Amazon Leo erreicht mit 396 Satelliten Schwelle für kontinuierlichen Internetdienst
Cape Canaveral, 03 Juli 2026
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Kurzfassung
Amazon hat mit seiner achten und letzten Atlas-V-Mission 29 weitere Leo-Satelliten in eine Erdumlaufbahn gebracht. Damit verfügt die Konstellation nun über 396 Satelliten, was laut dem Unternehmen für einen ersten kontinuierlichen Internetdienst ausreicht. Die kommerzielle Verfügbarkeit des Satelliteninternets soll noch in diesem Jahr starten.
Cape Canaveral, 03 Juli 2026
Amazon hat am Donnerstag mit einer Atlas-V-Rakete 29 weitere Satelliten für sein Internetnetzwerk Leo in eine niedrige Erdumlaufbahn gebracht und damit nach eigenen Angaben die für einen kontinuierlichen Dienst nötige Mindestanzahl erreicht.
Der Start erfolgte vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral aus, wie das Unternehmen mitteilte. Die Satelliten wurden in einer Höhe von rund 465 Kilometern ausgesetzt. Anschließend sollen sie auf 630 Kilometer angehoben werden, um von dort aus den Internetdienst zu unterstützen. Mit dem Flug von United Launch Alliance (ULA) summiert sich die Zahl der im All befindlichen Leo-Satelliten nach Amazons fortlaufend aktualisierter Missionsübersicht auf 396.
„Mit mehr als 100 gesicherten Starts reservierte der Konzern dafür bereits einen großen Teil der nötigen Transportkapazität“, hieß es. Im März hatte Amazon angekündigt, die Startfrequenz deutlich zu erhöhen. Die nun abgeschlossene Atlas-V-Serie umfasste insgesamt 14 Missionen und brachte 224 Leo-Satelliten in den Orbit. „Insgesamt brachte diese Startserie 224 Leo-Satelliten in den Orbit“, erklärte das Unternehmen.
Startkapazität und Vorbereitung
Chris Weber, der bei Amazon Leo für Geschäft und Produktentwicklung zuständig ist, erklärte auf der Kurznachrichtenplattform X: „Last few launches were big for @AmazonLeo - bringing us to 390+ satellites deployed, enough to support continuous service across initial latitudes. Still lots of work ahead - including raising all these new satellites to their assigned altitude - but we've completed enough…“ Damit sei der Dienst bereit, in den anfänglich anvisierten Breitengraden eine kontinuierliche Versorgung anzubieten.
„Der jüngste Zuwachs stammt aus Amazons achter und letzter Atlas-V-Mission für Leo“, hieß es weiter. Bei dem Flug mit United Launch Alliance (ULA) kamen 29 weitere Satelliten hinzu. Sie werden zunächst auf rund 465 Kilometern getestet „und anschließend auf 630 Kilometer angehoben. Von dort aus sollen sie später den Internetdienst Amazons unterstützen“, erklärte Amazon.
Die US-Regulierungsbehörde FCC hatte Amazon im Jahr 2020 zunächst eine Konstellation mit 3.236 Satelliten genehmigt. „Nach späteren Anpassungen umfasst die aktuelle Gen1-Genehmigung 3.232 Satelliten.“ Damit ist Leo nach Starlink und einer weiteren Konstellation das drittgrößte Satellitennetz im All. „Gemessen an den 396 ausgesetzten Satelliten fehlen Amazon damit noch 2.836 Einheiten bis zur regulatorischen Zielmarke“, hieß es.
Fristen und Ausnahmen der FCC
Ursprünglich hätte bis Ende Juli 2026 die Hälfte der genehmigten Satelliten in Betrieb sein sollen. „Eigentlich sollte bis Ende Juli 2026 die Hälfte davon in Betrieb sein“, erläuterte Amazon. Die Frist für den vollständigen Ausbau bis Ende Juli 2029 bleibt aber bestehen. Anfang Juni gewährte die Behörde dem Konzern jedoch eine begrenzte Ausnahme, „im öffentlichen Interesse“, wie die FCC erklärte. „Eine weitere große Satelliteninternetkonstellation neben Starlink liegt aus Sicht der FCC im öffentlichen Interesse“, hieß es zur Begründung.
Amazon hat nun bis Juli 2028 Zeit, die erste Hälfte der Satelliten zu starten. Sollte das Unternehmen diese Frist verfehlen, verliert es für nach dem 31. Juli 2026 gestartete Satelliten den bevorzugten Zugang zu Frequenzen, bis entweder die Hälfte der Konstellation erreicht ist oder der 30. März 2028. Die vollständige erste Generation muss laut Lizenz bis zum 30. Juli 2029 fertiggestellt sein.
Melissa Wuerl, Director of Launch Systems bei Amazon Leo, betonte die Vorbereitungen für die nächste Raketengeneration: „Mit Hunderten flugbereiten Satelliten am Startplatz (Cape Canaveral) und einer neuen, speziell für Leo eingerichteten Anlage zur vertikalen Integration, die für die Mission ‚Leo Vulcan 1‘ und nachfolgende Flüge bereitsteht, haben wir einen klaren Plan, um die Start- und Ausbaufrequenz zu erhöhen“. „Parallel macht Amazon in Florida weitere Satelliten für den ersten Vulcan-Start und spätere Missionen startklar“, hieß es.
Nächste Schritte mit der Vulcan-Rakete
Nach dem Ende der Atlas-V-Flüge rückt bei ULA die Schwerlastrakete Vulcan in den Mittelpunkt. „Unsere nächste Leo-Mission mit United Launch Alliance (ULA) wird mit der neuen Schwerlastrakete Vulcan durchgeführt; diese kann noch größere Leo-Nutzlasten transportieren und wird uns helfen, die Ausbaurate zu steigern“, sagte ein Sprecher. „Sie soll zunächst 40 Leo-Satelliten pro Mission tragen, elf mehr als die vergangenen Atlas-V-Starts“, ergänzte das Unternehmen.
Neben ULA hat Amazon Startkapazität bei Blue Origin, ArianeGroup und dem Wettbewerber SpaceX gebucht. SpaceX betreibt bereits mehr als 10.000 Starlink-Satelliten und bedient nach eigenen Angaben weltweit mehr als fünf Millionen Kundinnen und Kunden mit schnellem Breitbandinternet. Amazon plant, den Dienst, „den lange unter dem Namen Project Kuiper entwickelten Dienst“, noch in diesem Jahr kommerziell verfügbar zu machen.
Wettbewerb mit Starlink und Investitionen
Das Investitionsprogramm des Konzerns für 2026 beläuft sich nach Konzernangaben auf rund 200 Milliarden US-Dollar, vor allem für Rechenzentren und KI-Infrastruktur bei AWS. Der bekannte Investitionsrahmen für das gesamte Leo-Projekt liegt bei rund zehn Milliarden US-Dollar. Am Donnerstag schloss die Amazon-Aktie an der NASDAQ mit einem Plus von 0,4 Prozent bei 242,67 US-Dollar; die Marktkapitalisierung lag bei 2,61 Billionen US-Dollar, womit Amazon vor SpaceX mit 2,14 Billionen US-Dollar rangierte.
Amazon hatte ursprünglich geplant, die ersten Internetsatelliten bereits Ende 2022 zu starten. Im zweiten Halbjahr 2023 begann der Konzern mit dem Start zweier Prototypen, um die Funktionstüchtigkeit des Systems zu testen. Ende April 2025 folgten dann die ersten 27 Kuiper-Internetsatelliten. Im April 2026 kündigte Amazon zudem die Übernahme des Satellitenbetreibers Globalstar an, wodurch der Konzern auch Apples 20-Prozent-Anteil an Globalstar erwerben und Konnektivität für iPhone und Apple Watch anbieten will.
Fragen & Antworten
Wer ist Chris Weber bei Amazon Leo?
Chris Weber ist bei Amazon Leo für Geschäft und Produktentwicklung zuständig und leitet das Leo-Projekt aus dieser Funktion heraus. Er erklärte, dass die aktuelle Satellitengruppe ausreiche, um in den anfänglich anvisierten Breitengraden einen kontinuierlichen Dienst anzubieten.
Warum hat die FCC Amazon eine Fristverlängerung gewährt?
Die US-Regulierungsbehörde FCC gewährte Amazon Anfang Juni 2025 eine begrenzte Ausnahme von der ursprünglichen Frist, die Hälfte der genehmigten Satelliten bis Ende Juli 2026 in Betrieb zu nehmen. Sie begründete dies damit, dass eine weitere große Satelliteninternetkonstellation neben Starlink im öffentlichen Interesse liege.
Was plant Amazon als nächstes mit der Vulcan-Rakete?
Nach dem Ende der Atlas-V-Flüge wird United Launch Alliance die Schwerlastrakete Vulcan einsetzen, die zunächst 40 Leo-Satelliten pro Mission transportieren soll, elf mehr als die bisherigen Atlas-V-Starts. Die Mission „Leo Vulcan 1“ soll zusammen mit der neuen Anlage zur vertikalen Integration in Cape Canaveral die Ausbaufrequenz erhöhen.
Amazon Leo: 396 Satelliten im All – Service-Start 2026 | nachrichten360