US-Notenbank hält Leitzins unter neuem Chef Warsh stabil
Washington, 17 Juni 2026
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Kurzfassung
Die US-Notenbank Federal Reserve hat ihren Leitzins unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh unverändert gelassen. Die zwölf stimmberechtigten Mitglieder entschieden am Mittwoch einstimmig, den Zinssatz in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent zu belassen.
Washington, 17 Juni 2026
Die US-Notenbank Federal Reserve hat unter ihrem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh den Leitzins unverändert gelassen und damit die Forderungen von US-Präsident Donald Trump nach sofortigen Zinssenkungen zurückgewiesen.
Einmütiger Beschluss bei hoher Inflation
Die US-Notenbank Federal Reserve hat unter ihrem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh den Leitzins unverändert gelassen und damit die Forderungen von US-Präsident Donald Trump nach sofortigen Zinssenkungen zurückgewiesen. Der Beschluss der zwölf zuständigen Notenbankmitglieder fiel am Mittwoch einstimmig. Damit bleibt der Leitzins in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent – ein Niveau, das die Fed seit Dezember vergangenen Jahres hält.
Es ist die erste Zinsentscheidung unter der Leitung des neuen Fed-Chefs Kevin Warsh. Warsh hatte Ende Mai die Nachfolge des langjährigen Fed-Chefs Jerome Powell angetreten. Der 56-Jährige war von Trump in das Amt berufen worden, wobei Warsh laut US-Medien offen für niedrigere Leitzinsen gelten soll – zur Freude Trumps. Tatsächlich aber hielt die Fed den Kurs zunächst stabil.
Die Entscheidung der Fed fiel angesichts deutlich gestiegener Verbraucherpreise in den USA. Die Inflation war durch den Ölpreisschock im Iran-Krieg im Mai auf ein Drei-Jahres-Hoch von 4,2 Prozent gestiegen – damit weit über dem von der Fed angestrebten Ziel von zwei Prozent. Warsh sagte im Anschluss an die Sitzung, die Fed werde weiterhin „für Preisstabilität sorgen", wie es ihr Mandat vorsehe.
Energiepreise als Haupttreiber der Teuerung
Die Folgen des Iran-Kriegs, der Blockaden in der Straße von Hormus und der dadurch eingeschränkten globalen Energieversorgung haben die Teuerung kräftig angeheizt. Im Mai lagen die Energiepreise in den USA um 23,5 Prozent über dem Vorjahreswert, Benzin verteuerte sich besonders deutlich – um rund 40 Prozent. Unternehmen müssen nach Angaben aus den Fakten derzeit deutlich mehr für Öl, Gas und Düngemittel ausgeben.
Die Geldpolitik soll laut Fed unabhängig von politischen Einflüssen entscheiden und dabei Inflation sowie Vollbeschäftigung in Einklang bringen. Dass die Notenbank die Preisstabilität in ihrem Statement anlässlich des Zinsentscheids ganz klar an die erste Stelle gestellt habe, wertete Thomas Altmann, Chef-Portfoliomanager bei QC Partners, als deutliches Signal.
Zugleich zeigte sich der Arbeitsmarkt robuster als erwartet. Im Mai stieg die Beschäftigung in den USA überraschend um 172.000 Stellen, fast doppelt so viel wie von Experten prognostiziert. Das sprach gegen eine Lockerung der Geldpolitik. Die Fed erwartet für das laufende Jahr nun ein Wirtschaftswachstum von 2,2 Prozent, nachdem sie zuvor 2,4 Prozent angenommen hatte. Die Wachstumserwartungen für das Folgejahr liegen weiterhin bei 2,3 Prozent.
Unter Warsh revidierte die Notenbank zudem ihre Inflationserwartungen deutlich nach oben. Für das laufende Jahr wird nun eine Teuerungsrate von 3,6 Prozent erwartet. Im März, kurz nach Beginn des Iran-Kriegs, waren die Fed-Experten noch von 2,7 Prozent ausgegangen. Eine Zinssenkung in nächster Zeit erscheint damit unwahrscheinlich. Stattdessen scheint eine straffere Geldpolitik im Jahresverlauf wahrscheinlicher, um die Inflation in den Griff zu bekommen.
Diese Erwartung schlägt sich auch in den Projektionen der Notenbankmitglieder nieder. Bei einer Befragung von 18 Mitgliedern rechneten 9 mit mindestens einer Zinserhöhung um 25 Basispunkte im weiteren Jahresverlauf. Sechs davon stellen sich sogar eine noch umfangreichere Straffung vor. Acht weitere Mitglieder gehen davon aus, dass die Zinspause über das gesamte Jahr 2026 hinweg anhält. Lediglich ein einziges Mitglied hält eine Zinssenkung für wahrscheinlich. Damit ist der erwartete Pfad der Fed klar nach oben gerichtet.
Reformkurs und Kommunikationswandel
Warsh kündigte Reformen in fünf Schlüsselbereichen an, die nach seinen Worten einen „frischen Blick" benötigen. Umgestalten will Warsh zudem die Bilanz der Fed, die Nutzung von Datenquellen, ihren Umgang mit den Themen Produktivität und Beschäftigung sowie mit der Inflation. Dazu setzte er Arbeitsgruppen ein, die bis spätestens zum Jahresende Ergebnisse vorlegen sollen. Zudem erwägt er „neue Datenquellen" aus dem privaten Sektor einzubeziehen, da er die aktuellen Daten auf „altmodischen Befragungsmethoden" basierend sieht. Außerdem will die neue Fed-Spitze die Kommunikation der Notenbank ändern und weniger öffentliche Stellungnahmen zu künftigen Zinsentscheidungen abgeben.
Warsh bekräftigte zugleich vor Journalisten seine Absicht, einen Kurswechsel bei der Fed herbeizuführen und ein „neues Kapitel" aufzuschlagen. Derzeit gilt Warsh eigentlich als „Inflation Hawk" und tendiert eher zu einer restriktiveren Geldpolitik, um die Inflation in den Griff zu bekommen. Der KfW-Experte Stephan Bales sah Warsh deshalb vor einem „Balanceakt". Das lasse „Zinssenkungen auf absehbare Zeit unwahrscheinlich erscheinen", erklärte Bales. Auf sinkende Zinsen, die Aktien gegenüber Anleihen stützen würden, müssten Anleger wohl bis zum Jahr 2028 warten.
Bernd Weidensteiner, Volkswirt bei der Commerzbank, hält einen Zinsschritt nach oben ebenfalls für unwahrscheinlich: „Wir halten einen solchen Schritt weiter für unwahrscheinlich." Allerdings sieht auch er mittelfristig ein Risiko: Warsh laufe damit Gefahr, dass sich sein Verhältnis mit Präsident Trump deutlich abkühlt, wenn er die von diesem geforderten Zinssenkungen nicht umsetzen könne.
Bereits vor Warshs Amtsantritt hatte Trump deutlich gemacht, was er von seinem neuen Notenbankchef erwartet: sollte Warsh die Zinsen nicht „sofort" senken, wäre er sehr enttäuscht. Trump hatte die unabhängige Notenbank immer wieder vergeblich zu kräftigen Zinssenkungen gedrängt. Auch versicherte Trump, er werde keinen Druck auf den Fed-Chef ausüben. Präsident Trump geht mit seinen Forderungen nach Zinssenkungen leer aus.
Politischer Druck und Unabhängigkeit der Notenbank
Der vorherige Fed-Chef Jerome Powell war wiederholt Ziel von Trumps Angriffen gewesen. Trump hatte Powell immer wieder als „Versager" beschimpft, weil er sich nicht für die gewünschte Absenkung des Leitzinses einsetze. Zudem beleidigte Trump ihn als „Schwächling". Angeblich auf Trumps Initiative hin hatten Justizbehörden Ermittlungen gegen Powell wegen angeblich überhöhter Kosten bei der Renovierung des Fed-Gebäudes in Washington eröffnet. Powell sagte, er werde so lange als Gouverneur ausharren, bis die Untersuchung gegen ihn „endgültig und transparent abgeschlossen" sei.
Solange Powell im Amt bleibt, kann Trump keinen weiteren Kandidaten auf den Führungsgremiumsposten der Fed setzen. Powell hat eine separate Amtszeit als Mitglied des Board of Governors, die bis Januar 2028 läuft. Damit blockiert Powell Trumps Möglichkeit, eine weitere Person in das siebenköpfige Führungsgremium der Fed zu berufen. Powell dürfte es Warsh zudem schwer machen, Zinssenkungen durchzubringen.
Märkte und Ausblick
Die US-Notenbank steht unter massivem Druck. Seit Trumps erneuter Amtseinführung im Januar 2025 sieht sich die Fed einem beispiellosen Druck zur Senkung des Leitzinses ausgesetzt. Niedrigere Zinsen würden die Wirtschaft ankurbeln, Amerikanern den Hauskauf erleichtern und die Zinslast der US-Staatsschulden verringern. Ökonomen fürchten, dass Trump über Warsh erheblichen Einfluss auf derartige Entscheidungen nehmen und indirekt eine lockerere Geldpolitik forcieren könnte. Die oppositionellen Demokraten werfen Trump vor, die Unabhängigkeit der Notenbank zu untergraben.
Unterdessen hat auch die Europäische Zentralbank reagiert: Die EZB hob ihren Einlagensatz um 0,25 Prozentpunkte auf 2,25 Prozent an – die erste Zinserhöhung seit 2023, begründet mit der inflatorischen Wirkung des Iran-Kriegs. An den Märkten reagierten die Kurse entsprechend. Der Dow Jones Industrial fiel um 0,98 Prozent auf 51.492,55 Punkte, der S&P 500 verlor 1,21 Prozent auf 7.420,10 Zähler. Der Nasdaq 100 gab um 0,99 Prozent auf 29.670,95 Punkte nach. Der DAX schloss bei 24.934,67 Punkten leicht im Plus. Bitcoin notierte auf Bitstamp bei 63.767 Dollar, ein Minus von 1,05 Prozent. Ein Marktteilnehmer sieht eine Zinserhöhung im Oktober unter Warsh mittlerweile als realistisch an.
Fragen & Antworten
Wer ist Kevin Warsh und welche Rolle übernimmt er bei der Fed?
Kevin Warsh ist der neue Vorsitzende der US-Notenbank Federal Reserve. Er folgte Ende Mai auf Jerome Powell und leitete am Mittwoch seine erste Zinsentscheidung. Zuvor war er bereits bis 2011 Mitglied des Board of Governors der Fed.
Warum hat die Fed den Leitzins nicht gesenkt?
Die Fed ließ den Leitzins stabil, weil die Inflation zuletzt auf 4,2 Prozent gestiegen war – deutlich über dem Ziel von zwei Prozent. Auslöser waren die Folgen des Iran-Kriegs und der Blockaden in der Straße von Hormus, die die Energiepreise stark angetrieben haben.
Wie reagierten die Märkte auf die Zinsentscheidung?
Die US-Börsen gaben überwiegend nach: Der Dow Jones verlor 0,98 Prozent, der S&P 500 1,21 Prozent und der Nasdaq 100 0,99 Prozent. Der DAX schloss hingegen leicht im Plus bei 24.934,67 Punkten.