Alan Greenspan ist tot: Fed-Chef stirbt mit 100 Jahren an den Folgen einer Parkinson-Erkrankung
Washington, 22. Juni 2026
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Kurzfassung
Der Vorsitzende der US-Notenbank Federal Reserve, Alan Greenspan, ist im Alter von 100 Jahren gestorben. Er prägte die amerikanische Geldpolitik über fast zwei Jahrzehnte und war unter vier Präsidenten im Amt.
Der frühere US-Notenbankchef Alan Greenspan ist am Montag im Alter von 100 Jahren in seinem Haus an den Folgen einer Parkinson-Erkrankung gestorben, wie NBC News unter Berufung auf seine Frau Andrea Mitchell berichtete.
Bestätigung durch die Federal Reserve
Die Federal Reserve bestätigte den Tod ihres Vorsitzenden. "Die Federal Reserve nimmt mit tiefer Trauer den Tod von Alan Greenspan zur Kenntnis", hieß es in einer Mitteilung der Notenbank. Greenspan, der von 1987 bis 2006 der 13. Vorsitzende des Gouverneursrats der Fed war, habe "eine strenge analytische Disziplin in die geldpolitische Entscheidungsfindung" gebracht. Zudem habe er geholfen, "die Glaubwürdigkeit zu etablieren, die nachhaltig zu den wichtigsten Vermögenswerten der Federal Reserve zählt".
Wirtschaftliche Bilanz einer langen Amtszeit
Wie die Washington Post unter Berufung auf Greenspans Frau berichtete, starb der Ökonom an den Folgen seiner Parkinson-Erkrankung. Die Familie habe den Tod am Montag bekannt gegeben, hieß es weiter. Der Notenbankchef hatte in seinen fünf Amtszeiten immer wieder bewusst vermieden, sich konkret festzulegen. Auch seine Kommunikation hatte großen Einfluss auf die Finanzmärkte. Greenspan hat den modernen amerikanischen Kapitalismus von den letzten Jahren des Kalten Krieges bis zum Beginn des digitalen Zeitalters mitgeprägt.
Greenspan leitete die Notenbank während einer der längsten Wirtschaftsexpansionen in der Geschichte der USA, eines Booms, der von 1991 bis 2001 dauerte. Unter seiner Führung steuerte die Federal Reserve zudem durch das Platzen der Dotcom-Blase und die unmittelbaren Folgen der Terroranschläge vom 11. September 2001. In dieser Zeit galt er als eine der einflussreichsten Persönlichkeiten der internationalen Finanzpolitik.
Unabhängigkeit der Notenbank verteidigt
Als wichtigste Leistung Greenspans gilt die Verteidigung der Unabhängigkeit der Notenbank. Anfang der neunziger Jahre widerstand er dem Druck von Präsident George Bush senior, die Zinsen zu senken. Dieser Schritt festigte seinen Ruf als jemand, der geldpolitische Entscheidungen gegen politische Einflussnahme absicherte.
Kritik nach der Finanzkrise 2007
Greenspan war Befürworter der Deregulierung des Finanzsektors. Nach seinem Rücktritt geriet Greenspan wegen der Finanzkrise ab 2007 in die Kritik. Gegner warfen ihm vor, mit einer langen Phase tiefer Zinsen Spekulationsblasen begünstigt zu haben. Später räumte er Fehleinschätzungen ein.
Der legendäre "Fedspeak"
Der legendäre Notenbankchef hatte es in seiner langen Amtszeit immer wieder bewusst vermieden, sich konkret festzulegen. Er prägte mit seiner oft kryptisch anmutenden Kommunikation einen ganz eigenen Stil bei der Federal Reserve, der unter dem Begriff "Fedspeak" bekannt wurde. Diese Art der absichtlichen Verschleierung von Absichten wurde auch als "Kunst der Obfuskation" beschrieben.
Vom Musikstudenten zum Notenbankchef
Greenspan wurde 1926 geboren und war damit zum Zeitpunkt seines Todes 100 Jahre alt. Nach einem Musikstudium wechselte er zur Volkswirtschaft und machte sich als Wirtschaftsberater einen Namen. 1974 übernahm er den Vorsitz des Council of Economic Advisers.
Vor seiner Zeit an der Spitze der Notenbank baute sich Greenspan einen Ruf als einflussreicher wirtschaftspolitischer Berater auf. Er beriet mehrere republikanische Präsidenten und galt als jemand, der komplexe wirtschaftliche Zusammenhänge in klare Handlungsempfehlungen übersetzen konnte. Dieser Ruf ebnete ihm den Weg an die Spitze der mächtigsten Zentralbank der Welt.
Greenspans Amtszeit dauerte insgesamt rund 19 Jahre und machte ihn zu einem der am längsten amtierenden Fed-Chefs der Geschichte. In dieser Zeit erlebte die US-Wirtschaft Phasen erheblicher Umbrüche: vom Ende des Kalten Krieges über die Globalisierung der Finanzmärkte bis hin zum Aufstieg der Digitalwirtschaft. Die US-Notenbank wird als die einflussreichste Zentralbank der Welt beschrieben.
Reaktionen und Verbreitung der Nachricht
Die Nachricht von Greenspans Tod wurde zuerst von NBC News am Montag verbreitet und später von Reuters am 22. Juni 2026 sowie im Programm Deutschlandfunk am 22.06.2026 aufgegriffen. Die Meldung wurde zudem von der Nachrichtenagentur dpa-AFX verbreitet, wie aus dem verbreiteten Bericht aus Washington hervorgeht.
Die Federal Reserve erklärte, Greenspans "Beiträge zur Geldpolitik und zur wirtschaftswissenschaftlichen Theorie haben diese Institution, die Wirtschaftswissenschaften im Allgemeinen sowie das Land nachhaltig geprägt". Mit diesen Worten würdigte die Notenbank einen ihrer prägendsten Vorsitzenden.
Greenspans wirtschaftspolitische Überzeugungen, insbesondere sein Eintreten für freie Märkte und eine zurückhaltende Regulierung des Finanzsektors, beeinflussten nicht nur die Geldpolitik, sondern auch die politische Debatte in den USA über Jahrzehnte. Seine Auftritte vor dem Kongress galten als regelrechte Ereignisse, bei denen seine Wortwahl von Analysten und Investoren aufmerksam analysiert wurde.
Greenspans wirtschaftliche Überzeugungen und sein politischer Einfluss machten ihn international zu einer der meistbeachteten Stimmen der globalen Finanzpolitik. Ökonomen, Politiker und Marktteilnehmer werden sein Wirken auch nach seinem Tod weiter diskutieren.
Sein Tod markiert das Ende einer Ära der US-Geldpolitik, die maßgeblich durch Greenspans vorsichtigen, oft schwer zu durchschauenden Kommunikationsstil geprägt war. Sein Nachfolger und die nachfolgenden Fed-Chefs mussten sich immer wieder an seinem Erbe messen lassen.
Fragen & Antworten
Wer war Alan Greenspan?
Alan Greenspan war von 1987 bis 2006 der 13. Vorsitzende des Gouverneursrats der US-Notenbank Federal Reserve und leitete die Geldpolitik über fünf Amtszeiten unter vier Präsidenten.
Woran starb Alan Greenspan?
Alan Greenspan starb im Alter von 100 Jahren in seinem Haus an den Folgen einer Parkinson-Erkrankung, wie die Washington Post unter Berufung auf seine Frau Andrea Mitchell berichtete.
Warum wurde Greenspan nach seinem Ausscheiden kritisiert?
Nach seinem Rücktritt geriet Greenspan wegen der Finanzkrise ab 2007 in die Kritik; Gegner warfen ihm vor, mit einer langen Phase tiefer Zinsen Spekulationsblasen begünstigt zu haben, was er später als Fehleinschätzung einräumte.
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