist zunächst für Nutzerinnen und Nutzer in den USA geplant, nicht für EU-Mitgliedstaaten. Allerdings soll Siri AI in der EU auf anderen Plattformen als iOS und iPadOS erscheinen, darunter macOS, watchOS und visionOS.
Was das Treffen auch gezeigt hat: Cook wird möglicherweise auch nach seinem bevorstehenden Rückzug als CEO weiterhin persönlich in Apples weltweite Regierungsbeziehungen involviert bleiben. Der Druck auf den Konzern ist auch deshalb hoch, weil die US-Regierung unter Donald Trump die EU-Digitalregulierung kritisiert und mit Gegenmaßnahmen einschließlich Zöllen gedroht hat, sollte die EU US-Unternehmen durch unfaire Strafen benachteiligen.
Politischer Kontext und Ausblick
Schon kurz nach einem öffentlichen Statement von Tim Cook, dass die Knappheit von Speicherchips zu Preissteigerungen führen könnte, schnalzten die Preise für MacBooks und Macs spürbar nach oben. Das alleinige Konzept des Trusted System Agent reichte der EU dem Vernehmen nach nicht aus, um Apple eine Einführung von Siri AI in Europa zu erlauben.
Der Konflikt zwischen Apple und der EU-Kommission dürfte die Diskussion über die Auslegung des Digital Markets Act prägen, an der auch andere Tech-Konzerne ein großes Interesse haben. (Alexander Amon, 1.7.2026)
Fragen & Antworten
Warum führt Apple die neue Siri AI in der EU nicht ein?
Apple begründet den Verzicht mit Vorgaben des Digital Markets Act, die Drittanbietern wie OpenAI oder Anthropic denselben Gerätezugriff wie Siri AI erlauben müssten – andernfalls drohen laut Apple Millionenstrafen.
Was ist der "Trusted System Agent"?
Der Trusted System Agent ist eine von Apple vorgeschlagene Software-Zwischeninstanz, die Drittanbieter-KI-Modellen Zugriff auf dieselben Funktionen wie Siri AI geben soll, ohne ihnen vollen Zugriff auf das Apple-Gerät zu gewähren.
Wer hat aufseiten der EU an dem Gespräch mit Tim Cook teilgenommen?
Aufseiten der EU führte die für Technologie zuständige Kommissarin Henna Virkkunen das virtuelle Gespräch, das laut mehreren Medienberichten als konstruktiv beschrieben wurde.
Apple Siri AI EU: Gespräch zwischen Cook und Virkkunen | nachrichten360